14:02:25 | Montag, 8. Mai 2006
Heute redet man in der Kirche gerne und viel vom Zeugnis katholischer Laien und Politiker in der Welt. Die kalte Dusche kommt, wenn man die Wirklichkeit betrachtet.
(kreuz.net/
Schwarze Witwe) Gestern veröffentlichte das Internet-Tagebuch der „Schwarzen Witwe“, das sich
kritisch mit der ‘Österreichischen Volkspartei’ auseinandersetzt, einen Beitrag über einen Parteifunktionär
aus der dritten Reihe.
Der Bericht will nach eigenen Angaben zeigen, wie die Zugehörigkeit zu formalkatholischen
und scheinbürgerlichen Milieus in der österreichischen Regierungspartei über die persönliche Moral
und die tatsächliche politische Einstellung und Aktivität gestellt wird.
Hier der Text der „Schwarzen
Witwe“:
Der Mitte der 70er Jahre geborene R. galt schon früh in seinem Heimatbundesland als politisches
Nachwuchstalent.
Den Einstieg in die Welt der schwarzen Machthaberer bot die Mitgliedschaft in einem
nominell katholischen Mittelschüler-Kartell-Verband.
In einem Alter, in dem andere mit dem Moped den
Mädchen hintendreinfahren, verwendete R. seine Freizeit darauf, sich im Bierdunst auf der „Bude“ bei
alten Männern beliebt und als Aktivist im Vorfeld der ‘Österreichischen Volkspartei’ auf sich aufmerksam
zu machen.
Für die ÖVP-eigene Organisation „Schülerunion“ bekleidete er schließlich das Amt eines
Landes- und Bundesschulsprechers sowie in der genannten Vorfeldorganisation bundesweite Spitzenfunktionen.
Beinahe überflüssig zu erwähnen, daß dies für die Schülervertretung nicht Jahre der Widerspenstigkeit
und Rebellion waren.
Es herrschte unter R. früherwachsene angepaßte Professionalität.
Nach der Matura
ging es nach Wien zum Studium. Die Mitgliedschaft im katholischen Studentenverein ‘Kartellverband’ war
dabei nur folgerichtig. Auch Spitzenfunktionen in der parteieigenen Studentenpartei „Aktionsgemeinschaft
(AG)“.
Im Nachhinein wird klar, wofür das Regenbogen-Logo der AG tatsächlich steht. Aber davon weiter
unten.
Nachdem die politische Ochsentour auf Hochschulboden absolviert war, pfiff R. – wie so manch anderer
Funktionär der ‘Aktionsgemeinschaft’ – auf das Abschließen seiner beiden Studienfächer.
Wer braucht
schon einen Abschluß, wenn man Freunde in den richtigen Positionen hat, mag sich R. gedacht haben. Wie
auch immer: Gelebt wurde jedenfalls nach diesem Motto.
An den Abgang von der Uni mit einem de facto „Diplom
der Aktionsgemeinschaft“ reihten sich Anstellungen als ÖVP-Parteiangestellter: bei einem christdemokratischen
Journalismus-Institut, bei der „Politischen Akademie“ und im Ministerium für „Umwelt, Jugend und Familie“
unter der Gesundheits- und Frauenministerin Maria Rauch-Kallat (ÖVP).
Nach einem kurzen Gastspiel in
der Privatwirtschaft als kleiner Angestellter bei einem Telekommunikationsunternehmen folgte der bei anderen
als R. mutige sowie risikoreiche Sprung in die Selbständigkeit.
R. gründete mit einem Lebenslaufzwilling
eine Beratungsagentur, die sie immer noch betreiben.
Die Agentur bietet ausschließlich Dienstleistungen
im „Soft Skills“-Bereich, deren Wert für Außenstehende schwer nachzuvollziehen ist. Es werden Trainings,
Moderationen und Organisationsentwicklungsconsulting verkauft.
Marktwirtschaftliche Klienten findet man
in der langen Kundenliste, so wie in R.‘s Laufbahn als Angestellter, nur spärlich.
Es dominieren öffentliche
Träger aus der schwarzen Reichshälfte, zum Beispiel eine Untergruppe der ‘Aktionsgemeinschaft’, die
Landeswirtschaftskammern, der Bauernbund, die bieder-katholizistische schwarze Vorarlberger Landesregierung
und die Wiener ÖVP.
Man kann feststellen, daß R. einer der vielen Berater im ÖVP-Vorfeld ist, die
mit öffentlichen Geldern durchgefüttert werden. Doch wir wollen es jenen, die es sich gerichtet haben,
nicht neiden.
Hand aufs Herz. Wer würde nach Absolvieren einer Ochsentour wie der R.‘s nicht ordentlich
abgreifen wollen?
Schließlich darf die Tochter des österreichischen Bundeskanzlers Wolfgang Schüssel
ja auch fürs Bundeskanzleramt Rhetoriktrainings zu Traumgagen abhalten, ohne jemals für die ‘Aktionsgemeinschaft’
oder die ‘Schülerunion’ gelaufen zu sein.
Das alles ist bei der österreichischen „Partei der Macht“
normal.
Aus dem Rahmen fällt R. durch seine sexuelle Ausrichtung. Er outet sich selbst im öffentlichen
Raum als homosexuell. Das ficht seine schwarzen Machthaberer nicht an. Das ist gut so und definitiv kein
Skandal.
Schließlich geht es eine Partei nichts an, was ihre Leute mit Erwachsenen treiben, wenn das
Licht aus ist.
Doch R. beschränkt sich nicht auf das Ausleben seiner widernatürlichen psychosexuellen
Störung.
Er ist auch Homo-Lobbyist im Vorstand einer Vereinigung homo- und bisexueller Geschäftsleute.
Die Organisation, die Frauen und sexuell gesunde Männer diskriminiert, will „ein starkes und dichtes
Netzwerk – beruflich und gesellschaftlich“ bilden. Die „Gay Professionals“ sind „überparteilich, aber
politisch engagiert“ und „treten für die rechtliche und gesellschaftliche Gleichstellung Homo- und Bisexueller
in allen Lebensbereichen ein“.
Weder die Partei noch die Vorfeldorganisationen, denen R. angehört –
selbst das Wort „katholisch“ explizit im Namen tragende Studentenverbindungen – ficht das in keiner Weise
an.
Und das ist ein Skandal.
Jemand, der aktiv gegen die geltende Programmatik der Partei und die Lehre
der römisch-katholischen Kirche arbeitet, wird bei der ‘Österreichischen Volkspartei’ beziehungsweise
bei sich als katholisch definierenden Verbänden gehalten und durchgefüttert, weil er im schwarzen formalkatholischen
Milieu die richtigen Leute kennt.
Was ist schon die Homoehe unter Amigos? Der Fall R. wirft ein Licht
darauf, wie ehrlich zum Beispiel die Anti-Homo Rhetorik des Tiroler Landeshauptmanns Herwig van Staa ist.
Da ist der Vorsitzende der Wiener-ÖVP, Gio Hahn, schon ehrlicher. Er steht wenigstens öffentlich zur
Homoehe.
Es ist wohl nur eine Frage der Zeit bis R. in der Wiener Partei eine weitere Stufe nach oben
fällt.
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