Schweiz
Walpurgisnacht in der Offenen Kirche
Ende April zelebrierten zwei weibliche Diplomtheologen in einer Schweizer Kirche kraftvolle Rituale mit Musik, Tanz und Feuer. Neben der Opfer des Nationalsozialismus und des sexuellen Mißbrauchs gedachten sie auch Christus – des Justizopfers.
(kreuz.net, Basel) Am Sonntag, dem 30. April, feierten rund 450 Leute in der Offenen Kirche Elisabethen in Basel zum fünften Mal die Walpurgisnacht. Basel befindet sich im Nordwesten der Schweiz.

Die Offene Kirche Elisabethen bezeichnet sich selber als vielfältiger, offener und belebter Ereignisort im Zentrum von Basel. Die neugotische, ehemals reformierte Citykirche ist als selbständiger Verein organisiert und wird von den Reformierten, den Christkatholiken und der Katholischen Kirche getragen.

Die diesjährige Walpurgisnacht wurde von zwei weiblichen katholischen Diplomtheologen gestaltet: Frau Monika Hungerbühler arbeitet für die ‘Katholische Frauenstelle Basel’ und in der Krankenhausseelsorge. Frau Eva Südbeck-Bau ist ebenfalls als Laienseelsorger im Bistum Basel beschäftigt.

Die beiden Damen wollten in der Walpurgisnacht Frauen ermutigen, nicht in angeblich bedrückende Erfahrungen von patriarchaler Macht zu vereinsamen, sondern sich ihrer Kraft und Würde gewahr zu werden und für die „Einhaltung ihrer Menschenrechte“ einzustehen.

In einer Prozession durch die Kirche mit vier Stationen versuchten die Frauen 1. Ohnmacht und Klage, 2. Trauer, 3. Wut und Rache und 4. Lebensfreude und Erotik auszudrücken.

Am ersten Ort der Klage erinnerten die beiden Diplomtheologen in einer Klagelitanei an die Hexenverfolgung und bezichtigten die Kirchen dabei im Gegensatz zur historischen Tatsachenlage als Schuldige.

Ebenso gedachten die zwei Pastoralassistentinnen der Frauen, die politisch verfolgt und unterdrückt werden oder offene oder subtile Gewalt erleiden. Trommelschläge – so hart wie ein Schlag ins Gesicht – sollten Gewalt gegen Frauen versinnbildlichen.

Eine unter weißer Asche begrabene Holzkohlenglut diente zur Darstellung der fast erloschenen Kraft von Frauen, die in Ohnmacht, Erstarrung, Schmerz und Klage gefangen sind.

„Wir erinnern uns an die Heilige Walpurga († 779), deren Wirken ganz in Vergessenheit geraten ist.
Wir erinnern uns an Jesus und all die anderen Justizopfer der Geschichte, die durch die Todesstrafe umgebracht wurden.
Wir erinnern an Jüdinnen und Juden, an Lesben und Schwule, Kommunistinnen, Sinti und Roma, die im Holocaust ermordet wurden.
Wir erinnern uns an die Mädchen und Buben, die sexuell ausgebeutet und seelisch gequält und getötet werden.
Wir erinnern uns an Frauen, die Opfer von häuslicher Gewalt wurden.“


An der zweiten Trauerstation wurde die Asche über die Häupter der anwesenden Frauen geblasen und die mitgetragene Glut freigelegt. Dabei wollte man seelische Verletzungen, das unsichtbare Gefängnis des Schweigens und der Scham betrauern.

Schwarze, mehrere Meter lange Tücher wurden über die Köpfe gereicht. Gleichzeitig erinnerten die beiden Seelsorgehelferinnen an sogenannte Orte von Solidarität – die sich Frauen erkämpft haben.

„…Wir sind traurig über das Unwissen über starke Frauen, weil die Erinnerung an sie nicht gepflegt wurde.
Wir sind traurig über die Verletzungen und Schmerzen.
Wir sind traurig über die Scham und die Schuldgefühle, die uns wie ein Siegel auferlegt wurden.
Auch wir wären so gerne ein unbeschwertes Mädchen und ungebeugte Frau gewesen.“


Bei der dritten Station entzündete man mit der glühenden Kohle das Feuer der Wut und Rache. Damit sollten die Gefühlen, die aus Verletzung und erlittenem Unrecht entstehen, ausgedrückt werden.

