„Wir befinden uns in einer gewaltigen Krise“
Ein besorgter Pfarrer möchte die Gläubigen, die ihm zu traditionell sind, loswerden. Darum hat er sie eingeladen, die Pfarrei und das Bistum zu verlassen. Von seinem Bischof erhielt der Priester dafür den Segen.

Mit Pfarrer Johnsons Weggang endete in der Pfarrei auch die Erlaubnis für die Zelebration der Tridentinischen Messe. Doch im jüngsten Konflikt geht es nicht darum.
Die Auseinandersetzung mit dem neuen Pfarradministrator, Hw. Martin Tran, nahm Ende Februar seinen vorläufigen Höhepunkt.
Am 27. Februar erhielten 37 traditionelle Familien der Pfarrei einen Brief, in dem sie vom Pfarradministrator – und mit der Genehmigung des für die Pfarrei zuständigen Bischofs von Orange – offiziell und höchstpersönlich „eingeladen“ werden, die Pfarrei St. Mary und die Diözese Orange zu verlassen.

Die Flugblätter behandeln vor allem liturgische Themen. Sie kritisieren die Bezeichnung der Messe als „Mahl“ statt als Opfer, einen weichgespülten Glauben an die Realpräsenz sowie die angebliche Notwendigkeit von Laienkommunionspendern.
Außerdem informieren sie darüber, daß die Autorität des Heiligen Stuhls in Sachen Gebetshaltung während der Heiligen Messe über den Anweisungen eines Ortsbischofs steht.
Auch ein Gebetsaufruf für den Pfarradministrator war auf einem der Handzettel enthalten. Die Gläubigen wurden aufgefordert, zu beten, daß Hw. Tran seine theologischen Positionen den Lehrmeinungen des Vatikan angleicht – „insbesondere in bezug auf das Frauenpriestertum“.
Jeder der auf dem Flugblatt angeführten Punkte wurde durch kirchliche Dokumente oder durch das Kirchenrecht belegt.
Pfarradministrator Tran beschuldigte die 37 Familien in seinem Brief aufgrund dieser Handzettel „persönlicher Attacken“ und „falscher Beschuldigungen“ gegen den Bischof von Orange, Mons. Tod David Brown.
Die Traditionalisten würden durch vorsätzlichen Ungehorsam und durch Ablehnung der – durch den Bischof angeordneten und von Rom bewilligten – gängigen liturgischen Vorschriften in der Pfarrei „Irreführung, Verwirrung, Spaltung und Chaos“ hervorrufen.
Der Konflikt zwischen dem Pfarradministrator und seinen Gläubigen beschränkt sich nicht auf Handzettel und Briefe. Hw. Tran benutzte auch das Pfarrblatt, um die unliebsame Gruppe zu verunglimpfen.
In der Ausgabe vom 19. Februar warnte der Priester,
daß die Verweigerung „insbesondere nach dem ‘Lamm Gottes’ und beim Schlußsegen“ zu stehen – so wie dies
von Bischof Brown angeordnet worden sei – „total falsch und eine schwere Sünde“ sei.
Knien statt Stehen stelle nicht nur „einen vorsätzlichen Ungehorsam gegenüber dem Ortsbischof, sondern auch gegen Rom und im letzten gegenüber Gott dar“.
Mary Tripoli, die zu den aus der Pfarrei Ausgeladenen gehört, erklärte vor dem katholischen US-Nachrichtendienst ‘The Los Angeles Lay Catholic Mission’, daß die 37 Familien die Ausladung aus der Pfarrei nicht anzunehmen gedenken.
Aufgrund des Rechtsbeistandes der ‘St. Joseph Vereinigung’ wissen die Pfarreimitglieder, daß der Brief keine kanonischen Folgen besitzt. Die ‘St. Joseph Vereinigung’ hat sich zum Ziel gesetzt, Katholiken bei kirchenrechtlichen Problemen zu beraten und zu verteidigen.
Die angeschriebenen Pfarreimitglieder seien nicht exkommuniziert und dürften die Sakramente weiterhin empfangen, erklärt der Gründer der Vereinigung, Charles Wilson: „Kanonisch gesehen, ist das Kauderwelsch.“
Der einzige Weg, wie man eine Diözese verlassen könne, sei, aus ihr fortzuziehen. „Lädt er sie ein, umzuziehen“, fragt sich Kirchenrechtler Wilson. „Jeder, der innerhalb eines Pfarreigebietes lebt, ist ipso facto ein Mitglied dieser Pfarrei. An diesem Brief seien jede Menge Dinge falsch.
