10:56:31 | Freitag, 14. April 2006
Der Bruder von Terri Schiavo traf sich während des Kampf um das Leben seiner Schwester auch mit dem Diözesanbischof von St. Petersburg/Florida: „Danach kam in meinem Leben der Punkt, wo meine Beziehung zu Gott zerstört war.“
(kreuz.net)
Am 4. August 2005 hielt Bobby Schindler – der Bruder der euthanasierten Terri Schiavo – auf
einem Lebensrechtskongreß im US-Bundesstaat Arizona einen Vortrag zum Thema „Lehren aus dem Leben meiner
Schwester“. Ein Auszug.Man fragt mich immer wieder, was mich und meine Familie in der Zeit des Kampfes
um das Leben meiner Schwester getragen hat: Ob mir mein Glaube geholfen habe oder ob er durch die Krankheit
meiner Schwester beeinflußt worden sei.
Während des größten Teiles meines erwachsenen Lebens habe
ich durch den Zustand meiner Schwester – der mir wie eine endlose emotionale Berg-und-Talfahrt vorkam –
bemerkt, wie leicht mein Glaube erschüttert werden konnte und wie ich Gott nicht vertrauen konnte.
Mein
Glaube wurde immer angefochten. Solange mein Leben in Ordnung war, war meine Beziehung zu Gott in Ordnung.
Aber in der Versuchung, fiel mein Glaube – wie im Gleichnis vom Sämann – auf den harten Weg.
Als der
Prozeß um meine Schwester im Januar 2000 begann, wurden meine Beziehung und mein Glaube zu Gott wirklich
geprüft. Zweifellos habe ich diese Prüfung nicht besonders gut gemeistert.
Alles begann mit einem Ereignis, mit dem niemand in meiner Familie je gerechnet hätte: Ein katholischer
Priester gab im Rahmen der Gerichtsverhandlung eine Erklärung zugunsten des entfremdeten Ehemannes meiner
Schwester ab und erklärte, daß die Kirche im Wesentlichen damit einverstanden sei, die Nahrungssonde
meiner Schwester zu entfernen, um sie so zu Tode zu bringen.
Wir wunderten uns darüber, weil der Geistliche
Terri nie besucht und nie mit jemandem aus unserer Familie über meine Schwester gesprochen hatte.
Ich
frage mich, ob der Priester überhaupt wußte, daß Terri eine praktizierende Katholikin war und eine
Lebensschützerin, die sich radikal dagegen gewehrt hätte, einen Menschen verhungern zu lassen.
Leider
sprach der Priester nur mit Michael Schiavo und dessen Anwalt. Michael war damals bereits mit einer anderen
Frau verlobt. Dieser Umstand war für den Priester offenbar kein Problem.
In der Folge urteilte Richter
Greer zugunsten von Michael Schiavo und erlaubte ihm, die Nahrungssonde meiner Schwester zu entfernen.
Es ist zu beachten, daß der Richter in der Gerichtsentscheidung besonders darauf hinwies, daß er die
die Aussage des Priesters als sehr aufrichtig empfunden habe.
Wie konnte so etwas geschehen? Wie konnte
Gott das erlauben? Solche Fragen rasten durch meinen Kopf. Das ließ mich nicht los. Das Böse, das im
Fall meiner Schwester zum Vorschein kam, begann mich aufzufressen.
Als ob das nicht genug gewesen wäre
und es mit meinem Glauben nicht noch schlimmer hätte werden können, vereinbarte meine Familie ein Treffen
mit Mons. Robert Lynch, dem Bischof der Diözese, in welcher meine Schwester Terri lebte.
Wir trafen
uns mit dem Bischof und baten um seine Hilfe.
Wir erwarteten, daß er für uns eintreten würde – nicht
nur, um gegen das damals gerade gesprochene Todesurteil gegen meine Schwester zu protestieren, sondern
auch um die Behauptungen des Priesters, die der Lehre der Katholischen Kirche widersprachen, zu korrigieren.
Was könnte herzloser und feiger sein, als Menschen zu schaden, die sich nicht selber verteidigen können?
Was könnte grausamer sein, als jemandem einen verlängerten und schmerzvollen Tod zu bescheren, weil
wir als Gesellschaft nichts mit Menschen zu tun haben wollen oder nicht für sie zahlen wollen, weil wir
glauben, daß sie keinen menschlichen Wert oder keine Lebensqualität besitzen.
Zur großen Enttäuschung
meiner Familie war das Treffen mit dem Bischof sinnlos.
Mons. Lynch – Terris Bischof – unternahm während
ihres fünfjährigen Leidensweges sehr wenig, um meiner Schwester beizustehen, unbeschadet des klaren
Widerspruchs zur Glaubenslehre und den Bitten von vielen Katholiken aus der ganzen Welt.
Zurückblickend
glaube ich immer noch, daß es einen riesigen Aufschrei der Gläubigen in Terris Diözese und von Katholiken
weltweit gegeben hätte, wenn Terris Bischof die unfreiwillige Euthanasie, welche Terri erleiden mußte,
standhaft verurteilt hätte. Auf diese Weise könnte meine Schwester noch heute leben.
