09:35:07 | Dienstag, 9. Mai 2006
Rom weiß, daß seine Autorität von den Bischöfen verachtet wird. Zugleich sieht man im Vatikan ein, daß die Opposition der Bischöfe gegen die Alte Messe nicht gerechtfertigt ist. Von Bischof Bernard Fellay, Generaloberer der Priesterbruderschaft St. Pius X.
(kreuz.net, Ecône) Rom muß durch die Tat zeigen, ob – ja oder nein – und bis wohin es bereit ist, für
die Tradition einzustehen.
Die Antwort, die wir bezüglich der Messe erhalten haben, war die folgende:
Im Grunde ist der Papst einverstanden, daß die Alte Messe niemals abgeschafft wurde und daß daher jeder
Priester das Recht hat, sie zu feiern.
Die wichtigsten Kardinäle in Rom waren damit auch einverstanden:
Ratzinger, Sodano, Medina – der für die Liturgie verantwortlich war – Castrillon, Herranz.y am 2. April
in Ecône
„Aber, wissen Sie, es gibt die Sekretäre der Kongregationen, und es gibt auch Untersekretäre,
und diese sind nicht einverstanden! Daher kann man Ihnen Ihre Bitte nicht gewähren.“
Wenn wir darum
gebeten haben, die Messe freizugeben, dann deshalb, weil wir schon wußten, daß Rom eigentlich – was
das Prinzip betrifft – eingesteht, daß die Alte Messe in der Tat nie verboten wurde.
Wenn die Alte Messe
nie verboten wurde, bleibt sie die Messe der Kirche – ein universales Gesetz. Daher hat jeder Priester
das Recht, sie zu lesen.
Wir erfuhren sogar von einem Brief des damaligen Staatssekretärs
Der frühere
Staatssekretär Kardinal Casaroli:
„Wie wir es in einer Diskussion mit Kardinal Ratzinger letztes Jahr
gesagt haben, besitzen wir weder ein theologisches noch ein kanonisches Argument, um zu sagen, die Alte
Messe sei abgeschafft worden.“
Casaroli an den Präfekten der Kongregation für die Liturgie aus dem Jahr
1983.
In diesem Brief schreibt Agostino Kardinal Casaroli († 1998) an Giuseppe Kardinal Casoria († 2001):
„Wie wir es in einer Diskussion mit Kardinal Ratzinger letztes Jahr gesagt haben, besitzen wir weder ein
theologisches noch ein kanonisches Argument, um zu sagen, die Alte Messe sei abgeschafft worden.“
In
Rom weiß man also ganz gut, daß es keinen Grund gibt, zu sagen, die Alte Messe sei abgeschafft worden.
Unsere Bitte ist somit nicht aus der Luft gegriffen, sondern ganz einfach: Daß die Kirche in bezug auf
die tridentinische Messe die Wahrheit anerkennen möge.
Wie sie es in der Antwort, die man uns gegeben
hat, bemerken
Bischof Fellay:
„Die Kirche läßt alle Banditen, Sekten und Wölfe eintreten. Doch wenn
wir kommen, scheint sie plötzlich aufzuwachen und holt aus den verstaubten Schubladen die Verteidigungswaffen
hervor.“
konnten, geht die Überzeugung Roms hinsichtlich der Alten Messe nicht sehr weit. Ein wenig später
wird der gleiche Kardinal sagen: „Verstehen Sie, wir können die Bischöfe nicht zwingen.“
Oder ein anderes
Mal: „Wenn wir die Messe, die Freiheit der Messe gewähren, verlieren wir die Kontrolle.“
Man fragt sich,
was es noch zu verlieren gibt…
Aber jedes dieser Argumente hat uns in der Befürchtung bestätigt,
daß Rom nicht bereit ist, den Preis für die Tradition zu zahlen.
Bezüglich der berühmten „Exkommunikation“
sagte man uns: „Natürlich wird man die Exkommunikation aufheben, aber erst dann, wenn Sie ein Abkommen
akzeptieren.“
Somit steht gleich am Anfang eine deutliche Weigerung Roms, den geringsten Akt zu setzen,
der uns hätte glauben lassen können, daß sich die Dinge in Rom vielleicht wirklich zum Guten hin gewendet
hätten.
Angesichts dieser Weigerung haben wir Rom gesagt, daß wir uns jeden Tag mehr bewußt werden,
ein Zeichen des Widerspruches zu sein.
Es ist bemerkenswert festzustellen, was passiert, wenn wir zum
Beispiel in eine neue Diözese kommen.
