Schweiz
Als die erste Frau im Chorraum der Kathedrale tanzte
Der Bischof von Basel beantwortete kürzlich die üblichen Fragen zur Frauenordination und zur Priesterehe. Er sprach auch über liturgische Tänze und seine Aufgabe im „schwierigsten Bistums der Welt“.
(kreuz.net, Solothurn) Am 22. Februar veröffentlichte die ‘Berner Zeitung’ ein Interview mit dem Bischof von Basel, Mons. Bischof Kurt Koch (55).

Der Bischof von Basel residiert in der Stadt Solothurn – 40 Kilometer südlich von Basel.

Der Journalist erinnert zu Beginn des Gesprächs an sogenannte „hoffnungsvolle Zeichen“ beim Amtsantritt des Bischofs vor zehn Jahren.

Damals habe zum Beispiel eine Frau zum ersten Mal im Chorraum der Kathedrale das Tanzbein geschwungen.

Der Bischof erklärt dazu, daß er damit habe zeigen wollen, daß es verschiedene Formen des Gebetes gebe und daß auch ein Tanz durchaus der Ehrfurcht des Gottesdienstes dienen könne.

Das sei auch in diesem Februar der Fall gewesen, als er die Ordensgemeinschaften in der Diözese nach Solothurn eingeladen habe: „Da haben indische Ordensschwestern ebenfalls einen Tanz aufgeführt, um so ihr Ordensgelübde darzustellen.“

Er sehe darin keinen Zusammenhang zu einer Frauenordination: „Denn Tanzen ist kein Privileg des Amtes, sondern eine Gebetsform, die allen getauften Männern und Frauen offen steht.“

Es sei ihm stets ein großes Anliegen gewesen, die Frauen auch in die kirchlichen Leitungsstrukturen einzubinden. Man könne dies auch daran ablesen, daß gegenwärtig in jedem Regionaldekanat des Bistums eine Frau in der Führung sei und auch im Bischöflichen Ordinariat eine Frau im Personalamt und zwei im Pastoralamt mitwirkten:

„Wenn ich die Situation richtig überblicke, gibt es in der Bistumsleitung prozentual sogar mehr Frauen als beispielsweise in Finanzgremien.“

Die Frauenordination sei dagegen eine Angelegenheit der Gesamtkirche:

„Da vor allem Papst Johannes Paul II. bereits Aussagen über die Unmöglichkeit der Frauenordination gemacht hat, braucht es sicher schwerwiegende Gründe, um diese Frage neu zu diskutieren.“

Das bedeute, daß dieses Thema nur von einem Konzil wieder neu aufgerollt werden könne.

Zur Frage der sogenannten Priesterehe erklärt Mons. Koch, daß er „das Anliegen“ in Rom immer wieder vorbringe. Er weise in Rom auch darauf hin, daß die angespannte kirchliche Personalsituation in eine schwierige Zukunft führen werde.

Angesprochen auf den Fall des suspendierten Ex-Pfarradministrators von Röschenz erklärt der Bischof, daß das Problem Röschenz keine Spaltung im Bistum bewirkt, sondern eine längst schwelende sichtbar gemacht habe.

Da das Bistum Basel kein Medienorgan habe, sei er den Medien als Bischof auf Gedeih und Verderb ausgeliefert.

Sodann wird der Bischof gefragt, warum er vor zwei Jahren – zum 175-Jahr-Jubiläum des Bistums Basel – seine Diözese als die schwierigste der Welt bezeichnet habe.

Der Bischof erklärt, daß diese Aussage von Papst Gregor XVI. bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gemacht worden sei. Für diese Feststellung müsse der Papst seine Gründe gehabt haben:

„Und ich habe auch heute unter anderen Umständen nicht viele Gründe, ihm zu widersprechen.“

Dazu verweist der Bischof auf die Zusammensetzung seiner Diözese. Das Bistum besteht aus einem deutsch- und einem französischsprachigen Teil und erstreckt sich – mit rund einer Million Gläubigen – über zehn Kantone hinweg.

Eine besondere Schwierigkeit bestehe darin, daß die staatskirchenrechtlichen Institutionen – das heißt: die Verwaltung der Kirchensteuer – kantonal geregelt seien.

Dadurch müsse ein Bischof bei der Umsetzung diözesaner Anliegen mit zehn verschiedenen sogenannten Landeskirchen kommunizieren.