Tänzerinnen hüpften mit brennenden Stangen, Töpfen und Keulen. Stampfend bewegten sich die Anwesenden um das Feuer und brachten angeblich sogar die Kirche zum Beben.

Die beiden Diplomtheologen wollten damit ihre Wut vor Gott tragen, sich kraftvoll und lebendig erleben und ihre Lebenskraft spüren.

„…Laß glühende Kohlen auf sie regnen!
Stürze sie ins Feuer, in tiefe Schluchten,
aus denen sie nicht mehr herauskommen können!

Für böse Zungen soll im Land kein Platz sein,
und wer Gewalttat liebt,
den soll das Unglück zu Tode hetzen!

Ich weiß es, Gott
Du trittst für die Unterdrückten ein,
du wirst den Wehrlosen Recht verschaffen.“ Psalm 140


Bei der vierten Trauerstation der ‘Lebensfreude und Erotik’ gedachten die Diplomtheologen in einer Litanei Frauen, die mit ihrer Lebenskraft das Leben bejahten, pflegten und schützten und aus der Kraft ihres Glaubens lebten.

Die Anwesenden erhielten eine Kerze, die am sogenannten Wutfeuer entzündet wurde. Im Licht des Kerzenscheins sollte jede Frau – mit ihrer Einmaligkeit, Schönheit und Würde – zum leuchtenden Antlitz werden.

Eine Bauchtänzerin drückte sodann mit einem ‘Tanz der Freude’ Erotik, Kraft und Lebensfreude aus.

„…Gesegnet sei in deinem Leib,
daß dir die Wärme und die Lust,
die Liebe und der Schmerz
zur ständigen Quelle deines Lebens werden.

Gesegnet sei in deinem Hals, Nacken, und Kopf,
daß Phantasie deine Schöpferkraft fördert
und das Lächeln deines inneren Friedens
dich verschöne.

Du, sei gesegnet in deinen Schultern,
Armen und Händen,
daß du klar weißt, was zu tragen ist,
zu geben oder abzuwehren…“ von Hanna Strack


Die Zeremonie der Walpurgisnacht geriet in diesem Jahr ins Kreuzfeuer der Kritik. 500 Personen sandten dem reformierten Kirchenrat eine Petition, daß das skurrile und im wesentlichen gottlose Spektakel nicht mehr in der Offenen Kirche Elisabethen stattfinden soll.

Die Citykirche reagierte und lädt Ende Mai zu einer vom Informationsbeauftagten der Diözese Basel moderierten Diskussion.
      