Dort scheint die offizielle Kirche eingeschlafen zu sein. Sie
läßt alle Banditen, Sekten und Wölfe – alles was sie man sich vorstellen kann – eintreten.
Bischof
Fellay:
„Ich habe gewagt, dem Kardinal Castrillon zu sagen, daß wir ein Zeichen des Widerspruches sind
und daß es an dem Tag, wo Rom uns wieder aufnehmen will, in der offiziellen Kirche Krieg geben wird.“
Doch
wenn wir kommen, scheint sie plötzlich aufzuwachen und holt aus den verstaubten Schubladen die Verteidigungswaffen –
also das, was die Kirche gewöhnlich machte, um sich zu beschützen.
Dann schleudert man gegen uns die
Exkommunikation und alle möglichen Wörter dieser Art. So ist es noch heute. Das ist eine bemerkenswerte
Haltung.
Angesichts der Angriffe durch die Sekten unternehmen sie absolut nichts. Wenn wir aber irgendwohin
kommen, wird zum Krieg aufgerufen. Überall stellt man diese Heftigkeit gegen uns fest.
In den letzten
Jahren haben wir das in Litauen erlebt, ja sogar in Moskau ist es uns so ergangen. Im letzen Monat, haben
wir es in Indien und in Kenia gesehen. Das geht weiter so. Es ist immer die gleiche Geschichte.
Wir danken
den Bischöfen dafür, denn sie machen so für uns eine außerordentliche Werbung. Sie ermöglicht es
vielen Leuten, von unserem Vorhandensein zu erfahren und zu uns zu kommen.
Das zeigt uns: Wir sind ein
Zeichen des Widerspruches.
Der liebe Gott hat erlaubt, daß wir mit dem Zeichen des Widerspruches verbunden
sind, das Er selber ist. Daß dieses Zeichen des Widerspruches eine solche Heftigkeit hervorruft, ist
eine große Gnade, selbst wenn wir dadurch leiden müssen.
Es ist eine große Gnade, die uns zeigt, wie
sehr die Entwicklung der Heilsgeschichte – dieser Feindschaft, die Gott zwischen Satan und seiner Nachkommenschaft
und Maria und ihrer Nachkommenschaft, unser Herr und seine Kirche, gesetzt hat – ganz aktuell ist.
Sie
zeigt, wie sehr sich die Priesterbruderschaft wirklich im Herzen dieses Kampfes befindet.
Ich habe gewagt,
dem Kardinal Castrillon zu
Bischof Fellay:
„Die Kirche leidet heute. Sie benötigt eine Überlebensaktion.
Dies gelingt aber nicht durch diplomatische Schritte.“
sagen, daß wir ein Zeichen des Widerspruches sind
und daß es an dem Tag, wo Rom uns wieder aufnehmen will, in der offiziellen Kirche Krieg geben wird.
Wir wollen aber nicht, daß uns die römischen Autoritäten tags darauf sagen: „Machen Sie doch um des
Friedens willen einige Zugeständnisse!“
Wir brauchen Autoritäten, die von diesem Kampf überzeugt sind,
und die folglich von der Notwendigkeit überzeugt sind, jene zu unterstützen, die das Gute tun und gegen
jene vorzugehen, die das Schlechte tun.
Die Kirche leidet heute. Sie benötigt eine Überlebensaktion.
Dies gelingt aber nicht durch diplomatische Schritte.
Zugleich ist sich Rom bewußt, daß seine Autorität
von den Bischöfen verachtet wird.
Rom versucht etwas zu machen. Rom – zumindest ein gewisses Rom – anerkennt,
daß die traditionellen Kräfte – ich spreche hier von Ecclesia Dei – trotz allem Gutes tun, daß sie
gute Leute sind, und man sie folglich machen lassen soll.
Rom erkennt aber sehr wohl, daß die Bischöfe
sie nicht machen lassen. In Anbetracht dieser Kirchenkrise – die zumindest bis zu einem gewissen Punkt
eingestanden wird – spürt man, daß Rom sogar ein wenig davon träumt, etwas mehr für diese Ecclesia-Dei-Gemeinschaften
zu tun.
Im Vatikan sieht man ein, daß die Opposition der Bischöfe gegen die Alte Messe nicht gerecht
ist.
Aus einer Predigt von Bischof Bernard Fellay, gehalten am 2. April, dem Passionsonntag, im Priesterseminar
in Ecône im Kanton Wallis im Südwesten der Schweiz.
Nächster Teil: „Solange Rom auf seine Haltung verharrt,
ist kein Übereinkommen möglich“
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.