„Egal, ob du sagst, ich will anschaffen gehen oder ich will aussteigen, die unterstützen dich. Die sehen immer zu, daß es dir so gut wie möglich geht, daß du so wenig wie möglich Schaden erleidest.“
(kreuz.net, Köln) In einer ehemaligen Scheune in Köln gibt es acht Verrichtungsboxen, in denen sich
Autofahrer legal an Prostituierten vergehen können.
Zum Schutz der Huren hat jede Box eine Fluchttür
und einen Alarmknopf.
Vor fünf Jahren richtete die Stadt Köln an der Geestemünder Straße den bundesweit
einzigen legalen Straßenstrich für drogenabhängige Frauen ein.
Das Buch „Es macht die Seele kaputt“
der Journalistin Ingrid Strobl erzählt von den Frauen, die sich dort prostituieren.
Bis zum Jahr 2001
konzentrierte sich der Kölner Drogenstrich auf den Reichensperger- und Ebertplatz. Dort boten sich die
Prostituierten – mehr oder weniger als Freiwild – im Sperrbezirk feil.
Sie waren der Willkür und oft
der Gewalt der Liebeskäufer ausgesetzt.
Außer den Straßenarbeiterinnen vom ‘Sozialdienst Katholischer
Frauen’, die den Kontakt zu den Prostituierten suchten, sie mit Kondomen, sauberen Spritzen und Tee versorgten,
interessierte sich niemanden für das Schicksal der Huren.
Nur die Anwohner und die Bediensteten des
nahen Gerichts fühlten sich vom Betrieb auf dem illegalen Straßenstrich belästigt.
Den Protesten der
Anwohner und dem Drängen des ‘Sozialdienst Katholischer Frauen’, den Prostituierten ein „gesichertes
Gelände“ zur Verfügung zu stellen, beugte sich die Stadt schließlich und eröffnete im Oktober 2001
die „Geestemünder“.
Vorbild war eine Einrichtung im niederländischen Utrecht.
Auf dem neuen Gelände
finden die Prostituierten seither „sichere Arbeitsbedingungen“.
Sie sind vor Verfolgung sicher, werden
sogar von Polizei und Ordnungsamt geschützt, vom Gesundheitsamt medizinisch betreut, und haben in den
Mitarbeiterinnen des ‘Sozialdienst Katholischer Frauen’ jederzeit Ansprechpartnerinnen, die ihnen mit
Respekt begegnen und ganz praktisch Hilfe anbieten.
„Egal, ob du sagst, ich will anschaffen gehen oder
ich will aussteigen, die unterstützen dich. Die sehen immer zu, daß es dir so gut wie möglich geht,
daß du so wenig wie möglich Schaden erleidest“ – meint eine drogenabhängige Prostituierte.
Das Buch
von Ingrid Strobl ist im Auftrag der Huren selber geschrieben.
Frau Strobl war nach einem Radiobeitrag
über die Geestemünder Straße von ihnen gefragt worden, ob sie nicht über sie schreiben wolle.
Nahezu
alle Frauen haben schon in ihrer Kindheit und Jugend meist sexuelle Gewalt erdulden müssen. Alle sind
aus finanziellen Interessen zur Prostitution gekommen.
Fast alle Abhängigen haben den Ausstieg schon
mehr als einmal geschafft und sind später wieder rückfällig geworden.
Die Drogen lassen die Prostituierten
ihre Erinnerungen vergessen und erlauben es ihnen, den Ekel über die entwürdigende Arbeit auf dem Strich
auszublenden.
Auf die Frage, was sie sich vom Buch von Ingrid Strobl wünsche, meinte eine Prostituierte:
„Daß keine, die das liest, mit Heroin anfängt, daß es so richtig kraß abschreckt.“
Ingrid Strobl:
„Es macht die Seele kaputt“, Junkiefrauen auf dem Strich, Orlanda-Verlag, 18,50 Euro
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12 Lesermeinungen
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@ Beobachterin Während anderswo der Straßenstrich von Polizei und Ordnungsamt zerschlagen werden soll,
Ja, „soll“. Und? Geschiehts? Nein. Einen Straßenstrich kann kaum effektiv aufgelöst werden. Die Prostitution
wird gerne als ältestes Gewerbe der Welt bezeichnet, die meiste Zeit war sie illegal, was aber rein gar
nichts geändert hat. Ergo muss man andere Wege finden, um dieses Problem zu knacken. Wenn die Hilfe darauf
gerichtet ist, den Frauen einen Ausweg zu zeigen, so ist es doch gut, oder?
liebe brüder und schwestern, ich finde es gut und wichtig, dass sich menschen engagieren, die sozial
schlechter gestellt sind. dieser katholische verein schützt nicht nur die prostituierten vor krankheit
und mißhandlungen, sondern auch die freier und deren frauen (die vollkommen unschuldig zum handkuss kommen
würden, wenn zb geschlechtskrankheiten im spiel sind). einfach zu sagen, die prositution wieder illegag
zu machen und die sachlage der polizei zu überlassen ist schlicht weg eine blinde herangehensweise an
ein grundlegendes problem. die verpflichtung von jedem christ/christin ist es schlechter gestellte personen –
auch prostituierte – zu unterstützen mit rechtlicher absicherung, gespräche, schutz vor mißhandlungen…
liebe beobachterin; sie leben vielleicht nach aussen hin nach der bibel – halte sie jedoch für keine
gute christin, denn um eine zu sein, müßten sie auch nach dem gebot „liebe deinen nächsten so wie dich
selbst“ leben und das tun sie mit ihren kommentaren nicht. ich lese hass, doppelmoral und heuchelei heraus –
all das was christus auch nachweislich angeprangert hat. wann haben sie das letzte mal mit einem obdachlosen
menschen gesprochen? oder ist der ihrer augen und ohren nicht würdig?
timpressum Was timpressum geschrieben hat, kann ich nur voll unterstützen! Wenn katholische Sozialarbeiter
in solchem Milieu tätig werden, dann bedeutet das keineswegs eine „Aufwertung“ des Milieus, sondern eine
Nachfolge des Auftrags Jesu, sich Menschen zuzuwenden, die Zuwendung brauchen, statt Verurteilung!
