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Freitag, 21. April 2006 18:17
Die Benutzten
„Kriege sind einfach zu begrenzt. Sie lohnen kaum noch. Aber unsere Ziele erreichen wir dennoch. Einfallsreichtum ist alles.“ Ein Zwiegespräch. Von Christian von Kamp.
(kreuz.net) „Weshalb machen Sie das alles? Was treibt Sie?“

Er sah mich lange traurig an. Dann schüttelte er den Kopf.

„Gut, was anderes. Sie sagten vorhin, die große Zeit der Kriege sei vorbei.“

„Sie bringen heutzutage nichts mehr. Sehen Sie, hier ein paar hunderttausend Tote, dort ein oder zwei Millionen – geradezu lächerlich. Die Kriege sind einfach zu begrenzt, sie lohnen kaum noch. Aber unser Ziel“ – seine Stimme schnellte in die Höhe – „erreichen wir dennoch. Einfallsreichtum ist alles.“

Ich schaute ihn neugierig an.

„Wissen Sie, mein Freund, wir gehen heute subtiler zu Werk als früher. Sie werden es kaum glauben, aber wir waren selbst erstaunt festzustellen, wie wirksam unsere neuen Methoden sind.“ Befriedigt rieb er sich die Hände. „Die Leute müssen überzeugt sein, aus eigenem Antrieb zu handeln. Dann verrichten sie jede Arbeit mit Feuereifer.“

„Können Sie Beispiele nennen?“

Er lehnte sich im Sessel zurück und zündete sich in aller Ruhe eine Zigarre an. Erst nach einigem Zögern begann er:

„Schon viele Jahre vorher liefen unsere Vorbereitungen. In den Sechzigern ging es dann richtig los.“ Genüßlich ließ er die Wörter auf der Zunge zergehen. „‘Freiheit’ hieß die Parole. Eine gute Sache.“ Er redete doppeldeutig. „Freiheit von den Werten der Erwachsenen. Die hatten zwei Weltkriege geführt, und jetzt dachten sie nur an Häuslebauen und Auto. Konsum. Verständlich, daß die Jugend anderes wollte. Anrührend, nicht wahr?“ Er lachte. „Liebe, oder besser: ‘love’. Frieden. Gleichheit. Wir konnten einige Vokabeln aus der Französischen Revolution wiederverwenden.“

Mir schwoll der Hals.

„Nachdem wir erst einmal die Basis aktiviert hatten, waren die Politiker am leichtesten zu handhaben. Sie verhielten sich pflichtgemäß opportunistisch.“
Im Zwiegespräch:
„Die Politiker verhielten sich pflichtgemäß opportunistisch.“


„Und die Medien?“

„Es war für uns ein Glücksfall, daß das Fernsehen erfunden wurde. Die Presse hat zwar sehr geholfen, aber für eine Massenbewegung … Die Glotze ist für unsere Ziele geradezu ideal. Erspart das Denken. Denken strengt an.“

„Denken ist ein Zeichen von Freiheit!“

Er lachte höhnisch. „Glauben Sie allen Ernstes, die Menschen wollen frei sein? Ist doch viel zu mühsam. Unser Glück! Ohne die menschlichen Schwächen wären wir – aufgeschmissen. Trägheit und Bequemlichkeit. Eitelkeit. Macht. Damit sind schon neun Zehntel gewonnen. Oder auch Verdrängung und Vergeßlichkeit. Es ist unfaßbar, wie schnell Menschen vergessen. Doch das Beste: Feigheit und Gleichgültigkeit. Diese beiden reichen aus, um Welten zu zerstören … Aber wir kommen vom Thema ab.“

„Politik. Und Medien …“

„Ja. Und nicht zu vergessen unseren Trumpf. Ohne den taugen auch die Medien nur die Hälfte, Kapital alleine reicht nicht aus. Unser Trumpf ist die innere Leere. Sie öffnet für äußerliche Lehren.“ Er grinste über sein eigenes Wortspiel. „Am besten natürlich für unsere Lehren. Fortschrittsglaube. Materialismus. Egoismus. Feminismus …“

