Kinderverhütung
Der nächste Akt im Kondomtheater
Befehl und Gegenbefehl scheint die Taktik der katholischen Bischöfe in der Kondomfrage zu sein. Vielleicht sollten sich die Hirten auf eine Linie einigen, bevor sie auf die verwirrten Schafe losgelassen werden.
(kreuz.net, Glasgow) Die Verwendung von Kondomen zur Vermeidung einer HIV-Infektion sei vernünftig. Das erklärte der Erzbischof von Glasgow, Mons. Mario Conti, vor der schottischen Tageszeitung ‘Scotsman’.

Erzbischof Conti gilt als „konservativ, sorgfältig und fleißig“. So jedenfalls begründete der Vatikanist der US-Wochenzeitung ‘National Catholic Reporter’, John Allen, im Jahr 2003 seine damalige Vermutung, daß nicht der sich früher sehr liberal gebärende Erzbischof von Saint Andrews und Edinburgh, Mons. Keith O’Brian, sondern Erzbischof Conti die Kardinalswürde empfangen würde.

Erzbischof Conti stellte die Frage, ob Eheleute profitierten würden, wenn sie sich einander wegen einer HIV-Infektion verweigerten – und als Bruder und Schwester leben – obwohl sie die Natur ihrer Ehe zum Vollzug dränge.

Für den Erzbischof handelt es sich dabei um „eine legitime Frage“. Zur Beantwortung zitiert Mons. Conti sogar den Heiligen Paulus. Dieser habe auch davon gesprochen, daß Eheleute sich einander nicht verweigern sollten.

Der eheliche Akt hinter Gummi sei ein Schutz gegen die Ausbreitung einer Infektion. Das heiße nicht, daß man den Leuten verhütende Praktiken erlaube.

Mons. Conti gab auch zu bedenken, daß es sich bei der von ihm gewünschten Maßnahme um keine hunderprozentige Absicherung handle. Die Kirche müsse deshalb sehr vorsichtig sein. Sie dürfe nicht zu etwas ermutigen, das den Tod auch nur von einer oder zwei Personen verschulde.

Dagegen erklärte der Präsident des päpstlichen Familienrates, Alfonso Kardinal Lopez Trujillo, daß es keine Gründe gebe, daß die Katholische Kirche ihre Lehre zur Kondom- und Aids-Frage ändern würde. Der Kardinal äußerte sich vor dem kolumbianischen Radio ‘Cadena Nacional’.

Kardinal Lopez erklärte, daß die jüngste Stellungnahme des emeritierten Kardinals Carlo Maria Martini zum Thema nur dessen Privatmeinung sei. Der Papst habe keine Studien zur Aufweichung des Kondomverbotes in Auftrag gegeben.

Dagegen hatte der Präsident des Päpstlichen Rates für die Pastoral im Krankendienst, Javier Kardinal Lozano Barragán, Ende April erklärt, daß der Heilige Stuhl an einer Studie über Aids und Kondome arbeite.

Kardinal Lopez bat seinen emeritierten Mitbruder, Kardinal Martini, via Radiointerview, zu erklären, wie das Kondom – wenn es, wie behauptet, ein geringeres Übel sein sollte – wirksam vor Aids schütze.

„Die Kirche glaubt, daß der einzige Weg, um wirklich gegen Aids zu kämpfen, die Treue und die Keuschheit ist.“ Das seien praktisch und moralisch die einzig vertretbaren Mittel.

Ein ehelicher Akt hinter Gummi sei außerdem keine wirkliche Hingabe der Ehepartner füreinander.
      
