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Donnerstag, 25. Mai 2006 17:49
Die Polen haben seine Wahl geahnt
Papst Benedikt XVI. ist heute Vormittag am Flughafen von Warschau vom polnischen Staatspräsidenten, einer militärischen Ehrengarde und rund tausend Menschen mit lateinischen Taizegesängen empfangen worden.
(kreuz.net, Warschau) Der Heilige Vater unterstrich in seiner Ansprache am Warschauer Flughafen, daß er „so sehr gewünscht“ habe, das Heimatland seines geliebten Vorgängers Johannes Pauls II. zu besuchen:

„Ich bin gekommen, um den Spuren seines Lebens zu folgen, von seiner Kindheit bis zu seiner Abreise zum denkwürdigen Konklave von 1978.“

Benedikt XVI. sprach zunächst unter tosendem Beifall auf Polnisch und setzte dann seine Rede auf Italienisch fort.

Am Sonntag wird Benedikt XVI. das nationalsozialistische Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau besuchen.

Dort will der Papst die Überlebenden der nationalsozialistischen Diktatur treffen:

„Zusammen werden wir darum beten, daß die Wunden der Vergangenheit heilen, dank der Heilung, die Gott in seiner Güte uns verschrieben hat, indem er uns aufrief, einander zu vergeben.“

Zur Frage, wie er sich fühle, als Deutscher das Konzentrationslager zu besuchen, antwortete der Papst, daß er vor allem als Katholik da sei. Das sei der wichtigste Punkt.

Vor dem Mittagessen traf der Papst in der Kathedrale von Warschau rund tausend Priester.

Der Primas von Polen und Erzbischof von Warschau, Josef Kardinal Glemp (76), schenkte dem Heiligen Vater eine alte Bibelausgabe.

Der Papst betete einige Minuten am Grab des heiligmäßigen, früheren Primas von Polen, Stefan Kardinal Wyszynski († 1981).

In einer Ansprache erinnerte Benedikt XVI. auch an den bedeutenden Kirchenfürsten, „den ihr Primas des Jahrtausends genannt habt, und der inmitten harter und dauernder Prüfungen der Kirche treu gedient hat“.

Die Priester im neuen Jahrtausend ermunterte der Papst, an die Kraft ihres Amtes zu glauben: „Im Sakrament habt ihr alles empfangen, was ihr seid.“

„Wenn ihr als Priester ‘Ich’ sagt, dann tut ihr es im Namen Christi, der sich eurer Hände und Lippen und eurer Gaben bedient. Die Größe des priesterlichen Dienstes kann Angst machen. Aber er hat wirklich uns erwählt, wir sollten seinem Blick vertrauen.“

„Lassen wir uns nicht hetzen: die Zeit, die wir Christus im stillen Gebet widmen, ist keine verlorene Zeit. Lassen wir uns nicht entmutigen: Christus schweigt, aber er handelt zugleich.“

Die Gläubigen würden von den Priestern nur eines erwarten: Spezialisten zu sein, welche die Menschen zur Begegnung mit Gott führen. Der Priester müsse sich nicht in Wirtschaft, Architektur oder Politik auskennen, sondern nur im spirituellen Leben – so der Papst:

„Christus benötigt reife, männliche, echte und väterliche Priester. Darum brauchen die Priester Ehrlichkeit zu sich selbst, einen geistlichen Führer und Vertrauen in die göttliche Barmherzigkeit.“

Der langjährige Privatsekretär von Johannes Paul II. und Erzbischof von Krakau, Stanislaw Kardinal Dziwisz (67), erklärte im Vorfeld der Papstreise vor der deutschen Tageszeitung ‘Die Welt’, daß Benedikt XVI. von seinem Vorgänger wegen seiner Unabhängigkeit im Denken außerordentlich geschätzt worden sei:

„Johannes Paul II. hat jede wichtige Angelegenheit mit Kardinal Ratzinger besprochen.“

Die Polen schätzten Benedikt XVI. für seine Offenheit, seine schlichte menschliche Güte, auch dafür, daß er die schwierige polnische Sprache so schnell lerne.

Im Interview erklärte Kardinal Dziwisz auch, daß die Polen die Wahl des deutschen Purpurträgers geahnt hätten:

„Er kannte die römische Kurie. Er kannte sich aus in der Welt. Er war ein enger Mitarbeiter seines Vorgängers. Wessen bedarf es noch mehr?“
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 18 Lesermeinungen:
Samstag, 27. Mai 2006 17:09
Benedikt: @ Stimme aus Wien
Politik und Wirtschaft zu machen ist die Sache der Laien, die auf diesem Gebiet eine Kompetenz haben. Eine Weihe verleiht auf diesen Gebieten keine Kompetenzen.

