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Dienstag, 25. April 2006 07:32
Noch mehr Rauch aus Rom
Der persönliche Sekretär eines Kurienkardinals hat gestern versucht, einen von seinem Vorgesetzten in der Kondomfrage entzündenen Flächenbrand einzudämmen.
Kurienkardinal Javier Lozano Barragán
Kurienkardinal Javier Lozano Barragán
(kreuz.net, Vatikan) Am Sonntag erklärte der mexikanische Kurienkardinal Javier Lozano Barragán vor der römischen Tageszeitung ‘La Repubblica’, daß der Vatikan ein Dokument über den Gebrauch von Kondomen bei Infektion mit HIV veröffentlichen wolle.

Kardinal Lozano ist der Präsident des Päpstlichen Rates für die Krankenpastoral und somit der vatikanische Gesundheitsminister.

Mit seinen Aussagen trat der Kardinal eine Lawine von Meldungen los, wonach der Vatikan gegenwärtig dabei sei, seine Lehre über den Gebrauch von Kondomen beim ehelichen Akt durch Ausnahmen zu durchlöchern.

Am Montag abend versuchte der persönliche Sekretär von Kardinal Lozano, Mons. Antonio Soto Guerrero, zu beschwichtigen. Er äußerte sich vor dem katholischen Nachrichtendienst ‘Catholic News Agency’.

Die Lehre der Kirche sei fest in den Prinzipien der katholischen Moral verankert. Bei Aids müsse man enthaltsam sein.

Man dürfe nicht vergessen, daß die Angelegenheit in weiten Strecken auf eine moralische Unordnung bezüglich des „siebten Gebotes“ zurückzuführen sei – wird der Monsignore von der Nachrichtenagentur zitiert.

Er erklärte ferner, daß die Glaubenskongregation tatsächlich überlege, ein Dokument zur Frage vom Kondomgebrauch bei Aids zu veröffentlichen.

Aus diesem Grund hätte ihr Präfekt, Joseph Kardinal Levada, die anderen vatikanischen Dikasterien um deren Meinung gebeten.

Als Antwort hätten die angefragten Stellen „sehr seriöse Studien“ ausgearbeitet.

In den nächsten Monaten werde die Glaubenskongregation eine gründliche Untersuchung durchführen. Deren Ergebnisse würden dem Papst präsentiert. Es liege dann an ihm, über die Veröffentlichung eines neuen Dokumentes zu entscheiden.

Mons. Soto unterstrich, daß die moralischen Prinzipien der Kirche dieselben blieben. Jedoch könnten sich die konkreten Umstände der Anwendung verändern.

Es gehe darum, die Lehre der Kirche auf immer neue Situationen wie die Infektionskrankheit Aids anzuwenden.

Mons. Soto erwähnte das oft zitierte Beispiel eines Paares, das heiraten möchte, wobei ein Ehepartner mit HIV infiziert ist: „Hat der andere Partner nicht das Recht, sein Leben zu schützen?“

Bereits im Januar des vergangenen Jahres hatte ein römischer Moraltheologe erklärt, daß ein ehelicher Akt hinter Gummischutzvorrichtungen eine Form der Selbstbefriedigung und darum moralisch verwerflich sei.

Die Verwendung von Kondomen sei mit zwei Ehepartnern zu vergleichen, die sich durch einen Plastiksack hindurch küssen, um eine Hepatitis-Infektion zu vermeiden.

Es gebe menschliche Krankheiten, die den ehelichen Akt unmöglich machen. Dazu gehöre zum Beispiel AIDS.
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 45 Lesermeinungen:
Mittwoch, 26. April 2006 16:00
Benedikt: @ Christianus
Die Kirche sieht das
entschieden anders, und das empfinde ich als mensche=
feindlich.


Das kann man so pauschal nicht sagen. Lesen Sie mal die Enzyklika d. neuen Papstes.

Natürlich geht das, und es dadurch keine Ersatzlehre
angeboten.


Doch, das wird es. Einerseits haben Sie eine Lehre, andererseits innerhalb dieser eine Vorschrift, die das Verhalten regelt, wenn die Lehre nicht beachtet würde. Warum sollte der, der Ungehorsam gegenüber der Lehre ist, bei der Ersatzvorschrift gehorsam sein. Das ist nur innerhalb eines Entweder/Oder denkbar und dann haben Sie zwei Lehren mit gegensätzlicher Aussage.

Die Sünde des außer-vor-bzw. gleichgeschlechtlichen
Geschlechtsverkehr, soll doch nicht mit der irdischen
Todesstrafe geahndet werden. Oder?


Natürlich nicht. Begreifen Sie doch: Wenn Sie sich eh schon außerhalb der Lehre befinden, dann gibt es keine Rechtfertigung mehr dafür, sich noch an einzelne Fragmente der Lehre zu halten. Diese sind eben nur wirksam, wenn Sie die ganze Lehre befolgen.

die Konsequenzen daraus aus ergeben sich vor dem Gottesgericht, und sind nicht Sache der Menschen!!

Verstehe ich nicht. Es geht hier doch nicht um Bestrafungen.