Ich kann sagen,
daß nach dem Treffen mit Bischof Lynch der Punkt in meinem Leben gekommen war, wo jede Beziehung, die
ich zu Gott hatte, zerstört war.
Bobby Schindler:
Am Punkt, als ich im Leben die größte Trennung von
meinem Erlöser erfuhr, tat Gott alles, um mich zu erreichen.
Ich konnte mir nicht erklären, warum Gott
so etwas zuließ.
Alles war ohne Sinn. Ich konnte mir nicht logisch erklären, warum Gott es erlaubte,
daß meine Schwester so sehr litt oder warum meine Eltern die große Grausamkeit, die meine Schwester
verschlang, hilflos mitansehen mußten.
Ich war zornig auf die Leute in führenden Positionen, von denen
ich glaubte, daß sie in der Lage gewesen wären zu helfen, aber, warum auch immer, untätig blieben.
Ich wurde in meiner Wut so blind, daß ich wie gefangen war und es nicht einmal merkte, weil ich Gott
für alle meine Schwierigkeiten verantwortlich machte.
Gott half mir zum Glück. Ich vertraute mich einigen
sehr engen Freunden an. Sie sagten mir, daß das der Weg war, wie der Teufel arbeitet:
Er versuche mir
einzureden, Gott für meine Wut verantwortlich zu machen. Der Teufel sei mit der Art und Weise, wie ich
mit der Situation umgehe, sehr glücklich.
Meine Freunde forderten mich immer wieder auf, zur Kirche
zurückzukehren.
Im Augenblick, wo ich in meinem Leben die größte Trennung von meinem Erlöser erfuhr,
tat Gott alles, um mich zu erreichen. Das macht Gott immer so. Aber aus welchen Gründen auch immer, bemerken
wir das nicht.
Meine Freunde ließen nicht locker. Sie sagten mir, daß sie für mich und meine Familie
genausoviel beten würden wie für Terri.
Ich erinnere mich auch an meine gute Freundin Kathy Lambert,
die Terri fast jede Woche zusammen mit mir besuchte. Wir drei – Terri, Kathy und ich – beteten gemeinsam.
Diese Besuche waren etwas ganz Besonderes, weil Kathy meine Schwester bat, für mich zu beten.
Es war
eine entscheidende Zeit in meinem Leben, weil ich fühlte, daß ich zu Christus zurückkehren wollte.
Aber ich hatte beim Beten Schwierigkeiten und spürte keine Lust, zur Kirche zurückzukehren, um die Heilige
Kommunion zu empfangen.
Es war ungefähr Ende 2003, als ich in den Fernsehkanälen herumsuchte und einen
Augenblick bei einem Interview auf EWTN – dem großen katholischen Fernsehkanal in den USA – stehenblieb.
Ich weiß nicht, warum ich den Kanal nicht wieder wechselte. Es war vielleicht, weil es mich interessierte,
warum ein Hollywood-Schauspieler von EWTN interviewt wurde.
Im Interview sprach Jim Caviezel über den
bevorstehenden Film „Die Passion Christi“. Jim Caviezel spielte die Rolle von Jesus Christus.
Ich kann
nicht beschreiben, welchen Eindruck dieses Interview auf mich machte. Ich wurde dabei Zeuge eines unumstößlichen
Glaubens. Es erbaute mich, als ich hörte wie Jim Caviezel so wortgewaltig über seine Verehrung für
Christus sprach, über seine Hingabe an Maria, die Mutter Jesu.
Ich erinnere mich, wie ich in mir den
Wunsch spürte, so einen Glauben zu besitzen, und wie sehr ich mich darauf freute, diesen Film zu sehen.
Kurz vor Ostern 2004 ging ich ins Kino, um die „Passion Christi“ zu sehen. Wie viele andere Leute, die
den Film sahen, weinte ich.
Ich sah den Film dreimal – einmal mit meiner ganzen Familie. Am Karfreitag,
ging ich wieder zurück in die Kirche – zum ersten Mal seit vielen, vielen Jahren. Ich saß nur da und
betete und bat um Verzeihung.
Das erste mal, als ich wieder zur Messe ging und die Heilige Kommunion
empfing, war am Ostersonntag.
Meine Familie und ich betrauern noch immer den Verlust meiner Schwester.
Ich bemerke, daß ich immer noch mit dem ringe, was meiner Schwester angetan wurde.
Aber ich gebe mein
bestes, zu beten und um zu verstehen, warum meine Schwester so sehr leiden und so grausam sterben mußte.
Es hilft mir enorm zu sehen, wie sehr sie Menschen aus aller Welt berührt hat, und aus den Zehntausenden
Briefen zu lesen, die meine Familie seit dem Tod von Terri erreicht haben.
Ich kann das Gefühl nicht
beschreiben, wenn meine Familie überall, wo sie hinkommt, gegrüßt wird.
Die Menschen bleiben stehen
und sagen uns, daß ihr Leben durch Terri verändert worden sei, daß sie für Terri und meine Familie
oft gebetet hätten und das heute noch tun.
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