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Dienstag, 18. April 2006 15:26
Lebenslänglich für einen Raubmord
Ein Priester hört die Beichte eines Mörders – und wird anschließend für die Bluttat selber zum Tode verurteilt.
Ausschnitt des Buchcovers "Raubmord Beichte Lebenslänglich verbannt"
Ausschnitt des Buchcovers „Raubmord Beichte Lebenslänglich verbannt“
(kreuz.net) „Raubmord Beichte Lebenslänglich verbannt“ von Wolfgang Goderski ist die Neufassung der Erzählung „Ein Opfer des Beichtgeheimnisses“ von Joseph Spillmann aus dem Jahre 1896.

Goderski, Jahrgang 1943, unterrichtet – auch als Religionslehrer – an einer Grundschule.

Als Joseph Spillmann, der ursprüngliche Verfasser des Werkes, 1904 starb, war seine Erzählung schon in zehn europäischen Sprachen verbreitet. Allein in Deutschland wurde der Roman bis in die Mitte der fünfziger Jahre des vorigen Jahrhunderts immer wieder verlegt.

Generationen hat das berühmte Buch in der Liebe und Treue zur katholischen Kirche bestärkt. In nicht wenigen jungen Männern weckte der Roman den Wunsch, Priester zu werden.

Prälat Wilhelm Schamoni – der inzwischen verstorbene Begründer der Zweimonatszeitschrift ‘Theologisches’ – bekannte vor Jahren gegenüber dem Autor, daß er seine Berufung zum Priestertum auch der Lektüre dieser Spillmannschen Erzählung über das Beichtgeheimnis zu verdanken habe.

Die Neuausgabe der Erzählung ist ein Versuch, Spillmann wieder in unsere Bücherregale zurückzuholen.

Sie hat alle Chancen, ein ähnlicher Dauerbrenner zu werden wie das vergessene Original, das heute verständlicherweise nur noch für Liebhaber lesbar ist.

Zahlreiche sprachliche und vor allem inhaltliche Umbauten waren nötig, um das Werk für eine heutige Leserschaft wieder lesbar machen.

Zum Beispiel wurde der Mordfall in der vorliegenden Neuerzählung durch einen weiteren versuchten Mord des Täters erheblich verwickelter gestaltet.

Die Schwierigkeiten, denen sich dadurch die Ermittler bei der Tataufklärung und später beim Prozeß sowohl der Staatsanwalt als auch der Verteidiger gegenübersehen, machen die Gesamthandlung auch für heutige Leser wieder glaubwürdig.

Die aus heutiger Sicht eher schlichte Konzeption des Kriminalfalles und seiner näheren Umstände im Spillmannschen Original von 1896 vermag dagegen heute nur noch harmlose Gemüter zu überzeugen.

Dennoch bleibt die fesselnde Neuerzählung in der Grundhandlung und Grundaussage dem ursprünglichen Werk treu.

Einem französischen Dorfpfarrer wird ein Mord gebeichtet. Durch die Umstände des Verbrechens gerät der Priester in den Verdacht, selber der Mörder zu sein.

Der Geistliche kann sich nicht verteidigen, denn er steht unter dem Beichtgeheimnis, dem jeder Priester der Kirche auch heute noch streng unterworfen ist. Schließlich wird dem Dorfpfarrer der Prozeß gemacht.

Das Gerichtsurteil lautet auf Tod durch Enthaupten. In letzter Minute wird der Verurteilte zu lebenslanger Zwangsarbeit in den Straflagern von Neukaledonien begnadigt. Neukaledonien ist ein Überseeterritorium von Frankreich im südwestlichen Pazifik, östlich von Australien.

Doch drei Jahre später geschehen in seiner fernen Heimat erstaunliche Dinge.

Fazit: Die Erzählung ist fundiert und unglaublich spannend erzählt. Dadurch ist sie auch für jüngere Leser geeignet und auch für solche, die mit der Kirche nicht unbedingt viel am Hut haben.

Josef Spillmann: Raubmord Beichte Lebenslänglich verbannt.
Neu erzählt von Wolfgang Goderski.
1. Auflage 2005, ISBN 3-932426-32-0,
SJM-Verlag, Nibelungenring 1, D-86356 Neusäß,
Tel. 0821/ 343225-11, 380 S., 12,80 Euro.
Zum Buch gibt es auch eine eigene Homepage mit Textauszügen.
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