Wo die Heiligen vorüberzieh’n
Leiden müssen wir, ob wir wollen oder nicht. Die einen leiden wie der gute Schächer, die anderen wie der böse. Vom Heiligen Pfarrer von Ars.
(kreuz.net) Beide Schächer litten auf gleiche Weise. Aber der eine verstand es, sein Leiden fruchtbar zu machen.

Er nahm sein Leiden im Geiste der Buße an. Als er sich zu dem gekreuzigten Heiland wandte, hörte er aus dessen Mund die wunderbare Verheißung: „Heute noch wirst du mit mir im Paradiese sein.“

Im Gegensatz zu ihm stieß der andere Flüche, Verwünschungen und Gotteslästerungen aus. Er starb in schrecklichster Verzweiflung.

Es gibt ein zweifaches Leiden – ein liebendes und ein ablehnendes.

Die Heiligen litten geduldig, freudig und standhaft, weil sie liebten. Wir leiden mit Zorn, Ärger und Überdruß, weil wir nicht lieben.

Wenn wir Gott liebten, würden wir uns freuen, aus Liebe zu ihm – der für uns leiden wollte – leiden zu dürfen.

Ihr sagt, das sei schwer. Nein, es ist süß, sanft und tröstend. Es ist ein Glück. Nur muß man im Leiden lieben und in der Liebe leiden.

Seht, meine Kinder, auf dem Weg des Kreuzes fällt einem nur der erste Schritt schwer. Die Furcht vor den Kreuzen ist unser schlimmstes Kreuz.

Wir haben nicht den Mut, unser Kreuz zu tragen. Welch ein Irrtum. Denn was immer wir tun: Das Kreuz hält uns fest, und wir können ihm nicht entrinnen.
Pfarrer von Ars:
Eine Brücke, die von Heckenschützen umlagert war, mußte überquert werden. Niemand wagte voranzugehen. Da nahm der König selber die Fahne, marschierte als erster, und alle folgten.


Was haben wir also zu verlieren? Warum sollen wir unser Leiden nicht lieben, wenn uns dadurch der Weg zum ewigen Leben erschlossen wird?

Trotzdem wenden sich die meisten vom Kreuz ab und fliehen. Je mehr sie laufen, desto mehr verfolgt sie das Kreuz, desto stärker trifft es sie und erdrückt sie unter seiner Last.

Versteht dies gut, meine Kinder: Wer dem Kreuz gefaßt und tapfer entgegensieht, dem wird es seltener begegnen. Wenn es ihm begegnet, wird es ihn nicht unglücklich machen. Als Liebender nimmt er es auf sich. Er trägt es mutig und wird eins mit unserem Herrn.

Das Kreuz reinigt ihn und nimmt seiner Seele die Anhänglichkeit an diese Welt.

Die Leiden helfen ihm wie eine Brücke über den Strom hinüber zum Ufer der ewigen Glückseligkeit.

Wenn der liebe Gott uns ein Kreuz schickt, sind wir schnell entmutigt. Wir beklagen uns. Wir murren und hassen alles, was unserm Wunsch, immer wie auf Rosen gebettet zu leben, zuwiderläuft.

Doch nun beginnt ein Dornenpfad, den wir gehen müssen. Durch das Kreuz gehen wir in den Himmel ein.

Die Krankheiten, Versuchungen und Schmerzen sind die Kreuze, die uns zum Himmel führen. Das alles wird bald vorüber sein. Richtet euren Blick auf die Heiligen, die vor uns angekommen sind.

Laßt es uns machen wie die Soldaten des Königs. Eine Brücke, die unter Gewehrfeuer lag, mußte überquert werden. Niemand wagte voranzugehen. Da nahm der König selbst die Fahne, marschierte als erster, und alle folgten.
Pfarrer von Ars:
Würde jemand sagen: „Ich möchte reich werden, was muß ich tun?“ Man würde ihm antwortet: „Du mußt arbeiten.“ Und um in den Himmel zu kommen? Dafür müssen wir das Kreuz auf uns nehmen.


Tun wir das gleiche. Folgen wir unserem Herrn, der uns vorangegangen ist.

Das Kreuz ist die Leiter zum Himmel. Wie tröstlich ist es, unter den Augen Gottes zu leiden und am Abend bei seiner Gewissenerforschung sagen zu können:

„Wohlan, meine Seele, du hast heute zwei, drei Stunden erlebt, in denen du Christus ähnlich warst: Du bist gegeißelt, mit Dornen gekrönt und mit ihm gekreuzigt worden.“

Welch ein Gewinn für das Sterben. Wie gut stirbt es sich, wenn man unter dem Kreuz gelebt hat.

Würde jemand zu uns sagen: „Ich möchte gerne reich werden, was muß ich tun?“ Ihr würdet ihm antwortet: „Du mußt arbeiten.“ Richtig. Und um in den Himmel zu kommen? Dafür müssen wir das Kreuz auf uns nehmen.

Der heilige Johannes Maria Vianney († 1859), genannt der Heilige Pfarrer von Ars, lebte ein Leben der Buße und völligen Hingabe als Pfarrer. Er wird als Patron der Priester angerufen.
      
3 Lesermeinungen
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#3   bonifatius   00:18:57 | Sonntag, 16. April 2006
Christus ja – Buddha nein
@Onan:.„Ob das Kreuz jetzt an der Wand hängt oder es ein Buddha in der Ecke ist, sollte dann egal sein.“ Ihnen als gott-loser schon, mir nicht!
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#2   Onan †   13:16:10 | Samstag, 15. April 2006
„…oder gar für’s Vaterland (was ist das?).“
wer sich fürs „Vaterland“ opfert ist selbst schuld. (Blut und Boden Ethik sollte hoffentlich bei der Mehrheit überwunden sein)
Wenn man den klerikalen Überbau bei den Geboten wegnimmt bekommt man eine Anleitung, wie man besser (oder gut) mit dem Nachbarn auskommt, ohne sich gegenseitig den Schädel einzuschlagen. Das sollte wichtig sein. Gegenseitiger Respekt, Eigenverantwortung, Nein sagen zu können und die Konsequenzen zu tragen, dass ist wichtig!
Ob das Kreuz jetzt an der Wand hängt oder es ein Buddha in der Ecke ist, sollte dann egal sein.
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#1   bonifatius   17:41:47 | Freitag, 14. April 2006
Verkehrte Welt
Die Seele baumeln lassen, relaxen, auf Wellness machen – das sind heute Schlagwörter, Kennzeichen unserer Zeit.
„Was ist das wichtigste im Leben?“ Die Gesundheit natürlich, doch nicht das Sterben in der Gnade. Die Helden in unserer Zeit sind nicht die, die sich für den Glauben einsetzen (sind ja Sektierer, Dummköpfe), die sich für ihre Familie opfern oder gar für’s Vaterland (was ist das?). Nein, als Nachahmenswerte werden die gehalten, die viel Geld verdienen – egal, ob als Fußballer oder als Medikus (derzeit möchte man allerdings fast schon Almosen sammeln), deren Anwärter wegen des begehrten Studienplatzes immer noch den Numerus clausus überspringen müssen oder sonstiger Tausendsasa (Robin Hood).
Kurzum: Man hat die Werte des Dekalogs durch „Umerziehung“ verändert, die Koordinaten verschoben und damit die Furcht (deutsch: Angst) vor dem Kreuz geschaffen.
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