13:22:46 | Freitag, 14. April 2006
Leiden müssen wir, ob wir wollen oder nicht. Die einen leiden wie der gute Schächer, die anderen wie der böse. Vom Heiligen Pfarrer von Ars.
(kreuz.net) Beide Schächer litten auf gleiche Weise. Aber der eine verstand es, sein Leiden fruchtbar
zu machen.
Er nahm sein Leiden im Geiste der Buße an. Als er sich zu dem gekreuzigten Heiland wandte,
hörte er aus dessen Mund die wunderbare Verheißung: „Heute noch wirst du mit mir im Paradiese sein.“
Im Gegensatz zu ihm stieß der andere Flüche, Verwünschungen und Gotteslästerungen aus. Er starb in
schrecklichster Verzweiflung.
Es gibt ein zweifaches Leiden – ein liebendes und ein ablehnendes.
Die
Heiligen litten geduldig, freudig und standhaft, weil sie liebten. Wir leiden mit Zorn, Ärger und Überdruß,
weil wir nicht lieben.
Wenn wir Gott liebten, würden wir uns freuen, aus Liebe zu ihm – der für uns
leiden wollte – leiden zu dürfen.
Ihr sagt, das sei schwer. Nein, es ist süß, sanft und tröstend.
Es ist ein Glück. Nur muß man im Leiden lieben und in der Liebe leiden.
Seht, meine Kinder, auf dem
Weg des Kreuzes fällt einem nur der erste Schritt schwer. Die Furcht vor den Kreuzen ist unser schlimmstes
Kreuz.
Wir haben nicht den Mut, unser Kreuz zu tragen. Welch ein Irrtum. Denn was immer wir tun: Das
Kreuz hält uns fest, und wir können ihm nicht entrinnen.
Pfarrer von Ars:
Eine Brücke, die von Heckenschützen
umlagert war, mußte überquert werden. Niemand wagte voranzugehen. Da nahm der König selber die Fahne,
marschierte als erster, und alle folgten.
Was haben wir also zu verlieren? Warum sollen wir unser Leiden
nicht lieben, wenn uns dadurch der Weg zum ewigen Leben erschlossen wird?
Trotzdem wenden sich die meisten
vom Kreuz ab und fliehen. Je mehr sie laufen, desto mehr verfolgt sie das Kreuz, desto stärker trifft
es sie und erdrückt sie unter seiner Last.
Versteht dies gut, meine Kinder: Wer dem Kreuz gefaßt und
tapfer entgegensieht, dem wird es seltener begegnen. Wenn es ihm begegnet, wird es ihn nicht unglücklich
machen. Als Liebender nimmt er es auf sich. Er trägt es mutig und wird eins mit unserem Herrn.
Das Kreuz
reinigt ihn und nimmt seiner Seele die Anhänglichkeit an diese Welt.
Die Leiden helfen ihm wie eine
Brücke über den Strom hinüber zum Ufer der ewigen Glückseligkeit.
Wenn der liebe Gott uns ein Kreuz
schickt, sind wir schnell entmutigt. Wir beklagen uns. Wir murren und hassen alles, was unserm Wunsch,
immer wie auf Rosen gebettet zu leben, zuwiderläuft.
Doch nun beginnt ein Dornenpfad, den wir gehen
müssen. Durch das Kreuz gehen wir in den Himmel ein.
Die Krankheiten, Versuchungen und Schmerzen sind
die Kreuze, die uns zum Himmel führen. Das alles wird bald vorüber sein. Richtet euren Blick auf die
Heiligen, die vor uns angekommen sind.
Laßt es uns machen wie die Soldaten des Königs. Eine Brücke,
die unter Gewehrfeuer lag, mußte überquert werden. Niemand wagte voranzugehen. Da nahm der König selbst
die Fahne, marschierte als erster, und alle folgten.
Pfarrer von Ars:
Würde jemand sagen: „Ich möchte
reich werden, was muß ich tun?“ Man würde ihm antwortet: „Du mußt arbeiten.“ Und um in den Himmel zu
kommen? Dafür müssen wir das Kreuz auf uns nehmen.
Tun wir das gleiche. Folgen wir unserem Herrn, der
uns vorangegangen ist.
Das Kreuz ist die Leiter zum Himmel. Wie tröstlich ist es, unter den Augen Gottes
zu leiden und am Abend bei seiner Gewissenerforschung sagen zu können:
„Wohlan, meine Seele, du hast
heute zwei, drei Stunden erlebt, in denen du Christus ähnlich warst: Du bist gegeißelt, mit Dornen gekrönt
und mit ihm gekreuzigt worden.“
Welch ein Gewinn für das Sterben. Wie gut stirbt es sich, wenn man unter
dem Kreuz gelebt hat.
Würde jemand zu uns sagen: „Ich möchte gerne reich werden, was muß ich tun?“
Ihr würdet ihm antwortet: „Du mußt arbeiten.“ Richtig. Und um in den Himmel zu kommen? Dafür müssen
wir das Kreuz auf uns nehmen.
Der heilige Johannes Maria Vianney († 1859), genannt der Heilige Pfarrer
von Ars, lebte ein Leben der Buße und völligen Hingabe als Pfarrer. Er wird als Patron der Priester
angerufen.
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