…sie schließt sie aber auch nicht aus. Bitte geben Sie dem Forum an dieser Stelle Auskunft über die wirtschaftspolitische Qualifikation von Michael Glos, seines Zeichens Bundeswirtschaftsminister. Interessant wäre auch ähnliche Auskünfte über: Hans Eichel, Sigmar Gabriel, Jürgen Tritin, Joschka Fischer, Franz Müntefering, Wolfgang Tiefensee, Reinhard Klimmt usw. usf. Aber die Forderung nach einer friedlichen Lösung des Irak-Problems 2003 und nach einer gerechteren Welt ist dem Papst verboten und ausschließlich habilitierten Fachleuten überlassen. Klar.
Samstag, 27. Mai 2006 16:22
Gotthard: Radio Marya
Der Papst hat sich entschieden gegen die Parteinahme durch Priester zugunsten der rechtsgerichteten polnischen Regierung durch Radio Marya gewandt!
Samstag, 27. Mai 2006 16:17
Benedikt: deusexmachina
Ah, Sie sind ein Vertreter der sog. Kabinette der Fachleute. Protestieren Sie auch immer gegen die Meinungsäußerungen von Politikern, Journalisten usw. Wenn Sie am Tisch sitzen und sich unterhalten, schweigen Sie dann vornehm, sobald das Gespräch nichts mehr mit Ihrem Fachgebiet zu tun hat? Sie haben – nach eigener Aussage – einige Zeit mit Nazis in deren Foren diskutiert. Gehe ich recht in der Annahme, dass Sie zuvor ein Geschichts- und Politikwissenschaftsstudium abgeschlossen haben? Wenn nicht, finden Sie es nicht ein wenig vermessen, sich dazu zu äußern? Könnten Sie mir – wo wir gerade dabei sind – eine Kopie Ihres Theologie-Diploms und Ihres Abschlusses in Kirchengeschichte zuschicken. Ausweislich der Tatsache, dass Sie sich hierzu äußern, müssen Sie darin einen Abschluss gemacht haben. Oder etwa nicht?
Samstag, 27. Mai 2006 00:53
Jörg Guttenberger, Köln: Fachkenntnisse der Priester
Die Priester müssen unbedingt Spezialisten in Theologie und Seelsorge sein. Ein Spezialistentum in anderen Fakultäten ist nicht erforderlich. Peinlich ist allerdings, wenn Priester ausgezeichnete Fachleute in Politikwissenschaft usw. sind, aber von Theologie und Seelsorge keine Ahnung haben. So sind die Worte des Papstes gemeint.

Daß ein Priester, wie jeder Mensch, der ernst genommen werden will, neben seinem berufsbedingten Fachwissen eine gute Allgemeinbildung hat, ist ebenso selbstverständlich.
Freitag, 26. Mai 2006 15:51
Antonius: Stimme aus Wien
Danke fuer die Erklaerung! Sie zaehlen zu den wenigen Teilnehmern bei kreuz.net, die an einem sachlichen Gespraech Interesse haben. Sehr erfrischend. Hat mich sehr gefreut! Gruesse!
Freitag, 26. Mai 2006 15:02
Stimme aus Wien: Antonius
Es könnte sien, ich habe mich unklar ausgedrückt.

Mir ist allerdings noch nicht ganz klar, was Sie mit „Gottesbegegnung“ meinen. Denn ich sehe in einem Wirtschaftssystem zunaechst einmal keinen direkten Ort einer Gottesbegegnung, da es eben „nur“ ein System ist.

Dem stimme ich zu. War auch nicht meine Intention.
Ich meine: man muss auf die Fragen der Wirtschaft und Politik Antworten geben auf Grund einer Gottesbeziehung – die, wie der Hl. Vater es meint, von Priestern zu sichern sei.
D.h.: die Priester müssen keine konkrete Antworten auf die Fragen der Wirtschaft, Politik, …, geben,- das könne sie auch nicht, da ihnen die entsprechende Kompetenz dazu fehlt. Diese Antworten können nur die geben, die zwar keine Priester sind, die aber die Kompetenz dazu haben und in der, von den Priestern gesicherten, Gottesbeziehung stehen.
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