Medien
Eingeschränkte Pressefreiheit?
In Fulda stellen sich die Gläubigen schon seit längerem die Frage, ob sich das Lokalblatt ‘Fuldaer Zeitung’ einer eigenartigen Selbstzensur unterwirft.
(kreuz.net, Fulda) Eine vom kirchenkritischen ‘Fuldaer Kreis für eine offene Kirche’ für den 27. März 2006 angekündigte Zentralveranstaltung mit dem umstrittenen Pfarrer Roland Breitenbach in Fulda wurde in der Öffentlichkeit mehr oder weniger geheimgehalten.

Im Gegensatz zu früheren Veranstaltungen der von acht Fuldaer Diözesanpriestern gegründeten Initiative – zu der jeweils mehrere hundert Teilnehmer erschienen waren – wurde diesmal weder in der örtlichen Presse noch im Rundfunk berichtet.

Dies gibt in Fulda jetzt Anlaß zu Spekulationen.

Insider vermuten, daß der wegen seines umstrittenen und vom „Fuldaer Kreis“ unterstützten „Pastoralen Prozesses“ in die Kritik geratene Bischof Heinz Josef Algermissen vorerst aus der Schußlinie herausgehalten werden soll.

Führende Mitglieder des ‘Fuldaer Kreises’, der ähnliche Ziele verfolgt wie die glaubenskritischen Initiativen ‘Kirche von unten’ und ‘Wir sind Kirche’, sind im Bistum Fulda entgegen der geltenden kirchlichen Rechtsordnung nach wie vor unangefochten in leitenden Funktionen tätig.

So ist beispielsweise Pfarrer Winfried Hahner aus Homberg/Efze – in Nordhessen, etwa 40 km südlich von Kassel –, Gründungsmitglied des „Fuldaer Kreises“, zum Sprecher des einflußreichen Fuldaer Priesterrats gewählt worden, nachdem er von Bischof Algermissen persönlich in dieses diözesane Gremium berufen worden war.

Presseveröffentlichungen, die dem Bischof Angriffsflächen bieten könnten oder sich kritisch mit pastoralen Angelegenheiten im Bistum Fulda befassen, sind offenbar unerwünscht.

So schrieb eine Leserin aus dem Landkreis Fulda in der im Ostteil des Bistums Fulda erscheinenden ‘Südthüringischen Zeitung’ vom 8. April 2005, daß mehrere kritische Leserbriefe zum umstrittenen „Pastoralen Prozeß“ in ihrer Heimatzeitung, der ‘Fuldaer Zeitung’, nicht abgedruckt wurden.

Als sie sich per Telefon an die dortige Redaktion wandte, um zu erfahren, warum kritische Briefe zum „Pastoralen Prozeß“ nicht abgedruckt wurden, habe man ihr knapp zur Antwort gegeben:

„Nach dem Gespräch mit Bischof Algermissen dürfen wir keine Leserbriefe über pastorale Angelegenheiten mehr veröffentlichen.“

Abschließend fragte die Leserin, ob wir in einer Diktatur mit zensierten Zeitungen seien.

Die ‘Fuldaer Zeitung’ erscheint im alteingesessenen Fuldaer Verlag Parzeller.

Der gleiche Verlag gibt zahlreiche heimatgeschichtliche Publikationen heraus und pflegt traditionell gute geschäftliche Beziehungen zum Bistum.

Eine konkurrierende Tageszeitung, die ‘Fuldaer Volkszeitung’, mußte 1974 das Erscheinen einstellen. Seither besitzt die ‘Fuldaer Zeitung’ in der Region Fulda eine Monopolstellung bezüglich der lokalen Medienberichterstattung, an der sie gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten eisern festhalten will.

Unliebsame kleinere Konkurrenten wie das neu gegründete Nachrichtenportal ‘Osthessen-News’ bekamen das im vergangenen September auf drastische Weise zu spüren, als zwei Reporter dieses Online-Dienstes bei einem Forum zur Bundestagswahl vom Chefredakteur der ‘Fuldaer Zeitung’, Dr. Hermann-Josef Seggewiß, vor die Tür gesetzt wurden.

In die Kritik geraten war die ‘Fuldaer Zeitung’ im Sommer 2005 auch wegen ihrer damals beschlossenen Tarifflucht.

Mit dem Ausstieg aus dem bundeseinheitlichen Tarifvertrag für Redakteure an Tageszeitungen gelten in Fulda nicht mehr die einheitlich garantierten Arbeitsbedingungen und Qualitätsstandards für Tageszeitungen.

Gerade in Anbetracht der kritischen Marktlage für das Verlagshaus Parzeller will man es sich nun mit den guten Geschäftsbeziehungen zum Bistum Fulda nicht verderben.

