Wo die Heiligen vorüberzieh’n
Die Muttergottes erhält in der Lauretanischen Litanei den Ehrentitel Thron der Weisheit – Sedes sapientiae – weil die göttliche Weisheit in ihr wohnte, von ihr geboren wurde, in ihren Armen ruhte und auf ihrem Schoß gesessen hat. Von John Henry Kardinal Newman († 1890).
(kreuz.net) Maria war der menschliche Thron dessen, der Himmel und Erde regiert und darum im wahrsten Sinne des Wortes der Sitz der Weisheit.

Darum ruft der Dichter ihr zu: „O reinste Mutter, Dein gesegneter Schoß ist Sein erhabener Thron; wenn etwas im Himmel und auf Erden, dann ist dieser Thron des makellosen Gotteskindes würdig.“

Aber Maria besaß ihren Sohn nicht nur während der Jugendjahre, sondern er war ihr volle dreißig Jahre untertan und gehorsam – bis zum Beginn Seines öffentlichen Lebens.

Das legt uns eine ähnliche Erwägung nahe wie der Lobpreis „Spiegel der Gerechtigkeit“.

Wenn der enge Umgang mit ihrem Sohne in Maria eine unfaßbare Heiligkeit hervorbrachte, dann muß auch die Erkenntnis der göttlichen Dinge – die sie in diesen Jahren im Kontakt und im Gespräch mit ihrem Sohne erlangte – unendlich groß, tief und vollkommen gewesen sein.

Wenn sie auch äußerlich arm und ohne Besitz war, so übertraf sie doch mit der Kenntnis der Schöpfung und ihrer Grundlagen die größten Philosophen und Theologen in ihrer Gotteserkenntnis und die erleuchtetsten Propheten in ihrer Vorausschau.

Das große Thema ihrer Gespräche waren immer wieder die Natur, die Eigenschaften, die Werke und die Vorsehung des himmlischen Vaters.

Christus verherrlichte den Vater, der ihn gesandt hatte, beständig. Er enthüllte seiner heiligen Mutter die ewigen Ratschlüsse und Zwecke des göttlichen Willens.

So führte er sie immer mehr ein in die Tiefen seiner Lehren und erklärte ihr Punkt für Punkt die Glaubenssätze, die von den Tagen der Apostel bis auf unsere Zeit, ja bis zum Ende der Tage erklärt werden müssen.

Alles, was in der Offenbarung dunkel und Stückwerk ist, wurde ihr mit aller Klarheit und Ganzheit – soweit menschliche Wissenschaft dies zu fassen vermag –, mit aller Einfachheit und selbstverständlichen Sicherheit, die dem göttlichen Licht eigen ist, vorgestellt und vermittelt.

Ähnlich wurde sie auch über die Ereignisse der Zukunft unterrichtet.

Gott gab den Propheten Schauungen über das, was kommen sollte. Die heiligen Schriften berichten über diese Offenbarungen. Aber Gott sprach zu ihnen bloß in Bildern und Gleichnissen.

Nur einer – Moses – ist gewürdigt worden, Auge in Auge mit Gott zu sprechen:

„Wenn es unter euch einen Propheten des Herrn gibt, so will ich ihm erscheinen in einem Gesichte und im Traume zu ihm sprechen. Nicht aber so mit meinem Diener Moses. Denn ich will von Mund zu Mund mit ihm reden und klar, ohne Rätsel und Bilder, wird er den Herrn schauen.“

Das war der große Vorzug des inspirierten Gesetzgebers der Juden. Aber um wieviel geringer ist er gegenüber dem Vorzug Mariens.

Moses besaß diesen Vorzug nur ab und zu, während Maria den Herrn während dreißig Jahren ununterbrochen sah und hörte.

Sie konnte mit ihm von Angesicht zu Angesicht sprechen, ihn frei über alles fragen, was sie nicht verstand oder was sie wissen wollte – und zwar mit der klaren Überzeugung, daß die Antworten, die sie erhielt, von dem ewigen Gotte herstammten, der weder lügen noch irren kann.
      
2 Lesermeinungen
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#2   Stefan Fischer   09:22:35 | Montag, 22. Mai 2006
Gruß und Dank an die sedes sapientiae
Sanft weiht sie DIR du Erde
der Stille fordernd Wort
Wie herrscht ihr gleitend Schweben
an allem Leben fort.
Lieb strömt der Ruhe Weben
der Engel liebster Ort.
Auf ! Königin Auf !
Auf ewig werde.
Dringe in uns Goldseele,
schenk reinen blauen Saft,
rührst bergend Gnadetränen
im Schirme lin’ne Pracht.
Erquick in Silbersträhnen
DEIN Schimmer liebt die Nacht.
Auf ! Königin Auf !
Auf ewig mit uns DU Seele.
DEIN Thron ist ewiges Gebet.
Aus Demut beugen sich die Glieder
am Stamm der grau bemost –
empfangen wir die Himmelslieder
und danken GOTT dem alten Trost.
Bleib in uns, komm, komm immer wieder !
Auf ! Königin Auf !
Auf ewig IHR Gebet.
aus der 2007 Neuerscheinung „Marienblut“, ein an Argumenten reiches Werk, was die geistliche „Realitätsgewalt“ der Theotokos, der GOTTESGEBÄRERIN beweisen hilft. Unbedingt allen christlichen Skeptikern zu empfehlen.
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#1   EinChrist   18:12:02 | Sonntag, 21. Mai 2006
Ave Maria – Totus tuus
Gelobt sei Jesus Christus und seine Allerheiligste Mutter Maria.
Es grüßt in tiefer Verehrung
EinChrist
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