18:17:17 | Mittwoch, 12. April 2006
Es führt zu Fehlurteilen, wenn man die Homosexualität im Fall von Priestern oder kirchlichen Funktionären nur mit Blick auf die Sexualität beurteilt. Von Dr. Gerard J. M. van den Aardweg, Psychologe und Experte in Fragen der Homosexualität.
(kreuz.net) Was genau ist das Problem bei homosexuellen Priestern und Ordensleuten oder – wenn man will –
bei homosexuellen Diakonen und kirchlichen Laien in Schlüsselfunktionen oder homosexuellen Nonnen. Letztere
stehen gegenwärtig nicht zur Debatte. Aber es gibt dort ein ähnliches Problem, das angesprochen werden
muß.
Priester und Ordensleute mit homosexuellen Tendenzen können einen moralisch ungünstigen Einfluß
ausüben. Dieser wirkt sich manchmal offen, manchmal subtil, nicht selten aber unter der Hand aus.
Die
Betreffenden mögen dabei gute persönliche Absichten haben oder auch nicht, aus Naivität oder aus Berechnung
handeln.
Einen vorwiegend offenen Einfluß übte der homosexuelle Studentenseelsorger Pater Jan van Kilsdonk
SJ (88) in Amsterdam aus. Über Jahre propagierte er die moralische Akzeptanz homosexueller Beziehungen
und versuchte gelegentlich homosexuell geneigte Studenten zu überzeugen, ihre Tendenzen „zu akzeptieren“.
In den USA wurde der Fall von Pater James Burtchaell bekannt. Der Priester war Mitglied der Kongregation
vom Heiligen Kreuz und wurde Präsident der Theologischen Fakultät der Universität ‘Notre Dame’.
Nach
dem Erscheinen der Enzyklika ‘Humanae Vitae’ forderte er eine „Verweigerung aus Gewissensgründen“ und
mußte zurücktreten, als ihm Studenten homosexuelle Belästigungen und Mißbräuche vorwarfen.
Wenn
ein Priester oder Seminarist einmal entschieden hat, daß „homosexuell“ für ihn in Ordnung ist, kann
man von ihm erwarten, daß er den homosexuellen Lebensstil verteidigt und rechtfertigt, oft mit einem
missionarischen Eifer, offen oder versteckt. Es versteht sich von selbst, daß ein solcher Entscheid einen
Umbau der ganzen gesunden Sexual- und Ehemoral zur Folge hat.
Damit soll nicht gesagt werden, daß ein
Priester oder kirchlicher Oberer mit homosexuellen Tendenzen, der die Rechtgläubigkeit gewählt hat und
sich von Homo-Kontakten fernhält, wirklich in der Lage ist, die Enzyklika ‘Humanae Vitae’ und alles,
was damit verbunden ist, zu begreifen oder daß er in seinem tiefsten Inneren damit einverstanden sein
könnte.
In der Praxis mag er in der Beurteilung von sexuellen Verhaltensweisen, homosexuelle Beziehungen
anderer Menschen eingeschlossen, manchmal eine gewisse Zweideutigkeit an den Tag legen.
Viele niederländische
Katholiken wurden von den unerwarteten Offenbarungen, die der landesweit als rechtgläubig bekannte
Priester
Antoine Bodar in einem jüngsten Zeitungsinterview machte, schmerzlich berührt.
Bodars Stellungnahmen
zeigen, wie Priester mit homosexuellen Gefühlen in sich selber gespalten sein können.
Zwar erklärte
der Priester, daß die Homosexualität eine Verirrung darstelle und er es bevorzugen würde, normal zu
sein, dennoch sprach er romantisierend von seinen früheren „Liebesgeschichten“.
Diese seien „ehrlich“
gewesen. Als er die letzte Beziehung wegen der Entscheidung, Priester zu werden, aufgegeben habe, sei
das „weder eine Bekehrung noch eine Abkehr von der Sünde“ gewesen.
Man mag diese Aussage mit dem vergleichen,
was der heilige Augustinus im nachhinein über seine heterosexuellen Affairen zu berichten weiß.
Generell
erklärt Bodar: „Ich sehe nicht, was dem entgegensteht, daß wir einander lieben, auch indem wir uns umarmen
und weiter gehen.“ Er würde nicht zögern, einem Homo-Paar, das nicht „provoziert“, die Heilige Kommunion
zu spenden – im Sinne des Binsenwahrheit: „Gott ist kein Haarspalter“.
Wie kann jemand, der so vage und
widersprüchliche Ideen vertritt, die katholische Ehemoral unterrichten oder unter den Eheleuten in seiner
Herde Tugenden aufbauen, die der Enzyklika ‘Humanae Vitae’ entsprechen? Wie will er die Keuschheit lehren
und erklären?
Das Beispiel zeigt, wie respektierte und manchmal sogar verehrte Priester mit homosexuellen
Neigungen die Gläubigen in die Irre führen können, ohne es zu wollen. Dieser Priester hat seine Ansichten
offen dargelegt. Viele andere werden nicht so deutlich reden.
Die moralische Rechtgläubigkeit dieser
Priester, Diakone, Pastoren, Minister, Moraltheologen oder führenden Laien mag im wesentlichen nur intellektuell
oder im Kopf sein, ohne daß sie in das Ganze ihrer Person und ihres emotionalen Lebens eingebettet wären.
Sie zeigen eine Tendenz, ihre Gefühle zu rationalisieren, die erotische Komponente eingeschlossen. Doch
sie können die Abneigung normaler Menschen gegen das homosexuelle Verhalten, gegen ihre Schmutzigkeit
und die Atmosphäre, die sie umgibt, nicht verstehen. Oft besitzen sie auch nur ein rudimentäres Verständnis
der Liebe zwischen Mann und Frau und deren erotischen Dimensionen.
Damit ist eine traurige Wahrheit,
ein Defekt, ausgesprochen. Gewiß beinhalten heterosexuelle Gefühle nicht notwendigerweise eine psychologische
Reife auf nichtsexuellem Gebiet. Dennoch zeigen heterosexuelle Menschen, die keine sexuellen Anomalitäten
aufweisen, generell eine normale Männlichkeit oder Weiblichkeit. Sie besitzen normale männliche oder
weibliche „Identifikationen“.
Von der Homosexualität betroffene Personen können diese volle Männlichkeit
oder Weiblichkeit nicht erreichen – höchstens auf eine unvollständige Weise.
Darum führt es zu Fehlurteilen,
wenn man die Homosexualität im Fall von Priestern oder kirchlichen Funktionären ausschließlich mit
Blick auf die Sexualität beurteilt, als ob es nur um die Frage ginge, ob der angehende Priester ein sexuell
enthaltsames Leben führen kann oder nicht.
Nächstes Mal: Homo-Tendenzen deuten auf einen allgemeinen
emotionalen Defekt
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