Fakt ist… Fakt ist: – es gibt überall einen Strassenstrich – es gibt drogenabhängige Menschen – es
gibt drogenabhängige Menschen, die auf den Strassestrich gehen Daran werden die Kirchen an sich nichts
ändern können. Wohl aber können sie einen diakonalen Dienst anbieten, der die Menschen vor Infektionskrankheiten
schützt (AIDS, Heptatits, Syphilis etc.) und sie bei einem evtl. Ausstieg unterstützt. Gerade für letzteres
muss man die Menschen aber erstmal da abholen, wo sie stehen: auf dem Strich! Ubi caritas et amor, Deus
ibi est! Das gilt auch für Huren!
@ beobachterin seltsam, dass jemand, der „beobachtet“ offenbar nicht lesen kann: Es ist doch sonderbar,
daß ausgerechnet in einer einzigen Stadt in Deutschland der Sozialdienst katholischer Frauen auf die
Idee kommt, einen Straßenstrich zu betreiben und zu betreuen der skf betreibt keinen straßenstrich,
er betreut auch nicht den strich, sondern er bietet prostituierten einen diakonalen dienst an. wenn sie
hier tatsächlich keinen unterschied erkennen, dann sind sie keine beobachterin, sondern blind bzw. verblendet.
Sonderbar Es ist doch sonderbar, daß ausgerechnet in einer einzigen Stadt in Deutschland der Sozialdienst
katholischer Frauen auf die Idee kommt, einen Straßenstrich zu betreiben und zu betreuen – was sich von
einer kommerziellen Einrichtung lediglich dadurch unterscheidet, daß sie finanziell nicht am Ertrag beteiligt
sind. Keine andere Stadt ist dem Beispiel der Stadt Köln gefolgt, da muß man sich doch fragen, warum?
Sinnvolle Zuwendung Hate the Sin not the Sinner! Ich finde es schwere aber nützliche Arbeit diesen Menschen
zu helfen, man kann jetzt diskutieren ob austeilen von Kondomen und frische Spritzen das richtige Mittel
sind, wahrscheinlich nicht, aber es ist gut das diese Menschen die sich durch die Prostitution erniedrigen
Ansprechpartner haben die Ihnen helfen aus diesem Schlamassel wieder rauszukommen, problematisch wäre
es nur wenn diese Arbeiter den Frauen einreden würden die sollen so weitermachen das sei schon richtig
so, das wären Kollaborateure, es ist auch richtig die Frauen darauf hinzuweisen das ihre Prostitution
schädlich für Sie und für die Menschen ihrer Umwelt ist, nur das kann man nicht mit der katholischen
Keule wahrscheinlich schreckt man solche Menschen dann nur ab, manchen Menschen tut es gut die Wahrheit
direkt ins Gesicht zusagen mit anderen muss man einfach das Gespräch suchen, allen alles werden um wenigstens
einige zu retten.
@Beobachterin Warum aber darf dann der Sozialdienst katholischer Frauen diese Einrichtung unterstützen?
Alleine die Tatsache, dass Sie diese Frage stellen (und für sich nicht beantworten können, oder wollen)
zeigt, dass Sie von der Sitaution vor Ort, nicht den blassesten Schimmer haben. Vielleicht sollten Sie
eine Zeit lang in einer Einrichtung hospitieren, die diesen Frauen in ihrer Situation hilft. Ich kann
Sie aber nur warnen; so ein Dienst am Nächsten kann ein gefestigt-konservatives Weltbild nachhaltig ins
Wanken, wenn nicht gar zum Einsturz bringen. Es besteht die Gefahr, dass Sie hinterher den Absonderungen
des guten Kardinal Meisner nur noch wenig Verständnis entgegen bringen könnten. Und das wäre doch sehr
schade; oder nicht?
Und was genau hat da jetzt der Begriff… …„Kollaborateure“ zu suchen? Die Prostituierten waren auch
ohne die katholischen Helfer da und würden es auch ohne sie sein. Niemand wird Prostituierte oder heroinabhängig,
weil irgendwo ein paar fromm-hilfsbereite Menschen heißen Tee ausschenken und frische Spritzen verteilen.
Der Begriff ist ganz einfach deplatziert und zusammenhangslos dumm.
eine Stadt als Betreiber des Straßenstrichs Während anderswo der Straßenstrich von Polizei und Ordnungsamt
zerschlagen werden soll, wurde in Köln die Einrichtung eines solchen von Stadtrat und Oberbürgermeister
vorgenommen. Es ist der falsche Weg, drogensüchtige Prostituierte in ihrer Drogensucht und bei der Prostitution
zu unterstützen. Eine Hilfe sollte schon angeboten werden, aber auf andere Art. Beispielsweise durch
ein Therapieangebot. „Die Gesellschaft ist aus den Fugen geraten“ sagte Kardinal Meisner. Warum aber darf
dann der Sozialdienst katholischer Frauen diese Einrichtung unterstützen?