Vatikan
Der Ehrentag der Päpstlichen Schweizergarde
1506 ließ Julius II. († 1513) 150 Landsknechte aus der Schweiz nach Rom kommen – als seine persönliche Leibwache. Die Päpstliche Schweizergarde war damit begründet. Von Ulrich Nersinger.
(kreuz.net, Vatikan) Der Papst aus der Familie Della Rovere, selbst ein erfahrener Kriegsherr, der sich nicht scheute, im glänzenden Harnisch an der Spitze seiner Truppen zu reiten, wußte, daß der Schutz seines Lebens bei den fremden Söldnern besser aufgehoben war als bei Soldaten, die sich den rivalisierenden römischen Adelsgeschlechtern verpflichtet fühlten.

Die Bewährungsprobe für die helvetischen Palastwächter kam schon zwei Jahrzehnte später.

Papst Klemens VII. († 1534) hatte sich mit Kaiser Karl V. überworfen und war mit Frankreich und Venedig ein Bündnis eingegangen. In der Folge wurde vom Kaiser ein Heer, bestehend aus spanischen Truppen und 10.000 deutschen Landsknechten, nach Rom entsandt.

Am 6. Mai 1527 brach eine spanisch-deutsche Soldateska in die Ewige Stadt ein und zog plündernd und mordend zum Vatikan. Die Landsknechte, deren Befehlshaber Jörg von Frundsberg an einem Schlaganfall verstorben war, wollten sich auf diese Weise Ersatz für die ausstehende Soldzahlung verschaffen.

Sie erstürmten mit unvorstellbarer Gewalt die Residenz des Papstes. 147 Gardisten, unter ihnen auch ihr Kommandant Kaspar Röist, wurden auf barbarische Weise niedergemetzelt.

42 Schweizern unter der Führung des Gardeleutnants Herkules Göldli gelang es, den Papst zu beschützen, und mit ihm in die sichere Engelsburg zu gelangen.

Jakob Ziegler, Frundsbergs Schreiber, gibt in seiner ‘Historia von der römischen Bischöfe Reich und Religion’ eine Schilderung der dramatischen Vorgänge:

„Papst Clement hat sich diss einfals so gar nit versehen, da er sich derselben zeit jn sant peters tempel, zu celebration der Maess, vnd als man jhm vom Sturm sagt, hat er’s verlachet, vnd sich sicher geschetzt.

Als verharrt bis die feind jn Tempel fiellen vnd die Schweitzer vnd Kirchendiener vor seinen Augen niderschlagen.

Da er das gesehen, jst er bald von der mess geflohen vnd eilens durch ain haimliche thur vnd beschlossnen gang gestigen, vnd so schnell gelauffen, dass ihm der schwaiss ausgegangen, alss ob man jhn mit wasser begossen het.

Die Schweitzer, deren der papa zwaihundert allezeit in seiner guardj het, die mit schwertern vnd hellenparten auf seinen leib musten warten, seind zum Tail an der maur mit hauptman Resch von Zirsch, zum teil in sant peters tempel auf vnd hindern altarn erstochen, dadurch der Schweitzer Guardj ein end genomen“.

In die Geschichte ist dieses furchtbare Ereignis als „Sacco di Roma“ eingegangen.

Seit diesem Datum ist der 6. Mai der Ehrentag der Garde. Jahr für Jahr werden an diesem Tag die Rekruten in einer eindrucksvollen Feier im Damasushof des Apostolischen Palastes vereidigt, im Beisein von hohen kirchlichen Würdenträgern, Diplomaten und den stolzen Eltern, Geschwistern und Freunden.

Dieses Jahr wird die Zeremonie erstmals auf dem Petersplatz in Anwesenheit des Heiligen Vaters vollzogen.

Der Kaplan der Garde trägt die Eidesformel vor: „Ich schwöre, treu, redlich und ehrenhaft zu dienen dem regierenden Papst und seinen rechtmäßigen Nachfolgern und mich mit ganzer Kraft für sie einzusetzen, bereit, wenn es erheischt sein sollte, selbst mein Leben für sie hinzugeben. Ich übernehme dieselbe Verpflichtung gegenüber dem Heiligen Kollegium der Kardinäle während der Sedisvakanz des Apostolischen Stuhles. Ich verspreche überdies dem Herrn Kommandanten und meinen übrigen Vorgesetzten Achtung, Treue und Gehorsam. Ich schwöre, all das zu beachten, was die Ehre meines Standes verlangt.“

Jeder Rekrut tritt dann einzeln an die Fahne heran, berührt sie mit der linken Hand, erhebt die rechte zum Schwur und verspricht: „Ich schwöre alles das, was mir soeben vorgelesen wurde, gewissenhaft und treu zu halten; so wahr mir Gott und seine Heiligen helfen.“

Daß man sich dem Eid auf den Papst nicht nur im Jahre 1527 verpflichtet fühlte, zeigt der Blick in die nun fünfhundertjährige Geschichte der Päpstlichen Schweizergarde.

Immer wieder waren einzelne Gardisten oder das ganze Korps gefordert, für Schutz und Leben des Papstes einzustehen. Auch in der Neuzeit blieb das feierliche Treueversprechen aktuell.
      
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