Liturgie
Wenn der Becher zum kostbaren Kelch wird
Der Vorsitzende der Liturgiekommission der US- Bischofskonferenz ist von der seit langem diskutierten Neuübersetzung der englischsprachigen liturgischen Bücher nicht überzeugt. Sie würde der Forderung des Konzils nach einer „aktiven Teilnahme“ der Gläubigen nicht entsprechen.
(kreuz.net, Los Angeles) Ende März äußerte sich der Bischof von Erie, Mons. Donald Trautmann, über die Neuübersetzung der liturgischen Bücher für die englische Sprache.

Erie liegt im US-Bundesstaat Pennsylvenia im Nordosten der USA

Der Bischof – der in diesem Bereich seit Jahren stark engagiert ist – sprach auf einem Kongreß in Los Angeles, der vom 31. März bis 1. April stattfand. Los Angeles befindet sich im US-Bundesstaat Kalifornien im Südwesten der USA.

Bischof Trautmann ist seit November 2004 Vorsitzender des Liturgieausschusses der US-Bischofskonferenz. Er gilt als liberal und ist ein Verfechter der geschlechtsneutralen Sprache, die er in der Vergangenheit auch gegen Widerstände aus dem Vatikan verteidigte.

Das Bemühen um eine Neuübersetzung des englischen Meßbuches aus dem Lateinischen quält die Kirche der englischsprachigen Welt bereits seit Mitte der 90er Jahre.

Die inzwischen entstandene Neuübersetzung bemüht sich um eine größere Treue zum lateinischen Originaltext. Sie kommt damit einer Forderung des vatikanischen Dokument ‘Liturgicam Authenticam’ vom Mai 2001 nach.

Bischof Trautman ist ein Kritiker dieses Dokuments. Auch gegen die vorliegende Neuübersetzung, die von der ‘Internationalen Kommission für Englisch in der Liturgie’ verantwortet wird, hat er Einwände.

Die liturgische Sprache müsse nicht nur sinngetreu und genau, sondern auch verständlich, verkündigungsgemäß und würdig sein. Sie müsse der Art und Weise, wie die englische Sprache derzeit in den Vereinigten Staaten gesprochen werde, gerecht werden.

Auf der Suche nach einem sakralen Vokabular würden die neuen Übersetzungen aber nicht selten Ausdrücke und Konstruktionen benützen, die der „lebendigen Sprache der Gottesdienstgemeinde“ fremd seien.

Dadurch würden die Texte der Vision des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-65) nach einer Förderung der „vollen, bewußten und tätigen Teilnahme“ nicht entsprechen.

Im Glaubensbekenntnis ersetze das neue Meßbuch zum Beispiel die bisher verwendete Formulierung „Eins im Sein mit dem Vater“ durch die Worte „konsubstantiell mit dem Vater“.

Ebenso werde der Satz „geboren aus der Jungfrau Maria“ in der neuen Übersetzung durch „fleischgeworden durch die Jungfrau Maria“ ausgetauscht.

Eine weitere Änderung betreffe den Römischen Kanon – das sogenannte erste Eucharistische Hochgebet.

Die neue Übersetzung spreche dort vom „kostbaren Kelch“ und nicht wie bisher vom „Becher“ . Das sei ein Beispiel dafür, wie den Aussagen der Bibel eigene „Vorstellungen übergestülpt“ würden, glaubt Bischof Trautmann.

Er gesteht, daß die Neuübersetzungen häufig näher beim lateinischen Originaltext sind.

Dennoch würden sie die „genauen und rechtgläubigen Formulierung jenes Glaubens, den wir in den letzten 35 Jahren bekannt haben“, unnötigerweise vertreiben, meint der liberale Bischof nostalgisch.

Verteidiger der neuen Übersetzungen würden oft eingestehen, daß Katechesen notwendig seien, um unbekannte Begriffe zu erklären. Er bezweifle jedoch, daß derartige Katechesen Erfolg haben würden:

„Wir können Priester nicht motivieren, hinauszugehen und die Texte zu erklären, bis sie nicht davon überzeugt sind, daß die Veränderungen wirklich notwendig sind“ – so der Bischof.