15 Lesermeinungen
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#15   methusalix †   17:58:17 | Samstag, 6. Mai 2006
@hans gruber
HansGruber: Noch mehr Antworten

Die haben ihre Infektion von einem Blutspender, der ebenfalls infiziert ist. Allerdings sollten Sie sich fragen, woher der infizierte Blutspender seinen Krankheitskeim herbekommen hat. Erzählen Sie mir aber nicht, dass es ein anderer Blutspender war, …
Das ist ein Elend mit den Katholiken, die meinen, naturwissenschaftliche Erkenntisse immer religiös relativieren zu müssen. Das hat noch nie geklappt (nicht mal, als sie den Giordano Bruno verheizt haben) und es wird auch in Zukunft nicht funktionieren.
Der Fachbegriff für das oben beschriebene ist Inokulation; kaufen Sie sich einen Pschyrembel und lesen Sie es nach. Dort ist auch die Ätiologie des Human T-Cell Lymphotrophic Virus III beschrieben.
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#14   HansGruber   14:57:18 | Samstag, 6. Mai 2006
Noch mehr Antworten
Knecht Dummspecht: Aber da es ja sowas selbstverständlich bei Katholiken nicht gibt (Bordelle u.a. werden ja von anderen Männern aufgesucht), kommt man auch nicht in die Verlegenheit über KOndome nachzudenken, die hier sicherlich geschützt hätten.
Sie haben es erfasst!
Von einem Ehemann, der bereits so tief gefallen ist und ein Bordell aufsucht, um seinen niederen Trieb zu befriedigen, erwarte ich nicht, dass er die Richtlinien der Katholischen Kirche bezüglich Kondomen überhaupt wahrnimmt.
methusalix: Was glauben Sie, wo die Bluter ihre HIV-Infektion herhaben? Vom Heiligen Geist?
Die haben ihre Infektion von einem Blutspender, der ebenfalls infiziert ist. Allerdings sollten Sie sich fragen, woher der infizierte Blutspender seinen Krankheitskeim herbekommen hat. Erzählen Sie mir aber nicht, dass es ein anderer Blutspender war, denn sonst lassen Sie mich wirklich am Sinn der Blutspende zweifeln.
Im Übrigen hat die Katholische Kirche nichts gegen die bessere Kontrolle von Blutspendern einzuwenden.
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#13   methusalix †   13:58:42 | Samstag, 6. Mai 2006
Antworten
Elendester Sünder: Sexuell übertragbare Krankheiten und AIDS
…und warum spricht hier keiner über tatsächlich existierende, sexuell übertragbare Krankheiten?
Die Infektion mit Chlamydien ist eine Volkskrankheit und verursacht unter anderem Unfruchtbarkeit.
Vielleicht, weil dies, im Gegensatz zu einer HIV-Infektion, relativ einfach heilbar ist?
Rituale Romanum: @methusalix
Vielleicht sollte ich mich lobothomieren lassen …
Das wird nicht notwendig sein. Heute, zum hundertfünfzigsten Geburtstag Sigmund Freuds, empfehle ich Ihnen eine Psychonalyse, einfach um zu ergründen, woher Ihre misanthropische Weltsicht, die ja nicht mit der Realität übereinstimmt, herkommt. Das ist der erste Schritt in ein erfülltes Leben.
HansGruber: Seltsam,
dass sich hier niemand fragt, woher eigentlich die ganzen HIV-Infektionen kommen. Wenn man sich als Katholik an die Gebote hält und weder Sex vor der Ehe betreibt, noch irgendwelchen ehebrecherischen Aktivitäten nachgeht, dann kommt man auch nicht in die Verlegenheit über solche Probleme nachdenken zu müssen.
Das ist eine derartig menschenverachtende Einstellung, wie sie nur ein guter Katholik äussern kann. Was glauben Sie, wo die Bluter ihre HIV-Infektion herhaben? Vom Heiligen Geist?
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#12   Elendester Sünder   13:49:53 | Samstag, 6. Mai 2006
Sexuell übertragbare Krankheiten und AIDS
…und warum spricht hier keiner über tatsächlich existierende, sexuell übertragbare Krankheiten?
Die Infektion mit Chlamydien ist eine Volkskrankheit und verursacht unter anderem Unfruchtbarkeit.
