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Montag, 15. Mai 2006 15:38
Noch ein weiter Weg
Die Kirche befindet sich in der Passion. Das ist – auch gegen die Ansicht von Sedisvakantisten und Papisten – anzuerkennen, ohne den Kopf in den Sand zu stecken. Von Bischof Bernard Fellay, Generaloberer der Piusbruderschaft.
Fußwallfahrt des Seminars von Ecône im Oktober 2005 mit Bischof Fellay
Fußwallfahrt des Seminars von Ecône im Oktober 2005 mit Bischof Fellay
(kreuz.net, Ecône) Man hört davon, daß die Exkommunikationen [der Bischöfe der Piusbruderschaft] aufgehoben werden soll. Wir hatten darum im Jahr 2000 gebeten. Jetzt wird die Frage von Kardinälen und vom Papst erwogen.

Der Papst ist offenbar der Auffassung, daß eine Aufhebung der Exkommunikationen möglich ist, weil sie an zeitlich bedingte Umstände gebunden gewesen seien. Sie seien zu einem gewissen geschichtlichen Zeitpunkt verhängt worden. Heute würde sich die Sache anders verhalten. Also bitte. Das ist sehr gut.

Er spricht auch von einer gewissen Freiheit der Messe gegenüber – allerdings von einer teilweisen,
Bischof Fellay:
„Wenn wir nun mit den Diskussionen weiterfahren – die allerdings noch nicht sehr weit gediehen sind – wollen wir Rom sagen, daß es kein Recht hat, die Vergangenheit der Kirche zu verleugnen.“
nicht von einer vollständigen Freiheit.

Was gut ist, soll nicht ungetan bleiben. Wir sagen nicht nein. Aber das heißt nicht, daß man für morgen schon ein Übereinkommen erwarten darf.

Noch einmal: Vielleicht ist man gerade dabei, der Flasche ein neues Etikett zu geben. Das ist immerhin schon etwas, aber nicht das Wesentliche. Wir wollen aber das Wesentliche.

Bischof Fellay
Bischof Fellay
Wenn wir nun mit den Diskussionen weiterfahren – die allerdings noch nicht sehr weit gediehen sind – wollen wir Rom sagen, daß es kein Recht hat, die Vergangenheit der Kirche zu verleugnen.

Die Wahrheit steht über der Zeit. Sie ändert sich nicht. Unser Herr ist Gott. Wenn er Gott ist, heißt das, daß er Macht hat. „Mir ist alle Macht gegeben.“ Wenn er alle Macht besitzt, hat er sie auch über den Staat. Folglich hat auch der Staat die Pflicht, sich Gott unterzuordnen.

Die Kirche ist die einzige, die Gott gegründet hat. Der Staat hat die Pflicht, an seinem Platz für das Heil der Seelen das seinige zu tun.

Da stehen wir nun. Wir sagten in Rom: „Gut, sehr gut. Wenn Sie diese zwei Vorbedingungen erfüllen, werden wir bereit sein, zu reden. Laßt uns dann über das Wesentliche reden. Schaffen Sie eine bessere Atmosphäre. Erleichtern Sie der Tradition ein wenig das Leben, dann werden wir einverstanden und bereit sein, die zu behandelnden Fragen zu erörtern.“

Ist Rom bereit, diese Fragen anzugehen? Ist Rom bereit, das Konzil in Frage zu stellen? Bis jetzt hatten wir diesen Eindruck nicht.

Unser Argument ist jenes der Tatsachen. Es ist die Wirklichkeit. Es ist der Zustand der Kirche. Wir bitten sie
Bischof Fellay:
„Rom erfindet allerlei gute Begründungen, um anderswo die Ursache dieser Krise zu sehen, aber nicht dort, wo sie ist – nämlich in diesem Konzil.“
ganz einfach darum, von den Wirkungen auf die Ursache zu schließen.

Bis jetzt weigert sich Rom, das zu tun. Es will die Ursachen nicht sehen. Es erfindet allerlei gute Begründungen, um anderswo die Ursache dieser Krise zu sehen, aber nicht dort, wo sie ist – nämlich in diesem Konzil.

Das Konzil wollte sich der Welt anpassen, sich den Prinzipien der Welt annähern und alles verweltlichen: die Religion des Menschen, die Anthropologie, wie sie es nennen, der Anthropozentrismus – alles ist auf den Menschen anstatt auf Gott ausgerichtet.

Vor uns liegt noch ein weiter Weg.

In diesem Zusammenhang können wir daran erinnern, als unser Herr vor der Passion zum ersten Mal seine Leiden ankündigte. Da erhob sich der heilige Petrus und widersprach: „Das darf nicht geschehen!“

Diese Haltung sieht man – auch der Kirche gegenüber – recht häufig. Man möchte gern im Bezug auf den mystischen Leib unseres Herrn die Haltung des heiligen Petrus einnehmen: „Das darf nicht geschehen! Die Kirche ist schön, sie ist heilig, sie ist eine. Sie kann nicht sterben. Sie ist göttlich. Eine Passion darf nicht an sie herankommen.“

Aber seien wir vorsichtig, daß wir nicht das zu hören bekommen, was Unser Herr dem heiligen Petrus entgegnete. Nehmen wir die Wirklichkeit so an, wie sie ist.