Die Gläubigen würden dem Priester nach der Messe nicht hinterherlaufen und fragen, „was hat dieses Wort bedeutet?“ Er selber sei fünf Jahre lang in einer Pfarrei gewesen. Deshalb glaube er nicht, daß das so funktionieren werde.

Im kommenden Juni werden die US-Bischöfe über die Neuübersetzung abstimmen. Mons. Trautmann glaubt, daß ungefähr die Hälfte der US-Bischöfe die Texte ablehnen.

Für die Annahme der neuen liturgischen Bücher ist eine Zweidrittelmehrheit notwendig. John Allen, der Vatikanist der liberalen US-Wochenzeitung ‘National Catholic Reporter’ meint jedoch, daß die Bischofskonferenz von der jahrelangen Debatte über dieses Thema müde sei.

Deshalb halte er es für möglich, daß die Bischöfe für die Übersetzung stimmen – selbst, wenn sie nicht mit ihr zufrieden seien –, um die Streitereien zu einem Abschluß zu bringen.
      
7 Lesermeinungen
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#8   athanasius1957   21:17:26 | Mittwoch, 3. Mai 2006
Der arme Bischof Trautmann
Ebenso werde der Satz „geboren aus der Jungfrau Maria“ in der neuen Übersetzung durch „fleischgeworden durch die Jungfrau Maria“ ausgetauscht. Interessanterweise wird wohl aus incarnátus nun wieder fleischgeworden aber aus ex María Virgine aehnlich der deutschen Falschuebersetzung nur durch. Gerade das ex ist aber der entscheidende theologische geschriebene Unterschied zum de. Natus de matre sind wir Menschen. Christus hingegen incarnatus ex maria virgine, womit glasklar dargestellt ist, dass die Empfaengnis ohne das Zutun eines Mannes sondern nur de spiritu sancto erfolgte. Auch zeigt sich mit dem ex der theologische Ansatz zur Sempervirgo.
…Die neue Übersetzung spreche dort vom „kostbaren Kelch“ und nicht wie bisher vom „Becher“ .
Dass die alten Lateiner unter vas, urceolum und calix unterscheiden konnten ist klar, dass aber ein aufgeklaerter Bischof dazu unfaehig ist, zeigt von seiner Verblendung. Cup im Englischen ist eigentlich das Haeferl, cup of coffee, tea…, Chalice ist aber das Trinkgefaess von hohem Wert. Senden wir dem Hw. Herrn Bischof eine Uebersetzung von Die Entdeckung des Heiligen Grals von Michael Hesemann zu.
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#7   Athanasius   17:45:53 | Mittwoch, 3. Mai 2006
Fehlübersetzung mehr oder weniger
und eine linguistische Korrektur, werden den modernen Pfarreien weder beeinflussen, schaden oder helfen.
Das Problem sind die Bücher, auf Latein, von 1969 selbst.
Auch gegen die vorliegende Neuübersetzung, die von der ‘Internationalen Kommission für Englisch in der Liturgie’ verantwortet wird, hat er Einwände.
Einer der Hauptliturgisten dieser ICEL-Kommission, Pater Stephen Sommerville, der 1965 bis 1971 einer der mächtigsten Liturgieübersetzer der englischsprachigen Welt war, hat sich 2001 von seiner früheren Arbeit in u.a. der ICEL abgeschworen und ist zur römisch-katholischen Tradition und zum alten römischen Ritus (tridentinischer Messe) zurückgekommen. 2004 wurde er suspendiert, weil er für eine mit der FSSPX verwandte Gemeinde, die in einer nicht-diözesan approbierten Kapelle das Hl. Messopfer mitfeierten, die hl. Messe zelebriert. Auf Rekurs nach Rom erfolgte gar keine Antwort. Die publike Abdankung und Abschwörung dieses unheimlich wichtigen Liturgisten zeigt wie traurig die tiefe Oberflächlichkeit und neo-protestantische Haltung der neuen Liturgie ist, dass sogar der hl. Stuhl dazu schweigen musste, da Mangel an Gegenargumente.