11 Lesermeinungen
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#15   stat crux   17:19:24 | Donnerstag, 11. Mai 2006
La Civilta
dell’ amore :(3
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#13   stat crux   18:42:59 | Dienstag, 9. Mai 2006
Just do it.
Egal was. Das ist die Zauberformel für nihilistischen Aktivismus.
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#12   EinChrist   17:55:19 | Dienstag, 9. Mai 2006
@Sulpicius
Man beachte die sich immer wiederholende Wortwahl in Grossschreibung:
„OFFENE KIRCHE ELISABETHEN“!
Das lädt Hunz und Kunz ein wie bei uns in D. „Wir sind Kirche“ und ähnliche Selbstverwirklicher sowie die Kasperletheater Inszenierung auf dem Donauschiff in der vollendeten Lächerlichkeit der Priesterinnenw----! Einfach Quatsch mit Soße.
Seine Exzellenz Bischof Koch hat es sicher nicht leicht mit dem, was in seinem Bistum so (ab-)läuft.
Es grüßt,
EinChrist
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#10   Sulpicius   16:58:11 | Dienstag, 9. Mai 2006
Jetzt weiß ich,…
… warum mir „weibliche Diplom-Theologen“ schon immer suspekt waren. (Abgesehen davon, daß 9 von 10 häßlich waren. :-D)
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#9   stat crux   16:48:53 | Dienstag, 9. Mai 2006
Die Offene Kirche
ist auch nur ein esoterischer Mythos. Vom „historischen Jesus“ hin bis zur Verunglimpfung des NOM als „Häresie“, von Dan Brown bis Leonardo Boff zeichnet sich doch als Konflikt hinter den Konflikten ab, dass „Le Surnaturel“ (de Lubac) nicht mehr geglaubt wird, wohl aber die Mythen der Bibelkritik, der Psychanalyse und der politischen Theologie (von Marx bis Murx).
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#7   stat crux   16:39:47 | Dienstag, 9. Mai 2006
Die kulturell mittlerweile
irrelevanten ev. Kirchen der Schweiz unterhalten ein relinfo.ch, das sich in gewohnter Manier an Geistlichen Gemeinschagften abarbeitet und sie in Sektennähe platziert. (Das mag ja beim „Engelwerk“ noch angehen.) Zieht man aus diesem Syllabus der Kontradiktionen einen konträren Schluss, dann empfiehlt das Staatskirchentum deer Schweiz offenkundig, den aktuellen kulturellen mainstream religiös zu überhöhen.
Jesus hätte demnach zu seiner Zeit empfohlen, den Kaiser Tiberius als Gott anzubeten. Das ist von einer Walpurgisnacht bekanntlich nicht weit entfernt.
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#6   Benedikt78   16:29:45 | Dienstag, 9. Mai 2006
So ein Schwachsinn!
Die neugotische, ehemals reformierte Citykirche ist als selbständiger Verein organisiert und wird von den Reformierten, den Christkatholiken und der Katholischen Kirche getragen.
Wir zahlen mit unseren Kirchensteuern also auch munter an solch einen Mist mit!
Es stimmt zwar schon, dass irgendwo, unter Anderem, auch Gott vorkommt. Aber er ist so entfremdet, dass man alles darunter verstehen kann. Dieser Gott hat mit unserem Herrn so viel zu tun, wie unser Jesus mit dem Hauptdarsteller im Stück „Corpus Christi“! Nichts!
Es ist betrüblich zu sehen, dass Gemüse, wie die beiden Theologinnen, im katholischen Garten wachsen. Da sollte mal jemand Unkraut jäten! Im Bistum Basel blieben dann zwar nicht viele Blumen übrig, aber diese könnten den Garten wieder zu neuer Pracht verhelfen!
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#4   Copertino   15:18:04 | Dienstag, 9. Mai 2006
Die Basler Elisabethenkirche…
…wurde im historistischen Stil als evangelischer Bau errichtet und war nie ein katholisches Gotteshaus. Dies zur Information.
Natürlich ist nicht zu bestreiten, dass solche Veranstaltungen abfärben und auch in den katholischen Bereich hineinwirken, nicht zuletzt, weil sich die katholische Kirche Basel-Stadt auch am Projekt „Offene Kirche Elisabethen“ beteiligt.
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#3   virOblationis   15:13:04 | Dienstag, 9. Mai 2006
Kirchenraum
Es könnte sich aber bei dem Kirchenraum dem Anschein nach immerhin um einen solchen handeln, der einmal für das hl. Meßopfer errichtet worden ist.
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#2   Mimi   14:57:52 | Dienstag, 9. Mai 2006
Offene Kirche Elisabethen
Wenn ich es auf der entsprechenden Homepage richtig gesehen habe, handelt es sich hier um eine evangelische Kirche.
Sollen die da doch machen, was sie wollen… ich würde mich von sowas fernhalten.
Übrigens gibt es dort auch immer am 3. SO im Monat die „Lesbische und Schwule Basiskirche“… so steht es zumindest auf der Homepage…
Aber das ganze behauptet ja nicht, katholisch zu sein. Also muss ich mich auch nicht drüber aufregen, oder?!
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#1   Guntram   14:43:25 | Dienstag, 9. Mai 2006
wer vieles bringt, bringt jedem was
…mein Gott so ein verlogenes Getue. Anscheinend sind dort manche auf dem Ego-Tripp gewesen.
Dann doch lieber ehrlich:
als Katholik, Teilnahme an dem heiligen Meßopfer, so wie es vor dem Vaticanum II dargebraucht wurde oder
als Neuheide, Rituale zu Ehren der Götter unserer Vorfahren.
So ein Mischmasch is einfach nur widerlich
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Es wurden 4 Lesermeinungen von der Redaktion entfernt
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