„Solange Rom auf seiner Haltung verharrt, ist kein Übereinkommen möglich“
Der Papst scheint zu glauben, daß das Konzil bis heute noch nicht richtig angewendet wurde. Diese Umsetzungsarbeit des Konzils sei noch zu leisten. Von Bischof Bernard Fellay, Generaloberer der Piusbruderschaft.

Dann kam die Wahl des neuen Papstes. Manche erwarten von dieser Thronbesteigung große Veränderungen. Aber bis jetzt hat sich nicht viel ereignet. Im Gegenteil.
Es gibt jedoch einen neuen Kurs, eine größere Treue zum Konzil, also zu dem, was die Krise, in der wir uns jetzt befinden, hervorgebracht hat. Gleichzeitig gibt es ein leicht gewachsenes Wohlwollen gegenüber der Messe.
Benedikt XVI. hatte als Kardinal mehrmals eine gewisse Kritik an der Neuen Messe geübt. Er hatte das harte Vorgehen gegen jene kritisiert, die der Alten Messe verbunden sind.
So entstanden überall Gerüchte, daß die Messe freigegeben werde oder den Ecclesia Dei Gemeinschaften
päpstliche
Strukturen und Administrationen verleiht würden. Es stimmt, daß in Rom – wenngleich sehr im Geheimen –
von solchen Dingen gesprochen wird.
In diesem Klima haben wir den Papst um eine Audienz gebeten, um den Dingen zuvorzukommen. Diese Audienz war sehr interessant und hat vor allem gezeigt, was wir bereits wußten: nämlich das unerschütterliche Festhalten des jetzigen Papstes am Konzil.
Bei dieser Audienz wurde uns sehr klar, daß es für Benedikt XVI. unvorstellbar ist, heute einen Christen zu sehen, der das Konzil nicht annimmt. Diese Möglichkeit würde ihm nicht einmal einfallen.
Man spürt sehr wohl, daß das Konzil für ihn unantastbar ist. Was man dem Konzil höchstens vorwerfen könnte, wären mißbräuchliche und untreue Textauslegungen und Anwendungen.
Benedikt XVI. sagte uns: „Das, was zählt, ist die Absicht der Konzilsväter, die Absicht des Textes.“ Wir hätten nicht das Recht, das Konzil anzugreifen, indem wir uns auf die Auslegungen von Journalisten und Theologen stützten.
Damit verwirft er einen Teil der Neuerungen, die nach dem Konzil aufgetreten sind, jedoch nicht, um zum Zustand vor dem Konzil zurückzukehren, sondern um beim Konzil selber anzugelangen.
Während der Audienz hat er drei Ebenen von Problemen zwischen der Priesterbruderschaft und Rom beschrieben.
Die erste Ebene ist die tatsächliche Anerkennung des Papstes und seiner Macht.
Er erklärte, daß wir nicht das Recht hätten, unser Tun
mit einer Notsituation zu rechtfertigen.
Der Papst erklärte: „Sie haben nicht das Recht, sich auf einen Notstand zu stützen, denn ich bemühe mich, die Probleme zu lösen.“
In dieser Aussage liegt eine Rechtfertigung für unser Tun. Es gibt Probleme, und er ist bemüht, sie zu lösen. Also sind sie noch nicht beseitigt.
Im Zuge des Gesprächs sagte er selber, man müsse schauen, ob in Frankreich und Deutschland nicht doch ein Notstand vorliege. Er hat es – indem er daraus eine Frage machte – als Zweifel gesagt. Er ließ die Frage offen.
Wenn man Deutschland und Frankreich mit der restlichen Welt vergleicht, fragt man sich, worin der grundlegende Unterschied besteht, um sagen zu können, in diesen Ländern herrscht eine Notsituation und in anderen nicht.
Als zweiten Punkt führte der Papst das Konzil an. Er betonte: „Sie müssen das Konzil annehmen, aber natürlich das im Licht der lebendigen Tradition ausgelegte Konzil.“
Hier liegt für uns das zweite Problem. Denn was ist die lebendige Tradition? Was versteht Benedikt XVI. darunter, wenn er Tradition sagt?