Man hat auf der Ebene des Erkennens kein Recht, die erschreckende Wirklichkeit zu verfälschen. Wie wird man mit Traurigkeit erfüllt, wenn man das Leid sieht, das die Kirche heimsucht. Da kann man wirklich von der Passion der Kirche sprechen.

Aber es ist zu einfach zu sagen: „Gott, unser Herr, hat versprochen, daß die Pforten der Hölle die Kirche nicht überwältigen werden. Folglich ist das unmöglich. Somit ist alles, was gemacht wird, gut.“

Oder: „Der Papst ist unfehlbar. Foglich geht alles gut.“ Nein. Es geht nicht alles gut.

Natürlich müssen wir den gesamten Glauben und alle seine Prinzipien bewahren. Aber wir müssen auch an der ganzen Wirklichkeit festhalten, sogar wenn wir uns dadurch in einem Geheimnis befinden, dem Geheimnis der Bosheit, das uns Leiden verursacht.

Wir müssen diese Treue bewahren. Was würde es uns nützen, eine Vogel-Strauß-Politik zu betreiben und die Augen vor der traurigen Wirklichkeit der leidenden Kirche zu verschließen?

Für jene, die behaupten, es gäbe keinen Papst, ist es einfach. Aber das ändert nichts an der Wirklichkeit.

Für jene, die sagen: „er ist unfehlbar“, ist auch alles gut. Das ist auch einfach. Aber das ändert nichts an der Wirklichkeit.

Es ist viel besser, in dieser Wirklichkeit zu bleiben, sogar wenn das uns Leiden verursacht. In dieser Treue, werden wir – indem wir uns auf Gott stützen und alles tun, was wir können und müssen – die Kraft finden, so weit es von uns abhängt, nach Mitteln zu suchen, damit die Kirche aus dieser Krise herauskomme. Was wollen wir sonst?

Wir müssen vor dem Leiden Unseres Herrn auch auf die Knie gehen. Bitten wir in den Wochen [vor Ostern] um
Bischof Fellay:
„Was wird morgen, übermorgen mit unserer Beziehung mit Rom sein? Wir nehmen jeden Tag so an, wie er kommt. Wir wissen, wohin wir gehen wollen. Wir wollen die Katholische Kirche. Das ist alles.“
diese Gnade. Die Kirche lädt uns dazu ein, uns mit unserem Herrn in seinem Leiden zu vereinigen.

Bitten wir ihn um die Gnade, das Geheimnis der Passion der Kirche besser zu verstehen, sogar durch unsere Leiden hindurch. Dabei halten wir uns vor Augen, daß diese Passion eines Tages enden wird und daß es eine Auferstehung geben wird.

Die Auferstehung liegt in den Händen des lieben Gottes, eines wahrhaft unfehlbareren und allmächtigen Gottes. Er läßt diese Leiden zu, um seine Eigenschaften zu offenbaren, um seinen Kindern noch reichlichere Gnaden zu schenken.

Eines Tages werden wir es verstehen: vielleicht erst im Himmel oder auch schon früher. All das liegt in den göttlichen Händen. Aber leben wir fest aus diesem Glauben.

Jetzt ist eine Zeit der Leiden – leiden wir also. Sprechen wir mit dem heiligen Apostel Thomas: „Leiden und sterben wir mit Ihm, mit Unserem Herrn.“ So verhält es sich nun mal im gegenwärtigen Augenblick.

Möge der heilige Wille Gottes geschehen. Machen wir weiter. Wir müssen natürlich den Triumph und die Verherrlichung Gottes wollen, indem wir die Anordnungen der göttlichen Vorsehung annehmen.

Was wird morgen, übermorgen mit unserer Beziehung mit Rom sein? Wir nehmen jeden Tag so an, wie er kommt. Wir wissen, wohin wir gehen wollen. Wir wollen die Katholische Kirche. Das ist alles.

Wir wollen, daß die Kirche in ihrer Lehre, in ihrer Disziplin überall katholisch sei. Das wollen wir und nichts anderes. Und das wird kommen.


Aus einer Predigt von Bischof Bernard Fellay, gehalten am 2. April, dem Passionsonntag, im Priesterseminar in Ecône im Kanton Wallis im Südwesten der Schweiz.
Der Artikel ist Teil der folgenden Reihe:
4. Noch ein weiter Weg
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 79 Lesermeinungen:
Donnerstag, 1. Juni 2006 12:27
stat crux: „Demut kompensiert alles“, Marcel,
trotzdem vermisse ich noch immer ihre Erläuterung des Satzes:

„Die V 2 Kirchenführung ließ einen katholischen Staat nach dem anderen schleifen.“

Wie stellen Sie sich die Errichtung (nicht: Wiedererrichtung) der „absoluten Gewalt“ des Papstes gem. Manifest vom 21.11.1983 (anhang, Nr. 4) denn unter diesen Umständen vor?