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#6   Alfredo Ottaviani   12:31:31 | Mittwoch, 3. Mai 2006
@ iustus
Konsubstantiell sagt aus „eines WESENS mit dem Vater“ (wie im Deutschen übersetzt)!!! Das ist wesentlich genauer als „eins mit dem Vater“, den die Einheit besteht in der Substantia (hier ist die philosophische Substanzgemeint, nicht die physikalische oder chemische), also dem Wesen (dem göttlichen) und nicht z.B. in etwas anderem (Aussehen, natürliche Ausdehnung, Leib etc.)
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#5   Nólimon   12:24:39 | Mittwoch, 3. Mai 2006
Nicht für Eingeweihte?
Als Jesus mit seinen Begleitern und den Zwölf allein war, fragten sie ihn nach dem Sinn seiner Gleichnisse. Da sagte er zu ihnen: Euch ist das Geheimnis des Reiches Gottes anvertraut; denen aber, die draußen sind, wird alles in Gleichnissen gesagt; denn sehen sollen sie, sehen, aber nicht erkennen; hören sollen sie, hören, aber nicht verstehen, damit sie sich nicht bekehren und ihnen nicht vergeben wird.
Und durch viele solche Gleichnisse sagte Jesus ihnen das Wort so, wie sie es zu hören vermochten. Und ohne Gleichnisse redete er nicht zu ihnen; aber wenn sie allein waren, legte er seinen Jüngern alles aus.
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#4   Dr. Otterbeck   12:07:28 | Mittwoch, 3. Mai 2006
Konsubstantiell
ist im Deutschen eine unmögliche Übersetzung. Da das Englische aber Latinizismen kennt, ist es dort mutmaßlich verständlich genug. Eine gewisse Anstrengung des Begriffs ist trotz „actuosa participatio“ wohl möglich und gerade zu ihren Gunsten. Der moderne Klerikalismus besteht ja häufig darin, dass der Zelebrant den Horiziont der „Leutchen“ herabdefiniert, um sich Mühe zu ersparen. Die Leute verstehen aber auch schwierige Begriffe, wenn man Katechese risikiert, auch ohne Abi-, Uni-, Professorentittelei.
Das Christentum ist nämlich keine Religion für Eingeweihte. Die „kleinverständige“ Seele ist Christus oft näher als die akademisch verblendete.
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#3   iustus   11:15:40 | Mittwoch, 3. Mai 2006
@Benedikt78
So, wie ich den Artikel verstehe, ist der Bischof ja gegen die neue Formulierung „konsubstantiell“ mit dem Vater – ich verstehe allerdings (trotz Universitätsabschluss) nicht den Unterschied zum „eins mit dem Vater“.
„Der Glaube, den wir in den letzten 35 Jahren verkündet haben“ – quod erat demonstrandum…
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#2   Benedikt78   11:07:48 | Mittwoch, 3. Mai 2006
Jawohl, ändert alles!
Im Glaubensbekenntnis ersetze das neue Meßbuch zum Beispiel die bisher verwendete Formulierung „Eins im Sein mit dem Vater“ durch die Worte „konsubstantiell mit dem Vater“.
Wenn man da nicht versteht, um was es geht, hat man keinen Universitätsabschluss! Welcher Normalsterbliche weiss schon, was konsubstantiell bedeutet? Irgendwie habe ich das Gefühl, dass die Modernisten meinen, wenn die Leute eine Rede verstehen, war es keine intelligente Rede.
Der soll nach China gehen und dort in die Patriotische Vereinigung eintreten. Das wäre das geeignete Umfeld für seine abstrusen Ideen!
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