13:59:09 | Samstag, 13. Mai 2006
Die Rituale entwickelten wir aufgrund eines Aufrufes von Johannes Paul II. zum interreligiösen „Dialog der Begegnung“. Der Papst sagte, daß wir von den andern Religionen lernen können. Von Bruder Benno-Maria Kehl OFM.
(kreuz.net, Zürich) Ich staune manchmal über die Rechtgläubigkeit, mit der einige Leser bei ‘kreuz.net’
die Züricher Franziskaner abgeurteilt haben. Da muß ich zuerst etwas richtig stellen.
Die
vorgestellten
und zum Teil kritisierten Gebetsformen betreffen nicht die „Zürcher Franziskaner“, sondern die ‘Franziskanische
Gassenarbeit Zürich’, die unter anderem von Sr. Maria-Theresia und Br. Benno-Maria OFM geleitet wird.
Die ‘heidnischen’ Rituale – wie sie von einigen Rechtgläubigen bezeichnet wurden – werden somit von
ihnen und nicht von der Zürcher Gemeinschaft der Franziskaner durchgeführt.
Vielleicht hilft es zu hören, wie es zu diesen alternativen Gebetsformen kam.
Vor einigen
Jahren forderte der Generalminister der Franziskaner die Brüder auf, die Glaubenstraditionen wie Stundengebet
und Heilige Messe zu pflegen und sich gleichzeitig im Heiligen Geist aufzumachen und nach neuen Ritualen
und Gebetsformen zu suchen, die uns eventuell ganz neu zum Geheimnis Christi führen können.
Da die
Arbeit mit Schwerstsüchtigen eine wirklich gute Seelenhygiene verlangt, kam uns der Aufruf des Generalministers
entgegen.
Die ‘Franziskanische Gassenarbeit Zürich’ ist
eine kleine Organisation, die sich der christlichen
Hoffnung verpflichtet fühlt.
Wir führen eine Beratungsstelle und eine Suppenküche für Schwerstsüchtige
und Obdachlose. Aber wir machen auf der Grundlage des Evangeliums auch viel Therapie und Präventionsarbeit.
Unsere Angebote sind alle kostenlos, aber sicher nicht umsonst.
Die Rituale entwickelten wir aufgrund
eines Aufrufes von Johannes Paul II. zum interreligiösen „Dialog der Begegnung“. Der Papst sagte, daß
wir von den andern Religionen auch lernen können.
Schon Franziskus kam nach seiner Begegnung mit dem
Islam begeistert nach Europa zurück und wünschte sich eine Gebetsform, wie sie im Islam praktiziert
wird.
Er freute sich sehr über den Muezzin, der das Lob für den allmächtigen Gott vom Minarett her
sang.
Gewiß, der Heilige Franziskus hat diese Formen nicht einfach kopiert. Vielmehr entstand nach der
Begegnung mit den Brüdern des Islam eine kreative und vertiefte Antwort.
Die Brüder begannen damals
dreimal am Tag die Glocke zu läuten und priesen dabei den allmächtigen Gott, der durch die Jungfrau
Maria in Jesus Christus ein kleiner Mensch geworden ist und uns durch Kreuz und Auferstehung erlöst hat.
Bis heute läuten die Glocken zum Engel des Herrn und erinnern damit auch an die kostbare Begegnung von
Franziskus mit dem Sultan.
Ähnliche Begegnungen wie der Heilige Franziskus haben wir mit Hare-Krishnas,
mit Buddhisten, mit Lakoto-Indianern, Esoterikern und anderen gottsuchenden Menschen.
Wir haben den Glauben
nicht gewechselt, weil es für uns nicht mehr gibt als Jesus, der sich für mich und dich am Kreuz hingegeben
hat. Dennoch wurden wir in unserem Gebetsleben kreativ beflügelt.
Ein Gebet oder Ritual versteht man
nie von außen, sondern nur im Geist, in dem es gesprochen oder gepflegt wird.
Ich traue mich zu sagen,
daß ein klassisches Oster-Oratorium in der Kirche von Sankt So und So ganz unchristlich sein kann, wenn
die Künstler, die es vortragen, keinen Bezug zum christlichen Glauben haben und ihr Geschäft in erster
Linie für Kultur und Geld verrichten.
Das heißt nicht, daß ein solches Oster-Oratorium an sich schlecht
ist: Es ist unter diesen Umständen einfach nicht wirklich christlich.
Die Gebetsformen und Rituale,
die wir pflegen, sind alle ganz auf Jesus hin ausgerichtet und haben das Ziel, immer tiefer in und aus
dem Heiligen Geist heraus zu leben.
Also, liebe suchende und liebe rechtgläubige Leser, mögen wir alle
immer wieder zum rechten Glauben im Heiligen Geist finden.
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Irenäus 14:25:52 | Samstag, 13. Mai 2006