Wissen Sie übrigens, dass an Heroinsüchtige Nadeln ausgegeben werden,

Bekannt. Sie verkennen nur die Ausgangslage. Heroin ist ein Suchtmittel. Darauf kann der Mensch gar nicht verzichten, wenn er süchtig ist.
Mittwoch, 26. April 2006 14:57
Christianus: @Benedikt
Ich halte Sexualität bzw. partnerschaftlich gelebte
Sexualität für sich alleine genommen als einen positiven Wert. Etwas, was den Menschen Spaß macht, ihnen
gut tut, etwas dass der intimste Austausch zwischen
zwei Menschen sein kann, u.v.m. Die Kirche sieht das
entschieden anders, und das empfinde ich als mensche=
feindlich.

Das geht nicht. Es ist nicht möglich, eine Morallehre zu vertreten und gleichzeitig eine Ersatzlehre für den Fall zu konstruieren, dass jemand von ihr abweicht.
Natürlich geht das, und es dadurch keine Ersatzlehre
angeboten. Das ist ein abwägen was das geringere Übel ist. Die Sünde des außer-vor-bzw. gleichgeschlechtlichen
Geschlechtsverkehr, soll doch nicht mit der irdischen
Todesstrafe geahndet werden. Oder?

Es wäre so, wie wenn der Staat sagen würde: Brecht nicht ein, aber wenn ihr es doch tut, dann macht wenigstens nichts kaputt.
Gerade dieser Vergleich drückt die von mir unterstellte
Menschenfeindlichkeit sehr gut aus. Sünden „beleidigen
Gott“ (ich hoffe das kommt ungefähr hin), die Konsequenzen daraus aus ergeben sich vor dem Gottesgericht, und sind nicht Sache der Menschen!!
Wissen Sie übrigens, dass an Heroinsüchtige Nadeln
ausgegeben werden, obwohl Heroinkonsum ein strafrechtlich relevantes Delikt ist?. Dies geschieht, um
HIV-Infektionen zu unterbinden. Der Staat agiert hier
weit christlicher als die katholische Kirche…
Mittwoch, 26. April 2006 11:05
Laurentius2: @Schnabeltierkönig / wir sind nicht „Kinder der Welt“
Sehr zutreffend auf den Punkt gebracht. Aber manche Zeitgeistjünger sind wie verblendet und träumen von einer noch weitergehenden Anpassung an die Moderne. Das (bisher erfolglose) Anpassen der letzten vier Jahrzehnte erscheint ihnen noch nicht weit genug.

Dabei weisen doch schon der Heilige Apostel Paulus und der Heilige erste Papst Petrus mehrfach darauf hin, wie wichtig es ist, sich von dieser Welt abzugrenzen. Dabei sollen wir nicht alle (!) ins Extrem der Manichäer oder Katarrher fallen, aber was heute unter liberalen Katholiken en vogue ist, die Anpassung an die gottlose Moderne (zB im Denken) – das ist doch das andere Extrem !

Einfach katholisch bleiben – nicht von dieser Welt sein, sondern in dieser Welt leben und Christus bekennen.
Mittwoch, 26. April 2006 00:18
methusalix †: @laurentiusII und bonifatius
Laurentius2: Die Welt ist nicht schlecht RICHTIG erkannt! Nicht die Welt sondern die Menschen!
Die Dinge laufen wunderbar seit … Falsch, die Kirchen sind leer, weil seit dem Abgang der verlogenen Adenauer-Republik die Menschen aus den Kirchen hinausgepredigt wurden. Kein Mensch verstand noch das Geschwafel aus dem achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert und kein Mensch will mehr das Gejammer vom Machtverlust des römischen Klerus hören. Wenn sich die Kirchenbeamten nicht ganz heftig am Riemen reissen und endlich im heute ankommen, werden wir Katholiken zu einem Häufchen einer kleinen, elenden Sekte verkommen. Das Vatikanum hat ein „aggiornamento“ versucht. Es wurde nach dem Tod des Roncalli-Papstes von den ängstlichen und kleinmütigen torpediert, um der ureigenen Macht willen. Jetzt haben wir den Salat.
Hm, aber wieso bestürmt dann … Sehen Sie das so? Dann wundert es mich dass hier alle, die sich für die einzig wahren Katholiken halten, noch vor der Kurie und sogar dem Papst, immer und immer wieder aufs heftigste bejammern, dass die Menschheit so schlecht ist und alleine um des sexuellen Lustgewinnes willen sich um die Befehle aus Rom einen feuchten Kehricht schert und munter mit Kondomen drauflosliebt. Wozu brauchen diese Menschen eine Aufhebung des Kondomverbotes?
Satire Nein, dafür ist das zu unintelligent, es ist lediglich ein mieser Witz.
Dienstag, 25. April 2006 23:46
Schnabeltierkönig: Ohne Zweifel!
Die Welt ist ohne Zweifel schlecht, kein normaler Mensch kann das leugnen. Sie ist schlecht, und das seit dem Sündenfall. Aber nie so wie heute. Mädchen lassen ihren (ungeborenen) Kindern Giftspritzen ins Herz jagen, im 6. Monat! Wie kann man in einer solchen Welt eigentlich leben, ohne Wahnsinnig zu werden und sich auf dem Dachboden zu erhängen?
So eine Welt finden nur die Gottlosen schön, nicht aber diejenigen die wahre Christen sind, wahre Katholiken!
Dienstag, 25. April 2006 22:47
Dank der Redaktion für die Korrektur der beiden Artikel zum Thema. Nehmt mir meine deutliche Kritik nicht übel, und falls es zu scharf war, bitte ich um Vergebung.
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