„Täglich trainiere ich Gesprächsführung und Controlling“
Frau von der Leyen, warum wollen Sie mir ein Berufsverbot erteilen? Offener Brief zur beabsichtigten Abschaffung der Einverdienerehe an Familienministerin Ursula von der Leyen. Von Kinderärztin Maria Steuer.
Sehr geehrte Frau Ministerin von der Leyen, sehr geehrte Frau Kollegin,mit Entsetzen habe ich erfahren, daß Sie mir Berufsverbot erteilen wollen, obwohl ich mir nichts habe zuschulden kommen lassen!
Ich erledige meine Aufgaben mit großem Engagement, mache wenn nötig Überstunden, habe kaum Fehlzeiten und sorge immer für eine adäquate Vertretung.
Hauptberuflich bin ich Mutter von 3 Schulkindern und Hausfrau. Im Erwerbsleben bin ich Kinderärztin, Schulärztin und Familientherapeutin.
Ich habe mich, wie viele Frauen in Deutschland, freiwillig und aus innerer Überzeugung für die Ausübung meines Lieblingsberufes entschieden, nämlich Mutter zu sein, und empfinde das als meine eigentliche Berufung und Aufgabe.
Erziehung ist oft spontan – Kinder fragen und dann gibt man eine Antwort, was die Präsenz voraussetzt.
Mutter zu sein bedeutet für mich also im wesentlichen, für meine Kinder da zu sein und viel Zeit mit ihnen zu verbringen, um sie auf dem Weg zu einem verantwortungsbewußten Menschen begleiten zu können.
Und nun planen Sie als Familienministerin den Ausbau der Ganztagsbetreuung für Kinder jeden Alters, einschließlich der verpflichtenden Ganztagsschulen.
Sie nehmen mir damit mein wichtigstes Betätigungsfeld und den Kindern eine individuelle Erziehung!
Ich möchte eine tragfähige Beziehung zu den Kindern, um sie über die Pubertät hinaus wegweisend begleiten zu können! Der Lebensraum für meine Kinder ist die Familie mit ihrem sozialen Umfeld – hier lernen die Kinder Werte und Traditionen und erhalten emotionale Stabilität.
Für ein solches Lernziel ist es nötig, viel Zeit zu investieren – und zwar mit allen „Angestellten“ des mittelständischen Unternehmens Familie.
Bisher habe ich meinen Job gut gemacht: Ich habe für die Kinder gesorgt, als sie klein waren; ich habe Nächte durchwacht, als sie krank waren; ich habe hinter ihnen gestanden, wenn es Schulprobleme gab oder Phasen mit wenig Motivation zu überstehen waren, wenn es Liebeskummer gab; ich habe ihre Fähigkeiten gefördert; habe diskutiert, wenn es um Mobbing, Gewalt oder Drogenkontakt ging.
Ich habe auch an meiner Persönlichkeit gearbeitet, habe mich fortgebildet, Kurse in Babymassage besucht, Erziehungsbücher und Was-ist-was-Bücher gelesen, wurde Fachfrau für gesunde Ernährung, bringe die Talente der Kinder zur Entfaltung, habe gelernt, drei Dinge gleichzeitig zu tun, täglich trainiere ich Gesprächsführung und Controlling, habe gelernt, positiv zu denken, …und es macht mir Spaß, und ich möchte nicht eine Minute missen!
In meinem Beruf betreibe ich aktive Prävention – Prävention gegen Gewalt und Drogen, Prävention gegen Sucht und Depression, Prävention gegen Bindungsunfähigkeit und Kinderlosigkeit!
Kann die Gesellschaft es sich leisten, auf solch eine Arbeit zu verzichten, wie sie nur Mütter und Hausfrauen beziehungsweise Familienmanagerinnen vollbringen?
Glauben Sie wirklich, daß Erzieherinnen oder Pädagogen meinen Job besser machen? Ich akzeptiere durchaus Mütter, die so wie Sie andere Lieblingsberufe haben.
Warum wird dann nicht umgekehrt akzeptiert, daß ich gerne Mutter und Hausfrau bin?
Warum soll ich nicht mehr frei über meinen Lebensplan entscheiden dürfen?
Und als Großmutter soll ich dann in eines der von Ihnen gegründeten Mehrgenerationenhäuser ziehen, die ja sowieso von 8.00 Uhr bis 17.00 Uhr leerstehen, da Eltern am Arbeitsplatz und Kinder in der Ganztagsbetreuung, beziehungsweise Ganztagsschule sind?
Mir scheint es fast so, als ob Sie Ihren Lebensplan als den allein glücklich machenden betrachten und nun über die Geldverteilung den Rest der Mütter zwingen wollen, eben diesen – Ihren Plan – auch zu leben.
Von Wahlfreiheit kann so nicht die Rede sein, denn Einverdienerfamilien können sich Familienerziehung kaum noch leisten.
Ich würde mich freuen, Ihre Beweggründe kennenzulernen, die Sie dazu veranlassen, so weit über mein Leben bestimmen zu wollen.
Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen!
Mit freundlichen Grüßen
M. Steuer
P.S.: Sollten Sie Interesse an Fachliteratur haben, die Ihnen wissenschaftlich belegt, daß meine Erziehungsarbeit durch nichts zu ersetzen ist, gebe ich Ihnen gerne Quellen an! Oder schauen Sie sich die Homepage www.familien-ev.org an – dort sehen Sie, daß ich mit meiner Meinung kein Einzelfall bin.
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Freitag, 29. September 2006 13:39
zweifel: ein Tabu wird gebrochen!
Ich möchte mich herzlich für diesen offenen Brief bedanken. Endlich wird ein Tabu gebrochen! Nachdem
die Rollen der Mutter solange von allen möglichen Leuten als schlecht diffamiert worden ist.
Ich persönlich(Mann) zweifle stark an dem Gesetz der Familienministerin und finde, dass vor allem Mütter und Hausfrauen dadurch schlechter gestellt werden. Die Erziehungsleistung dieser Frauen wird noch schlechter dargestellt als es ohnehin schon in unserer Gesellschaft ist. Die Frage ist doch:
Was ist wertvolle für unsere Gesellschaft, die Erziehung von Kindern zu starken Persönlichkeiten oder die materielle Selbstverwirklichung der Frauen?
Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin nicht dafür alle Frauen in die Rolle der Mutter und Hausfrau zu drängen. Oder die Väter komplett aus der Verantwortung zu entlassen. wer sich dazu berufen fühlt Karriere zu machen, sollte das ruhig tun. Nur sollte man Frauen nicht dazu staatlich zwingen Karrierefrauen zu werden und ihnen einreden, dass das doch viel wertvoller und besser für sie sei.
Ich finde unsere Gesellschaft sollte endlich die Leistung von Müttern anerkennen, sowohl in materieller Hinsicht als auch im gesellschaftlichen Ansehen!
Ich persönlich(Mann) zweifle stark an dem Gesetz der Familienministerin und finde, dass vor allem Mütter und Hausfrauen dadurch schlechter gestellt werden. Die Erziehungsleistung dieser Frauen wird noch schlechter dargestellt als es ohnehin schon in unserer Gesellschaft ist. Die Frage ist doch:
Was ist wertvolle für unsere Gesellschaft, die Erziehung von Kindern zu starken Persönlichkeiten oder die materielle Selbstverwirklichung der Frauen?
Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin nicht dafür alle Frauen in die Rolle der Mutter und Hausfrau zu drängen. Oder die Väter komplett aus der Verantwortung zu entlassen. wer sich dazu berufen fühlt Karriere zu machen, sollte das ruhig tun. Nur sollte man Frauen nicht dazu staatlich zwingen Karrierefrauen zu werden und ihnen einreden, dass das doch viel wertvoller und besser für sie sei.
Ich finde unsere Gesellschaft sollte endlich die Leistung von Müttern anerkennen, sowohl in materieller Hinsicht als auch im gesellschaftlichen Ansehen!
Freitag, 28. April 2006 18:38
sofiairene: Die Kirche im Dorf lassen
Liebe Frau Steuer, nur weil Frau van der Leyen die Ganztagesschule einführen will, heißt dies doch nicht, daß Sie als Mutter Berufsverbot erhalten sollen (einmal abgesehen davon, daß Ihre Kinder vermutlich erwachsen sein werden, bis dieses vorhaben umgesetzt ist)! ich finde es ganz toll, dass Sie zu Gunsten Ihrer Familie auf den Arztberuf verzichtet haben. Andererseits weiß ich auch von Müttern in anderen europäischen Ländern mit Ganztagesschulen,(GB, USA) die ganz oder zeitweise auf ihren Beruf verzichtet haben und sich nicht überflüssig vorkamen, nur weil ihre Kinder statt um 13.30 um 16. Uhr nach Hause kamen. Ich wünsche Ihnen weiterhin ein schönes und harmonisches Familienleben. Viele Grüße
Donnerstag, 27. April 2006 23:27
Jörg Guttenberger, Köln: Bevormundung
Der ganze Plan ist schon deswegen eine Unverschämtheit, weil er Elternpaare grundgesetzwidrig bevormundet,
wie sie die Zeit des Bezugs von Elterngeld regeln. Traut Frau vdL den Eltern so wenig Enscheidungskompetenz
zu? Normalerweise nimmt der Geringerverdienende das Elerngeld. Frau vdL verlangt aber vom Vater wenigstens
20 % der Erziehungszeit.
Ist der Vater der Geringerverdienende, ist das kein Problem. In diesem Fall verlangt Frau vdL aber von der Mutter diese 20 % nicht, soweit bekannt. Hier liegt dann aber eine grundgesetzwidrige Ungleichbehandlung der Geschlechter vor!
Wer selber, wie Frau vdL, genug Geld für Kindermädchen hat, kann sich der erziehungsgeldbedingen Bevormundung entziehen. Das schafft eine Zwei-Klassen-Gesellschaft!
Ist der Vater der Geringerverdienende, ist das kein Problem. In diesem Fall verlangt Frau vdL aber von der Mutter diese 20 % nicht, soweit bekannt. Hier liegt dann aber eine grundgesetzwidrige Ungleichbehandlung der Geschlechter vor!
Wer selber, wie Frau vdL, genug Geld für Kindermädchen hat, kann sich der erziehungsgeldbedingen Bevormundung entziehen. Das schafft eine Zwei-Klassen-Gesellschaft!
Mittwoch, 26. April 2006 19:51
Josefus: Belohnung für nicht geleistete Hausarbeit
Zu behaupten, dass ich berufstätige Frauen verdamme, nur weil ich die ungerechte Behandlung der Hausfrauen
anprangere, ist nicht fair, aber in der Argumentation typisch für Ihre Interessensgruppe.
Gut gefällt mir Ihre mir unterstellte Formulierung bzw. Interpretation meiner Aussage, dass sie 1800 Euro Lohn erhält „als Belohnung für nicht geleistete Hausarbeit“. Die Formulierung ist mir gar nicht eingefallen, bringt es aber gut auf den Punkt. Denn ich wüßte nicht was berufstätige Frauen in der nicht berufstätigen Elternzeit mehr verdienen sollten als Hausfrauen. Oder wieso bekommen vollberufstätige Frauen mehr Geld, die ihre Kinder in staatlich unterstützen Ganztagseinrichtungen betreuen lassen, als halbtagssberfustäige Frauen mit geringerem Lohn? Wieso wird die Ganztagsbetreuung der Hausfrau und Mutter nicht gleichermaßen staatlich gefördert? Eine ganz klare Bevorzugung der Karrierefrau gegenüber der Hausfrau und Mutter, die sich ganz ihren Kindern widmet oder sich vielleicht ein bißchen nebenbei verdient oder ehrenamtliche Dienste verrichtet. Auch Alleinerziehende mit geringem Einkommen sind benachteiligt.
Gut gefällt mir Ihre mir unterstellte Formulierung bzw. Interpretation meiner Aussage, dass sie 1800 Euro Lohn erhält „als Belohnung für nicht geleistete Hausarbeit“. Die Formulierung ist mir gar nicht eingefallen, bringt es aber gut auf den Punkt. Denn ich wüßte nicht was berufstätige Frauen in der nicht berufstätigen Elternzeit mehr verdienen sollten als Hausfrauen. Oder wieso bekommen vollberufstätige Frauen mehr Geld, die ihre Kinder in staatlich unterstützen Ganztagseinrichtungen betreuen lassen, als halbtagssberfustäige Frauen mit geringerem Lohn? Wieso wird die Ganztagsbetreuung der Hausfrau und Mutter nicht gleichermaßen staatlich gefördert? Eine ganz klare Bevorzugung der Karrierefrau gegenüber der Hausfrau und Mutter, die sich ganz ihren Kindern widmet oder sich vielleicht ein bißchen nebenbei verdient oder ehrenamtliche Dienste verrichtet. Auch Alleinerziehende mit geringem Einkommen sind benachteiligt.
Mittwoch, 26. April 2006 19:38
methusalix †: @parzifal
Parzifal: Eine Frau ohne Kopftuch gehört gesteinigt!
Mir tut es in der Seele weh wenn ich mir vorstelle wie viele zehntausend Euro der Steuerzahler aufwenden mußte damit diese Frau Abitur machen und Medizin studieren konnte.
Zehntausende Euro völlig umsonst. Es wäre doch viel klüger wenn man die Schulpflicht für Mädchen ganz abschaffen würde…
Hallo Parzifal! Sie sind ein Bösewicht und werden in der Hölle schmoren! Wenn es nach den Erzreaktionären in diesem Forum geht, werde ich Sie dort erwarten; willkommen im Club. (psssst, die anderen wissen nur noch nicht, dass sie alle uns Gesellschaft leisten werden.)
Mir tut es in der Seele weh wenn ich mir vorstelle wie viele zehntausend Euro der Steuerzahler aufwenden mußte damit diese Frau Abitur machen und Medizin studieren konnte.
Zehntausende Euro völlig umsonst. Es wäre doch viel klüger wenn man die Schulpflicht für Mädchen ganz abschaffen würde…
Hallo Parzifal! Sie sind ein Bösewicht und werden in der Hölle schmoren! Wenn es nach den Erzreaktionären in diesem Forum geht, werde ich Sie dort erwarten; willkommen im Club. (psssst, die anderen wissen nur noch nicht, dass sie alle uns Gesellschaft leisten werden.)
Mittwoch, 26. April 2006 17:43
Navon: @ Josefus
Dass die Frau in Deinem Beispiel die besagten 1800€ nicht als Belohnung für nicht geleistete Hausarbeit
enthält, sondern als erarbeiteten Lohn für die geleistete Arbeit (neben Hausarbeit und Kindererziehung),
scheint in Deinem Kopf noch nicht angekommen zu sein.
Natürlich sollte man kindererziehende Hausfrauen besser unterstützen, aber deswegen berufstätige Frauen zu verdammen ist der falsche Weg. Zumal es genügend Familien gibt, die vom Gehalt eines arbeitenden Elternteils eben nicht leben können.
N.
Natürlich sollte man kindererziehende Hausfrauen besser unterstützen, aber deswegen berufstätige Frauen zu verdammen ist der falsche Weg. Zumal es genügend Familien gibt, die vom Gehalt eines arbeitenden Elternteils eben nicht leben können.
N.
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