Die erste Schwalbe eines neuen Frühlings?
In Rom ist damit begonnen worden, die Chefetagen der Vatikanbank auszumisten.
(kreuz.net, Vatikan) In den vergangenen Wochen sind ungefähr zehn Funktionäre des ‘Istituto per le Opere
Religiose’ in die vorgezogene Pension geschickt worden.Das berichtete kürzlich die Mailänder Tageszeitung ‘Il Giornale’.
Das ‘Istituto per le Opere Religiose’ ist die vatikanische Hausbank. Sie befindet sich im Besitz des Heiligen Stuhles. Die vorpensionierten Mitarbeiter gehörten zur mittleren Leitungsebene des Geldinstitutes.
Die vorgezogene Pensionierung wurde den Betroffenen im April mitgeteilt. Entsprechende Gerüchte kursierten bereits seit Ende des vergangenen Jahres.
Die betroffenen Mitarbeiter werden weitere zwölf Monate ihr volles Gehalt beziehen, obwohl sie nicht mehr bei der Bank tätig sind. Es besteht aber die Möglichkeit, daß sie für befristete Aufträge zurückgeholt werden.
Ab Mai 2007 erhalten sie die normale Pension, die ungefahr 70% des letzten Gehaltes ausmacht.
Die Maßnahme betrifft nicht nur Angestellte, die kurz vor der Erfüllung des 65. Lebensjahres stehen, sondern auch jüngere Mitarbeiter.
Das scheint darauf hinzudeuten, daß im vatikanischen Bankhaus größere Änderungen bevorstehen. In Kürze wird auch die Ernennung eines neuen Präsidenten erwartet.
Der gegenwärtige Vorsitzende, Angelo Caloia, hat bereits im Jahr 2005 seine dritte Amtszeit überschritten.
In den vergangenen Monaten sind in der Vatikanbank umfangreiche Arbeiten zur Verstärkung der datenverarbeitenden Systeme durchgeführt worden. Die vorzeitige Pensionierung der Angestellten steht damit aber nicht im Zusammenhang.
Die Pensionierung scheint – nach Meinung von ‘Il Giornale’ – vielmehr ein erster Effekt der Abmagerungskur zu sein, die der Papst den Institutionen der Römischen Kurien verpassen will.
Grundsätzlich will der Papst dieses Ziel offenbar nicht durch dramatische Eingriffe, sondern durch Versetzungen und die Annahme von Rücktritten erreichen.
Die Reduzierung im höheren Management der Vatikanbank darf freilich nicht überschätzt werden.
Denn die Bank hat immer eine große Unabhängigkeit vom Heiligen Stuhl besessen. Sie wird von einer Aufsichtskommission geleitet, die unter dem Vorsitz von Staatssekretär Angelo Kardinal Sodano steht und von Kardinälen gebildet wird.
Die Löhne der Mitarbeiter der Vatikanbank sind in der Regel höher als bei anderen Angestellten des Heiligen Stuhles.
Schon länger gibt es in den vatikanischen Hallen Gerüchte über den zukünftigen Präsidenten des ‘Istituto per le Opere Religiose’.
Bereits 1999 war davon die Rede gewesen, daß der ehemalige Präsident der Deutschen Bundesbank, Hans Tietmeyer (74), diesen Posten übernehmen könnte.
© Bild: Pixelquelle.de
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