16:00:55 | Mittwoch, 10. Mai 2006
Ein besorgter Pfarrer möchte die Gläubigen, die ihm zu traditionell sind, loswerden. Darum hat er sie eingeladen, die Pfarrei und das Bistum zu verlassen. Von seinem Bischof erhielt der Priester dafür den Segen.
(kreuz.net, Huntington Beach) Seit Pfarrer Daniel Johnson von der Pfarrei ‘St. Mary by the Sea’ im südkalifornischen
Huntington Beach in den Ruhestand getreten ist, kämpfen seine Gläubigen darum, Glaube und Frömmigkeit
zu bewahren.
Mit Pfarrer Johnsons Weggang endete in der Pfarrei auch die Erlaubnis für die Zelebration
der Tridentinischen Messe. Doch im jüngsten Konflikt geht es nicht darum.
Die Auseinandersetzung mit
dem neuen Pfarradministrator, Hw. Martin Tran, nahm Ende Februar seinen vorläufigen Höhepunkt.
Am 27.
Februar erhielten 37 traditionelle Familien der Pfarrei einen Brief, in dem sie vom Pfarradministrator –
und mit der Genehmigung des für die Pfarrei zuständigen Bischofs von Orange – offiziell und höchstpersönlich
„eingeladen“ werden, die Pfarrei St. Mary und die Diözese Orange zu verlassen.
Der Brief war eine Reaktion
auf mehrere Flugblätter, die aus Kreisen dieser Gläubigen an andere Pfarreiangehörige verteilt wurde.
Die offen katholischen Gläubigen haben sich in der Pfarrei St. Mary zu einer Gruppe zusammengeschlossen,
die sich ‘Restore the Sacred’ – ‘Stelle das Heilige wieder her’ – nennt.
Die Flugblätter behandeln vor
allem liturgische Themen. Sie kritisieren die Bezeichnung der Messe als „Mahl“ statt als Opfer, einen
weichgespülten Glauben an die Realpräsenz sowie die angebliche Notwendigkeit von Laienkommunionspendern.
Außerdem informieren sie darüber, daß die Autorität des Heiligen Stuhls in Sachen Gebetshaltung während
der Heiligen Messe über den Anweisungen eines Ortsbischofs steht.
Auch ein Gebetsaufruf für den Pfarradministrator
war auf einem der Handzettel enthalten. Die Gläubigen wurden aufgefordert, zu beten, daß Hw. Tran seine
theologischen Positionen den Lehrmeinungen des Vatikan angleicht – „insbesondere in bezug auf das Frauenpriestertum“.
Jeder der auf dem Flugblatt angeführten Punkte wurde durch kirchliche Dokumente oder durch das Kirchenrecht
belegt.
Pfarradministrator Tran beschuldigte die 37 Familien in seinem Brief aufgrund dieser Handzettel
„persönlicher Attacken“ und „falscher Beschuldigungen“ gegen den Bischof von Orange, Mons.
Tod David
Brown.
Die Traditionalisten würden durch vorsätzlichen Ungehorsam und durch Ablehnung der – durch den
Bischof angeordneten und von Rom bewilligten – gängigen liturgischen Vorschriften in der Pfarrei „Irreführung,
Verwirrung, Spaltung und Chaos“ hervorrufen.
Der Konflikt zwischen dem Pfarradministrator und seinen
Gläubigen beschränkt sich nicht auf Handzettel und Briefe. Hw. Tran benutzte auch das Pfarrblatt, um
die unliebsame Gruppe zu verunglimpfen.
Mary Tripoli:
„In einem Bistum, wo Abtreibungspolitiker während
der Messe sprechen und die Heilige Kommunion empfangen dürfen, ist der Hinweis, daß das Knien während
der Heiligen Messe eine Sünde darstelle, lachhaft.“
In der Ausgabe vom 19. Februar warnte der Priester,
daß die Verweigerung „insbesondere nach dem ‘Lamm Gottes’ und beim Schlußsegen“ zu stehen – so wie dies
von Bischof Brown angeordnet worden sei – „total falsch und eine schwere Sünde“ sei.
Knien statt Stehen
stelle nicht nur „einen vorsätzlichen Ungehorsam gegenüber dem Ortsbischof, sondern auch gegen Rom und
im letzten gegenüber Gott dar“.
Mary Tripoli, die zu den aus der Pfarrei Ausgeladenen gehört, erklärte
vor dem katholischen US-Nachrichtendienst ‘The Los Angeles Lay Catholic Mission’, daß die 37 Familien
die Ausladung aus der Pfarrei nicht anzunehmen gedenken.
Aufgrund des Rechtsbeistandes der ‘St. Joseph
Vereinigung’ wissen die Pfarreimitglieder, daß der Brief keine kanonischen Folgen besitzt. Die ‘St. Joseph
Vereinigung’ hat sich zum Ziel gesetzt, Katholiken bei kirchenrechtlichen Problemen zu beraten und zu
verteidigen.