Wieviel Divisionen benötigt das von Ihnen bevorzugte „Papsttum“?
Es fällt ja auf, dass das Verhältnis Priester:Gläubige in der FSSPX etwa so absurd ist wie die Überbesetzung der Offiziersränge in NVA und Wehrmacht. Für jeden Panzerschrank ein Charaktermajor.

„Er muss herrschen. Er braucht Soldaten.“
(Lefebvre am 1.11.1990 in Econe) Wer ist „er“??
Donnerstag, 25. Mai 2006 19:01
Breze: @ Athaniasius
Leider habe ich Ihre Antwort erst heute gelesen, ich möchte nur eines dazu sagen: ich verbitte mir persönliche Angriffe!
Mittwoch, 17. Mai 2006 19:49
Karl Murx: Es ist normal auf vieles hier zu sprechen zu kommen
Dazu ist dieses Forum da.

Ich hatte mich einmal zur Intention geäußert und da kommen Sie mit Dr. Barth. Ihre Äußerungen und die Dr.Barths können vor den lehramtlichen Entscheidungen nicht standhalten. Sie können noch nicht einmal zugeben, dass Sie hier Unrecht haben, genau, wie viele Sedis, wenn sie ungenau gearbeitet haben. Lingen ist auf Tauchstation. Aber ich weiß von einem älteren Priester in Deutschland, der auch nicht „una cum“ ist und in der Intention leider nicht klar sieht, daß der Erzbischof den Methodistenerlaß studiert hatte. Der Kommentar war bei aller Verehrung für den Erzbischof schockieren: „Ich kann mit diesem Erlaß nichts anfangen und er betrifft mich nicht.“ Und der ältere Priester fand das auch noch gut. Das sind keine theologischen Argumente.
Mittwoch, 17. Mai 2006 19:41
Marcel: Ringelreihe
Murx schrieb: Es geht um das Thema Intention

Nein, es geht um das Thema „Noch ein weiter Weg“ in der Predigtreihe des Bischof Fellay.

Ihnen geht es um Ihr „Thema“ – da haben Sie eine sehr wichtige „Mission“.
Doch Ihre Themen sind nicht meine. Ihr sedisvakantistischer Murx interessiert mich nicht, dies zum wiederholten Male. Sie hätten Versicherungsvertreter werden sollen.

Wieseo Duzen Sie mich übrigens wieder? Sie hüpfen wie ein „Flip-Flop“. Mal geben Sie sich vornehm, mal unerhört vulgär (auch hier im Forum nachlesbar). Das haben Sie mit Dr. NO gemein. Nicht zu unrecht sagte Bischof Williamson: „Zwischen Liberalismus und Sedisvakantismus“.

aber die Leute belehren wollen, nicht wahr?
Nein, apostolische Lehrer näherbringen. Nomen est omen.
Sedisvakantisten kann man übrigens nicht belehren. Deswegen haben die BLEEP!s auf Angelqueen Zugangsverbot.
Mittwoch, 17. Mai 2006 19:07
Karl Murx: Marcelchen moralisiert immer noch
Es geht um das Thema Intention, wo Du Desinformation betreibst. Nochmal viel Moralin ohne eine theologische Stellungnahme.
Von der Intention hast Du keine Ahnung, aber die Leute belehren wollen, nicht wahr?
Mittwoch, 17. Mai 2006 18:21
Marcel: Abhaken diesesmal am Haken
Murx schrieb: Sie preisen den theologisch gebildeten Maschinenbauer?

Nein. Ich pries einen Nicht-Schriftgelehrten, der über Weisheit verfügt, im Gegensatz zu einem Schriftgelehrten, der sie nicht hat. „Da ist doch der theologisch ungebildete (Maschinen-) Bauer weiser, weil er sich von wahren Aposteln führen läßt.“

Wir müssen schon genau lesen.
Dr. Barth z.B.: „{Des Erzbischof Lefebvres} Anweisungen sind getragen von jenem »sensus catholicus«, der ihm als erfahrenem, theologisch gebildetem und heiligmäßig lebendem Bischof eigen war und der leider selbst vielen rechtgläubigen Katholiken heute abgeht, die meinen, alles selbst entscheiden und es sogar besser wissen zu müssen als ein treuer Nachfolger der Apostel.“

bin ich Elektrotechniker der RWTH
Ich weiß, daß Sie die Priesterausbildung gegen den Ingenieur eintauschten, nur noch nicht, warum. Daher das „(Maschinen)“ in Klammern vor dem Bauer. Un jeu de mots. Üblicherweise rede ich von der theologisch ungebildeten, aber weisen Bauersfrau. Demut kompensiert alles.

Sie werden gebeten
Danke für Ihre wiedergewonnene Höflichkeit.
Aber als (Abc-) Bauer überlasse ich das den Aposteln. An die ich mich halte, wie Dr. Barth empfahl.

als nur die Person anzugreifen.
Meinen Sie: … „verbindet bei Dir Ignoranz mit Arroganz“, „Tatsächlich kannst Du nicht einmal diesen Text {…} durchdringen“, „Wie willst Du dann kapieren“, usw.?

Abgehakt. Ich schließe Sie ins nächste Gebet ein.
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