Die unter anderem für die kirchliche Berichterstattung zuständige Redakteurin Beatrix Nolte-Schunck fährt einen kirchenpolitisch liberalen Kurs und pflegt gute Kontakte zum kirchenkritischen ‘Fuldaer Kreis’ – um so bezeichnender das nun erfolgte Stillschweigen über die Veranstaltung mit Pfarrer Roland Breitenbach.

Im Gegensatz zur Ära von Erzbischof Johannes Dyba († 2000), der regelmäßig die negative Berichterstattung und teilweise hämische Kommentare der ‘Fuldaer Zeitung’ zu spüren bekam, hat sich das Blatt nun gewendet.

Bischof Heinz Josef Algermissen ist nicht zu kritisieren. Mögliche Angriffsflächen – man ist jetzt vorsichtiger geworden – werden von vornherein vermieden.

Da erscheint die Frage durchaus berechtigt: Wie unabhängig ist die ‘Fuldaer Zeitung’?
      
10 Lesermeinungen
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#10   Toby   14:05:40 | Freitag, 19. Mai 2006
@ GerdEric
Frage an Radio Eriwan: „Sind die 68er gegen Hierarchien?“
Antwort: „Im Prinzip ja, aber nur solange sie selbst noch nicht das Establishement bilden.“
Inzwischen bilden die 68er und ihre Nachfolger weitgehend das kirchliche Establishement in Deutschland. Vor diesem Hintergrund kann man hinter den Vorgängen in Fulda und anderswo zwei Regeln vermuten:
1. Zur Ablenkung und Verschleierung von Machtstrukturen, die dich selbst nach oben gebracht haben, kritisiere tatsächliches oder vermeintliches Machtgebaren anderer.
2. Verhindere jede für dich nachteilige Änderung der Strukturen, auf denen deine und deiner Gesinnungsgenossen Macht ruht.
Tja, der alte Machiavelli hätte da so seine Freude …
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#9   GerdEric   12:03:34 | Freitag, 19. Mai 2006
@Sulpicius
Sulpicius: Wo sind denn jetzt die Schreie…
… unserer deutschen Bischöfe nach Demokratie und Meinungsfreiheit? Keiner ist intoleranter als unsere 68er-Geistlichen, die doch sonst so gern eine „Demokratisierung“ der Kirche fordern.
Das hätt’ ich jetzt nicht besser schreiben können…
WO deine lieben „68er“ sind?
Im Ruhestand,
aber die „Zweite Generation“
der „68er“ sitzen in den Redaktionen der internet Foren,
„regeln“ dort die Meinungsfreiheit,
oder was davon übrig ist… o^/
Ob hier oder in einem anderen Forum
(dem man der Tage noch Unterstützung leistete,
oder auch Schützenhilfe).
Meinungsfreiheit wird nicht sonderlich gross geschrieben,
nur wenn man mal nicht überall und zu jeder Zeit die Schlagzeile machen kann,
dann wird rungeheult. :-[
Was soll das erbärmliche Geheule? :'(
Gut,
ich bin auch nicht immer froh,
wenn mal wieder der eine oder andere meiner Texte gelöscht wird
(auch wenn es mal wieder um Meinungsterror und Verhetzung geht
(ich nenne mal keinen Namen)). ^-^
Wer Meinungsfreiheit einfordert,
muss auch die Meinungsfreiheit der Anderen verteidigen und schützen… ;-)
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#8   Gallowglas   11:28:20 | Freitag, 19. Mai 2006
Witzig dabei …
ist ja, daß hier, sobald in der Presse etwas geschrieben wird, was unseren Fundis nicht passt, sofort laut nach Zensur geschrien wird, aber wehe es ist andersrum >:)
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#7   Isidor   09:15:23 | Freitag, 19. Mai 2006
Bistum Fulda – vielleicht auch Anteile an der Fuldaer Zeitung?
Erst vor kurzem konnte man über Anteile deutscher Diözesen am Verlag „Weltbild“ lesen. Ist es so abwegig, dass in den so verarmten Bistümern doch noch einige „Geldquellen“ an gezielte Adressaten fließen?
Wen wundert dann, was man anschließend als gesteuerte Ergebnisse lesen kann!
Das gibt es im ach so verarmten Bistum Essen noch ausgeprägter – sogar das Lokal-TV (WDR) scheint ganz offensichtlich dazu zu gehören.
Das ist unsere „heilige“ deutsch-katholische Kirche – gesteuert und gelenkt durch den schnöden Mammon !
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#6   Sulpicius   00:24:02 | Freitag, 19. Mai 2006
„Meinungsfreiheit“
