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Dienstag, 15. August 2006 17:25
Ein Widerspruch in sich?
Bei allem Respekt: Der Name „Mutter des Schöpfers“ – der auf die Allerseligste Jungfrau angewendet wird – scheint echt ein bißchen überzogen zu sein. Von John Henry Kardinal Newman († 1890).
"Maria Himmelfahrt" des italienischen Malers Tizian († 1576)
„Maria Himmelfahrt“ des italienischen Malers Tizian († 1576)
(kreuz.net) Der Name „Mutter des Schöpfers“ scheint in sich einen inneren Widerspruch zu enthalten, weil darin die Begriffe „Schöpfer“ und „Geschöpf“ ihres ursprünglichen Sinnes beraubt – ja gegeneinander ausgetauscht – sind.

Ewigkeit und zeitliches Werden, Selbstsein und Abhängigkeit schließen sich begrifflich aus.

Auf den ersten Blick drückt der Name „Mutter des Schöpfers“ eine Unmöglichkeit aus.

Andererseits sagt uns der Verstand, daß wir Maria diesen Ehrentitel nicht verweigern können, ohne die Menschwerdung des Wortes, der Zweiten Person in der Gottheit zu leugnen.

Seit den ersten Zeiten der Kirche wurde das klar erkannt. Schon die ersten Christen nannten die heilige Jungfrau „Mutter Gottes“, weil Maria die Mutter Jesu, und Jesus selber Gott war und ist.

Wenn das Wort des Heiligen Johannes stimmt, daß das Wort Mensch geworden ist, dann war es unmöglich, der Mutter des Gottmenschen den Ehrentitel „Mutter des Schöpfers“ zu verweigern.

Es dauerte nicht lange, bis diese Wahrheit durch ein allgemeines Konzil feierlich verkündigt wurde.

Bald entstand eine Irrlehre, die behauptete, daß der Herr nicht wahrhaft und wesentlich Gott, sondern nur Mensch gewesen sei.

Er unterscheide sich von uns nur dadurch, daß Gott in Ihm wie in allen Heiligen – allerdings in viel vollkommenerem Maße – wohne, so wie auch der Heilige Geist in den Engeln und in den Propheten wie in einem Tempel sei, oder wie Jesus Christus auch heute noch in den Tabernakeln unserer Kirchen weile.

Die Bischöfe und die Gläubigen wußten kein besseres Mittel, um diesem verderblichen Irrtum [des Nestorius] entgegenzutreten, als die Erklärung, daß Maria die Mutter Gottes und nicht nur die Mutter des Menschen Jesus sei.

Seit dieser Zeit [dem Konzil von Ephesus im Jahr 431] ist die Gottesmutterschaft ein Glaubensartikel der Kirche Christi geworden.

Man kann die Frage aufwerfen, ob diese Lehre wunderlicher sei als die der Menschwerdung des Wortes Gottes selber – ob es geheimnisvoller sei, daß Maria die Mutter Gottes geworden oder daß Gott Mensch geworden ist.

Letztere ist die grundlegende Wahrheit der christlichen Offenbarung, von der die Propheten, Apostel und Evangelisten in allen Teilen der Heiligen Schrift Zeugnis geben.

Ist es nicht unendlich tröstlich und freudenreich, daß wir in Maria auch unsere Mutter erhalten haben und in Jesus Brüder unseres Herrn geworden sind?

Wenn wir heilig leben und in Seiner Gnade sterben, wird unser fleischgewordener Bruder uns mit sich hinauf in das Land der Engel nehmen und unseren Leib einst aus dem Staube zu ewigem Leben erwecken.

Er wird uns mit Gott selber vereinigen.

Er wird uns teilnehmen lassen an der göttlichen Natur, soweit das bei einem Geschöpf möglich ist.

