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Donnerstag, 13. April 2006 13:53
Im Schimmel des 19. Jahrhunderts
In einem Interview erklärte der emeritierte Kardinal von Wellington in Neuseeland, warum er die im 19. Jahrhundert erfolgte Missionierung der einheimischen Bevölkerung für wirkungslos hält.
(kreuz.net, Rom) Ende Februar sprach der emeritierte Erzbischof von Wellington in Neuseeland, Thomas Kardinal Williams (75) in Rom mit der US-Wochenzeitung ‘National Catholic Reporter’.

Er sei einer der anspruchslosesten Kirchenfürsten, denen man begegnen könne, erklärte John Allen – der Vatikanist des ‘Reporter’ – zur Person des Kardinals.

Im Verlauf des Interviews fragte er diesen auch über seinen leidenschaftlichen Einsatz für die sogenannte Inkulturation.

„Um ein negatives Beispiel zu geben“, antwortet der Kardinal auf die Frage: „Die Evangelisierung der Maori – der einheimischen Bevölkerung in Neuseeland – ist wegen einer fehlenden Inkulturation weitgehend wirkungslos geblieben.“

Die Missionare seien aus Frankreich gekommen und hätten den lateinisch zelebrierten Römischen Ritus gebracht:

„Wenn für die Maoris etwas einmal eine Tradition geworden ist, dann ist es sehr schwierig zu ändern“.

Viele von ihnen seien heute im Schimmel des 19. Jahrhunderts gefangen.

„Unter den Maoris gibt es nicht den Grad der religiösen Praxis und der theologischen oder liturgischen Kultiviertheit, die wir gerne sehen würden.“

Dagegen gäben die Bewohner der Insel Samoa ein sehr positives Beispiel. Samoa befindet sich im südlichen Pazifik rund 2.700 km nordöstlich von Neuseeland.

Der kürzlich verstorbene Samoanische Kardinal Pio Taofinu’u habe die bekannte Zeremonie seines Landes, die „Kawa“ genannt wird, mit der Eucharistie in Zusammenhang gebracht.

Bereitung des nationalen Ehrentrunks "Kawa" durch junge Samoanerinnen
Bereitung des nationalen Ehrentrunks „Kawa“ durch junge Samoanerinnen
„Kawa ist die Wurzel des Pfefferbaums, die in einer besonderen Zeremonie weichgeklopft und zermahlen wird, um daraus ein Getränk herzustellen. Diejenigen, die das Getränk zubereiten, werden von Kriegern bewacht, während sie den Ritus durchführen.“

Kardinal Taofinu’u habe erklärt, daß die Eucharistie die Kawa schlechthin sei. Er habe die Messe darum von den Häuptlingen bewachen lassen.

„Es gibt in der Kawa auch Parallelen zum Symbolismus der Eucharistie. Die Kawa wird immer aus einem einzigen Becher getrunken, und sie wird dem Volk als Zeichen der Einheit gereicht.“

Kardinal Taofinu’u habe ein Buch mit dem Tiel „Die Kawa als Prophetie“ verfaßt.

Die Samoaner hätten diese Art der Liturgie auch nach Neuseeland gebracht.

„Ich war anwesend, als wir das zum ersten Mal gemacht haben“, erklärte der Kardinal. Ein alter Mann sei danach zu ihm hingetreten und habe ihm gesagt:

„Das ist das erste Mal, daß ich an einer Messe teilnahm und mich dabei als Samoaner gefühlt habe.“
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 15 Lesermeinungen:
Dienstag, 18. April 2006 11:16
Paula: Ich kann
nur hoffen, dass die sich nie bekehren lassen. und rituale vom alten glauben mit in den neuen nehmen, naja, das thema hatten wir ja bereits schon in einem anderen artikel.

ich finde, dass das christentum nur authentisch sein kann, wenn es sich an die eigenen riten hält.

zumindenst die, die schon vor etlichen jahren erfolgreich übernommen worden sind…
Freitag, 14. April 2006 15:31
methusalix †: Monotheismus und Inkulturation
Klar, dass wir Katholiken sagen müssen, dass wir am Monotheismus festgehalten haben. Die Juden sehen das naturgemäss anders. Kraft Amtes hat aber der Papst (und damit wir Katholiken) Recht.

@Frl. Ilse
Sie haben vollkommen Recht. Gibt es da nicht auch ein Wort vom eigentlichen Gründer der Katholischen Religion, Paulus? Prüft alles, das gute behaltet. Wahrscheinlich hat er als Missionar aber nichts heidnisches gemeint; oder etwa doch???
Freitag, 14. April 2006 14:52
Frl.Ilse: @Inkulturation
Bei diesem Thema fällt mir immer eine vorchristliche Vase ein, die ich in Paestum, einer griech. Tempelanlage südlich von Neapel vor einigen Jahren gesehen habe. Da war auf der einen Seite ein geflügelter Götterbote (Hermes) zu sehen, der mit der sitzenden Hera spricht. Auf der anderen Seite saß Hera allein mit einem Kind auf dem Schoß. Hat natürlich nichts mit dem christlichen Glauben zu tun – dass es aber aussieht wie die Verkündigungsgeschichte aus der Bibel, kann jeder erkennen. Alles Zufall? Natürlich hat sich auch das Christentum mehr als kräftig bei anderen Religionen und Traditionen bedient, um sich populär zu machen. Warum es also nun so plötzlich verbieten?
Freitag, 14. April 2006 13:53
gunther maria michel: Grüß Dich, Methusalix,
Die Juden haben uns Chisten nicht das eiserne Festhalten am absoluten Monotheismus voraus, denn der christliche Glaube an die Heiligste Dreifaltigkeit ist absolut monotheistisch und nimmt der absoluten Einheit und Einzigkeit Gottes nicht das Geringste. Was soll denn das Christentum sonst sein, wenn nicht monotheistisch?
Freitag, 14. April 2006 00:29
methusalix †: Der „Mosaismus“ als Naturreligion ist gut!
Und ich Naivling dachte immer, dass Naturreligionen oft viele Götter und Heilige haben (zumindest drei Götter????) und der grosse Durchbruch zu Moses Zeiten der absolute Monotheismus war; etwas was unsere älteren Geschwister, die Juden uns immer noch voraus haben, das eiserne Festhalten am absoluten Monotheismus.
Donnerstag, 13. April 2006 22:23
Guntram: Naturreligion enger verbunden mit dem Menschen
das ist nämlich die Stärke. Die Japaner mit ihrem Shintoismus, die Inder mit dem Hinduismus, ja, und die Juden mit dem Mosaismus. Und wir Europäer, uns hat man mit Feuer und Schwert vor Jahrtausenden die Naturreligion ausgetrieben. Viele Naturvölker sind nicht schlecht oder sündhaft. Sie werden es erst mit Einführung des Christentums, weil sie erst dann die Sünde kennenlernen.
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