Wie Tag und Nacht
Bach, Beethoven und Brahms waren Deutsche. Doch was während der Papstmesse am Kölner Weltjugendtag an Musik geliefert wurde, erinnerte an das Heulen der unerlösten Seelen im Sündenpfuhl. Daß es auch ganz anders gegangen wäre, wurde kürzlich eindrücklich bewiesen. Ein Kommentar.

Die gebotene Geräuschkulisse – die den Namen „Musik“ nicht verdiente – sagte über die lamentablen kirchlichen Zustände in Deutschland mehr aus als viele Worte. Sie war eine natürliche Verlängerung der betongrauen 60er Jahre des letzten Jahrhunderts, die in Deutschland – oder wenigstens in der deutschen Kirche – kein Ende zu nehmen scheinen.
Wie lange noch gedenkt die deutsche Kirche, eine ins Greisenalter verlängerte Pubertätsfrustration weiterzuleben und musikalisch umzusetzen? Wie lange noch sollen die deutschen Gläubigen mit einer Architektur, Kunst und Musik abserviert werden, die sich an der frühen Steinzeit inspirieren?
Können Deutsche auch etwas Schönes zustandebringen? Sich am Schönen freuen? Auch einmal unbeschwert lachen? Können sie auch zufrieden sein? