09:35:21 | Mittwoch, 26. April 2006
Frau von der Leyen, warum wollen Sie mir ein Berufsverbot erteilen? Offener Brief zur beabsichtigten Abschaffung der Einverdienerehe an Familienministerin Ursula von der Leyen. Von Kinderärztin Maria Steuer.
Sehr geehrte Frau Ministerin von der Leyen, sehr geehrte Frau Kollegin,
mit Entsetzen habe ich erfahren,
daß Sie mir Berufsverbot erteilen wollen, obwohl ich mir nichts habe zuschulden kommen lassen!
Ich erledige
meine Aufgaben mit großem Engagement, mache wenn nötig Überstunden, habe kaum Fehlzeiten und sorge
immer für eine adäquate Vertretung.
Hauptberuflich bin ich Mutter von 3 Schulkindern und Hausfrau.
Im Erwerbsleben bin ich Kinderärztin, Schulärztin und Familientherapeutin.
Ich habe mich, wie viele
Frauen in Deutschland, freiwillig und aus innerer Überzeugung für die Ausübung meines Lieblingsberufes
entschieden, nämlich Mutter zu sein, und empfinde das als meine eigentliche Berufung und Aufgabe.
Erziehung
ist oft spontan – Kinder fragen und dann gibt man eine Antwort, was die Präsenz voraussetzt.
Mutter
zu sein bedeutet für mich also im wesentlichen, für meine Kinder da zu sein und viel Zeit mit ihnen
zu verbringen, um sie auf dem Weg zu einem verantwortungsbewußten Menschen begleiten zu können.
Und
nun planen Sie als Familienministerin den Ausbau der Ganztagsbetreuung für Kinder jeden Alters, einschließlich
der verpflichtenden Ganztagsschulen.
Sie nehmen mir damit mein wichtigstes Betätigungsfeld und den Kindern
eine individuelle Erziehung!
Ich möchte eine tragfähige Beziehung zu den Kindern, um sie über die
Pubertät hinaus wegweisend begleiten zu können! Der Lebensraum für meine Kinder ist die Familie mit
ihrem sozialen Umfeld – hier lernen die Kinder Werte und Traditionen und erhalten emotionale Stabilität.
Für ein solches Lernziel ist es nötig, viel Zeit zu investieren – und zwar mit allen „Angestellten“
des mittelständischen Unternehmens Familie.
Bisher habe ich meinen Job gut gemacht: Ich habe für die
Kinder gesorgt, als sie klein waren; ich habe Nächte durchwacht, als sie krank waren; ich habe hinter
ihnen gestanden, wenn es Schulprobleme gab oder Phasen mit wenig Motivation zu überstehen waren, wenn
es Liebeskummer gab; ich habe ihre Fähigkeiten gefördert; habe diskutiert, wenn es um Mobbing, Gewalt
oder Drogenkontakt ging.
Ich habe auch an meiner Persönlichkeit gearbeitet, habe mich fortgebildet,
Kurse in Babymassage besucht, Erziehungsbücher und Was-ist-was-Bücher gelesen, wurde Fachfrau für gesunde
Ernährung, bringe die Talente der Kinder zur Entfaltung, habe gelernt, drei Dinge gleichzeitig zu tun,
täglich trainiere ich Gesprächsführung und Controlling, habe gelernt, positiv zu denken, …und es
macht mir Spaß, und ich möchte nicht eine Minute missen!
In meinem Beruf betreibe ich aktive Prävention –
Prävention gegen Gewalt und Drogen, Prävention gegen Sucht und Depression, Prävention gegen Bindungsunfähigkeit
und Kinderlosigkeit!
Kann die Gesellschaft es sich leisten, auf solch eine Arbeit zu verzichten, wie
sie nur Mütter und Hausfrauen beziehungsweise Familienmanagerinnen vollbringen?
Glauben Sie wirklich,
daß Erzieherinnen oder Pädagogen meinen Job besser machen? Ich akzeptiere durchaus Mütter, die so wie
Sie andere Lieblingsberufe haben.
Warum wird dann nicht umgekehrt akzeptiert, daß ich gerne Mutter und
Hausfrau bin?
Warum soll ich nicht mehr frei über meinen Lebensplan entscheiden dürfen?
Und als Großmutter
soll ich dann in eines der von Ihnen gegründeten Mehrgenerationenhäuser ziehen, die ja sowieso von 8.00
Uhr bis 17.00 Uhr leerstehen, da Eltern am Arbeitsplatz und Kinder in der Ganztagsbetreuung, beziehungsweise
Ganztagsschule sind?
Mir scheint es fast so, als ob Sie Ihren Lebensplan als den allein glücklich machenden
betrachten und nun über die Geldverteilung den Rest der Mütter zwingen wollen, eben diesen – Ihren Plan –
auch zu leben.
Von Wahlfreiheit kann so nicht die Rede sein, denn Einverdienerfamilien können sich Familienerziehung
kaum noch leisten.
Ich würde mich freuen, Ihre Beweggründe kennenzulernen, die Sie dazu veranlassen,
so weit über mein Leben bestimmen zu wollen.
Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen!
Mit freundlichen
Grüßen
M. Steuer
P.S.: Sollten Sie Interesse an Fachliteratur haben, die Ihnen wissenschaftlich belegt,
daß meine Erziehungsarbeit durch nichts zu ersetzen ist, gebe ich Ihnen gerne Quellen an! Oder schauen
Sie sich die Homepage
www.familien-ev.org an – dort sehen Sie, daß ich mit meiner Meinung kein Einzelfall
bin.
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.