Ein echter Gottesdienst – kein Vortrag wie bei den Evangelischen
Kurz vor ihrer Hinrichtung erlebte eine protestantische Kämpferin gegen den Nationalsozialismus vor dem Tabernakel und bei der Messe, was den meisten Katholiken fremd geworden ist.
(kreuz.net) Am 22. Februar 1943 wurde die 21jährige Sophie Scholl wegen ihres Widerstandes gegen den
Nationalsozialismus in München enthauptet.
Die nach dem Krieg berühmt gewordene Studentin stammte aus
einer evangelischen Familie. Doch in ihrem Tagebuch und in ihren Briefen gibt es auch interessante Aussagen
zum Katholizismus.
So schreibt Sophie Scholl am 11. April 1941 im baden-württembergischen Krauchenwies
in ihr Tagebuch:
„Ich möchte sehr gerne einmal in die Kirche, nicht in die evangelische, wo ich kritisch
den Worten des Pfarrers zuhöre. Sondern in die andere, wo ich alles erleide, nur offen sein muß und
hinnehmen.“
Am 4. November 1941 schreibt sie in Blumberg an der schweizerischen Grenze folgendes ins
Tagebuch:
„Ich war Samstag nachmittag in der Kirche. Angeblich, um Harmonium zu spielen. Es war ganz
leer. Es ist eine kleine bunte Kapelle.
Ich versuchte zu beten. Ich kniete hin und versuchte zu beten.
Dabei aber dachte ich: Du mußt dich schicken, damit du bald aufstehen kannst, bevor jemand kommt.
Ich
hatte keine Angst, wenn fremde Menschen mich knien sehen würden. Aber vor Hildegard hatte ich Angst,
sie könnte hereinkommen. So mochte ich mein Verschwiegenstes nicht preisgeben.
Wahrscheinlich ist das
falsch, wahrscheinlich falsche Scham.
Darum wurde mein Gebet auch hastig, und ich stand auf, wie ich
vorher niedergekniet war. Ich war gar nicht bereit gewesen, ich wollte bloß etwas erzwingen.“
In einem
in Ulm geschriebenen Brief an Lisa Remppis berichtete sie vom Besuch der Vigil am Osterfest des Jahres
1942:
„Gestern sind wir ganz früh, schon um 4 Uhr aufgestanden, um zur Osterliturgie in der Söflinger
Kirche recht zu kommen. Doch kamen wir trotzdem ein bißchen zu spät und sahen nicht mehr, wie das Feuer
aus einem Stein geschlagen wurde, um die Osterkerze zu entzünden.
So sehr ich das Bedürfnis nach dieser
Art des Gottesdienstes habe, denn es ist wirklich Gottesdienst, und nicht ein Vortrag wie in der evangelischen
Kirche, braucht es doch sicher eine Übung oder Gewohnheit, um ganz mitzuerleben und nicht abgelenkt zu
werden von dem Schauspiel, das einem geboten wird.
Dieses Schauspiel gerade wird ja ein tiefes inneres
Erlebnis, wenn man den Glauben hat. Da geht es mir aber so:
Ich möchte hinknien, weil es richtig ist
meinem Empfinden nach, aber ich habe Hemmungen vor denen, die mir zuschauen könnten, vor allem, wenn
jemand Bekanntes dabei ist.
Ich möchte mich beugen vor einem Bilde Gottes, weil man nicht nur empfinden,
sondern dieses auch äußern müßte, aber wiederum habe ich Hemmungen.
Deshalb bin ich nie ungeteilt
dabei, wenigstens bis jetzt noch nicht.“
Zitate aus: Jens, Inge (Herausgeber): Hans Scholl und Sophie
Scholl. Briefe und Aufzeichnungen. Frankfurt am Main 2005 (1. Auflage 1988)
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6 Lesermeinungen
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Niederknieen ist ja nun tatsächlich das, was das christliche Verhältnis zu G’tt kennzeichnet- die protestanten
haben da allerdings das Niederknieen verinnerlicht. Die Weltsicht jedoch bleibt gleich. Insofern ist es
relativ egal, ob Sophie Scholl jetzt katholisch oder evangelisch war. Das letzte Flugblatt, also 1943
in München, zeugt ziemlich deutlich davon, daß hier ein ambivalentes Verhältnis zur menschlichen Freiheit
vorlag. Angekreidet wurde mehr die Verletzung der deutschen und christlichen Ehre als die Verbrechen des
Naziregimes, weniger als Verbrechen gegenüber der Menschheit. Was, wenn Stalingrad erfolgreich gewesen
wäre?
Vor Gott niederknien Viele sehen es heute als „katholisch“ an, zu Gebet und Anbetung niederzuknien. In
der evangelischen Kirche ist das Niederknien im Laufe der Zeit abhanden gekommen. Für Martin Luther war
es zeitlebens selbstverständlich, sich mehrmals täglich auf die Knie niederzulassen, Gott für das Erlebte
zu danken und ihn um seine Nähe bei allem Tun und Lassen zu bitten!
Sophie Scholls grösste G’TTESdienst war, sich zu den Taten des Nazireiches zu äussern, was viele andere
Etablierte sich nicht trauten. aber, was nutzt es, wenn „kleine Leute“ sich trauen, aber sich grosse lieber
in ein Kloster verstecken, und hernach braune Mitläufer und braune Helfershelfer wieder in Amt und Würden
bringen, den Neuanfang vergiften? Deserteure der damaligen Zeit gelten heute noch in den Augen mancher
Konservativer als Verbrecher, aber braune Spiessgesellen erhielten später noch das Bundesverdienstkreuz?
Nach hiesiger Sicht Sophie Scholl doch eher verloren blieb, da sie Selbstmord betrieb, aber doch nicht
konvertierte…
@ Sophie Scholl Sophie Scholl: Ich möchte mich beugen vor einem Bilde Gottes, Vor einem Bilde Gottes?
ich brauche wohl nicht sagen, was mir dazu einfällt…
Mit solchen Artikeln von Niveau erreichen Sie mehr als mit Polemik. Also bitte: mehr davon! Dann kann
man als Poster ja hinzufügen: auch in der nachkonziliaren Kirche ist das evangelische Vortrags- oder
Themenunwesen in den Gottesdienst eingezogen. Jedenfalls war bei Sophie Scholl, hätte sie länger gelebt,
alles in Richtung Konversion vorgezeichnet.