Die Frage wie er seine Aufgabe als Bischof verstehe, beantwortet Mons. Koch mit einem Bild:

„Der Bischof muß schauen, daß er all die verschiedenen Entwicklungen, Tendenzen und Strömungen in seinem Bistum unter einen Hut bringen kann. Und vor allem muß er dabei aufpassen, daß der Hut nicht zu groß wird, sonst fällt er einem über den Kopf, und dann sieht man bekanntlich überhaupt nichts mehr.“
      
13 Lesermeinungen
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#13   Gunsenum   11:42:22 | Sonntag, 30. April 2006
Tanz Mariechen!
@benedikt78
Warum diese Berührungsangst?
Ich finde den Einwurf von @JörgGuttenberger, Köln doch sehr aufschlußreich.
Wenn etwas zum Lobe Gottes dienen kann, wenn Menschen ihre Dankbarkeit durch einen Tanz ausdrücken möchten, wenn sie uns knispelnden weihrauchdurchsäuerten mitteleuropäischen Christen neue, lebendige Formen der Gottesverehrung zeigen und lehren mögen – wo ist das Problem?
Die Bedeutung des „allumfassend“ im Katholischen umschließt doch auch solche Themen. In Äthiopien gehört der Tanz zum Gottesdienst, Teil der Liturgie. Wenn es dort zur Ehre Gottes gereicht – wo ist unser Problem?
Der Einwurf „Technoparty“ in der Kirche ist einfach nur populistisch und „far fetched“.
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#12   Ansgar   16:24:50 | Donnerstag, 20. April 2006
@ Karl Murx
Danke für den Hinweis! In der Tat bemerken viele Gläubige, die bei großen Messen nur seitlich der Vierung Platz gefunden haben und von dort auf den Altar blicken, eine Beeinträchtigung. Die angemessene Teilnahme ist frontal nach Osten auf den Altar zu blicken. Bei einer ordentlichen Messe geschieht dort doch so viel Wunderbares – was sollen denn noch Menschen vorne herumtanzen. Keine Frage, der Tanz als Ausdruck religiöser Ekstase oder Verinnerlichung mag seinen Platz haben. Aber nicht während regulärer Gottesdienste.
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#11   Benedikt78   11:16:38 | Donnerstag, 20. April 2006
Toll!
Dann werde ich gleich für das nächste Wochenende eine Techno-Party in der Kirche veranstalten. Tanzen ist ja beten!
Also ich finde diese Diskussion absolut überflüssig. Jede Kultur hat seine Eigenheiten. So sind in Europa die Messen sehr andächtig, während in Afrika lautstark gesungen und gerufen wird. In Indien tanzt man vielleicht, aber wieso soll man in Europa so was auch noch machen?
Das ist eine bedenkliche Entwicklung! Wenn man im Namen des Internationalismus, der Weltoffenheit und Toleranz jeden Mist in der Kirche Einzug hat. Am Schluss kommt es tatsächlich so weit, dass in der Kirche Techno-Parties gefeiert werden. So weit darf es wirklich nicht kommen!
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#10   expedit   08:20:06 | Donnerstag, 20. April 2006
@Brandenburgis
Danke für den Hinweis!
Werde es meiner Frau sagen, die ich in meiner letzten Tanzstunde kennen gelernt habe!
Hoffe dann nur, dass keine Bratpfanne in der Nähe sein wird! (schmunzel!)
Zitat: „19. April 2006 16:23Brandenburgis: @expeditDer Tanz ist ein Kreis, und in der Mitte steht der TEUFEL. (hl. Augustinus)“
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#9   Jörg Guttenberger, Köln   00:25:26 | Donnerstag, 20. April 2006
Tanz in der Liturgie
Die äthipische Liturgie ist die einzige, in der der Tanz bis heute Tradtion hat. Wir durften das im Rahmen der Reihe „Alte Liturgien in romanischen Kirchen Kölns“ bewundern, wie äthiopische Mönche bei Vesper und Eucharistiefeier im Altarraum von St. Kunibert in Köln getanzt und ihre Schlaginstrumente gespielt haben. Es handelt sich freilich um keinen uns gewohnten (paarweisen) Tanz, sondern um Schreittänze, wie sie in anderer Form bei den Griechen (dort ausschließlich im profanen Bereich) üblich sind. Unter diesen Bedingungen kann auch ein (ehelos lebender) Priester und Mönch bedenkenlos mittanzen.
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#8   Doritta   22:14:57 | Mittwoch, 19. April 2006
Tanz in der Liturgie
Der Mensch hat viele Formen sich auszudrücken: Gestik,
Gesang, Sprache. Warum nicht auch im Tanz? Ich habe einmal einen sehr schönen Gottesdienst mit liturgischem Tanz besucht, es war wirklich beeindruckend. Die Tänzerinnen waren natürlich nicht die Hauptakteurinnen, es war auch keine „Perfomance“, sondern nur eine dezente Untermalung. Einfach schön!
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#7   Karl Murx   17:51:29 | Mittwoch, 19. April 2006
Kreis und Beten
Ja, in der Tat hat der Aufbau etwas damit zu tun, zu welchem Gott man betet. Der Kreis ist in Symbol des Immanentismus. Das Gebet der Christen der Antike nach Osten, Priester am Altar, Diakone, Männer, Frauen und Kinder und genau in dieser Reihenfolge, ist ein hierarchischer, vertikaler Aufbau.
