Benedikt XVI.
Der Packesel Gottes
Heute vor einem Jahr bestieg Papst Benedikt XVI. den Stuhl Petri. Die Vorurteile der Presse gegen den ehemaligen „Panzerkardinal“ hat er schnell widerlegen können. Jetzt regiert er: behutsam und entschlossen.
Netzeitung

„Als vor einem Jahr, am 19. April um 18.43 Uhr, Joseph Ratzinger auf dem Petersplatz in Rom als neuer Papst Benedikt XVI. verkündet wurde, brach in Deutschland nicht nur tosender Jubel los. «Oh, mein Gott!», stöhnte die linke ‘Tageszeitung’ über die Wahl des konservativen Glaubenshüters. ‘Bild’ dagegen verordnete mit der Schlagzeile «Wir sind Papst» der Nation Stolz.“

Deutsche Presseagentur

„Seit einem Jahr tritt der deutsche Pontifex jeden Mittwoch vors Kirchenvolk, meist fährt er mit dem offenen Auto durch das Meer der Gläubigen. Auf dem Petersplatz wehen dann deutsche Fahnen, noch häufiger die bayerische Rautenfahne. Die Stimmung schwankt zwischen Volksfest und Andacht, und wer die Szene beobachtet, kann sich des Eindrucks nicht erwehren: «Papa-Ratzi» genießt jede Sekunde. So viel Zuspruch hat der einstige «Panzerkardinal» in seinem ganzen Leben noch nicht erlebt. Statistiken belegten das Unglaubliche: Der Deutsche zieht mehr Gläubige an als sein großer Vorgänger Johannes Paul II. – das hätte wohl niemand erwartet, am wenigsten er selbst.“

Heidenheimer Zeitung

Was haben Sie vor einem Jahr empfunden, als Kardinal Ratzinger als Benedikt XVI. auf die Loggia des Petersdoms trat – jener Theologe, den Sie schon so lange kannten?

Hw. Hans Küng: „Die Wahl des Chefs der Glaubenskongregation, die für viele reaktionäre Lehrdokumente und Maßnahmen gegen Theologen verantwortlich ist, war für zahllose Katholiken eine Riesenenttäuschung. Für mich war das nicht etwa eine Frage einer persönlichen Aversion, sondern der kirchenpolitischen Konstellation. Joseph Ratzinger und ich sind nach drei guten gemeinsamen Tübinger Jahren 1966 bis 1969 immer mehr zu Repräsentanten der beiden auseinanderdriftenden Flügel der Kirche geworden.“

Spiegel

„Das erste Dreivierteljahr verging ohne grundlegende Personalentscheidungen und ohne Weichenstellungen. Als wollte der Unfehlbare ex cathedra die Maschine erst einmal genau studieren. «Etliche waren frustriert, daß so wenig geschieht. Viele waren glücklich darüber» Der Benediktiner-Mönch [Abtprimas Notker] Wolf putzt sich gutgelaunt die Nase. Seit Februar, sagt er, hätten sich die Dinge beschleunigt. Die Kurienreform ist beschlossen. Die Enzyklika ist veröffentlicht und bislang anderthalb Millionen Mal verkauft. Die Zahl der Päpstlichen Räte ist verringert, ein hohes Mitglied der Kurie als Nuntius nach Ägypten geschickt worden, und 15 neue Kardinäle sind ernannt, darunter – zum Schauder des Hofstaats – nur drei Veteranen aus der Kurie. «Reform», dixit Ratzinger, «besteht in der Entfernung des Überflüssigen.»“

Süddeutsche

„Das Pontifikat Papst Benedikts XVI. ist ein Pontifikat der kleinen Schritte – und das wird es wohl auch bleiben. Der Kirchenvater Aurelius Augustinus hat einst ein schönes Bild für seine Arbeit gefunden: Er sei, so sagte er, der «Packesel Gottes», der das bißchen Last, das er tragen könne, mit tippelnden Schritten vorantrage, nicht zu schnell, aber stetig. Joseph Ratzinger hat dieses Gleichnis in seiner Lebensbeschreibung übernommen. Der Packesel Gottes: Das ist nicht die schlechteste Beschreibung für einen Papst.“