„Feminismus? Aber …“

„Natürlich. Sie wollen sagen: Frauen waren in vielem benachteiligt. Also haben sie doch zurecht … Ich stimme Ihnen zu.“

„Aber wieso behaupten Sie …?“

„Es kommt auf die Mischung an. Man nehme ein paar Tatsachen, lasse hier ein wenig weg, füge dort etwas hinzu, übertreibe ein bißchen, relativiere und verabsolutiere, stilisiere die extreme Ausnahme zum Regelfall hoch, verändere Worte oder ihre Bedeutung, schaffe ein Feindbild, klebe sich das Etikett des Retters auf, darüber gieße man ehrliche Empörung – und schon gärt das Gebräu. Es gibt kaum bessere Methoden, um mit der Menschenbrut fertig zu werden. Doch, eines gehört noch dazu: Negation ausstreuen, bis der Mensch sich selbst haßt.“

„Aber gerade der Feminismus mit seiner Unabhängigkeit von den Linken und Grünen und den Medien …“

„… geht seinen eigenen Weg, wie? Autonom, was? Sie Naivling.“

Ich machte eine heftige Bewegung.
Im Zwiegespräch:
„Fünfzig Millionen Leichen. Jährlich. Ein besserer Jahresschnitt als im Zweiten Weltkrieg.“

„Hübsch, sehr hübsch.“ Ein maliziöses Lächeln umspielte seinen Mund. „Je mehr sie an ihre Unabhängigkeit glauben, um so bessere Werkzeuge sind sie.“ Seine Stimme klang perfide. „Und all die anderen, die die Welt verbessern wollen und sich dabei selbst belügen. Perfekte Welt. Perfekte Menschen. Perfekte Tote.“

Ich sprang auf. Der Stuhl polterte.

„Fünfzig Millionen Menschen“, rief er mir hinterher. „Durch Abtreibung getötet. Fünfzig Millionen Leichen. Jährlich. Ein besserer Jahresschnitt als im Zweiten Weltkrieg.“ Seine Stimme wurde schrill.

„Fünfzig Millionen! Eine phantastische Ausbeute!“
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 32 Lesermeinungen:
Montag, 24. April 2006 20:53
JR-Europe.org: @Josefus … danke für diesen Einwand.
Was sagt die Bibel über menschliche Zellklumpen?
Was sagt die Bibel konkret über bestimmte menschliche
Zellklumpen-Stadien?

Gruss JR-Europe.org
Montag, 24. April 2006 12:15
Josefus: an den Zellklumpen JP-Europe.org
Wenn Du den Wert eines Lebewesens an seiner Größe (Massse) misst, so wäre also eine Kuh 10-mal mehr wert als ein Mensch, ganz zu schweigen vom Wert eines Elefanten oder eines Blauwals.
Sonntag, 23. April 2006 11:50
JR-Europe.org: Was sagt eigentlich die Bibel zum
1 mm großen menschlichen Zellklumpen?

Ich will, dass Krankenkassen auch Ihre Grund(!)leistungen selber bestimmen können!
Was hat das mit dem Thema zu tun? Sehr viel …
Ich will auch Elitekindergärten- und krippen. Was hat das mit dem Thema zu tun? Sehr viel.

Gruss JR-Europe.org
Samstag, 22. April 2006 17:42
Benedikt: @ deusexmachina
Mit Forderungen hat das nichts zu tun. Es ist eine Lehre. Wer sich nach ihr richtet und keine Kondome benutzt, der muss im Zweifelsfall enthaltsam leben. Tut er das nicht, dann lebt er schlicht und einfach nicht nach der Lehre. Diese kann dann nicht als Begründung für Missstände herangezogen werden.

Wenn mir mein Arzt sagt ich dürfe das Bett verlassen, wenn ich Krücken benutzen würde, dann kann ich nicht auf die Krücken pfeifen, das Bett aber dennoch verlassen und anschließend den Arzt für die Folgen verantwortlich machen. Er hat mir zwar das Verlassen erlaubt, aber eben nur unter bestimmten Voraussetzungen.

