Das göttliche Gesicht
Eine Riesengeschichte
„Hör mal, Wolfgang“, rief ich damals ins Telefon, „ich habe hier eine Riesengeschichte entdeckt. Vielleicht können wir sie zu Ostern in die Tageszeitung ‘Die Welt’ nehmen.“ Von Paul Badde.
(kreuz.net) „Paß auf, sie geht kurz so. Erstens: Es gibt ein authentisches Bild Gottes. Zweitens: Der Vatikan hat es lange gehabt. Drittens: Dort wurde es geklaut – vor rund 400 Jahren. Und jetzt halt dich fest.

Denn viertens hab’ ich es wieder gefunden. Das Bild ist nicht verschwunden. Es gibt dieses Bild – ich habe auch ein paar Fotos davon gemacht. Bist du noch da?“

Hier war der Schlüssel, warum nur Christen Gott abbilden dürfen – Juden oder Muslime aber nicht.

Das göttliche Gesicht
Bei dem Schleier von Manoppello handelt es sich um den Schleier der Veronika, der das Antlitz Christi zeigt.

Die Ortschaft Manoppello befindet sich in den Abbruzzen.

Das göttliche Gesicht ist auf einem Muschelseidetuch - dem teuersten Stoff der Antike - abgebildet.

Das Gewebe läßt sich zwar färben, nicht jedoch bemalen.Der Schleier von Manoppello ist derart transparent, daß man eine dahinterliegende Zeitung lesen kann.

Im Gegenlicht verschwindet die Abbildung vollkommen und das Muschelseidentuch wird durchsichtig wie eine Fensterscheibe.Die deutsche Trappistinnenschwester Blandina Paschalis Schlömer legte eine halbdurchsichtige Folie mit dem Gesicht des Grabtuchs von Turin vor das Schleierbild von Manoppello.

Nur die Christen haben ein Bild Gottes. Nur für sie ist das „Wort Fleisch geworden“. Äthiopiens Christenheit konnte sich bis ins 9. Jahrhundert darum nur von Ikonen und Bildern entwickeln. Ohne Schrift. Ohne Bibel.

Tief in den italienischen Abruzzen verwahren Kapuziner auf einem Hügel hinter dem Städtchen
Alexander Smoltczyk in ‘Der Spiegel’:
„Badde hat über seine Schatzsuche einen mitreißend verschlungenen Dan-Brown-Kulturkrimi geschrieben“
Manoppello seit mindestens 400 Jahren ein rätselhaftes Tüchlein.

Es hat feinere Qualitäten als feinstes Nylon und kann weder Seide noch Leinen sein.

Es war aber nicht nur extrem feines Gewebe, das dort zu bestaunen war. Auf dem Stoff ruht ein Christusbild, dem kein zweites gleicht, oder besser: dem fast jedes Christusbild der Erde gleicht wie ein Sohn seiner Mutter, doch nie in dieser Vollkommenheit.

Es hat unvergessliche Augen, eine schlanke Nase, einen halboffenen Mund.

Die Schattierungen sind delikater als Leonardo da Vinci sie mit seiner sfumatura zu zaubern verstand. In manchem erinnert das Bild an eine Fotografie, doch in der Iris ist die rechte Pupille aus dem Zentrum leicht nach oben verschoben, wie es in keinem Foto möglich ist.

Genauso wenig kann das Bild eine Holografie sein, der es trotzdem gleicht, wenn leichtes Licht von hinten den Schleier bescheint. Doch eine 400 Jahre Holografie in den
Schriftsteller Martin Mosebach:
„Ein Prachtband, staunenerregend und reich. Niemand kann sich der Fülle der Argumente, der Beobachtungen und ‘Gesichte’ entziehen.“
Abruzzen? Der Gedanke ist noch absurder als Nylon.

Vier deutliche Falten durchziehen das Tüchlein, als wäre es lange Zeit einmal längs und zweimal waagerecht gefaltet gewesen.

Das Porträt schillert nicht wie ein Regenbogen. Die Farben des Volto Santo – des „Heiligen Gesichts“ – leuchten zwischen Braun- und Rot- und Rosa-Tönen, zwischen Umbra, Siena, Silber, Schiefer, Kupfer, Bronze, Gold.

Es scheint mit Licht gemalt, denn unter dem Mikroskop wurden in dem Gewebe überhaupt keine Farbspuren entdeckt. Im Gegenlicht aber wird es durchsichtig wie klares Glas. Dann verschwinden auch die Falten vollkommen.

