Interreligiöser Dialog
O wie gut, daß niemand weiß
Anläßlich des Festes der Geburt von Buddha richtete der Päpstliche Rat für den interreligiösen Dialog eine Botschaft an dessen Anhänger auf der ganzen Welt. Das Schreiben besitzt einen Haken.
(kreuz.net, Vatikan) In diesem Jahr diente die traditionelle vatikanische Botschaft an die Buddhisten im wesentlichen dazu, den Inhalt der ersten Enzyklika von Benedikt XVI. „Deus Caritas est“ und den Sinn der christlichen Liebe zu erklären.

Doch wer unterschrieb die Botschaft, nachdem der ehemalige Präsident des Päpstliche Rat für den interreligiösen Dialog, Mons. Michael Fitzgerald, inzwischen als Nuntius nach Kairo versetzt wurde?

Die Antwort lautet: Niemand.

Der Brief ist ganz in der ersten Person geschrieben. Er beginnt so: „Von Seiten des Päpstliche Rat für den interreligiösen Dialog entbiete ich ihnen und der ganzen buddhistischen Gemeinschaft der Welt meine besten Wünsche für das Vesakh-Fest.“

Und er endet so: „Ich wünsche Euch ein glückliches Vesakh-Fest.“

Aber nach diesen letzten Worten folgt keine Unterschrift – weder im Text, der von der vatikanischen Pressestelle verbreitet wurde, noch im Text auf der Homepage des Vatikan.

Die fehlende Unterschrift scheint ein Seiteneffekt der im Februar erfolgten Versetzung des Präsidenten des Rates zu sein. Nach seiner Verabschiedung wurde der Rat für den interreligiösen Dialog dem Päpstlichen Kulturrat einverleibt.

Aber der Präsident dieses Rates, Paul Kardinal Poupard, hat sich offensichtlich davor gehütet, die Botschaft an die Buddhisten selber zu unterschreiben.

Über die Gründe kann man nur spekulieren. Vielleicht sind die interreligiösen Grüße dem neuen Verantwortlichen nicht ganz geheuer.

Oder vielleicht ist im Vatikan einfach nur der interreligiöse Autopilot in Aktion getreten – vermutet der Vatikanist des italienischen Wochenmagazins ‘L’Espresso’.
      
