Kampfesmutige Autoritäten statt stereotype Ausreden
Rom weiß, daß seine Autorität von den Bischöfen verachtet wird. Zugleich sieht man im Vatikan ein, daß die Opposition der Bischöfe gegen die Alte Messe nicht gerechtfertigt ist. Von Bischof Bernard Fellay, Generaloberer der Priesterbruderschaft St. Pius X.

Die Antwort, die wir bezüglich der Messe erhalten haben, war die folgende: Im Grunde ist der Papst einverstanden, daß die Alte Messe niemals abgeschafft wurde und daß daher jeder Priester das Recht hat, sie zu feiern.
Die wichtigsten Kardinäle in Rom waren damit auch einverstanden: Ratzinger, Sodano, Medina – der für die Liturgie verantwortlich war – Castrillon, Herranz.y am 2. April in Ecône

Wenn wir darum gebeten haben, die Messe freizugeben, dann deshalb, weil wir schon wußten, daß Rom eigentlich – was das Prinzip betrifft – eingesteht, daß die Alte Messe in der Tat nie verboten wurde.
Wenn die Alte Messe nie verboten wurde, bleibt sie die Messe der Kirche – ein universales Gesetz. Daher hat jeder Priester das Recht, sie zu lesen.
Wir erfuhren sogar von einem Brief des damaligen Staatssekretärs
Casaroli an den Präfekten der Kongregation für die Liturgie aus dem Jahr
1983.
In diesem Brief schreibt Agostino Kardinal Casaroli († 1998) an Giuseppe Kardinal Casoria († 2001): „Wie wir es in einer Diskussion mit Kardinal Ratzinger letztes Jahr gesagt haben, besitzen wir weder ein theologisches noch ein kanonisches Argument, um zu sagen, die Alte Messe sei abgeschafft worden.“
In Rom weiß man also ganz gut, daß es keinen Grund gibt, zu sagen, die Alte Messe sei abgeschafft worden.
Unsere Bitte ist somit nicht aus der Luft gegriffen, sondern ganz einfach: Daß die Kirche in bezug auf die tridentinische Messe die Wahrheit anerkennen möge.
Wie sie es in der Antwort, die man uns gegeben hat, bemerken
konnten, geht die Überzeugung Roms hinsichtlich der Alten Messe nicht sehr weit. Ein wenig später
wird der gleiche Kardinal sagen: „Verstehen Sie, wir können die Bischöfe nicht zwingen.“
Oder ein anderes Mal: „Wenn wir die Messe, die Freiheit der Messe gewähren, verlieren wir die Kontrolle.“
Man fragt sich, was es noch zu verlieren gibt…
Aber jedes dieser Argumente hat uns in der Befürchtung bestätigt, daß Rom nicht bereit ist, den Preis für die Tradition zu zahlen.
Bezüglich der berühmten „Exkommunikation“ sagte man uns: „Natürlich wird man die Exkommunikation aufheben, aber erst dann, wenn Sie ein Abkommen akzeptieren.“
Somit steht gleich am Anfang eine deutliche Weigerung Roms, den geringsten Akt zu setzen, der uns hätte glauben lassen können, daß sich die Dinge in Rom vielleicht wirklich zum Guten hin gewendet hätten.
Angesichts dieser Weigerung haben wir Rom gesagt, daß wir uns jeden Tag mehr bewußt werden, ein Zeichen des Widerspruches zu sein.
Es ist bemerkenswert festzustellen, was passiert, wenn wir zum Beispiel in eine neue Diözese kommen.
Dort scheint die offizielle Kirche eingeschlafen zu sein. Sie läßt alle Banditen, Sekten und Wölfe – alles was sie man sich vorstellen kann – eintreten.
Doch
wenn wir kommen, scheint sie plötzlich aufzuwachen und holt aus den verstaubten Schubladen die Verteidigungswaffen –
also das, was die Kirche gewöhnlich machte, um sich zu beschützen.
Dann schleudert man gegen uns die Exkommunikation und alle möglichen Wörter dieser Art. So ist es noch heute. Das ist eine bemerkenswerte Haltung.
Angesichts der Angriffe durch die Sekten unternehmen sie absolut nichts. Wenn wir aber irgendwohin kommen, wird zum Krieg aufgerufen. Überall stellt man diese Heftigkeit gegen uns fest.
In den letzten Jahren haben wir das in Litauen erlebt, ja sogar in Moskau ist es uns so ergangen. Im letzen Monat, haben wir es in Indien und in Kenia gesehen. Das geht weiter so. Es ist immer die gleiche Geschichte.
Wir danken den Bischöfen dafür, denn sie machen so für uns eine außerordentliche Werbung. Sie ermöglicht es vielen Leuten, von unserem Vorhandensein zu erfahren und zu uns zu kommen.