Wenn er von Tradition spricht, so versteht er darunter das aktuelle Lehramt, das die Vergangenheit wieder überarbeitet, neu interpretiert und uns lehrt. Das ist die lebendige Tradition. Andersgesagt: Die lebendige Tradition ist Benedikt XVI.
Folglich ist das im Licht der lebendigen Tradition interpretierte Konzil das Konzil, wie es der jetzige Papst versteht.
Natürlich stimmt das nicht mit dem überein, was wir meinen, wenn wir vom Konzil sprechen, das im Licht der Tradition zu interpretieren sei.
Diese Vorstellungen können wir auch in einer Rede vom 22. Dezember 2005 erkennen, worin der Papst vor den Kurienkardinälen erneut seine Gedanken dargelegt hat.
Er verurteilt von neuem eine sogenannte ‘super-progressistische’ Interpretation des Konzils, also jene Ausleger, die zu weit gegangen sind oder die ein Vatikanum III fordert, also jene – das sind seine eigenen Worte –, „die sich auf den Geist des Konzils stützen“.
Wenn man sich anschaut, was seit dem Konzil bis jetzt geschehen ist, wurde fast alles mit dem Konzil gerechtfertigt.
Da bleibt nicht
viel übrig. Dies verurteilt er. Aber verurteilt er damit auch die Reformen? Nein.
Der Papst verurteilt einen gewissen Teil der Exzesse. Er sagt, die Früchte seien gut. Man kann zwischen den Zeilen lesen und mit Hilfe anderer Texte erkennen, daß das Konzil für ihn tatsächlich bis heute noch nicht angewendet wurde. Diese Umsetzungsarbeit des Konzils sei noch zu leisten.
Ebenso verurteilt er jene, die im Konzil einen Bruch sehen. Zuerst greift er die moderne Richtung an, die tatsächlich eine Trennung von der Vergangenheit wollten, indem er sagt: „Nein, es braucht eine Fortsetzung zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart. Es darf keinen Bruch geben.“
Wenn er die Dinge selber darlegt, besteht in den von ihm selber vertretenen Ideen ein klarer Bruch, auch wenn er in Theorie den Gedanken eines Bruches anprangert.
Ein erschreckendes Beispiel dafür ist die Frage nach dem Verhältnis zwischen Kirche und Staat. Da erklärt uns der Papst, daß sich der moderne Staat seit dem 19. Jahrhundert – wo er von der Kirche verurteilt wurde – verändert habe.
Heute sei der moderne Staat besser, versöhnlicher und weniger radikal. Folglich hätte die Kirche auf dem Konzil in ihrem Verhältnisses zum Staat eine neue Haltung einnehmen müssen.
Indem sich die Kirche eines der fundamentalen Prinzipien des modernen Staates zu eigen machte – nämlich die Neutralität und die Unparteilichkeit allen Religionen gegenüber – habe die sie sogar ihr Erbe wiederfinden können.
Mehr noch: Indem die Kirche dies in die Tat umsetzte und verlangte, daß der Staat kein katholischer Staat sondern ein nichtkonfessioneller Staat sei, habe sich die Kirche wieder in – er verwendete den Begriff – „Syntonie“ befunden.
Diesen Begriff könnte man erklären mit „etwas, das in Einklang mit dem Evangelium und mit der Lehre Unseres Herrn steht“.
Anders ausgedrückt hat der Papst erklärt, daß 1700 Jahre Kirchengeschichte außerhalb der Lehre Unseres Herrn abgelaufen seien. Die Kirche hätte somit während 1700 Jahren ihr Erbe verloren und jetzt wiederentdeckt, indem sie auf den katholischen Staat verzichtete.
Wenn das kein Bruch sein soll, was ist es dann?
Das gleiche könnte man zur Frage der Beziehung der Kirche zu den anderen Religionen sagen. Der Papst betont – und das ist auch einer der Punkte des Konzils –, daß die Kirche eine neue Haltung in ihren Beziehungen mit dem Judentum einnehmen müsse.
Die Juden lehnen die Gottheit unseres Herrn Jesus Christus ab. Man fragt sich, was es bedeuten soll, eine neue Haltung gegenüber jenen einzunehmen, die unseren Herrn ablehnen.
Das Evangelium sagt deutlich: „Wer den Sohn nicht hat, hat auch den Vater nicht.“ Das ist sehr einfach. Das ist sehr radikal. Man fragt sich wirklich, warum es eine neue Haltung braucht.