Die angeschriebenen Pfarreimitglieder seien nicht exkommuniziert und dürften die Sakramente
weiterhin empfangen, erklärt der Gründer der Vereinigung, Charles Wilson: „Kanonisch gesehen, ist das
Kauderwelsch.“
Der einzige Weg, wie man eine Diözese verlassen könne, sei, aus ihr fortzuziehen. „Lädt
er sie ein, umzuziehen“, fragt sich Kirchenrechtler Wilson. „Jeder, der innerhalb eines Pfarreigebietes
lebt, ist ipso facto ein Mitglied dieser Pfarrei. An diesem Brief seien jede Menge Dinge falsch.
Auch
Mary Tripoli kann die „Einladung“, die Pfarrei zu verlassen, nicht ernst nehmen: „In einem Bistum, wo
Abtreibungspolitiker während der Messe sprechen und die Heilige Kommunion empfangen dürfen, ist der
Hinweis, daß das Knien während der Heiligen Messe eine Sünde darstelle, lachhaft.“
Francis Kardinal
Arinze:
„Nach der Kommunion ist es gut, eine gemeinsame Gebetshaltung einzunehmen. Einem Katholiken darf
das Recht nicht genommen werden, niederzuknien und Jesus anzubeten.“
Mary Tripoli hat das Wort „Todsünde“
in der Diözese noch nie gehört. „Warum jetzt?“ Sie und ihre Freunde können nicht verstehen, warum ein
Bischof, der so großen Wert auf Begriffe wie ‘Toleranz’, ‘Mitgefühl’, und ‘Verschiedenheit’ legt, so
intolerant zu traditionellen Katholiken ist.
Für Frau Tripoli und andere Pfarreimitglieder mag Bischof
Brown Bischof – aber nicht der Papst sein: „Wir sind Menschen, die dem Lehramt der Kirche ergeben sind.“
Dieses gebe den Gläubigen die Erlaubnis zu knien.
In einem Brief, den der Präfekt der Gottesdienstkongregation,
Francis Kardinal Arinze, an eine Gläubige aus der Pfarrei schickte, erklärte der Kurienkardinal, daß
es nach der Kommunion gut sei, eine gemeinsame Gebetshaltung einzunehmen. Dennoch dürfe einem Katholiken
nicht das Recht genommen werden, niederzuknien und Jesus anzubeten.
Bereits im vergangenen Dezember erfuhr
Mary Tripoli durch einen an sie gesandten Brief, daß sie vom Pfarrgemeinderat ausgeschlossen worden war.
Einfachen, alten Damen, die seit mehr als zwanzig Jahren Mitglieder im Pfarrgemeinderat waren, drohte
der Pfarradministrator mit den Worten: „Wenn ihr im Pfarrgemeinderat bleiben wollt, dann hört bitte auf
zu knien“.
Derartige Erpressungen hätten die alten Damen zum Weinen gebracht. „Danach wünschte er ihnen
eine „gesegnete Fastenzeit“, berichten die Pfarrangehörige.
Mary Tripoli:
„Wir stellen die Autorität
des Bischofs nicht in Frage. Wir wissen nur, daß es niemals das Ansinnen der Kirche war, sich einer Ellenbogentechnik
zu bedienen, einfache, alte Damen zu Weinen zu bringen, weil sie knien wollen und Eltern zu bedrohen,
wenn ihre Kinder knien.“
Die Repressalien des Pfarradministrators machen auch vor den Ministranten nicht
Halt.
In einem Brief vom 14. Dezember vergangenen Jahres wurde Oberministrant Damian Garcia gefeuert.
„Du hast die Regeln für Sonntagsmessen drei Mal nicht eingehalten. Du hast Dich nach dem ‘Lamm Gottes’
hingekniet – direkt vor den Leuten“, hieß es in der Begründung.
In dem Brief schreibt der Pfarradministrator
weiter, daß die beiden ausgemacht hätten, daß Damian Garcia unter der Bedingung Oberministrant bleibe,
daß er die liturgischen Normen der Diözese befolge. Damian habe ihm das damals versprochen: „Nun hast
Du Dein Versprechen gebrochen.“
Auch Damian – der schon seit 15 Jahren Oberministrant war – erhielt im
März die Einladung, die Pfarrei und die Diözese zu verlassen.
Die Mitglieder von ‘Restore the Sacred’
sind auf einen langen, harten Kampf vorbereitet. „Wir gehorchen immer“, bekräftigt Mary Tripoli: „Wir
gehorchen dem Magisterium, und wir gehorchen den Lehren der Kirche.“
Der Heilige Thomas habe aber gesagt,
daß die Laien ein Recht auf eine gesunde Lehre und Liturgie hätten. Wenn diese Umstände nicht gegeben
seien, dann sei es Pflicht der Laien, auf Fehler hinzuweisen, so Frau Tripoli.
„Wir stellen die Autorität
des Bischofs nicht in Frage. Wir wissen nur, daß es niemals das Ansinnen der Kirche war, sich der Ellbogentechnik
zu bedienen, kleine, alte Damen zu Weinen zu bringen, weil sie knien wollen und Eltern zu bedrohen, wenn
ihre Kinder knien.
Wir befinden uns in einer gewaltigen Krise.“
Quelle: Los Angeles Lay Catholic Mission
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