Das zeigt uns: Wir sind ein Zeichen des Widerspruches.
Der liebe Gott hat erlaubt, daß wir mit dem Zeichen des Widerspruches verbunden sind, das Er selber ist. Daß dieses Zeichen des Widerspruches eine solche Heftigkeit hervorruft, ist eine große Gnade, selbst wenn wir dadurch leiden müssen.
Es ist eine große Gnade, die uns zeigt, wie sehr die Entwicklung der Heilsgeschichte – dieser Feindschaft, die Gott zwischen Satan und seiner Nachkommenschaft und Maria und ihrer Nachkommenschaft, unser Herr und seine Kirche, gesetzt hat – ganz aktuell ist.
Sie zeigt, wie sehr sich die Priesterbruderschaft wirklich im Herzen dieses Kampfes befindet.
Ich habe gewagt, dem Kardinal Castrillon zu
sagen, daß wir ein Zeichen des Widerspruches sind
und daß es an dem Tag, wo Rom uns wieder aufnehmen will, in der offiziellen Kirche Krieg geben wird.
Wir wollen aber nicht, daß uns die römischen Autoritäten tags darauf sagen: „Machen Sie doch um des Friedens willen einige Zugeständnisse!“
Wir brauchen Autoritäten, die von diesem Kampf überzeugt sind, und die folglich von der Notwendigkeit überzeugt sind, jene zu unterstützen, die das Gute tun und gegen jene vorzugehen, die das Schlechte tun.
Die Kirche leidet heute. Sie benötigt eine Überlebensaktion. Dies gelingt aber nicht durch diplomatische Schritte.
Zugleich ist sich Rom bewußt, daß seine Autorität von den Bischöfen verachtet wird.
Rom versucht etwas zu machen. Rom – zumindest ein gewisses Rom – anerkennt, daß die traditionellen Kräfte – ich spreche hier von Ecclesia Dei – trotz allem Gutes tun, daß sie gute Leute sind, und man sie folglich machen lassen soll.
Rom erkennt aber sehr wohl, daß die Bischöfe sie nicht machen lassen. In Anbetracht dieser Kirchenkrise – die zumindest bis zu einem gewissen Punkt eingestanden wird – spürt man, daß Rom sogar ein wenig davon träumt, etwas mehr für diese Ecclesia-Dei-Gemeinschaften zu tun.
Im Vatikan sieht man ein, daß die Opposition der Bischöfe gegen die Alte Messe nicht gerecht ist.
Aus einer Predigt von Bischof Bernard Fellay, gehalten am 2. April, dem Passionsonntag, im Priesterseminar in Ecône im Kanton Wallis im Südwesten der Schweiz.
Nächster Teil: „Solange Rom auf seine Haltung verharrt, ist kein Übereinkommen möglich“
Der Artikel ist Teil der folgenden Reihe:
2. Kampfesmutige Autoritäten statt stereotype Ausreden
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Samstag, 13. Mai 2006 07:07
Dr. Otterbeck: Unam Sanctam
Nach der Bulle Bonifaz VIII. führt das Papsttum zwei Schwerter, das geistliche und das weltliche. Die Differenz bedarf näherer Ausdeutung. Das Prinzip der Unterscheidung gilt. Der heutige Integralismus verstösst also nicht erst gegen das Vatikanum II, sondern gegen älteste Prinzipien der kath. Religion, weil er Christus nur das weltliche Schwert belässt und in der virtuellen Staatsordnung des Integralismus dem „Papsttum“ zumutet, dieses „stellvertretend“ zu führen. Diese Art von Stellvertretertum ist aber widerchristlich, weil Christi Königsherrschaft die der Barmherzigkeit ist. Also hat die Kirche hinzugelernt, ihr „weltliches Schwert“ in der Weise einer Unterstützung der politischen Menschenrechtsidee von 1948 zu führen. (Und diese ist nicht mit 1789 identisch, weil die frz. Revolution sich das „geistliche Schwert“ anmaßte.) Die „alten“ Integralisten (Merry del Val, Begnini) wussten die beiden Schwerter noch zu unterscheiden, erst Lefebvre hat den Überblick verloren, also: Die Tradition!
Freitag, 12. Mai 2006 13:30
Agiafortuni: stat crux
mein Kompliment, sie haben eine blühende Phantasie aber vielleicht täten Sie gut daran einige Schriften der sogenannten Integralisten nachzulesen. Zwar traue ich Ihnen keine Gesinnungsänderung aber etwas mehr Sachlichkeit zu
Freitag, 12. Mai 2006 11:36
stat crux: Das Rechte tun,
aber in wessen Interesse? Denken Sie doch mal darüber nach, dass der Integralismus von den „Feinden der
Kirche“, der „Kirche Satans“ nie angegriffen wird, Rom aber umso heftiger. Warum?