Es sind Phänomene, die sich nur bei Muschelseide beobachten lassen: dem kostbarsten Gewebe der Antike. Auch das ist eine Sensation.

Denn die ältesten sicher identifizierten Fragmente aus diesem höchst seltenen Stoff sollen
Willibert Pauels im ‘Domradio’:
„Bedeutender als 1000 Harry Potters.“
aus dem 4. Jahrhundert stammen. Sie sind allerdings viel kleiner und längst nicht so gut erhalten.

Ein Tuch aus Muschelseide mit einem Bild oder einer Zeichnung gibt es überhaupt nirgendwo. Muschelseide lässt sich nicht bemalen. Das ist technisch unmöglich.

Den einleuchtendsten Unterschied zu gewöhnlicher Seide kann hier in Manoppello jeder Laie mit bloßem Auge erkennen.

Denn links und rechts oben fehlen dem Bild zwei Ecken, die irgendwann einmal durch Flicken aus feinster Seide ersetzt wurden. Es ist ein Unterschied wie Tag und Nacht.

Gegen Licht wirken diese Flicken grau, der ganze Schleier hingegen so durchsichtig wie nur Muschelseide durchsichtig sein kann.

Das ist es: das Schweißtuch der Veronika, das bis zum Beginn der Neuzeit von zahllosen Malern festgehalten wurde und im 17. Jahrhundert aus dem Petersdom verschwand.

Aus dem ersten Kapitel des Buches ‘Das göttliche Gesicht’ des Vatikanisten der Tageszeitung ‘Die Welt’, Paul Badde.

