11:18:49 | Donnerstag, 13. April 2006
Viele katholische Weblogger – also Leute, die im Internet eine persönliche Homepage mit Leserkommentaren betreiben – stoßen immer wieder auf eine Frage: Wer ist eigentlich unser Schutzpatron?
(kreuz.net) Wie immer habe er monatelang gewartet – so der
englischsprachige, katholische Weblogger Tommissar –
bevor er jetzt offiziell seine Position darlege.
Tommissar begründet seine Wartezeit nicht ohne eine
gesunde Portion Selbstvertrauen: „Sobald ich einmal zu einem Thema gesprochen habe, ist – wie wir alle
wissen – aufgrund der einleuchtenden Klarheit meiner Argumentation jede ernstzunehmende Diskussion beendet.“
Sprach’s und stellt den Patron der Betrieber von Weblogs vor:
Bild von Pontius Pilatus.
Unterschrift:
Pontius Pilatus, Patron der Blogger
Die Fakten, die er vorzubringen gedenke, seien so offensichtlich,
daß dem geneigten Leser nur ein Kommentar bleibe: „Wie konnten wir das übersehen? Es ist so klar wie
Kloßbrühe. Und wieder bringst du uns das Licht, auf daß wir hingehen ohne zu fallen.“
Es gebe viele
Gründe, warum ausgerechnet Pontius Pilatus für die Weblogger zuständig sei. Die erste Bibelstelle,
die das beweise, sei:
Joh 18.35: Pilatus entgegnete: Bin ich denn ein Jude? Dein eigenes Volk und die
Hohenpriester haben dich an mich ausgeliefert. Was hast du getan?Pilatus sei – ähnlich wie die Weblogger –
in keiner Weise qualifiziert, zum vorliegenden Thema ein Urteil abzugeben, bemerkt Tommissar:
„Pilatus
ist kein Jude, weiß nichts über den Tempel und das Gesetz, die Schriften der Propheten und die Weissagungen
über den Messias.“ Jedoch sei er schon nach einer kurzen Anhörung der jüdischen Abgesandten und nach
einem fünfminütigen Gespräch mit Christus – er hat immer noch keine Ahnung. Siehe:
„Was ist Wahrheit?“ –
bereit, zu entscheiden:
Joh 18.38: Nachdem er das gesagt hatte, ging er wieder zu den Juden hinaus und
sagte zu ihnen: Ich finde keinen Grund, ihn zu verurteilen.Pilatus habe sich während einer knappen
Stunde mit Wissen eingedeckt – an dem Experten vor ihm seit Generation herumtüftelten. Anschließend
beschloß er, seine Meinung zu posten – damals noch mit Hilfe eines Sklaven, eines Hammers und des Kreuzes
Christi:
Joh 19.19: Pilatus ließ auch ein Schild anfertigen und oben am Kreuz befestigen. Die Inschrift
lautete: Jesus von Nazaret, der König der Juden.Daraufhin vergehen – wie Tommissar scharf beobachtet –
keine zehn Sekunden und schon reichen die ersten Leser durch Postings bereits Beschwerde ein:
Joh 19.21
Die Hohenpriester der Juden sagten zu Pilatus: Schreib nicht: Der König der Juden, sondern daß er gesagt
hat: Ich bin der König der Juden.Doch Pilatus denkt – wie ein echter Weblogger – überhaupt nicht daran,
auch nur eine Silbe zurückzunehmen:
Joh 19.22 Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, bleibt geschrieben.
Zwar wisse niemand, wie es um das ewige Schicksal von Pilatus bestellt sei. So oder so sei aber anzunehmen,
daß seine Meinung am himmlischen Hof ohne nennenswerten Einfluß sei. Auch in diesem Punkt gebe es Parallelen
zu den Postings der Weblogger.
Zusammenfassend läßt sich sagen: Pontius Pilatus hat keine Ahnung, postet
aber trotzdem, bekommt prompt Ärger und Kommentare von seinen Lesern, bleibt nichtsdestotrotz bei seiner
Meinung und kann am Schluß trotzdem nichts bewegen.
Für den Weblogger ist klar: „Einer wie wir.“
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#4
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#3
centesimus annus 02:34:10 | Freitag, 14. April 2006
#2
Peccator 14:38:29 | Donnerstag, 13. April 2006
#1
centesimus annus 11:33:13 | Donnerstag, 13. April 2006