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Montag, 8. Mai 2006 18:34
Man wollte das Leben – doch es kam der Tod
Der große Abfall vom Christentum, der sich im Westen in den letzten hundert Jahren zugetragen hat, geschah im Namen einer „Option für das Leben“. Von Papst Benedikt XVI.
(kreuz.net, Vatikan) Wie ist es dem Menschen möglich, das Leben zu wählen? Als ich über diese Frage nachdachte, erinnerte ich mich daran, daß der große Abfall vom Christentum, der sich im Westen in den letzten hundert Jahren zugetragen hat, im Namen einer „Option für das Leben“ geschah.

Es wurde gesagt – ich denke an den Philosophen Friedrich Nietzsche († 1900) aber auch an viele andere – daß das Christentum eine Entscheidung gegen das Leben sei.

Mit dem Kreuz, den vielen Geboten und den vielen „Nein“, die das Christentum dem Menschen vorschreibt, verschließe es die Türe zum Leben.

Aber wir wollen als Menschen doch das Leben haben. Wir wollen selber wählen und haben
Papst Benedikt XVI.:
„Wir wollen selber wählen und haben uns für das Leben entschieden, indem wir uns vom Kreuz befreit und uns von allen diesen Geboten und Verneinungen losgesagt haben.“
uns endlich für das Leben entschieden, indem wir uns vom Kreuz befreit und uns von allen diesen Geboten und Verneinungen losgesagt haben.

Wir wollen das Leben in Überfluß. Nichts anderes als das Leben.

Doch hier erscheint sogleich das Wort aus dem heutigen Evangelium:

„Wer sein eigenes Leben retten will, wird es verlieren, wer aber sein eigenes Leben für mich verliert, der wird es gewinnen.“ (Lk 9,24)

Das ist ein Paradox, das wir im Licht der Entscheidung für das Leben betrachten müssen.

Indem wir das Leben nicht für uns selber in Besitz nehmen, sondern es hingeben – nicht indem wir es besitzen und für uns ergreifen –, sondern indem wir es opfern, können wir das Leben finden.

Das ist der letzte Sinn des Kreuzes: das Leben nicht für sich in Besitz nehmen, sondern das Leben hingeben.

Papst Johannes Paul II. hat uns die große Enzyklika ‘Evangelium Vitae’ hinterlassen.

Darin beschreibt er die Probleme der heutigen Kultur mit ihren Hoffnungen und Gefahren. Auf diese Weise wird sichtbar, daß eine Gesellschaft, die Gott vergißt und ausschließt, um das Leben zu gewinnen, zu einer Kultur des Todes wird.

Gerade weil viele Menschen das Leben wollen, sagen sie heute Nein zum Kind. Warum? Weil mir das Kind einen Teil meines Lebens raubt.

Sie sagen Nein zur Zukunft, um so die Gegenwart ganz zu besitzen. Sie sagen Nein zum Leben, das geboren wird, und Nein zum Leben, das leidet und dem Tod entgegengeht.

Diese scheinbare Kultur des Lebens wird auf diese Weise zu einer tödlichen Antikultur, in der Gott abwesend ist – jener Gott, der nicht den Haß befiehlt, sondern den Haß überwindet.

Hier ergreifen wir die wahre Option für das Leben.

Alles ist miteinander verbunden: die tiefste Entscheidung für den gekreuzigten Christus mit der radikalen Option für das Leben – vom ersten bis zum letzten Augenblick seiner Existenz.

Die Option für das Leben ist im Grunde sehr einfach. Sie ist die Entscheidung für das Ja zum Leben.

Aber dieses Ja wird nur mit einem Gott Wirklichkeit, der nicht unbekannt ist, sondern ein menschliches Antlitz besitzt. Es realisiert sich in der Nachfolge dieses Gottes in der Gemeinschaft der Liebe.

Was ich hier gesagt habe, soll auch eine Auffrischung unserer Erinnerung an den großen Papst Johannes Paul II. sein.

Auszüge aus der Ansprache von Papst Benedikt XVI. beim Fastentreffen mit dem römischen Klerus am 2. März 2006
5 Lesermeinungen:
Dienstag, 9. Mai 2006 08:59
_xyz_: VirOblationis
Papst Benedikt wollte gewiß nicht den christlichen Glauben an ein ewiges Leben in Frage stellen und säkular substituieren. Mit dem Thema „Option für das Leben“ waren natürlich die politisch brisanten Fragen aus dem bioethischen Bereich, bes. Abtreibung und Euthanasie angeschnitten und auch benannt: „Leben – vom ersten bis zum letzten Augenblick seiner Existenz“. Wie ist es möglich, daß eine (Schein-)Kultur der kräftigsten Lebensbejahung in einen Betrieb der Massenvernichtung münden kann, dies ist die Anfrage an die moderne säkulare Kultur. Die christliche Antwort besteht paradoxerweise darin, daß der Glaube an den Gekreuzigten mit der unbedingten Achtung vor dem Leben vom Beginn seiner (biologischen) Existenz bis zu seinem (biologischen) Ende eher vereinbar ist als der ganze Zirkus aus vermeintlicher „Lebensbejahung“, Diesseitigkeit und banaler Bedürfnisbefriedigung.
Dienstag, 9. Mai 2006 08:13
virOblationis: O Ewigkeit, du Donnerwort
Mir erscheint dieser Text ein wenig unklar.

Der Grund wird wohl folgender sein:

Wenn der Papst von denen spricht, die sich für das Leben entscheiden wollten und sich dadurch den Tod zuzogen, so ist wohl – unausgesprochen – daran gedacht, daß sie auf das diesseitige Leben fixiert waren, während wir Christen wissen, daß das Leben seinen Anfang im Diesseits nimmt, aber (nach dem Gericht) ewig andauert.

Die Unklarheit entsteht nun m.E. dadurch, daß der Papst im Hinblick auf die Christen und das Leben nicht von der Ewigkeit spricht, wie zu erwarten gewesen wäre, sondern wiederum ausschließlich von dem Leben im Diesseits: denn wie wäre es anders zu verstehen, daß er vom „ersten bis zum letzten Augenblick seiner (sc. des Menschen) Existenz“ spricht?

Benedikt XVI. schreibt:
„Alles ist miteinander verbunden: die tiefste Entscheidung für den gekreuzigten Christus mit der radikalen Option für das Leben – vom ersten bis zum letzten Augenblick seiner Existenz.“
und er meint offenbar:
„…die tiefste Entscheidung für den gekreuzigten Christus …für das [diesseitige] Leben…“
Dienstag, 9. Mai 2006 08:10
ob es dem heiligen Vater wohl recht ist, in diesem Umfeld zitiert zu werden? ?:)
Montag, 8. Mai 2006 20:15
Detlef Rose: Gut und …
zutiefst evangelisch (=„evangeliumsgemäß“ – was leider manche Evangelischen manchmal vergessen). DANKE für dieses klare Wort! DAR
Montag, 8. Mai 2006 19:44
Sozialkatholisch: Einfach nur---
–--beeindruckend!
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