[ « 343 344 345 346 347 » ]
Mittwoch, 12. April 2006 14:11
Polnische Priesterexporte
In der Heimat von Papst Johannes Paul II. gibt es immer noch einen ungebrochenen Boom von Priesterberufungen.
(kreuz.net) Allein aus der Erzdiözese Krakau im Süden des Landes sind in den letzten Monaten 62 Priester ausgereist, um irgendwo in der Welt eine neue pastorale Arbeit anzunehmen.

Das berichtete die häufig kirchenfeindliche britische Tageszeitung ‘The Guardian’ am 15. März.

Bis zu seiner Wahl zum Papst im Jahr 1978 wurde die Erzdiözese Krakau von Karol Kardinal Wojtyla geleitet. Gegenwärtig ist dort sein engster Vertrauter und jahrzehntelanger Privatsekretär, Stanislaw Kardinal Dziwisz, Erzbischof.

Viele Priester aus Krakau reisen gegenwärtig nach Großbritannien aus. Dort gibt es nicht nur einen großen einheimischen Priestermangel, sondern auch schnell wachsende Gemeinschaften von polnischen Gastarbeitern. Darum lernen viele polnischen Priester gegenwärtig Englisch.

Es gibt sogar Geistliche, die über das Wochenende mit Billigfluglinien nach Großbritannien reisen, um dort Aushilfe zu leisten.

Das Problem des Priestermangels betrifft nicht nur Großbritannien. In ganz Europa fällt die bereits düstere Zahl von Berufungen immer noch ungebrochen.

Im urkatholischen Irland wurden in den vergangenen zwei Jahrzehnten sieben von acht Priesterseminarien zugesperrt.

Der Erzbischof von Edinburgh und St. Andrew, Keith Kardinal O’Brien, sieht eine Berufungskrise: „Junge Männer hier scheinen die Herausforderung des Priestertums und seine Rolle in der Gemeinschaft – die viel größer ist als jemals vorher – nicht zu erkennen.“

Nach den Worten des Kardinals fehlt der Nachwuchs auch in der katholischen Bevölkerung:

„Wenn ein Ehepaar heute zwei Kinder besitzt, ist es weniger wahrscheinlich, daß sie einen von ihnen ermutigen, Priester zu werden, als wenn sechs, sieben oder acht Kindern vorhanden sind.“

Polen ist das einzige europäische Land, wo die Berufungen wachsen. Die polnischen Berufungen umfassen ein Viertel aller Eintritte in europäische Priesterseminarien. Alleine in der Erzdiözese Krakau studieren zur Zeit 240 Seminaristen.

Nach einem Einbruch in den 90er Jahren sind die Zahlen im Heimatland von Papst Johannes Paul II. wieder am Steigen. Im Jahr 1998 waren es 4.500 Eintritte, im letzten Jahr 7.100.

Nicht nur bezüglich der Eintrittszahlen, sondern auch in der Art, wie sie geführt werden, unterscheiden sich polnische Priesterseminarien von den Priesterausbildungsstätten in Westeuropa wie der Tag von der Nacht.

Für die polnischen Seminaristen in ihren schwarzen Talaren beginnt der Tag um 5.30 Uhr mit der Betrachtung in der Kapelle und der Heiligen Messe. Es herrscht eine rigorose Disziplin und die Seminaristen können schon wegen geringer Vergehen des Hauses verwiesen werden.
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 14 Lesermeinungen:
Donnerstag, 13. April 2006 18:24
Athanasius: @Hornist
Ihre Einschätzung zur persönlichen Seelsorge, was der hl. Beichte und Hilfe bei psychischen Störungen angeht, teile ich wohl. Zu wenig Kenntnisse der Sprache der Gläubigen können der Seelsorge schaden. Dennoch haben Missionare in Afrika diese Hindernisse auch überwunden. Anpassung gibt es auch noch. Und für Polen ist Deutschland zwar der böse Nachbar, aber dennoch der Nachbar.

Ihr Resumé zur traditionellen priesterlichen Ausbildung ist deutlich von einem unrealistischen Denken, das Axiomen gegen den katholischen Glauben folgt, geprägt. Zölibatäre können sich durchaus eindenken, was es bedeutet Familienprobleme zu haben. Ihre Vorurteile und „Einwände“ sind von einem nichtkatholischen Geist geprägt. Und Priester in einem seriösen Seminar lernen alles zur Biologie der Sexualität, einiges zur Psychologie, und ein verfeintes System der katholischen Moraltheologie. Leider werden ihre Kenntnisse in Zweifel gezogen und von Leuten wird die katholische Ehemoral verworfen. Dá gibt es dann nur noch wenig „zu empfehlen“ und „Seelsorge zu leisten“. Priester sind ja uch da für Gläubige, nicht für Einwohner eines Dorfes als lediglicher Sozialarbeiter. Ihre Ausbildung wird aber von Ihnen lächerlich gemacht, was nicht der Realität entspricht, sondern nur marxistischen und liberalistischen Vorurteilen.

Das System der Moral wird aber auch in den Seminaren des heutigen Polens schon früh von der modernistischen Situationsethik verschmutzt und am Ende sogar zerstört.
Mittwoch, 12. April 2006 22:51
Hornist: Bedenken
Ich habe äußerste Bedenken gegen diesen „Import“ von Priestern.
Als erstes sind die Sprachschwierigkeiten. Ich denke da weniger an die Messe, die kann man ja auch in Latein halten. Sie wird dann zum „Messe Lesen“ und nicht „Messe feiern“, aber Opfer müssen gebracht werden.
Ich denke da mehr an die Seelsorge. Wie soll jemand, der nicht Muttersprachler ist, beispielsweise die Nuancen aus Bemerkungen und Andeutungen herausfinden.Bei einem Suizidgefährdeten kann das wichtig sein. Und Seelsorge soll doch ganzheitliche Fürsorge in seelischer Not sein, oder?