Paul Badde: „Das Göttliche Gesicht“,
Pattloch 2006, 320 Seiten, 20,50 Euro
      
12 Lesermeinungen
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#12   monti   10:11:38 | Dienstag, 23. Mai 2006
@deusexmachina
Bei der Sensationslust der Leute wäre es schon erstaunlich, wenn nicht irgendwann ‘mal irgendwo ein muttergöttliches Schlüsselbein oder dergleichen herumgezeigt worden wäre.
Das würde die katholische Kirche in eine gaaaanz tiefe Krise führen, schliesslich gibt es doch das Dogma von der „leiblichen Auffahrt Mariens in den Himmel“. :-D
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#11   Sirilo   19:11:37 | Montag, 22. Mai 2006
@Deusexmachina
Jesus hat doch etwas auf Erden zurückgelassen: seine Vorhaut (von der Beschneidung). Sie wird an verschiedenen Orten aufbewahrt und verehrt.
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#10   deusexmachina   13:58:51 | Montag, 22. Mai 2006
@stat crux:
Nun, bei Jesus könnte man das ja wohl sehr simpel theologisch begründen – äußer Finger- oder Zehennägeln oder ein paar Haaren (und alles das ist als Reliquie m.W. eher nicht so gängig) soll er ja vorgeblich auf dieser Welt nichts zurückgelassen haben. Bei Maria hingegen…
Ich vermute, das es durchaus zwischenzeitlich auch einmal solche Reliqien gegeben hat (auf dem Sektor ist den Leuten ja praktisch nichts zu obszön oder makaber gewesen – fällt das nicht eigentlich unter „Störung der Totenruhe“?), die aber dann wohl von strengeren Geistlichen eliminiert wurden.
Bei der Sensationslust der Leute wäre es schon erstaunlich, wenn nicht irgendwann ‘mal irgendwo ein muttergöttliches Schlüsselbein oder dergleichen herumgezeigt worden wäre.
@Benedikt
Das war nicht zufällig ein gewisser Camillo? ;O)
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#9   athanasius1957   12:53:49 | Montag, 22. Mai 2006
ad Silesium
Hier geht es nicht um ständige Suche nach Reliquien oder dem Übernatürlichen, sondern um das Wunder per se.
Leichentuch von Turin oder andere Tücher, die in Frankreich oder sonst wo herumliegen, das eucharistische Wunder von Lanciano, die Telma von Guadelupe oder auch Manopello: Sie lassen uns durch ein kleines Fenster ins Paradies schauen. Sie begründen nicht den Glauben an Christus aber können uns im Moment des Wankelmutes unterstützen. Auch die Erscheinungen der allerseligsten Mutter Gottes sind solche Zeichen, die zur Umkehr aufrufen sollen. Nicht mehr und nicht weniger. Auch hat Sie nie gesagt, ihr sollt mich anbeten, sondern immer auf Ihn Ihren Sohn Christus hingewiesen
Unrelevante Geschichte Das ein Wahnsinn. Diese ständige Suche nach Reliquien und den übernatürlichen.
Die krankhafte Sucht nach weinenden Statuen und Erscheinungen, die sich später als präparierte Geldmacher erweisen.
Dabei vergisst man oft sein eigenes Leben zu ändern.
Das ist kein Christentum. Das ist Götzerkult.
Vor 2000 Jahren hat eine einzigartige Reliquie bei uns gewohnt und uns alles notwendige offenbart.
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#8   Benedikt   12:50:51 | Montag, 22. Mai 2006
@ deusexmachina
Unser Kaplan pflegte dazu zu sagen: „Wenn überhaupt eine echt ist, dann unsere!“ ;-)
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#7   PetrusII   10:48:55 | Montag, 22. Mai 2006
@Bonjour
Bonjour: Jetzt haben wirauch noch einen Jesus mit Haarausfall. Ein Beweis mehr, wie sehr er doch dem Menschen, zumindest den meisten seiner Geschlechtsgenossen…Anstatt sich über das Leiden unseres Herrn lustig zu machen sollten Sie das Leiden unseres Herrn betrachten. Jesus wurde das Haupthaar und der Bart zum Teil ausgerissen, und Sie machen sich noch lustig darüber. Einige Beiträge und Einstellungen mancher Personen können einem nur noch traurig machen
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#6   stat crux   10:41:47 | Montag, 22. Mai 2006
Amadeus:
Das eigentlich überraschende ist doch, dass es weder von Jesus noch von seiner Mutter irgendwelche körperlichen Reliquien gibt.
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#5   silesius   09:09:19 | Montag, 22. Mai 2006
Unrelevante Geschichteln
Das ein Wahnsinn. Diese ständige Suche nach Reliquien und den übernatürlichen.
Die krankhafte Sucht nach weinenden Statuen und Erscheinungen, die sich später als präparierte Geldmacher erweisen.
Dabei vergisst man oft sein eigenes Leben zu ändern.
Das ist kein Christentum. Das ist Götzerkult.
Vor 2000 Jahren hat eine einzigartige Reliquie bei uns gewohnt und uns alles notwendige offenbart.
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#4   deusexmachina   00:37:56 | Montag, 22. Mai 2006
Gibt es eigentlich einen Katalog…
…mit einem Verzeichnis all der Hunderte von Nägeln vom Kreuz Christi, Tausende Splitter vom selbigen, Grabtüchern, Lendenschurze und Dornenkronen?
Man verliert sonst ein wenig die Übersicht über diese Dinge, mit denen man bequem 50 Generationen von Oberammergauer Festspielen requisitorisch ausstatten könnte.
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#3   Sirilo   17:51:08 | Sonntag, 21. Mai 2006
@Athanasius1957
Im Mittelalter und früger reichte Armenien („Kleinarmenien“) bis zum Mittelmeer.
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#2   athanasius1957   14:00:29 | Sonntag, 21. Mai 2006
Muschelseide = Byssus
Erst mit dem Buch von Paul Badde kam ich mit dem o.a. Begriff in Berührung. Kurze Zeit später kam ich in Wien in die Kirche Maria Schutz, welche von den Mechitaristen betreut wird. Nachdem diese im armenisch-katholischen Ritus zelebrieren, fragte ich nach, ob dieser auf Deutsch existiert.
Es gab ihn und siehe da, im Meßritus einer Bischofsmesse wird Byssos bei den Ankleidungsgebeten des zelebrierenden Bischofs erwähnt.
Woher wussten diese davon, noch dazu wenn man bedenkt, daß es von Armenien zum Mittelmeer doch einige Wochen zu reisen galt.
Muschelseide www.textilmk.de/…de_f%FCr_webside.pdf=‘muschelseide’ bzw. Byssus oder auch Byssos de.wikipedia.org/wiki/Byssus; Seidenspinnerin als Meßinstrument www.3sat.de/nano/cstuecke/25723/
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#1   Bonjour   13:00:17 | Sonntag, 21. Mai 2006
Jetzt haben wir
auch noch einen Jesus mit Haarausfall. Ein Beweis mehr, wie sehr er doch dem Menschen, zumindest den meisten seiner Geschlechtsgenossen, in allem gleich war!
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