Radio Vatikan

Kurienkardinal Walter Kasper: „Ich denke seine [Papst Benedikt XVI.] größte Leistung ist, daß er nach diesem langen und großen Pontifikat von Johannes Paul II. den Übergang sehr souverän und mühelos geschafft hat. Daß es ihm gelungen ist, seinen persönlichen Stil beizubehalten und ihn irgendwie auch der Kurie aufzuerlegen – in großer Kontinuität der Inhalte mit Johannes Paul II. Diesen Übergang geschafft zu haben, ist eine große Leistung, denn viele hatten vorhergesagt, daß es sehr schwierig sein werde, in die großen Schuhe von Johannes Paul II. zu treten. Dennoch hat er es geschafft und er ist anerkannt worden von den Jugendlichen in einer völlig anderen Art als vorher.“
      
7 Lesermeinungen
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#7   Laurentius2   19:05:03 | Samstag, 22. April 2006
@bonifatius
Ich stimme mit Ihrer Meinung hier überein, anererseits:
Wer predigt uns denn seit dem Konzil, daß die Welt ach so gut sei, wir ja nicht so „weltfremd“ sein dürfen wie unsere Großeltern oder die Piuspäpste und wer redet nicht mehr von der (scheinbaren Über)Macht des Teufels ? –-- Unsere Bischöfe !!!!!!!(gemeint sind natürlich nur die „Lehmann-Wähler“ –- Ausn. schon nach dem Konzil: Höffner, Braun, Graber etc.)
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#6   Benedikt   22:21:43 | Donnerstag, 20. April 2006
@ aphrodite
also mein entschluss steht fest, ich werf die theologie hin und werde gleich päpstin …
Besser ist das wohl. Nicht mal seine ärgsten Gegner würden Joseph Ratzinger unterstellen, dass er theologisch nichts auf dem Kasten hat – es sei denn, sie seien neidzerfressen und unsachlich, so wie Sie offenbar.
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#5   Ansgar   11:16:38 | Donnerstag, 20. April 2006
@ aphrodite
Stilistische Kritik macht sich besser, wenn man selbst die deutsche Orthographie sicher beherrscht, Aphrodite. „wo anders“, „mithilfe“ usw., das alles auch noch in Klein(kariert)schreibung. Aber den Papst bepöbeln. Lächerlich.
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#4   bonifatius   00:09:58 | Donnerstag, 20. April 2006
Petrus, der Fels…
Gott hat ihn berufen, das schwerste Hirtenamt zu übernehmen. Bin überzeugt, daß er alles dem Menschen mögliche versucht, seiner Berufung gerecht zu werden. An ihm wird es sicher nicht liegen, wenn die Herde ungläubig den falschen Weg einschlägt. Denn der Einflüsterer, der diabolus, von vielen Christen in das Reich der Fabeln verbannt, ist auf dieser Welt mächtig.
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#3   Brandenburgis   16:15:39 | Mittwoch, 19. April 2006
Pontifex
Daß B16 das SChiff in die richtige Richtung lenken wird, können Sie schon jetzt vollständig vergessen. Ich möchte Sie gern vor Entäuschungen bewahren. B16 wird ein angeschlagenes Schiff endgültig auf Grund setzen, – das ist es, was passieren wird. Legen Sie ruhig schon mal die Rettungsweste an.
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#2   Laurentius2   13:43:04 | Mittwoch, 19. April 2006
Lang lebe …
… unser Papst !
Gott schenke ihm und uns viele, viele Jahre, damit das Schiff langsam aber stetig weiter in die richtige Richtung gedreht werden kann.
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#1   aphrodite †   13:17:47 | Mittwoch, 19. April 2006
ich will päpstin werden
das ist eindeutig der bessere job: wenn ich wo anders ein ganzes jahr lang nur dreißig seiten mit einer qualität im unteren mittelfeld produziere, in denen keine neuen informationen enthalten sind und die alten informationen entweder gar nicht oder ungenau oder mithilfe von primitivster steinbruchexegese belegt sind, in der zwischenzeit außer ein paar streicheleinheiten für meine getreuen und ein bisschen winken wirklich gar nichts mache, werde ich ziemlich schnell weg vom fenster sein. als päpstin jedoch würde man mich für meine umsicht loben, für die klarheit meiner texte und für die ausgeglichenheit der positionen, die ich vertrete. also mein entschluss steht fest, ich werf die theologie hin und werde gleich päpstin …
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