Mumpitz“ war, gemessen an so schönen Worten wie „Mord“, eine zweifelsohne freundliche Alternative, meinen Sie nicht?

Heute haben Sie es mit dem Lesen. Auch das Wort Mord kommt in meinen Ausführungen nicht vor.

Sie würden sie am liebsten verbieten. Ganz klasse. Ganz schön gewagt, derlei Ansprüche auf der Basis einer AUFFASSUNG.

Diese Kritik ist absurd. Jede Strafnorm basiert auf Auffassung. Die Forderung nach dem Verbot irgendeiner Sache basiert ebenfalls immer auf Auffassungen. Die Forderung nach einem Verbot ist vom Standpunkt der Willensausprägung genauso legitim wie eine gegenteilige Forderung. Auch Ihre Forderung beruhen auf Ihren Auffassungen, die Sie allerdings zum wiederholten Male nicht begründen können.
Samstag, 22. April 2006 17:31
deusexmachina: @Benedikt
Die katholische Kirche kann viel fordern. Besonders gerne fordert sie Dinge, die nachweislich in der Praxis nicht zu gewährleisten sind – Enthaltsamkeit ist da das Lieblingsspielzeug, stellt doch die Forderung nach ihr und der Verstoß dagegen einen unerschöpflichen Quell der „Sünde“ dar, für die sich ebenjene Kirche dann als Absolutionsinstanz anbietet… merken Sie was? Der ganze Käse ist nichts als eine gigantische Marketingmasche, und das seit bald 2000 Jahren.

„Mumpitz“ war, gemessen an so schönen Worten wie „Mord“, eine zweifelsohne freundliche Alternative, meinen Sie nicht? Ich habe Ihnen mehrfach (als DDL) Argumente gegen Ihre Auffassung gebracht, das brauchen wir nicht zu wiederholen. SIE haben eben zugegeben, dass es letztendlich eine „Auffassung“ ist, jetzt stehen Sie auch dazu. Meine ist eben anders als Ihre. Was gedenken Sie dagegen zu tun? Genau: Sie würden sie am liebsten verbieten. Ganz klasse. Ganz schön gewagt, derlei Ansprüche auf der Basis einer AUFFASSUNG.

Und Ihre Kommentare zum StGB gehen säuberlich am Kern vorbei :O)

So, genug für heute, Sie sind etwas neben der Spur. Demnächst ‘mal wieder mit etwas mehr Substanz, bitte – in alter Frische.
Samstag, 22. April 2006 17:19
Benedikt: @ deusexmachina
Das ändert nichts daran, dass die Enthaltsamkeitsforderung untrennbar mit dem Kondomverbot verbunden ist. Wer auf dieses Verbot hört muss enthaltsam leben; anderenfalls kann er nciht behaupten er verwende keine Kondome und halte sich so an die kirchliche Lehre. Das tut er eben nicht, wenn er nur die eine – ihm genehme – Hälfte beachtet.

Nun bitte, und meiner „Auffassung“ nach ist das völliger Mumpitz.

Kraftwörter ersetzn keine Argumentation. Sie müssen schon etwas bringen, was meiner Auffassung widerspricht. Sie haben dabei weder das Gesetz noch die Logik auf Ihrer Seite. Lediglich eine gute Portion Definitionsakkrobatik, ersonnen um die Abtreibung moralisch rechtfertigen zu können.

Die ggw. Gesetzeslage trägt doch exakt dem Rechnung, indem sie in die Anbtreibungsentscheidung die AUFFASSUNG der Eltern einbezieht.

Nach gegenwärtiger Rechtslage ist der Embryo nach der Einnistung durch das Strafgesetzbuch geschützt. Die Auffassungen der Eltern ist völlig irrelevant, besonders die des Vaters, der gar kein Mitspracherecht hat. Auch die Auffassung der Mutter muss sich den strafrechtlichen Vorschriften beugen.
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