11:24:41 | Freitag, 12. Mai 2006
Manche Katholiken hat es irritiert, daß der inzwischen suspendierte Pfarrer und Stadtdechant Ernst-Ewald Roth in der Landeshauptstadt Wiesbaden sein kirchliches Priesteramt für eine SPD-Kandidatur zum Oberbürgermeister aufgegeben hat. Von Hubert Hecker.
(kreuz.net, Wiesbaden) Wer aber die Tendenzen und Haltungen im Bistum Limburg kennt, für den ist das
keine Überraschung: Verschiedene Institutionen und wichtige Personen im Bistum Limburg betreiben seit
Jahren, ja Jahrzehnten eine sozialdemokratische Gesellschaftspolitik.
Zwischen dem Bistum beziehungsweise
den einzelnen Bezirken und der sozialdemokratisch geprägten Gewerkschaft besteht ein herzliches Einvernehmen.
Das äußert sich zum Beispiel darin, daß ein Bezirksdekan auf der 1. Mai-Kundgebung des ‘Deutschen
Gewerkschaftsbundes’ eine Ansprache hält.
In diesem Jahr wurde sogar Bischof Kamphaus vom ‘Deutschen
Gewerkschaftsbund’ Regionsvorstand Franfurt-Rhein-Main beim Neujahrsempfang am 7. Januar 2006 als Hauptredner
eingeladen.
Eine punktuelle Zusammenarbeit zwischen Kirche und Gewerkschaft –
Frage an den Ex-Pfarrer
der in die Politik wechselte:
„Sie hatten bisher schon viele Managementaufgaben. Fällt der Schritt ‘auf
die andere Seite’ deshalb leichter?“
zum Beispiel in der Aufgabe des Sonntagsschutzes – ist sicherlich
berechtigt und auch geboten.
Aber im Bistum Limburg laufen die vielfältigen Aktionen und Absprachen
zwischen sozialdemokratischen Gruppen und katholischen Institutionen auf eine strategische Partnerschaft
hinaus.
Dieses Zusammengehen von Kirche und sozialdemokratischer Gruppen auf breiter Ebene hat sich insbesondere
in der Kampagne gegen die Konsolidierung des Landeshaushalts im Jahre 2003/04 gefestigt. Damals wurden
zahlreiche Demonstrationen und Resolutionen gegen die Sparpolitik der CDU-geführten Landesregierung Hessen
organisiert.
In einem Unterschriftenaufruf – von führenden Caritas-Direktoren erstunterzeichnet – wurde
die CDU nach allen Regeln der Denuntiation und Unterstellung miesgemacht.
Unter Schonung der rotgrünen
Bundesregierung mit ihren Sozial- und Gewerbesteuerkürzungsprogrammen wurde behauptet, die CDU-Landesregierung
wollte „das Soziale als hinderlichen Ballast für die Entfaltung des Marktes und der Reichen zurückdrängen“.
Mit ähnlichen Argumentationen wiesen Hauptamtliche im Bistum Limburg auch die Schrift der Deutschen
Bischofskonferenz von 2003 „Das Soziale neu denken“ zurück:
Die Caritas-Direktion im Bistum Limburg
scheint in der Propaganda und Verbreitung sozialdemokratischer Sozialpolitik besonders rührig zu sein.
Die Aufsätze und Schriften der führenden Caritasmanager erschienen 2004 im Verlag ‘VSA’, der mit der
Parole wirbt: „Debatte der gewerkschaftlichen und politischen Linken“.
Die vom Verlag herausgegebene
Monatszeitschrift heißt schlicht „Sozialismus“.
In der „Frankfurter Sozialschule“, eine Fortbildungseinrichtung
des Bistums Limburg, steht ebenfalls die linke Lehre einer sozial-sozialistischen Gerechtigkeit im Vordergrund.
Die Leitung der Katholischen Arbeiterbewegung in der Diözese Limburg bemühte sich eifrig, den Gegensatz
zwischen katholischer Soziallehre und Sozialismus zu verwischen: Das seien historische Mißverständnisse.
Vor der Bundestagswahl 2002 machte die Kirchenzeitung des Bistums deutliche Sympathiewerbung für die
SPD, indem sie den Kanzlerkandidaten Schröder – der bekanntlich den Gottesbezug bei seinem Amtseid oder
die Kreuze in seinen Amtsräumen verweigerte – auf der Titelseite als treuen Anhänger des Religionsunterrichts
hochjubelte.
Aber alle diese linksorientierten diözesanen Positionen und Politiker werden übertrumpft
von den schneidigen Thesen des Jesuiten Friedhelm Hengsbach SJ.
Der Professor an der Jesuitenhochschule
St. Georgen in Frankfurt lehrt die Theologiestudenten aus dem Bistum Limburg und einigen anderen norddeutschen
Diözesen.
Pater Hengsbach war schon in den 90er Jahren ein gern gehörter Propagandist und Wahlkampfredner
für die Sozialdemokraten. Dafür zeichnete ihn die SPD 1998 mit dem Gustav-Heinemann-Preis aus.
Inzwischen
geht Pater Hengsbach für die sozialdemokratische Idee der Bürgerversicherung auf Werbetour – ein Programm,
das im direkten Gegensatz zum Subsidiaritätsprinzip der katholischen Soziallehre steht.
In einigen Programmpunkten
hat der streitbare Sozialphilosoph die SPD allerdings schon links überholt und sich den sozialistischen
Positionen von Oskar Lafontaine angeschlossen.
Der Partei „Die Linke“ gälten seine Präferenzen, sagte
der Jesuit bei einem Vortrag in Limburg.
Es ist also kein Wunder, wenn in diesem kirchlichen Milieu von
linksorientierter Gesellschaftspolitik ein katholischer Kleriker auf die Idee kommt, daß er als Politiker
die sozialdemokratischen Programme besser befördern könnte denn als Pfarrer.
In der Kirchenzeitung
wurde Ex-Pfarrer Roth über seinen Wechsel zu den Roten interviewt: „Sie hatten bisher schon viele Managementaufgaben.
Fällt der Schritt ‘auf die andere Seite’ deshalb leichter?“
Die Antwort: „Da ist was dran. Allerdings
konnte ich auch schon bisher viel gestalten. Dies nun an einem anderen Ort zu tun, empfinde ich als Herausforderung.“
Frage – Stichwort: „Managementaufgaben“ – und Antwort werfen ein bezeichnendes Licht auf das Verständnis
von priesterlicher Seelsorge und kirchlicher Pastoral im Bistum Limburg.
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Karl 17:15:14 | Freitag, 12. Mai 2006