Kirchenmusik
Hüter eines ungewöhnlichen Schatzes
Der ehemalige Domkapellmeister von Aachen und langjährige Präsident der „Consociatio Internationalis Musicae Sacrae“ Rom, Prälat Dr. Rudolf Pohl, feierte am 5. November im Kreis seiner Freunde, Bekannten und ehemaligen Singknaben seinen 80. Geburtstag. Von Dr. Michael Tunger.
(kreuz.net/SISA, Aachen) Der Priestermusiker, Dr. Rudolf Pohl, wurde 1924 in Aachen geboren, wo er von 1933 bis 1942 als Domsingknabe unter dem legendären Domkapellmeister Prof. Theodor Bernhard Rehmann in die großartige Welt der Musica sacra eingeführt wurde.

Nach Abitur, Kriegsdienst und Kriegsgefangenschaft studierte er in Paderborn, Frankfurt a.M. und Bonn sowie am Aachener Priesterseminar Theologie und Philosophie. Am 2. Juli 1951, dem Fest Mariä Heimsuchung, empfing der die hl. Priesterweihe.

Drei Jahre war er als Kaplan in Krefeld tätig, doch schon bald zeichnete sich eine besondere Berufung ab, die 1954 erfolgte. Rehmann holte seinen ehemaligen Singknaben an den Aachener Dom, um ihm den Wiederaufbau des Knabenchores und der Domsingschule zu übertragen. Es ist Pohls Verdienst, daß der Knabenchor wieder die tragende Säule der Aachener Dommusik wurde, nachdem Rehmann – bedingt durch die Umstände des Krieges und der Nachkriegszeit – einen gemischten Chor aufgebaut hatte.

Pohl, der bei und von Rehmann gelernt hat, promovierte 1959 mit einer Dissertation über den Aachener Stiftskapellmeister Johannes Mangon († 1578), dessen Werke, entstanden im „Goldenen Zeitalter“ der klassischen Vokalpolyphonie, auch im 20. Jahrhundert noch regelmäßig in der Liturgie des Aachener Domes erklangen.

Nach dem plötzlichen Tod von Rehmann im Oktober 1963 wurde Pohl von Bischof Johannes Pohlschneider im April 1964 die Gesamtleitung des Aachener Domchores übertragen, den er dann endgültig in die klassische liturgische Besetzung mit Knabenoberstimmen zurückführte.

Zur Sicherung des Nachwuchses an Singknaben und als Wiederbegründung einer jahrhundertelangen Tradition richtete Pohl 1960 die Domsingschule, eine private katholische Grundschule für Jungen, ein. Pohl schuf in systematischer, musikalisch, theologisch und pädagogisch qualifizierter und fundierter Aufbauarbeit einen Knabenchor, der die Aachener Dommusik weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt machte.

Konzertreisen führten den Chor in die Beneluxstaaten, nach Frankreich, Italien, Polen, in die damalige Tschechoslowakei, in die Schweiz, nach Österreich, England, Spanien und Israel.

Zu den Höhepunkten des Aachener Musiklebens gehörten die Domaufführungen der großen kirchenmusikalischen Werke, angefangen von Monteverdis „Marienvesper“ über die Passionen und die h-moll-Messe Bachs bis hin zu den Oratorien Händels, Brahms’ und Mendelssohns sowie den großen Messen von Mozart, Haydn, Verdi und vor allem Bruckner. Auch der musikalische Ausdruck des 20. Jahrhunderts kam dabei nicht zu kurz: Poulenc, Vaughan-Williams, Britten, Doppelbauer, Komma, Niehaus und Schroeder sind nur einige Namen dieser Zeit, deren Werke unter Pohls Stabführung im Aachener Dom erklangen.

Ein besonderer Höhepunkt war für die Aachener Dommusik sicherlich die Knabenchorfestwoche anläßlich der Feier „1200 Jahre Chorschule am Hofe Karls des Großen“ im Jahre 1981, deren Initiator Pohl war. Bewegt davon, daß dieses Gründungsjubiläum der Cappella Carolina, des Aachener Domchores, der damit der älteste Knabenchor Deutschlands sein dürfte, während seiner Amtszeit gefeiert werden konnte, führte Pohl mit seinem Domchor innerhalb von acht Tagen sowohl Bruckners e-moll und f-moll-Messe als auch Bachs Hohe Messe in h-moll mit anerkanntem Erfolg auf.

Schallplattenaufnahmen, u.a. bei der „Harmonia mundi“, Rundfunk- und Fernsehübertragungen von Gottesdiensten und Konzerten gehörten ebenfalls zur umfangreichen Tätigkeit Pohls und seines Domchores.

© SINFONIA SACRA
      
1 Lesermeinung
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#1   Dolfus   18:25:10 | Samstag, 18. Dezember 2004
Alte Knaben
„ältester Knabenchor Deutschlands“ … ob den alten Knaben da wohl nicht langsam die Matrosenanzüge zu eng werden, wie lange singen die schon? seit den 1960ern? Ich glaube, sie müßten sich um Nachwuchs kümmern, sonst sterben sie aus!
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