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#11   Knecht Dummspecht †   13:39:32 | Samstag, 6. Mai 2006
sehr seltsam aber auch…
Wenn man sich als Katholik an die Gebote hält und weder Sex vor der Ehe betreibt, noch irgendwelchen ehebrecherischen Aktivitäten nachgeht, dann kommt man auch nicht in die Verlegenheit über solche Probleme nachdenken zu müssen.
Ja, genau das haben die Frauen auch gedacht, deren Ehemänner heimlich zum Strich gegangen sind, und den Virus – Safer Sex ist ja nicht nötig – mit nachHause geschleppt und an die treue Ehefrau weitergegeben haben.
Aber da es ja sowas selbstverständlich bei Katholiken nicht gibt (Bordelle u.a. werden ja von anderen Männern aufgesucht), kommt man auch nicht in die Verlegenheit über KOndome nachzudenken, die hier sicherlich geschützt hätten.
Sie haben es erfasst!
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#10   virOblationis   13:36:40 | Samstag, 6. Mai 2006
Wahrheit
Hans Gruber schrieb:
„…dass sich hier niemand fragt, woher eigentlich die ganzen HIV-Infektionen kommen. Wenn man sich als Katholik an die Gebote hält…, dann kommt man auch nicht in die Verlegenheit über solche Probleme nachdenken zu müssen.“
Es ist wohl so, daß viele diese schlichte Wahrheit nicht mögen.
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#9   Rituale Romanum   12:24:55 | Samstag, 6. Mai 2006
@methusalix
Vielleicht sollte ich mich lobothomieren lassen und verliere darüber mein negatives Weltbild und kann so glücklich wie alle anderen sein. Nur … die Welt ist dann immer noch so sie ist, ich nehme sie dann nur nicht mehr als solche wahr.
Das wäre natürlich ein sehr radikaler Eingriff. Ich könnte es erst einmal mit der geistigen Form der Lobothomie versuchen, dem positiven Denken nach Murphy und Carnegie. Was halten Sie davon?
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#8   HansGruber   12:24:44 | Samstag, 6. Mai 2006
Seltsam,
dass sich hier niemand fragt, woher eigentlich die ganzen HIV-Infektionen kommen. Wenn man sich als Katholik an die Gebote hält und weder Sex vor der Ehe betreibt, noch irgendwelchen ehebrecherischen Aktivitäten nachgeht, dann kommt man auch nicht in die Verlegenheit über solche Probleme nachdenken zu müssen.
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#7   methusalix †   11:33:36 | Samstag, 6. Mai 2006
@ rituale romanum
Ihr komplett negatives Weltbild, das immer und ausschliesslich die angeblich ach so schlimmen Seiten der Welt zentriert ins Auge fasst ist, zugegeben, sehr katholisch. Wo kämen die Kirchenbeamten hin, wenn alles in Ordnung wäre; sie hätten ja, aus Ihrer Sicht, kaum noch eine Existenzberechtigung. Es ist gleichzeitig aber auch vollkommen daneben, wenn Sie sich an den Leitlinien orientieren, die uns Jesus aufgetragen hat(„was siehst du den Splitter im Auge deines Nächsten…“).
Sie gehören wohl zu den Menschen, denen es nur gut geht, wenn Sie etwas (vor allem die anderen) andauernd bejammern können. Hören Sie auf damit, Sie richten sich nur selbst zugrunde! Die „guten alten Zeiten“, in denen die Sexualtheoretiker ihre Moralvorstellungen noch mit Feuer und Schwert durchsetzen konnten, koste es, was es wolle, sind endgültig vorbei und kehren nie wieder. Oder wollen Sie im Ernst einen Gottesstaat, wie im Iran heraufbeschwören? Gott bewahre uns davor!
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#6   Rituale Romanum   04:15:21 | Samstag, 6. Mai 2006
@methusalix
„Zu irgendwas scheinen es die vielgeschmähten „68er“ doch gebracht zu haben.“
Ja, um weiterhin zu zerstören und zu parasitieren. Zu mehr sind die nicht in der Lage. Ob in Staat oder Kirche, mit dem Schmarotzen ist erst dann Schluß, wenn buchstäblich alles verbraucht ist und nichts mehr da ist, was zu verbrauchen ist. Hat der Krebs erst den Körper aufgefressen, stirbt endlich der Krebs auch mit ihm.