Und er wird jeden von uns mit Leib und Seele in den Abgrund der Herrlichkeit des unendlichen Gottes eintauchen lassen.
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 33 Lesermeinungen:
Donnerstag, 17. August 2006 12:15
23er Hansl: gut, dass der Duden nach katholischer Lehre nicht unfehlbar ist.
Ich finde die Form trotzdem für einen Humbug sondergleichen, denn es hat schon seinen Sinn, dass Genetivkomposita im Deutschen durch Voranstellung des Genetivs gebildet werden.
Dass das im Duden von 1952 drinsteht zeigt nur, dass dieses Machwerk damals schon der Linie folgte, der es heute auch folgt: Dialekte und Dialektderivate als wertvolle Bereicherung der Sprachentwicklung werden ignoriert und jeder Wortschöpfungshumbug wird unreflektiert übernommen: siehe Muttergottes, googeln, …
Zu dem noch eine Fußnote: der Duden entbehrt ohnehin jedlicher Verbindlichkeit, Gott sei Danke (oder gottseidank) haben wir ja das Österreichische Wörterbuch.
Donnerstag, 17. August 2006 10:21
matt: @Josef: nice!
Da hat doch der Goethe einmal was gekonnt.
Donnerstag, 17. August 2006 09:02
Sirilo: @Hansl
Die Form „Muttergottes“ steht schon im Duden von 1952 drin, hat also überhaupt nichts mit der Rechtschreibreform zu tun.
Donnerstag, 17. August 2006 07:52
Josef: @Matt
Vielleicht versuchst Du’s mal mit Goethes Faust:
Goethe lässt Faust sprechen:
„Geschrieben steht: »Im Anfang war das Wort!«
Hier stock ich schon! Wer hilft mir weiter fort?
Ich kann das Wort so hoch unmöglich schätzen,
Ich muß es anders übersetzen,
Wenn ich vom Geiste recht erleuchtet bin.
Geschrieben steht: Im Anfang war der Sinn.
Bedenke wohl die erste Zeile,
Dass deine Feder sich nicht übereile!
Ist es der Sinn, der alles wirkt und schafft?
Es sollte stehn: Im Anfang war die Kraft!
Doch, auch indem ich dieses niederschreibe,
Schon warnt mich was, daß ich dabei nicht bleibe.
Mir hilft der Geist! Auf einmal seh ich Rat
Und schreibe getrost: Im Anfang war die Tat!“
Mittwoch, 16. August 2006 22:07
Doriano: @matt
Ich muß auch etwas gestehen – daß ich mich mit der
Philosophie bisher doch eher wenig auseinander gesetzt
habe – und als provozierend würde ich den letzten Beitrag
von Ihnen nicht bezeichnen – da haben Sie aber schon
wesentlich herbere Sachen abgeschossen. Ich werde mich daher mit der von Ihnen angesprochenen Materie
erst ein wenig mehr auseinandersetzen müssen, um darauf eingehen zu können. Nur so viel: Ihnen sagt doch bestimmt etwas der Hl.Thomas Aquinas und seine „Summe der Theologie“? Wenn nicht, dann googlen Sie einfach mal imWWW -da läßt sich bestimmt etwas finden. Ich werd’s
bei mir zu Hause mal wieder in die Hand nehmen müssen.
Hier nur eine Kleinigkeit:„Und jegliches Geschöpf langt
danach, Vollkommenheit für sich zu gewinnen, die Ähn-
lichkeit mit der göttlichen Vollkommnheit und Güte besgt.
So ist also die göttliche Güte Endzweck aller Dinge“.
O je, ich hör’s schon krachen – oder gar nicht?
Bis dahin !:)
Mittwoch, 16. August 2006 21:34
matt: ich muss gestehen
ich habe mich etwas gehenlassen um zu provozieren. Versuchen wir doch der Sache Herr zu werden.

ich verstehe den Begriff „logos“ auch mehr im Sinne von Heraklit als das „Weltprinzip“, Prinzip aller Schöpfung und darin zugleich als Wesen des Göttlichen, wie ich es an anderer Stelle bereits philosophierend darlegte.

Dann ist die Sache nämlich weitaus verständlicher, weil man dann die Schöpfung besser als Differentiation des logos verstehen kann, wie es Johannes ja darstellen möchte.

„Wort“ ist irgendwie ein schwacher Begriff um ebendas auszudrücken worum es hierbei geht. Ich mag diese Übersetzung nicht wirklich.

Bloß, wenn Christus dieses Prinzip ist, was spielt dann Gottvater noch für eine Rolle in der Schöpfung?

Nun ich verstehe es so, dass nämlich der logos zunächst lediglich bloßes Wesen, nacktes Prinzip, oder „Same“ jenes Bewußtseins ist in dem er verborgen ist, und dessen logos er eben ist.

Und DAS ist Gott. Daher: Gott ist der, der die Macht hat über sein eigenstes Wesen, sprich „der sich selbst beherrscht“ und zwar in der Substanz, die sein Bewußtsein ausmacht und erschließt, im Geist.

Und weil er diese Selbstbeherrschung besitzt ist er auch im Stande sein Wesen beliebig zu erzeugen bzw. vielfältig zu differenzieren in Form der Schöpfung.
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