10:54:30 | Dienstag, 23. Mai 2006
In seinem Erzbistum darf jeder Priester, der einen Antrag stellt, die Alte Messe zelebrieren, erklärte kürzliche ein Oberhirte in den USA: Er sei für „die Wiederherstellung dessen, was wir verloren haben“.
(kreuz.net, St. Louis) Kürzlich stellte sich der Erzbischof von St. Louis, Mons. Raymond Burke (57),
den Fragen der konservativen katholischen US-Wochenzeitung ‘The Wanderer’.
Die Erzdiözese St. Louis
liegt im Bundesstaat Missouri im Herzen der Vereinigten Staaten.
Erzbischof Burke ist einer der wenigen
katholischen Bischöfe weltweit, die der Forderung des Motu Proprio ‘Ecclesia Dei Afflicta’ von Johannes
Paul II. nachkommt und seinen Priestern die Zelebration der Alten Messe „großzügig“ erlaubt:
„Natürlich
gewähre ich jedem Priester, der darum bittet, die Erlaubnis, die Messe nach dem Römischen Missale von
1962 zu zelebrieren.“
Mons. Burke ist sich sicher, so auch den Willen von Papst Benedikt XVI. zu erfüllen.
Er informiere sich aber jeweils beim Antragsteller, ob dieser überhaupt in der Lage ist, die Alte Messe
zu lesen. Manchmal – vor allem im Fall jüngerer Priester – habe er dafür gesorgt, daß ihnen geholfen
werde, den Ritus zu erlernen, um ihn angemessen feiern zu können.
Im Interview erwähnte der Erzbischof
auch eine kürzliche Kontaktnahme mit dem Präfekten der Päpstlichen Kommission ‘Ecclesia Dei’, Dario
Kardinal Catrillon Hoyos.
Es sei dabei um die Frage gegangen, ob die Spendung aller Sakramente im Ritus
von 1962 im Indult eingeschlossen sei oder ob dies nur für die Meßzelebration gelte.
Wegen der Wichtigkeit
des Themas habe er Kardinal Castrillon angeschrieben. Dieser habe betont, daß es das Anliegen des Papstes
sei, die „Spendung aller Sakramente“ nach den alten Büchern großzügig zu gewähren.
Es sei für ihn
klar, daß es eine Kontinuität
Erzbischof Burke:
Ich hoffe, daß es eine Versöhnung mit der Priesterbruderschaft
St. Pius X. gibt. Aber dafür muß das Herz jener gewandelt werden, die gesagt haben, daß Papst Paul
VI. oder Johannes Paul II. vom Glauben abgefallen seien.
zwischen dem Alten und dem Neuen Ritus geben müsse,
meinte Mons. Burke weiter.
Eine großzügige Erlaubnis der Feier der Alten Messe werde helfen, den Reichtum
des Missale von 1962 zu erkennen. Dieses Missale werde auch dazu beitragen, die vom Zweiten Vatikanum
angeordneten Reformen treuer durchzuführen.
Diese seien in vielerlei Hinsicht noch sehr nötig – besonders
im Hinblick auf die Neuevangelisierung.
Für ihn seien die Bücher des ehemaligen Präfekten der Glaubenskongregation
zu liturgischen Themen – etwa „Der Geist der Liturgie“ – sehr wichtig. Er könne den Aussagen dieser Publikationen
sehr zustimmen.
Erzbischof Burke glaubt, daß Papst Benedikt XVI. bezüglich der Liturgie sehr stark
den Geist der Kirche zum Ausdruck bringt.
Der Papst habe als Priester am Zweiten Vatikanum teilgenommen:
„Er hat diese Lehren tief – und im Kontext der ganzen Tradition der Kirche – studiert.“
Erzbischof Burke
glaubt, daß eine Einheit zwischen dem Novus Ordo und dem Missale Romanum von 1962 – im Sinn einer „Reform
der Reform“ – sehr wesentlich ist. Es sei eine große Hilfe, wenn die Zelebration des Alten Ritus auf
diesem Weg erlaubt und anerkannt werde: „Das wird uns sehr helfen.“
Die Reform der Liturgie nach dem
Konzil habe zu einer „dramatischen Vereinfachung der Riten“ geführt. Es habe Experimente gegeben, welche
aufgrund der Konzilskonstitution über die Heilige Liturgie „wirklich nicht“ gerechtfertigt seien.
Diese
Experimente hätten einen Verlust der transzendenten Dimension der Liturgie bewirkt:
„In den Köpfen
mancher Menschen entstand der Gedanke, daß die Liturgie unsere eigenes Werk und ein Mittel sei, um sich
selber zum Ausdruck zu bringen.“
In Wahrheit sei die Liturgie eine Tat Christi, die in der Kirche für
die Heiligung der Gläubigen bewahrt und weitergegeben wird.
Als junger Priester – so Mons. Burke – habe
ihn etwas immer besonders gestört: „Wann immer ein Priester die Messe zelebrierte, stellte er das Eucharistische
Hochgebet entweder selber zusammen oder hat daran herumgebastelt.“
Er wisse nicht, was nach dem Konzil
passiert sei. Es habe sich eine Allergie gegen den Alten Ritus entwickelt: „Es war, als ob dieser Ritus
vom Angesicht der Erde verbannt werden müßte, als ob ansonsten die Reform nicht stattfinden könnten.“
Die jungen Seminaristen und Priester von heute würden diese Einstellung nicht mehr teilen und die beiden
Riten nicht als Widerspruch betrachten.
Erzbischof Burke sprach auch über eine mögliche Versöhnung
der Priesterbruderschaft St. Pius X. mit dem Vatikan. Das sei ein „schwieriges Thema“.
Abgesehen von
den Bedenken der Priesterbruderschaft gegenüber der Neuen Liturgie gehe es hier um die Akzeptanz des
päpstlichen Lehramtes und seiner Autorität über die Liturgie.
Er hoffe, daß es eine Versöhnung gebe.
Aber dafür müsse das Herz jener gewandelt werden, die gesagt haben, daß Papst Paul VI. oder Johannes
Paul II. vom Glauben abgefallen seien.
Der Erzbischof wurde auch gefragt, ob er sich vorstellen könne,
daß der Papst im Petersdom die tridentinische Messe zelebrieren werde.
Er habe mit dem Heiligen Vater
nie darüber gesprochen, antwortete Mons. Burke. Aber er würde das nicht ausschließen. Unter dem Pontifikat
von Papst Johannes Paul II. habe Kardinal Castrillon Hoyos ein feierliches tridentinisches Pontifikalamt
in der römischen Basilika St. Maria Maggiore zelebriert.
„Das ist der Meßritus, mit dem ich aufwuchs“ –
so Mons. Burke. Dieser Ritus habe seine Berufung zum Priestertum inspiriert und sei ein wesentlicher Teil
seiner geistlichen Ausbildung gewesen: „Das war bei vielen so.“
Inzwischen gebe es wieder junge Menschen,
die mit den „früheren Riten“ in Kontakt gekommen sind und sie als spirituelle Bereicherung erleben würden:
„Deswegen wäre es nicht verwunderlich, wenn der Papst im Petersdom eine Alte Messe zelebrieren würde.“
Erzbischof Burke hofft auch, daß die Zelebration der Alten Messe einen positiven Einfluß auf die sakrale
Kunst, die liturgischen Gewänder, die heiligen Gefäße und den Gregorianischen Choral ausüben wird.
Überhaupt wünscht der Erzbischof eine Wiederherstellung dessen, was verlorengegangen ist.
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