Auch Mary Tripoli kann die „Einladung“, die Pfarrei zu verlassen, nicht ernst nehmen: „In einem Bistum, wo Abtreibungspolitiker während der Messe sprechen und die Heilige Kommunion empfangen dürfen, ist der Hinweis, daß das Knien während der Heiligen Messe eine Sünde darstelle, lachhaft.“
Mary Tripoli hat das Wort „Todsünde“
in der Diözese noch nie gehört. „Warum jetzt?“ Sie und ihre Freunde können nicht verstehen, warum ein
Bischof, der so großen Wert auf Begriffe wie ‘Toleranz’, ‘Mitgefühl’, und ‘Verschiedenheit’ legt, so
intolerant zu traditionellen Katholiken ist.
Für Frau Tripoli und andere Pfarreimitglieder mag Bischof Brown Bischof – aber nicht der Papst sein: „Wir sind Menschen, die dem Lehramt der Kirche ergeben sind.“ Dieses gebe den Gläubigen die Erlaubnis zu knien.
In einem Brief, den der Präfekt der Gottesdienstkongregation, Francis Kardinal Arinze, an eine Gläubige aus der Pfarrei schickte, erklärte der Kurienkardinal, daß es nach der Kommunion gut sei, eine gemeinsame Gebetshaltung einzunehmen. Dennoch dürfe einem Katholiken nicht das Recht genommen werden, niederzuknien und Jesus anzubeten.
Bereits im vergangenen Dezember erfuhr Mary Tripoli durch einen an sie gesandten Brief, daß sie vom Pfarrgemeinderat ausgeschlossen worden war.
Einfachen, alten Damen, die seit mehr als zwanzig Jahren Mitglieder im Pfarrgemeinderat waren, drohte der Pfarradministrator mit den Worten: „Wenn ihr im Pfarrgemeinderat bleiben wollt, dann hört bitte auf zu knien“.
Derartige Erpressungen hätten die alten Damen zum Weinen gebracht. „Danach wünschte er ihnen eine „gesegnete Fastenzeit“, berichten die Pfarrangehörige.
Die Repressalien des Pfarradministrators machen auch vor den Ministranten nicht
Halt.
In einem Brief vom 14. Dezember vergangenen Jahres wurde Oberministrant Damian Garcia gefeuert.
„Du hast die Regeln für Sonntagsmessen drei Mal nicht eingehalten. Du hast Dich nach dem ‘Lamm Gottes’ hingekniet – direkt vor den Leuten“, hieß es in der Begründung.
In dem Brief schreibt der Pfarradministrator weiter, daß die beiden ausgemacht hätten, daß Damian Garcia unter der Bedingung Oberministrant bleibe, daß er die liturgischen Normen der Diözese befolge. Damian habe ihm das damals versprochen: „Nun hast Du Dein Versprechen gebrochen.“
Auch Damian – der schon seit 15 Jahren Oberministrant war – erhielt im März die Einladung, die Pfarrei und die Diözese zu verlassen.
Die Mitglieder von ‘Restore the Sacred’ sind auf einen langen, harten Kampf vorbereitet. „Wir gehorchen immer“, bekräftigt Mary Tripoli: „Wir gehorchen dem Magisterium, und wir gehorchen den Lehren der Kirche.“
Der Heilige Thomas habe aber gesagt, daß die Laien ein Recht auf eine gesunde Lehre und Liturgie hätten. Wenn diese Umstände nicht gegeben seien, dann sei es Pflicht der Laien, auf Fehler hinzuweisen, so Frau Tripoli.
„Wir stellen die Autorität des Bischofs nicht in Frage. Wir wissen nur, daß es niemals das Ansinnen der Kirche war, sich der Ellbogentechnik zu bedienen, kleine, alte Damen zu Weinen zu bringen, weil sie knien wollen und Eltern zu bedrohen, wenn ihre Kinder knien.
Wir befinden uns in einer gewaltigen Krise.“
Quelle: Los Angeles Lay Catholic Mission
Weiterlesen:
Sonntag, 14. Mai 2006 01:34
Jörg Guttenberger, Köln: Onan: keine Ideologen
Der Konservative ist – im Gegensatz zu den Progressiven und Reaktionären – immer für die Freiheit. Er
hat nichts gegen eine Liturgie versus deum oder versus populum, mit Beidem kann er gut leben. Hier liegen
ausschließlich Progressive und Reaktionäre im Streit miteinander. Aus seiner Argumentationspraxis ergibt
sich zwingend Onans Zugehörigkeit zu den Progressiven: es ist für sie kennzechnend, die Konservativen
in die reaktionäre Ecke zu drücken! In Wirklichkeit lehnen doch gerade die Progressiven genauso, wie
Reaktionäre, alles nicht ihre geistige Enge Passende ab! D. h., sowohl Progressive wie Reaktionäre vertreten
ein preußisches Marschtrittchristentum, wenn auch in unterschiedlicher Richtung.