Dann stößt mich in dem Bericht die Glorifizierung dieser legionärhaften Ausbildung ab.
Jemand der so „gehalten“ wurde, der ist m.E. nicht in der Lage sich in der normalen Welt zurechtzufinden, Und dann noch in einem Land, daß doch noch ziemlich verschieden ist. Ich glaube, daß diese jungen Priester alsbald selbst ein Fall für die Seelsorge werden oder aber so verhärten, daß jedes Einfühlungsvermögen flöten geht. Was soll dann aus der Kirche werden? Wird dann bald wieder von Angst und Höllenqualen gepredigt?
Ich wende mich mit schaudern von dieser Vorstellung ab.
Dann lieber unseren Pasti. Der redet zwar auch mal abgehoben in theologenfloskeln, aber er weiß beispielsweise, was Angst um das kranke Kind ist oder kann aus eigener Erfahrung was zum Thema „Mein Kind wir in der Klasse gemobbt“ sagen.
Und wenn der über „Sexuelle Spannungen nach einer Entbindung“ redet, dann kennt der die Situation in unserem Falle schon 2 mal.
Mittwoch, 12. April 2006 22:41
Athanasius: @apex
welche Liturgiereform Sie meinen, die 1990 in Polen

Die Liturgiereform des roemischen Ritus, wie sie bei uns bereits 1970 erfolgte – oder sogar frueher. In Polen geschah dies wegen der Isolation viel langsamer. 1985 zelebrierten die meisten Priester da noch versus Deum, waehrend sogar erst jetzt man andere Neuigkeiten der Reform einfuehrt etwa die Handkommunion.

In Litauen wurde der Neue Ritus bis 1989 zurueckgewiesen, sogar von Dorfspfarrern als ‘bolschewistische Erfindung um den Abwehrwillen des katholischen litauischen Volkes zu brechen’ bezeichnet. Das litauische Kolleg in Rom bekam 1971 dann auch ein spezielles Indult um die Alte Messe weiter feiern zu koennen in ihrem roemischen Seminar.

Noch heute wird in Litauen in einigen Pfarreien die alte Messe gelesen, obwohl man nach 1990 immer oefter die Liturgiereform aufzwang. Das juengere Episkopat ist ueberzeugt modernistisch, obwohl doch noch gute Fruechte bei zwei Bischoefen zu sehen sind bzw. waren. Kardinal Sladkevicius empfahl kurz vor seinem Tode 2001 seine Klosterschwestern sich der FSSPX hinzuzufuegen, was dann auch erfolgte. Und der junge Bischof Eugenijus Bartulis zelebrierte kuerzlich noch ein tridentinisches Hochamt in Chartres.

In der Sozialistischen Tschechei und in Ungarn gewann die Reform aber viel schneller, bereits um 1975 Riesenerfolge, denn die von den kommunistischen Behoerden unterstuetzten ‘Pacem in terris’ Priesterorganisationen (ziemlich marxistisch) waren erzprogressiv.
Mittwoch, 12. April 2006 20:03
Gotthard: Hetze des Senders
Mittwoch, 12. April 2006 19:49
apex: @ AthanasiusII
AthanasiusII schrieb: … (seit 1972 immer mehr Liturgiereform, bis diese 1990 fast komplett war…erklären Sie doch bitte, welche Liturgiereform Sie meinen, die 1990 in Polen komplett war!?
Mittwoch, 12. April 2006 18:20
Athanasius: @Benedikt
Das ist nicht wahr, wie die Berichte aus Fernost (zB Vietnam) beweisen. Auch dort quellen die Seminarien über. Es gibt also mehrere Ausnahmen, was darauf schließen lässt das EINIGE etwas falsch machen, aber kein grundsätzlicher Fehler vorliegt.

Das glauben Sie nur, weil Sie nicht an eine doktrinäre Krise und Krise der Disziplin und der Gesamtkirche glauben wóllen. Vergleichen Sie mal die Zahlen. Nicht nur Vietnam und Polen (und z.B. China) mit Deutschland jetzt (also mit 0) vergleichen, sondern mit früher.

Wenn Sie dies gemacht haben, werden Sie wissen, dass etwas grundsätzlich schief gelaufen ist, ja das Fundament der Kirche wankt. Wenn Sie aber dann noch nicht überzeugt sind, sage ich doch: Qualität statt Quantität.

Die Theologie die die Seminaristen, auch etwa in India, bekommen ist durch und durch neo-modernistisch. Zahlen an sich sagen nichts, beweisen nichts. Nichts gutes, nichts schlechtes. Dennoch werden Sie finden, dass die Zahlen jetzt ums zehnfache niedriger sind als etwa 1950.

Polen und seine kirchliche Lage sind nur eine scheinbare Ausnahme, denn innerlich fehlt es schon (Geburtszahlen), wie auch äusserlich (Shopping Centres am Sonntag auf). Ein Land in dem der nachkonziliare Rutsch in die priesterleere Tiefe nur langsamer geht und gang.

Als 1970 Mons. Lefebvre in Ecône anfing, waren die Seminare sogar in den Niederlanden noch voll, gab es sogar noch Minorseminare. Es ging um die Qualität.
Alle Lesermeinungen anzeigen 8 weitere Lesermeinungen
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Beiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen sowie Leser aus der Debatte auszuschließen.
Copyright © 2008 kreuz.net