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Montag, 24. April 2006 15:47
Postkoitale Sprachverhütung
Vorsicht vor dem verschleierndem Neusprech der Verhütungs- und Abtreibungslobby: Wer die Sprache dominiert, beherrscht auch das Denken. Ein Kommentar.
(kreuz.net/haefely.info) Ideologen und Lobbyisten machen sich bis heute schamlos eine alte Erkenntnis zunutzen. Die Methode ist so simpel wie bewährt: Man „versachlicht“ oder „entemotionalisiert“ einen umstrittenen Begriff oder Sachverhalt.

Statt „Tötung eines Kindes vor seiner Geburt“ benützt man darum den weniger emotionsgeladenen, neutralen Begriff „Schwangerschaftsabbruch“.

Am besten funktioniert diese Methode, wenn man dem neuen Begriff einen wissenschaftlichen Klang gibt. Die Sprachen Latein, Griechisch oder eventuell Englisch bieten sich zur Verschleierung an.

Aktuelles Beispiel: Die Sprachregelung für die „Tötungspille danach“.

In einem Interview der österreichischen Online-Zeitung ‘ÄrzteWoche’ mit Mag. Wolfgang Kostenwein vom Österreichischen Institut für Sexualpädagogik findet sich ein Musterbeispiel manipulativer Sprachdominanz.

In dem Interview bezeichnet der sogenannte Sexualpädagoge die „Pille danach“ als „postkoitale Verhütung“.

Wissenschaftlich nicht geschulte Leser werden darunter eine übliche Verhütungsmethode verstehen. Tatsächlich bewirkt dieses chemische Produkt aber, daß eine bereits befruchtete menschliche Eizelle, die im Begriff ist, sich in der Gebärmutter einzunisten und zu einem Baby heranzuwachsen, abgestoßen und ausgetrieben wird.

Es handelt sich um nichts weniger als um die provozierte Vernichtung eines menschlichen Embryos im Frühstadium, der – notabene – im Falle einer gesunden Entwicklung bereits erbberechtigt wäre.

Fazit: Begriffskompetenz assoziiert das Publikum gerne mit moralischer Kompetenz. Ein gefährlicher Trugschluß.
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 9 Lesermeinungen:
Dienstag, 25. April 2006 21:17
Bonjour: Von der Redaktion entfernt
Dienstag, 25. April 2006 19:42
centesimus annus: @copertino
Ich verwehre mich gegen die Formulierung Schluss-Schlenker, denn ich möchte klarstellen: In meinem Beitrag ging es um die Tatsache, dass das verwenden manipulativer Sachbezeichnungen einer der Lieblingssports der Autoren auf kreuz.net ist und es sich vor diesem Hintergrund ziemlich heuchlerisch ausnimmt, wenn ebendiese einen ganzen Artikel schreiben, in dem sie sich über einen einzelnen Euphemismus beklagen. Ob dieser Euphemismus dann tatsächlich einer ist, oder nicht, tut dabei nichts zur Sache. Ich nahm mir lediglich die Freiheit, in meinem Beitrag zum Schluss – sozusagen als Nachsatz – darauf hinzuweisen, dass es in diesem Fall tatsächlich einer ist und noch dazu einer, der sachlich ziemlich daneben ist. Dabei äußere ich mich nicht zu der vom Euphemismus bezeichneten Sache.
Dienstag, 25. April 2006 16:04
Copertino: Sachlich
@centannus

Zu guter Letzt landen Sie doch noch bei des Pudels Kern: Ihr Schluss-Schlenker – gewissermassen ein P.S. – würdigt immerhin den berechtigten Anlass zum obigen Kommentar. Ende gut, alles gut…, wenn dies auch nicht für die sogenannte „Tötungspille danach“ gilt.

P.S. Zu Recht mokieren Sie sich über den Begriff „die sogenannte ‘Tötungspille danach’“. Da hat sich der verantwortliche Kreuz.netler unglücklicherweise selbst ein linguistisches Bein gestellt.
Montag, 24. April 2006 22:59
bonifatius: @Centesimus: langweilig
@Centannus…Haben sie von kreuz.net oder hat kreuz.net von ihnen gelernt?
Nur sind ihre geschwulstigen Umschreibungen, die Wahrheit wegzuphilosophieren, sehr langweilig.
@deusex…anscheinend fürchten sie diese Höllenqualen sehr, sonst würden sie nicht so euphemistisch die Katholische Kirche beschmutzen. Aber sie brauchen wirklich keine Bedenken haben, daß der Schöpfer aller Welten den sündigen Unglauben, der die von Gott angebotene Gnade verschmäht hat, nicht verurteilt.
Montag, 24. April 2006 21:57
centesimus annus: armes kreuz.net
Ich weiß, das ist schon ein arges Gefühl, wenn man glaubt, eine Methode zu haben, vielleicht sogar eine Geheimwaffe, und dann erkennen muss: Der Gegner kann das auch! Das tut einem so richtig weh, noch mehr, wenn es die eigenen intellektuellen Kapazitäten nicht erlauben, sich auf die schnelle etwas neues einfallen zu lassen. Da muss man sich dann damit behelfen, die eigene Methode beim Gegner anzuprangern … und schwups entsteht ein Artikel wie dieser.

die sogenannte „Tötungspille danach“.
Besonders klar werden die fehlenden kognitiven Kapazitäten, wenn der Wunsch Vater des Gedanken ist und so eine Formulierung mit dem schönen, nach alter Rechtschreibung zusammengeschriebenen Wörtchen sogenannt attribuiert, wenn der ganze Artikel eigentlich davon handelt, dass sich der Autor beklagt, dass dieses Ding eben nicht so genanntwird. Wahrlich eine Meisterleistung intellektueller Tiefstapelei.

Abschließend sei noch der Fairness halber angemerkt, dass der Begriff „postkoitale Verhütung“ tatsächlich und sachlich ein ziemlicher Schwachsinn ist, weil das, wofür er verwendet wird, nicht der im allgemeinen Sprachkonsens vorherrschenden Definition von Verhütung als Empfängnisverhütung entspricht!
Montag, 24. April 2006 18:48
Der Tradition verbunden: Menschentötende Organisationen
wie hier in Deutschland z.B. „Pro Familia“ wirken bei dieser Sprachverhütung besonders stark mit. Allein der lateinische Name dieser Abtreibungstötungsorganisation ist schon eine Täuschung, denn sie ist eine der familienfeindlichsten Organisationen überhaupt.
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