09:51:25 | Mittwoch, 3. Mai 2006
Der Vorsitzende der Liturgiekommission der US- Bischofskonferenz ist von der seit langem diskutierten Neuübersetzung der englischsprachigen liturgischen Bücher nicht überzeugt. Sie würde der Forderung des Konzils nach einer „aktiven Teilnahme“ der Gläubigen nicht entsprechen.
(kreuz.net, Los Angeles) Ende März äußerte sich der Bischof von Erie, Mons. Donald Trautmann, über
die Neuübersetzung der liturgischen Bücher für die englische Sprache.
Erie liegt im US-Bundesstaat
Pennsylvenia im Nordosten der USA
Der Bischof – der in diesem Bereich seit Jahren stark engagiert ist –
sprach auf einem Kongreß in Los Angeles, der vom 31. März bis 1. April stattfand. Los Angeles befindet
sich im US-Bundesstaat Kalifornien im Südwesten der USA.
Bischof Trautmann ist
seit November 2004 Vorsitzender
des Liturgieausschusses der US-Bischofskonferenz. Er gilt als liberal und ist ein Verfechter der geschlechtsneutralen
Sprache, die er in der Vergangenheit auch gegen Widerstände aus dem Vatikan verteidigte.
Das Bemühen
um eine Neuübersetzung des englischen Meßbuches aus dem Lateinischen quält die Kirche der englischsprachigen
Welt bereits seit Mitte der 90er Jahre.
Die inzwischen entstandene Neuübersetzung bemüht sich um eine
größere Treue zum lateinischen Originaltext. Sie kommt damit einer Forderung des vatikanischen Dokument
‘Liturgicam Authenticam’ vom Mai 2001 nach.
Bischof Trautman ist ein Kritiker dieses Dokuments. Auch
gegen die vorliegende Neuübersetzung, die von der ‘Internationalen Kommission für Englisch in der Liturgie’
verantwortet wird, hat er Einwände.
Die liturgische Sprache müsse nicht nur sinngetreu und genau, sondern
auch verständlich, verkündigungsgemäß und würdig sein. Sie müsse der Art und Weise, wie die englische
Sprache derzeit in den Vereinigten Staaten gesprochen werde, gerecht werden.
Auf der Suche nach einem
sakralen Vokabular würden die neuen Übersetzungen aber nicht selten Ausdrücke und Konstruktionen benützen,
die der „lebendigen Sprache der Gottesdienstgemeinde“ fremd seien.
Dadurch würden die Texte der Vision
des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-65) nach einer Förderung der „vollen, bewußten und tätigen
Teilnahme“ nicht entsprechen.
Im Glaubensbekenntnis ersetze das neue Meßbuch zum Beispiel die bisher
verwendete Formulierung „Eins im Sein mit dem Vater“ durch die Worte „konsubstantiell mit dem Vater“.
Ebenso werde der Satz „geboren aus der Jungfrau Maria“ in der neuen Übersetzung durch „fleischgeworden
durch die Jungfrau Maria“ ausgetauscht.
Eine weitere Änderung betreffe den Römischen Kanon – das sogenannte
erste Eucharistische Hochgebet.
Die neue Übersetzung spreche dort vom „kostbaren Kelch“ und nicht wie
bisher vom „Becher“ . Das sei ein Beispiel dafür, wie den Aussagen der Bibel eigene „Vorstellungen übergestülpt“
würden, glaubt Bischof Trautmann.
Er gesteht, daß die Neuübersetzungen häufig näher beim lateinischen
Originaltext sind.
Dennoch würden sie die „genauen und rechtgläubigen Formulierung jenes Glaubens,
den wir in den letzten 35 Jahren bekannt haben“, unnötigerweise vertreiben, meint der liberale Bischof
nostalgisch.
Verteidiger der neuen Übersetzungen würden oft eingestehen, daß Katechesen notwendig
seien, um unbekannte Begriffe zu erklären. Er bezweifle jedoch, daß derartige Katechesen Erfolg haben
würden:
„Wir können Priester nicht motivieren, hinauszugehen und die Texte zu erklären, bis sie nicht
davon überzeugt sind, daß die Veränderungen wirklich notwendig sind“ – so der Bischof.
Die Gläubigen
würden dem Priester nach der Messe nicht hinterherlaufen und fragen, „was hat dieses Wort bedeutet?“
Er selber sei fünf Jahre lang in einer Pfarrei gewesen. Deshalb glaube er nicht, daß das so funktionieren
werde.
Im kommenden Juni werden die US-Bischöfe über die Neuübersetzung abstimmen. Mons. Trautmann
glaubt, daß ungefähr die Hälfte der US-Bischöfe die Texte ablehnen.
Für die Annahme der neuen liturgischen
Bücher ist eine Zweidrittelmehrheit notwendig. John Allen, der Vatikanist der liberalen US-Wochenzeitung
‘National Catholic Reporter’ meint jedoch, daß die Bischofskonferenz von der jahrelangen Debatte über
dieses Thema müde sei.
Deshalb halte er es für möglich, daß die Bischöfe für die Übersetzung stimmen –
selbst, wenn sie nicht mit ihr zufrieden seien –, um die Streitereien zu einem Abschluß zu bringen.
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