Wir sind die Werkzeuge und Vasallen reicher Leute hinter der Bühne. Wir sind die Hampelmänner; sie ziehen die Strippen, und wir tanzen.
Das stellte auch Peter Scholl-Latour vor einiger Zeit fest: „Meinungsfreiheit’ ist die Freiheit von etwa 300 Leuten, denen die Medienzentralen gehören.“ (sinngemäß)
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#5   Gotthard   23:18:48 | Donnerstag, 18. Mai 2006
obskure Eintracht
Ich verstehe nicht, wie eine Veranstaltung mit dem angesehenen – und im aktiven Dienst des Bistums Würzburg stehenden – Pfarrer Roland Breitenbach nicht in der Presse angekündigt wird.
Es scheint Einflüsse der obskuren „Initiativ-Kreise für Volk und Vaterland“ (oder so ähnlich) zu geben, die diese Vorankündigungen wohl unterdrückt haben…
Ob es da Zusammenhänge mit dem ehemaligen Bundestagsabgeordneten aus Fulda gibt, der diese sehr zweifelhafte Rede zum 3. Oktober gehalten hat?
Obskure rechts-nationale und rechts-katholische Kreise in trauter Eintracht mit der Presse … dagegen sollte angegangen werden …
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#4   Pater Lingen   21:00:21 | Donnerstag, 18. Mai 2006
Noch mehr von Swinton
„Das Geschäft der Journalisten ist es, die Wahrheit zu zerstören, dreist zu lügen, zu verfälschen, zu verleumden, zu Füßen Mammons zu schleimen und ihr Land und ihre Rasse für ihr täglich Brot zu verkaufen. Sie wissen das, und ich weiß es. Was für ein Unsinn ist das, die unabhängige Presse zu loben? Wir sind die Werkzeuge und Vasallen reicher Leute hinter der Bühne. Wir sind die Hampelmänner; sie ziehen die Strippen, und wir tanzen. Unsere Begabungen, unsere Möglichkeiten und unser Leben sind alle Eigentum anderer Leute. Wir sind intellektuelle Prostituierte, Huren. Mehr nicht.“
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#3   Onan †   20:36:05 | Donnerstag, 18. Mai 2006
ja, zensur ist immer schlecht
man sollte extremen jeder art das publizieren erlauben, allerdings sollte man seine kinder schon auf schwachsinn dieser art vorbereiten, sonst glauben sie es noch.
:-@ , den alles ist relativ
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#2   Pater Lingen   20:35:21 | Donnerstag, 18. Mai 2006
Über ein Jahr Ratzinger…
… und was hat sich getan? Wie gründlich wurde aufgeräumt mit den „Breitenbachern“ weit und breit?
Aber zur Pressefreiheit: Das ist eine Illusion. S. den Artikel „Die Scheinheiligkeit deutscher Kommentatoren“
www.saar-echo.de/de/art.php?a=32015
Man lese auch die „Lobrede auf die unabhängige Presse“ von John Swinton, ehemaliger Chefredakteur der New York Times, 1953 (übers. Claus Plantiko):
„Es gibt so etwas wie eine unabhängige Presse zu dieser Zeit der Weltgeschichte in Amerika nicht. Sie wissen das, und ich weiß es. Es gibt keinen einzigen unter Ihnen, der seine ehrliche Meinung zu schreiben wagt, und wenn Sie es täten, wissen Sie vorher, daß sie niemals gedruckt erschiene. Ich werde wöchentlich dafür bezahlt, meine ehrliche Meinung aus der Zeitung herauszuhalten. Andere von Ihnen kriegen ähnliche Gehälter für ähnliche Dinge, und einer von Ihnen, der so naiv wäre, ehrliche Meinungen zu schreiben, stünde auf der Straße und suchte sich eine andere Arbeit. Wenn ich es duldete, daß meine ehrliche Meinung in einer Ausgabe der Zeitung erscheint, wäre meine Anstellung in weniger als 24 Stunden beendet. Oder, durchaus möglich, ich wäre tot.“
Sicherlich gibt es noch einige wenige, die die Wahrheit veröffentlichen – aber die erleiden schlimmste Repressionen und werden nach Möglichkeit (wenigstens mund-) tot gemacht.
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#1   Sulpicius   20:08:29 | Donnerstag, 18. Mai 2006
Wo sind denn jetzt die Schreie…
… unserer deutschen Bischöfe nach Demokratie und Meinungsfreiheit? Keiner ist intoleranter als unsere 68er-Geistlichen, die doch sonst so gern eine „Demokratisierung“ der Kirche fordern.
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