Unter diesem Titel publiziert die ehemalige Tageszeitung der „Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands“ heute einen Artikel über den Präfekten der Glaubenskongregation. Ein Kommentar.
(kreuz.net, Berlin) Der Titel des Artikel ist hervorragend formuliert. Wer den nachfolgenden Text dann
auch noch liest, muß allerdings feststellen, daß darin nicht mehr zu finden ist, als angebrannte altkommunistische
Platitüden und jede Menge Aufgekochtes.
Anlaß für den Artikel in „Neues Deutschland“ ist eine Meldung
des österreichischen Boulevardmagazins „Profil“, wonach der gegenwärtige Erzbischof von Wien, Christoph
Kardinal Schönborn, im nächsten März 2005 die Nachfolge von Kardinal Ratzinger als Präfekt der Glaubenskongregation
antreten werde.
Die Meldung sei von einem wetternden Pressesprecher der Erzdiözese Wien als „kompletter
Unsinn“ bezeichnet worden. Der Herr Erzbischof übe sein Wiener Amt mit „Begeisterung und Hingabe“ aus.
„Neues Deutschland“ scheint dieser Beteuerung nicht zu glauben. Der „liebenswürdige“, „diplomatische“,
aber auch „stramm konservative Dominikanerpater“ sei und bleibe der Favorit für das Amt des obersten
Glaubenswächters. Schließlich sei er maßgeblich an der Herausgabe des „erstmals seit 1566 neu erschienenen
Weltkatechismus der katholischen Kirche“ beteiligt gewesen.
In diesem Katechismus fehle die „restriktive
Sexualmoral“ ebenso wenig wie die „Drohung mit dem ‘ewigen Tod in der Hölle’“.
Doch „Neues Deutschland“
geht nicht davon aus, daß ein Chefwechsel in der Glaubenskongregation im Augenblick bevorsteht. Papst
Johannes Paul II. habe mehrfach klar gemacht, daß er für die Restlaufzeit seines Pontifikates auf den
bewährten „Chefideologen“ Ratzinger nicht verzichten wolle.
„Chefideologe“. Jeder spricht mit dem Vokabular,
das ihm vertraut ist. Auch die Altkommunisten. Womit Kardinal Schönborn abgehakt wäre.
Jetzt ist Kardinal
Joseph Ratzinger, der angeblich „zweitmächtigste Mann“ der „Rom-Kirche“, an der Reihe. Der Kardinal sei
inzwischen sogar zum Dekan des Kardinalskollegiums gewählt worden. Dieser würde im Falle eines Ablebens
des gegenwärtigen Papstes die interimistische Leitung der katholischen Weltkirche übernehmen.
Und dann
kommt es, das Wort, das unvermeidliche, um das der arme Kardinal Ratzinger nicht mehr herumkommt. Auch
von „Neues Deutschland“ muß er es hören: „erzkonservativ“. In mehreren Interviews habe der Kardinal
seine „erzkonservativen“ Ansichten bekräftigt und im zeitlichen Umfeld des oben erwähnten jüngsten
Gerüchts eine „für ihn ungewöhnliche Medienaktivität“ entfaltete.
Hat „das Wort“ auch einen Inhalt?
Anders gesagt: Warum ist der gegenwärtige Präfekt der Glaubenskongregation für die Kommunisten, die
es immer noch sind, „erzkonservativ“? Antwort: Weil er gegen eine „aggressive Säkularisierung“ in Europa
warnt, weil er gegen eine Ausgrenzung des Glaubens spricht und weil er gemeint habe, daß der Glaube der
Moslems auch eine positive Herausforderung für das europäische Christentum sein könne.
Ist das die
deutsche Bedeutung des Wortes „erzkonservativ“?
Man muß die Analyse in „Neues Deutschland“ dennoch ernst
nehmen. Denn von „erzkonservativ“ sollten ewiggestrige Altkommunisten eigentlich etwas verstehen.
Doch
weiter im Text von „Neues Deutschland“. Was ist der Grund für die angebliche „ungewöhnliche Medienaktivität“
von Kardinal Ratzinger. Die journalistische Staatssicherheit bei „Neues Deutschland“ hat sie durchschaut:
Die angebliche Aktivität sei ein Ausdruck dafür, daß der „Großinquisitor“ seine Macht nicht so leicht
abzugeben gedenke.
Womit wir schon beim nächsten Konklave wären.
Wer glaubt, daß ein Konklave dazu
da ist, um einen Papst zu wählen, hat sich getäuscht. Das Konklave ist eine Wahl über Kardinal Ratzingers
„Bild der Kirche“: „Fortschreibung des stockreaktionären Klerikalismus oder der Versuch einer zumindest
zaghaften Reformierung.“
„Stockreaktionär“ ist ein altkommunistisches Synonym für „erzkonservativ“.
Aber, wer weiß, vielleicht wird Kardinal Ratzinger sogar der nächste Papst? Naja, eher nicht. Erstens
habe er keine Hausmacht wie das Opus Dei. Zweitens gelte er als „extrem polarisierend und bar jeder Zwischentöne“.
Und drittens komme er aus dem Lande Luthers.
Es ist für den Leser schwierig, die drei Punkte auf eine
Reihe zu bringen. Ist es der „stockreaktionäre Klerikalismus“ oder der deutsche Martin Luther, welche
die Wahl von Kardinal Ratzinger zum nächsten Papst verhindern werden? Es lebe der dialektische Konfusionismus.
Doch wenn Kardinal Ratzinger nicht Papst wird – wer dann? Eigentlich gäbe es da – so „Neues Deutschland“ –
noch den ehemaligen Mailänder Kardinal Carlo Maria Martini. Aber nein. Der ist’s auch nicht, weil er
durch sein „allzu forsches Reformdenken“ abschreckt.
Weil der gute Gott den gottlosen Kommunisten offensichtlich
die Gabe der Prophetie gegeben hat, kehrt der Artikel darum wieder zum „beinharten Dogmen-Exekutor“ zurück.
Der Autor des Artikels ringt sich durch: Er wählt Kardinal Ratzinger zum Übergangspapst. Der deutsche
Kardinal könnte für die „Hardliner hinter den Leoninischen Mauern“ der Richtige sein, um im Namen des
himmlischen Vaters den „Krieg der Sterne“ zu führen.
Schade, daß „Neues Deutschland“ uns vorenthält,
wer die angeblichen „Hardliner hinter den Leoninischen Mauern“ sind.
Vielleicht die Marmorstatuen in
der Peterskirche?
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1 Lesermeinung
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#1 Dolfus 22:00:09 | Donnerstag, 16. Dezember 2004
Partei von Alt-Moskaus Gnaden Die Altkommunisten sind 1989 zu Recht abgetreten. Ihre klare, aber nicht
den Tatsachen entsprechende Beschreibung, paßt eher zu Szenarien der Vorconcilsgeistzeit. Unter den orthodoxen
Katholiken – und es gibt nur orthodoxe Katholien – würden viele Cardinal Ratzinger sogar als weltoffen-liberal
einrechnen. Die Papstwahl sollte man der Führung des Hl. Geistes überlassen. Hoffentlich bekommt die
Menschheit nicht so einen Papst, den sie verdienen würde … Lehmann und Kasper stünden schon in der
Startlinie.