16:06:45 | Donnerstag, 18. Mai 2006
Bei der Ernennung des neuen Oberhirten der süditalienischen Metropole muß der Vatikan verschiedene Faktoren berücksichtigen.
(kreuz.net)
Schon länger glaubt die italienische Presse, daß Benedikt XVI. den Präfekten der Missions-
kongregation, Crescenzio Kardinal Sepe (63), zum neuen Erzbischof von Neapel ernennen wird.
Wegen seiner
Machtfülle über viele Diözesen der Dritten Welt wird der Präfekt der Missionskongregation in Rom auch
„roter Papst“ genannt.
Der Abstieg von Kardinal Sepe nach Neapel könnte einem neuen Missionspräfekten
aus Asien oder Lateinamerika den Weg an die Römische Kurie bahnen.
Schon seit längerem wird im Vatikan
gemunkelt, daß Kardinal Sepe dem Papst wegen seiner oberflächlichen theologischen Positionen nicht besonders
genehm ist.
Im Jahr 2000 amtete der damalige Erzbischof Sepe als Sekretär des Zentralkommitees für
das Große Jubiläum des Jahres 2000. Dabei organisierte er Feierlichkeiten, die nicht nur für Kirchenleute
manchmal etwas zu sehr rauschten.
Dennoch war Papst Johannes Paul II. begeistert – der damalige Präfekt
der Glaubenskongregation vielleicht etwas weniger.
Zusätzlich zum angekündigten Programm wurde damals
sogar ein „Jubiläum für Modeschöpfer“ veranstaltet. Hinter dem umstrittenen Event stand der Journalist
Alberto Michelini und ein Priester – beide aus dem Dunstkreis des Opus Dei.
Nach dem Heiligen Jahr hätte
sich Erzbischof Sepe gewünscht, zum Präsidenten eines aufgestockten Päpstlichen Rates für die Massenmedien
ernannt zu werden. Dieses Ansinnen wußten die Jesuiten zu verhindern.
In Neapel würde Kardinal Sepe
zwei Aufgaben gegenüberstehen: der Glaubensverkündigung in einer stark heruntergekommenen Stadt und
der Verwaltung des großen Immobilienbesitzes der Diözese.
Der Kardinal wäre mit seinem Organisationstalent
durchaus in der Lage, diese Aufgaben zu lösen.
Er müßte sich dazu allerdings mit glaubwürdigen Finanzberatern
umgeben und vor allem Familienkontakte hinter sich lassen, die den gegenwärtigen Erzbischof von Neapel,
Michele Kardinal Giordano, so viel Ärger eingetragen haben.
Als möglicher Gegenkandidat für das Amt
des Erzbischofs von Neapel gilt der bekannte Dogmatiker und Bischof von Chieti-Vasto, Mons. Bruno Forte.
Ihm ist Kardinal Sepe jedoch eine Nasenlänge voraus.
Denn der Kardinal und sein Umfeld haben sich nie
mit jenen Teilen der neapolitanischen Christdemokraten kompromittiert, die heute völlig inakzeptabel
sind.
Das kann man von einigen Mitgliedern der Familie von Bischof Forte nicht sagen. Diese haben sich
offenbar zu sehr in die christdemokratische Höhle vorgewagt.
In Süditalien ist die Familie immer noch
ein gewichtiger Faktor, der auch bei der Wahl eines Bischofs berücksichtigt werden muß.
Es ist anzunehmen,
daß der Vatikan sich bemühen wird, in Neapel Schwierigkeiten zu vermeiden, wie sie sich aus dem familiären
Umfeld des gegenwärtigen Erzbischofs von Neapel ergeben haben.
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
#5
Petrus Radii 18:09:01 | Freitag, 19. Mai 2006
#4
Bernardin † 21:21:14 | Donnerstag, 18. Mai 2006
#3
Daniela † 21:08:31 | Donnerstag, 18. Mai 2006
#2
Petrus Radii 20:19:14 | Donnerstag, 18. Mai 2006
#1
Gotthard 16:46:46 | Donnerstag, 18. Mai 2006