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#5   methusalix †   01:10:14 | Samstag, 6. Mai 2006
Befehl und Gehorsam oder Glauben?
Katja Berben: …
… denn auch für einen Christen gibt es in moralischen Fragen keine höhere Instanz als das Gewissen und außerdem zur Bildung des Gewissens die praktische Vernunft. Eine Moral „aus Befehl“ ist überhaupt keine, nur eine Moral aus Einsicht ist wirklich Moral…
Das Vernünftigste, was ich bisher in diesem Forum lesen konnte. Bezeichnenderweise kommt es von einer Frau! Irgendwie haben sich diese katholischen Sexualtheoretiker doch gründlich verrannt und können jetzt weder vor, noch zurück und gehen damit ihres letzten Lots Glaubwürdigkeit verlustig.
Rituale Romanum: Kondomtheater
Angesichts einer aus den Fugen brechenden Welt, einem Deutschland, das direkt auf den Staatsbankrott zuläuft,…
Also diesen Unsinn höre ich seit den frühen sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Schon damals schwelgten die, natürlich streng konservativen, Untergangspropheten in den düstersten Bildern. Woran liegt das nur? Am endgültigen Machtverlust des erzreaktionären und stockkonservativen Klerus? Zu irgendwas scheinen es die vielgeschmähten „68er“ doch gebracht zu haben.
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#4   virOblationis   21:13:55 | Freitag, 5. Mai 2006
Was wird aus Benedikt XVI.?
Erst trat Kurienkardinal Javier Lozano Barragán an die Öffentlichkeit, ihm folgte auf Radio Vatikan Hw. Schockenhoff; jetzt legt Kardinal Mario Conti nach. Dies sieht nach konzertierter Aktion der Progressisten aus.
Entgleiten dem von seiner diplomatischen Niederlage in China angeschlagenen Papst die Zügel?
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#3   Katja Berben   21:02:36 | Freitag, 5. Mai 2006
Es offenbart viel…
…über das Kirchenbild von kreuz.net, wenn kirchliche Lehrmeinungen in moralischen Fragen – die im hier zu verhandelnden Fall nicht dogmatisiert sind und die ganz grundsätzlich sich im Laufe der Jahrhunderte in vielen Fragen geändert haben; ich erinnere nur an Ehezwecklehre, Haltung zur Abtreibung etc. – als „Befehle“ verstanden werden. Das sind sie nicht, denn auch für einen Christen gibt es in moralischen Fragen keine höhere Instanz als das Gewissen und außerdem zur Bildung des Gewissens die praktische Vernunft. Eine Moral „aus Befehl“ ist überhaupt keine, nur eine Moral aus Einsicht ist wirklich Moral.
Ich habe bisher noch jede Meinung des Papstes als das verstanden, was sie ist: eine Meinung, die für mich ein Wegweiser, für kirchliches Strafrecht u.Ä. verbindlich, aber für mich niemals ein Befehl sein kann. Wenn sie das für kreuz.net-Autoren ist, dann kann ich nur sagen: Schweigt und wartet eben, welche Befehle ihr bekommt. Und dann befolgt sie und denkt nicht drüber nach.
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#2   Rituale Romanum   20:49:03 | Freitag, 5. Mai 2006
Kondomtheater
Angesichts einer aus den Fugen brechenden Welt, einem Deutschland, das direkt auf den Staatsbankrott zuläuft, einem kurz vor der Explosion stehenden Mittleren Osten via amerikanischer und iranischer Antwortraketen, bemüht sich die Kirche um die Klärung der Kondomfrage. Da stimmt doch was nicht. So blöde kann man doch garnicht sein. Das wird doch von ganz bestimmten Kräften im Vatikan gesteuert, damit der Katholizismus nach außen vollends als Deppenphilosophie erscheint.
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#1   Freinsberg   17:16:03 | Freitag, 5. Mai 2006
Warum auf die Hirten warten?
Warum muss das Kirchenvolk eigentlich darauf warten, was die Hirten sagen? Hat nicht jeder Christ / jede Christin die Fähigkeit zum sittlichen Urteil?
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