Die Auffassung, Religion sei Privatsache, ist die übliche von den Progressiven verkündete Halbwahrheit und damit eine Irrlehre: richtig ist, daß uns bei der Wahl unserer Religion niemand drein zu reden hat. Damit ist ausschließlich unsere Entscheidung für eine Religion reine Privatsache. Unsere Zugehörigkeit selbst hingegen ist schon alleine deswegen eine öffentlich-rechtliche Angelegenheit, weil wir beim Amtsgericht in entsprechenden Listen geführtwerden. Im Übrigen wecken wir mit unserem Bekenntnis zu einer Religion berechtigte Erwartungen in unserer jeweiligen Umgebung, denen wir uns ohne Wenn und Aber zu stellen haben!
Die Auffassung, Religion sei Privatsache, ist die übliche von den Progressiven verkündete Halbwahrheit und damit eine Irrlehre: richtig ist, daß uns bei der Wahl unserer Religion niemand drein zu reden hat. Damit ist ausschließlich unsere Entscheidung für eine Religion reine Privatsache. Unsere Zugehörigkeit selbst hingegen ist schon alleine deswegen eine öffentlich-rechtliche Angelegenheit, weil wir beim Amtsgericht in entsprechenden Listen geführtwerden. Im Übrigen wecken wir mit unserem Bekenntnis zu einer Religion berechtigte Erwartungen in unserer jeweiligen Umgebung, denen wir uns ohne Wenn und Aber zu stellen haben!
Samstag, 13. Mai 2006 15:34
Onan †: keine Ideologen?
warum sammeln sie sich dann nicht in eigenen Kirchen, gehen ihren Geschäften nach und lassen die anderen
machen was sie wollen?
Ganz einfach weil auch die Konserativen Ideologen sind!
Sie wollen missionieren und sind nicht glücklich, solange nicht jeder alles so macht, wie sie es wollen.
Wer eine Messe will, bei der der Pfarrer allen Gläubigen den Rücken zeigt – bitteschön – wo ist das Problem? Dann soll eben ein Termin mit einem Pfarrer gemacht werden, der das Bedürfnis der kons. Kath. befriedigt!
Kann doch nicht so schwer sein. Aber die Phobie allem Neuen gegenüber ist einfach lächerlich, genauso wie die Paranoia gegenüber Freimaurern , Homosexuellen, schwulen Freimaurern und was weiß ich…
Ich wäre für einen religionsfreien Staat, aber ich habe auch kein Problem damit, wenn Teile meiner Familie in die Kirche gehen wollen.
Religion ist Privatsache. (und außerdem Opium für das Volk
)
Ganz einfach weil auch die Konserativen Ideologen sind!
Sie wollen missionieren und sind nicht glücklich, solange nicht jeder alles so macht, wie sie es wollen.
Wer eine Messe will, bei der der Pfarrer allen Gläubigen den Rücken zeigt – bitteschön – wo ist das Problem? Dann soll eben ein Termin mit einem Pfarrer gemacht werden, der das Bedürfnis der kons. Kath. befriedigt!
Kann doch nicht so schwer sein. Aber die Phobie allem Neuen gegenüber ist einfach lächerlich, genauso wie die Paranoia gegenüber Freimaurern , Homosexuellen, schwulen Freimaurern und was weiß ich…
Ich wäre für einen religionsfreien Staat, aber ich habe auch kein Problem damit, wenn Teile meiner Familie in die Kirche gehen wollen.
Religion ist Privatsache. (und außerdem Opium für das Volk
Samstag, 13. Mai 2006 01:46
Jörg Guttenberger, Köln: Markus Antonius: hahahaha
Das hängt mit dem engen geistigen Horizont der Progressiven (und Rektionäre) zusammen: Ignoranz lacht immer, wenn sie etwas nicht versteht, und Ignoranz ist bekanntlich die Uniform der Uninformierten!
Freitag, 12. Mai 2006 08:08
Markus-Antonius †: Hahahaha
Die Konservativen sind Pragmatiker und keine Ideologen??? Selten so gelacht!
Donnerstag, 11. Mai 2006 20:14
Jörg Guttenberger, Köln: Daniela: Gezeter der Konservativen
Auf das Gezeter warten Sie vergeblich, denn die Konservativen sind nun einmal keine Ideologen, sondern die Pragmatiker (nicht: Pragmatisten!) schlechthin. Das ergibt sich schon alleine aus der Tatsache, daß Manche aus gesundheitlichen Gründen (Knieverletzungen, altersbedingte Kniebeschwerden) überhaupt nicht bzw. nicht für längere Zeit kniehen können. Tolleranz ist doch gerade eine wesentliche Eigenschaft der Konservativen wohingegen Progressive und Reaktionäre gemeinhin Inbegriff der Intolleranz sind!
Donnerstag, 11. Mai 2006 16:31
Daniela †: @Guttenberger
Da möchte ich mal sehen, was bei den „Konservativen“ los ist, wenn es jemand wagt, von der Möglichkeit Gebrauch zu machen, während des gesamten Hochgebetes zu stehen. Da gibt’s aber ein Gezeter, gegen das ist das hier Geschilderte Kinderkram.
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