Wenn man hingegen z.B. in das „Testamentum Domini“ schaut, ein Sektentext, wahrscheinlich der Audiani, aber dessen „Messe“ bereits älter ist, fällt einem auf, daß dort kreisförmig um den Altar gebetet wird. Das „Heiligtum“, also der Altar ist von Schranken umgeben, die mit Tüchern drappiert sind. Die Gläubigen sind um das Heiligtum herum, der Bischof geht hinein, mit allen Altardienern, auch den Witwen und Diakonissen. Die „begnadeten“ Witwen sollen hinter den Altarvorhängen charismatisch weissagen. Dom Cagin weist in seinem Buch nach, daß dieser Text des Gottesdienstes von Montanisten und Patripassianern benutzt worden war. Die Charismen geschahen also in einem kreisförmigen Gebetsaufbau.
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#6   Athanasius   17:02:17 | Mittwoch, 19. April 2006
Déjà (pre-)vu.
Mit dem Glauben geht es bergab, und alles wird verdreht. Kennt sich niemand mehr aus. Die Oberen glauben schon gar nichts mehr, die kleinen Leut werden irre gemacht. In der Kirche spielen sie Tanzmusik, und der Pfarrer singt mit. Dann tanzen sie auch noch, aber draußen wird ein Himmelszeichen stehen, das den Anfang vom großen Unheil ankündigt. Es steht gegen Norden ein Schein, wie ihn noch niemand gesehen hat, und dann wird ringsum das Feuer aufgehen. Geh nach Bayern, dort hält die Muttergottes ihren Mantel über die Leut, aber auch dort wird alles drunter und drüber gehen.
– Der Seher namens Sepp Wudy, der Bauernknecht (um 1900).
Wenn die Kinder wie Affen gekleidet sind, wird das Luthertum in Tirol einziehen. Wenn der Luxus so groß geworden ist, daß man Männer und Frauen an der Kleidung nicht mehr unterscheiden kann, und wenn unter jeder Stalltür eine Kellnerin steht (eine Stallmagd, die so schmuck angezogen ist wie eine Kellnerin im Wirtshaus), dann paßt auf, dann kommen die letzten Zeiten. Wenn die Eitelkeit auf den Friedhof kommt, weicht das Christentum aus dem Haus. Wenn man ohne Pferd die ganze Erde umfahren kann, dann geht es dem Ende der Welt zu. – Pfr. Alois Maas, Fliessener Pfarrer (um 1820).
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#5   Brandenburgis   16:23:05 | Mittwoch, 19. April 2006
@expedit
Der Tanz ist ein Kreis, und in der Mitte steht der TEUFEL. (hl. Augustinus)
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#4   expedit   16:14:23 | Mittwoch, 19. April 2006
Tanzbein schwingen!
Früher habe ich gerne das Tanzbein geschwungen!
Bin von einem Abschlussball zum anderen „getanzt“!
Aber in der Kirche?
Hätte Maria das gemacht?
Oder liegt es vielleicht daran, dass man Maria hinaus katapultiert hat und will jetzt andere Frauen hinein bringen?
Sicherlich liegt es vielleicht im Blut einer Inderin auch einen sehr schönen liturgischen Tanz zu präsentieren.Ich habe so etwas schon einmal gesehen von indischen katholischen Ordensschwestern.
Aber selbst da war ich der Ansicht, es gehört nicht in eine Kirche und schon gar nicht in einen Altarraum hinein!
Schade, dass wir im sogenannten lateinischen Ritus nicht die baulichen Abgrenzungen haben wie etwa bei den Orthodoxen.
Dann wäre das Problem häufig schon weg!
Aber wer weiss eigentlich schon, dass der Paravent oder wie diese bauliche Ikonenbilderwand heißt, hinter der der othodoxe Priester die Heilige Messe feiert, im lateinischen Ritus die KOMMUNIONBANK sein sollte???
Hat man natürlich auch die Kommunionbank hinaus geworfen oder lässt man fast jedermann auch hinter die Kommunionbank in den Altarraum, also dem allerheiligsten Bezirk eindringen, dann kommen auch alle weiteren Wünsche, Fordrungen … usw.
Liturgischer Tanz?
JA!
Aber nicht in dem Kirchengebäude, sondern außerhalb, zum Beispiel im Pfarrheim im großen Saal oder im Freien, wenn es die Witterung erlaubt!
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#3   Bernardin †   14:22:03 | Mittwoch, 19. April 2006
TANZEN IM GOTTESDIENST
Schon die Frau des David entrüstete sich, als ihr Mann vor der Bundeslade tanzte! Er tanzte, um Gott zu loben und zu preisen, seine Freude über Gott zum Ausdruck zu bringen! Aber die Frau des David stand im Türrahmen ihrer engen Moral eingezwängt…
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#2   mahner   12:50:52 | Mittwoch, 19. April 2006
aber…
wir feiern doch Liturgie, Abendmahl etc… – warum denn nicht tanzen ???
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#1   Paula   11:50:55 | Mittwoch, 19. April 2006
tanzen eine art von gebet.
gut, hat doch so mancher christ erkannt. find ich gut. so können sich diejenigen wenigstens weiterentwickeln, wenn es die kirche schon nicht tut.
für mich persönlich muss sagen, dass ich nicht zum gebet tanze. das tu ich, wenn ich feier!
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