Der Generalsekretär der Tschechischen Bischofskonferenz mußte gehen
Ende Oktober hat Mons. Simandl (49) bei Erzbischof Jan Graubner von Olmütz, dem Präsidenten der Tschechischen Bischofskonferenz, seinen Rücktritt als Generalsekretär der Bischofskonferenz eingereicht. Grund: Kollaboration mit dem ehemaligen kommunistischen Regime.
(kreuz.net, Paris) In einem Interview mit der französischen katholischen Tageszeitung „La Croix“ hat
sich der Erzbischof von Prag, Kardinal Miloslav Vlk (72), zum erzwungenen Rücktritt des Generalsekretärs
der Tschechischen Bischofskonferenz, Mons. Karel Simandl (49), geäußert.
Mons. Simandl hatte Ende Oktober
bei Erzbischof Jan Graubner von Olmütz, dem Präsidenten der Tschechischen Bischofskonferenz, seinen
Rücktritt eingereicht. Grund: Simandl hat fünfzehn Jahre als Informant der kommunistischen Staatssicherheit
der Tschechoslowakei gearbeitet.
Daß es im tschechoslowakischen Klerus Kollaborateure gab, war nie ein
Geheimnis. 1971 gründete das Ministerium für Kultur die regimetreue Priestervereinigung „Pacem in Terris“,
die nach einer Enzyklika von Papst Johannes XXIII. benannt war. Priester, die der Organisation beitraten,
erhielten höhere Löhne und andere Vorzüge. Sie konnten an Theologischen Fakultäten unterrichten und
hatten das Recht, Auslandreisen zu unternehmen.
1980 distanzierte sich der damalige Erzbischof von Prag,
Frantisek Kardinal Tomasek, von der Vereinigung. Er klagte die ihr angehörenden Priester an, ganz vom
kommunistischen Regime abzuhängen und den Kontakt mit der katholischen Hierarchie zu meiden. Im Jahr
1989 ging „Pacem in Terris“ zusammen mit der kommunistischen Herrschaft unter.
Kardinal Vlk sagte ihm
Interview, daß er mit allen Priestern seiner Diözese, die mit der Staatssicherheit kollaboriert hätten,
eine Aussprache gehabt habe: „Ich entdeckte dabei, daß die Mehrheit von ihnen mit Drohungen gegen sie
selber oder ihre Familien gezwungen wurde zu kollaborieren. Ich habe die Priester damals gebeten, sich
öffentlich für das, was sie getan haben, zu entschuldigen. Aber diese persönlichen Schritte wurden
nicht vollzogen. Deshalb habe ich mich selber in einem Artikel, der 1993 veröffentlicht wurde, im Namen
dieser Priester entschuldigt.“
Kardinal Vlk selbst war während der kommunistischen Zeit jahrlang mit
Berufsverbot belegt und mußte sich seinen Lebensunterhalt als Fensterputzer in Prag verdienen.
Der Fall
des zurückgetretenen Generalsekretärs der Bischofskonferenz sei wesentlich schwerwiegender als jener
der genannten Priester. Simandls Dossier sei letztes Jahr in den offiziellen Listen des Innenministeriums
entdeckt worden, sagte der Kardinal: „Aber wir haben damals, die Schwere dessen, was er getan hat, nicht
erkannt.“
Schon 1974, während seiner Jahre im Priesterseminar, sei Simandl von der kommunistischen Staatssicherheit
kontaktiert worden. Es sei seiner Bereitschaft zur Kollaboration zu verdanken, daß er im – damals offiziell
verbotenen – Priesterseminar bleiben durfte.
Simandl war noch nicht 20 Jahre alt, als er seine Zusammenarbeit
mit der Staatsicherheit begann. Seine Informantentätigkeit endete erst mit dem Zusammenbruch des Kommunismus
im Jahre 1989.
Mons. Simandl sei in diesen Jahren vor allem aufgrund seiner Tätigkeit im Vatikan nützlich
gewesen. Er habe Informationen über Seminaristen im Collegio Nepomuceno, dem tschechischen Priesterseminar
in Rom, an die Kommunisten weitergereicht. Dort studierten junge Priesterstudenten, die ihre Heimat oft
als Flüchtlinge verlassen hatten und vom Regime verfolgt wurden.
Nach den Worten von Kardinal Vlk werde
sich der zurückgetretene Generalsekretär der Tschechischen Bischofskonferenz in naher Zukunft mit seinem
Bischof treffen. Es sei wahrscheinlich, daß er als Seelsorger für eine tschechischsprechende Pfarrei
im Ausland bestimmt werde.
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