10 Lesermeinungen
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#10   Chrysostomos   17:40:56 | Mittwoch, 17. Mai 2006
O wie gut dass niemand weiß
Es ist tatsächlich fast beschämend, dass hier niemand weiß oder berichtet, dass die historische Gestalt des Buddha in der Gestalt des Hl. Joasaph, Königssohn von Indien durch die Ostkirche vermittelt (Hl. Johannes von Damaskus und die Mönche des Hl. Berges Athos) nach dem Hl. Nikolaus die beliebteste Heiligengestalt des Mittelalters war… Was nicht heißen soll, dass wir Katholiken den Buddha als Heiligen verehren dürfen, aber hat nicht schon Romano Guardini die Größe der Gestalt Buddhas (z.B. in „Der Herr“) erkannt und gewürdigt???
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#9   Robert Ketelhohn   22:01:12 | Montag, 15. Mai 2006
Phantomdokumente
Zitat Dr. Otterbeck: Handlungen des Papstes bedürfen bekanntlich keiner Begründung. Und was sich auf sonst niemanden abschieben läßt, ist dann wohl ihm selbst zuzurechnen. Oder?
Nein, Dr. Otterbeck. Päpstliche Räte sind Räte, sie veröffentlichen keine päpstlichen Dokumente (wie dies Kardinalskongregationen tun können; dann wird das Dokument vom Leiter des Dikasteriums und seinem Sekretär unterschrieben, unter Hinweis auf die päpstliche Anordnung zur Veröffentlichung).
Das Schreiben eines päpstlichen Rats muß normalerweise die Unterschrift des Präsidenten tragen (oder wenigstens eines Vertreters, des Sekretärs oder Untersekretärs oder meinetwegen des Pförtners). Das Fehlen einer Unterschrift ist auffällig. Ich bin neulich auch drüber gestolpert, als ich’s im Bollettino der Sala Stampa las. Und dies um so mehr, als es kürzlich einen ähnlichen Fall gab: Die peinliche Erklärung von Kaspers Ökumenerat zum Wegfalls des päpstlichen Patriarchentitels im Annuario Pontificio trug auch keine Unterschrift.
Noch merkwürdiger: Ein oder zwei Tage vorher war Kasper beim Papst in Audienz gewesen. Was wird man da besprochen haben? – Über die Vorgänge hinter den Kulissen kann man in beiden Fällen trefflich spekulieren. Man müßte mal schauen, wie’s in den AAS erscheint.
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#8   Dr. Otterbeck   17:55:45 | Montag, 15. Mai 2006
Royal Mail
Handlungen des Papstes bedürfen bekanntlich keiner Begründung. Und was sich auf sonst niemanden abschieben lässt, ist dann wohl ihm selbst zuzurechnen.
Oder?
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#7   mahner   15:59:17 | Montag, 15. Mai 2006
lieber sani…
der Witz ist noch viel älter – 1946 – im Cafe – bestellt einer „den Stürmer“, „den gibt’s ja gar nicht mehr“ … usw., usf…
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#6   Benedikt78   15:18:32 | Montag, 15. Mai 2006
Möglich
Aber vor 15 Jahren war ich zwölf Jahre alt und habe mich nicht wirklich für den Glauben interessiert. Aber ich fand den Spruch sooo schön!
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#5   sani †   14:54:26 | Montag, 15. Mai 2006
lieber Benedikt78
Der Schmäh ist wirklich nicht neu; der wurde schon vor 15 Jahren über einen ehemaligen Erzbischof von München erzählt, nachdem er Leiter der Glaubenskongregation geworden war ;-)
lg sani
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#4   Karl Murx   14:24:30 | Montag, 15. Mai 2006
Das kommt öfters vor
Die Zustimmung von Johannes Paul II. zur Anaphora von Addai & Mari vom 17.1.2001 findet sich auch nicht in den Acta Apostolicae Sedes. Jens Mersch war seinerzeit bis zum Sekratariat Ratzingers vorgedrungen. Er erhielt die Auskunft, „der heilige Vater habe die Anaphora in einer mündlichen Anhörung mündlich genehmigt.“
In der apostolischen Konstitution Pauls VI. www.vatican.va/…calis-romani_lt.html „Pontificalis Romani Recognitio“ zur Einführung der neuen Weihen, stimmt die Form der Priesterweihe nicht mit der Editio typica www.angelfire.com/…s/pr1968priests.html überein. Ansich sind doch Apostolische Konstitutionen unfehlbar, oder? Was ist denn nun festgelegt? Gemäß Kanon 9 des alten und neuen Kirchenrechts gewinnt ein Dokument Gesetzeskraft durch Einrücken in die AAS. Da findet sich die Promulgation, aber wenn die Form der Editio typica eine andere ist, was ist dann promulgiert?
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#3   ExBochumer †   13:42:17 | Montag, 15. Mai 2006
Spekulatius ist besser
Spekulationen ohne Quellen.
Warum bedient sich kreuz.net derartiger Mittel?
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#2   expedit   12:34:09 | Montag, 15. Mai 2006
Schreiben ohne Unterschrift!
Dann ist doch das Schreiben gar nicht gültig!
o^/ !:) ?:)
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#1   Benedikt78   11:39:42 | Montag, 15. Mai 2006
Eine gute Neugikeit
Vor einiger Zeit vor dem Büro des Päpstlichen Rat für den interreligiösen Dialog. Ein junger Mann geht zum Empfang und verlangt Mons. Michael Fitzgerald. Der ist nicht mehr hier, meint der Herr am Empfang. Nach einiger Zeit steht der junge Mann schon wieder vor dem Empfang und verlangt Mons. Fitzgerald. Der Herr am Empfang wundert sich und sagt klar: „Mons. Fitzgerald ist nicht mehr hier!“ Doch nach einigen Minuten steht der junge Mann schon wieder vor dem Empfang und verlangt Fitzgerald. Der Herr am Empfang wird ärgerlich und gibt zurück: „Mons. Fitzgerald ist nicht hier! Wenn Sie ihn suchen, müssen Sie nach Kairo!!!“ Daraufhin entgegnet der junge Mann: „Ich weiss, aber ich höre es so gerne!“
Hurra! :-D
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