Es zeigt sehr gut, daß der jetzige Papst die Verkörperung des Konzils sein will, gegen das wir seit Jahren kämpfen. Wir haben es verurteilt und verworfen. Es ist die Ursache des Unheils in der heutigen Kirche.
Wenn man dies alles betrachtet, so ist man sehr wohl verpflichtet, sich zu fragen: „Welches Übereinkommen ist da überhaupt möglich?“
Die Antwort ist sehr einfach: Solange Rom in einer solchen Position verharrt, ist kein Übereinkommen möglich.
Aus einer Predigt von Bischof Bernard Fellay, gehalten am 2. April, dem Passionsonntag, im Priesterseminar in Ecône im Kanton Wallis im Südwesten der Schweiz.
Nächster Teil aus der Predigt: Noch ein weiter Weg
Der Artikel ist Teil der folgenden Reihe:
3. „Solange Rom auf seiner Haltung verharrt, ist kein Übereinkommen möglich“
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Freitag, 19. Mai 2006 07:39
Dr. Otterbeck: Konrad,
Abstinenz ist vorzugswürdig, sehr richtig. Aber vielleicht wird die Zeitverschwendung, die man diesem Medium widmete, doch noch einen Sinn bekommen: Nirgendwo konnte man die „Gedankengänge“ der rigorosen Antimodernisten so intensiv studieren wie hier. Das Fazit jagt jedem Beter, der die Menschen liebt, kalte Schauer über den Rücken. Wer die „Konzilspäpste“, allesamt mehr Priester als Politiker (einschließlich JP 2), eines Anschlags auf die Tradition verdächtigt, der meint eine andere „Tradition“ als die katholische.
Freitag, 19. Mai 2006 07:38
Agiafortuni: ha Gotthard
auf Dein hi antworte ich mit ha
Donnerstag, 18. Mai 2006 23:48
Gotthard: hi Carlo
Als erstes hat Roncalli wider besseres Wissen ein Konzil einberufen mit dem Ziel die glaubenstreuen Katholiken zu entmachten
Donnerstag, 18. Mai 2006 23:37
Agiafortuni: Schüttel
natürlich war Johannes XXIII ein Frevler. Ein Frevler zeichnet sich durch ein Uebermass an Kühnheit aus, die ihn dazu veranlasst, die ihm gesetzten Grenzen zu überschreiten. Als erstes hat Roncalli wider besseres Wissen ein Konzil einberufen mit dem Ziel die glaubenstreuen Katholiken zu entmachten und ihnen den Oekumenismus aufzupfropfen. Als zweites hat er vor der ganzen Welt die glaubenstreuen Katholiken lächerlich gemacht. Seine Ansprache zum Konzil ist von kaum zu überbietender Banalität. Als drittes hat er die Kirche nach dem Grundsatz regiert, so oekumenisch als möglich so katholisch als nötig. Vergleichen Sie einmal die Rede Pius XII zur Heiligsprechung seines grossen Vorgängers Pius X und jene Woytila zur vermeintlichen Seligsprechung Roncallis. Beim einem eine saubere theologische Argumentation bei Woytila ein sentimentales Gerede beruhend auf Masstäben, die nirgendwo im katholischen Glaubensgut anzutreffen sind. Empfehle Ihnen Don Luigi Villas: Giovanni XXIII beato?
Donnerstag, 18. Mai 2006 16:02
Konrad: Danke, stat crux und Schüttel, hier nach
langem Entzug wieder Konrad mit dem Hinweis auf das neue Buch von Klaus Berger: „Glaubensspaltung ist Gottesverrat“. Beides tobt extrem auf diesen Seiten und ich rate Euch zur strikten Abstinenz! Orate fratres!
Donnerstag, 18. Mai 2006 15:52
Schüttel: Ins Schwarze gezielt, stat crux, und Schüttel staunt
über eine so profundierte Analyse gerade hier zwischen Regazzonis Schmähungen und Marcels Hochmut. „Vorkonziliare Neurosen abreagieren“, das war absolut treffend. Die Tradis und Sedis reagieren ihre nachkonziliaren Neurosen ab und kommen einem vor wie Rumpelstilzchen. Zu JPII heute: sto lat!!
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