Könnte es sein, dass Lefebvre eine Art von „Katholizismus“ erfunden hat, den die „Neue Weltordung“ tolerieren könnte (käme sie zur Macht)? Da der Integralismus nur in der Sphäre von Demokratie und Religionsfreiheit existieren kann (als Opposition), seine „Machtergreifung“ aber völlig irreal, ist sein Existieren im Interesse jener, die Religionsfreiheit nicht als Teil der Gesellschaftslehre verstehen (so der Katholizismus), sondern als Dogma, als Gegenreligion.
Könnte es sein, dass Lefebvre eine Art von „Katholizismus“ erfunden hat, den die „Neue Weltordung“ tolerieren könnte (käme sie zur Macht)? Da der Integralismus nur in der Sphäre von Demokratie und Religionsfreiheit existieren kann (als Opposition), seine „Machtergreifung“ aber völlig irreal, ist sein Existieren im Interesse jener, die Religionsfreiheit nicht als Teil der Gesellschaftslehre verstehen (so der Katholizismus), sondern als Dogma, als Gegenreligion.
Donnerstag, 11. Mai 2006 13:26
Agiafortuni: stat crux
wer überhaupt sagt Ihnen, dass der Erzbischof nicht das Richtige tat. Nach dem Besuch in der Synagoge, dem Aissisi Jammerspiel Jopa II gab es überhaupt keinen andere Ausweg. Ob Sie es wollen oder nicht, man kann als rechtgläubiger Katholike kein Vertrauen einem Manne schenken, der entgegen den Verlautbarungen seiner Vorgänger dem Oekumenismus den Vorrang einräumt.
Donnerstag, 11. Mai 2006 11:19
stat crux: Un siecle, une vie
Viel interessanter ist, was Jean Guitton in seinem Lebensbericht von 1988 (!) über seine letzte Begegnung
mit Lefebvre schrieb.
Das Wiedererleben der alten Messe rührte den alten Philosophen, die Texte kannte er alle aus seiner Jugend!
Aber in der Sache selbst, die Bischofsweihen betreffend, wich der greise Erzbischof in Zynismus aus. Guitton solle bei der Reise nach Hause lieber auf seine Gesundheit achten und nicht in den Straßengraben fahren, um durch diesen „Unfall“ ein Zeichen des Himmels zu simulieren. Lefebvre fragte also nicht mehr danach, ob der Himmel will, was er vorhatte. Er hätte nur noch auf ein „Wunder“ hin von seinem Plan abgelassen. An WEN oder WAS glaubte Lefebvre?? Das ist hier die Frage.
Das Wiedererleben der alten Messe rührte den alten Philosophen, die Texte kannte er alle aus seiner Jugend!
Aber in der Sache selbst, die Bischofsweihen betreffend, wich der greise Erzbischof in Zynismus aus. Guitton solle bei der Reise nach Hause lieber auf seine Gesundheit achten und nicht in den Straßengraben fahren, um durch diesen „Unfall“ ein Zeichen des Himmels zu simulieren. Lefebvre fragte also nicht mehr danach, ob der Himmel will, was er vorhatte. Er hätte nur noch auf ein „Wunder“ hin von seinem Plan abgelassen. An WEN oder WAS glaubte Lefebvre?? Das ist hier die Frage.
Donnerstag, 11. Mai 2006 10:50
Dr. Christoph Heger: @Dr. Carlo Regazzoni: „Segensreiche“ Liturgiereform
nur ein Blinder kann behaupten, die Liturgiereform sei segensreich gewesen.
Es gibt aber offenbar immer eine Menge, die es lieben, blind zu sein.
Ich erinnere mich an eine bedauernde Feststellung Kardinal Höffners aus den späten 1970er oder frühen 1980er Jahren gegenüber der WELT, daß es in Deutschland eine schweren Traditionsbruch gegeben habe. Komischerweise scheint es ihm nicht eingefallen zu sein, daß er selber an einem besonders schweren Traditionsbruch aktiv beteiligt war: dem Versuch, die alte Messe, immerhin seinerzeit die größte regelmäßige Massenveranstaltung des Landes, in Vergessenheit zu bringen.
MfG
Christoph Heger
Es gibt aber offenbar immer eine Menge, die es lieben, blind zu sein.
Ich erinnere mich an eine bedauernde Feststellung Kardinal Höffners aus den späten 1970er oder frühen 1980er Jahren gegenüber der WELT, daß es in Deutschland eine schweren Traditionsbruch gegeben habe. Komischerweise scheint es ihm nicht eingefallen zu sein, daß er selber an einem besonders schweren Traditionsbruch aktiv beteiligt war: dem Versuch, die alte Messe, immerhin seinerzeit die größte regelmäßige Massenveranstaltung des Landes, in Vergessenheit zu bringen.
MfG
Christoph Heger
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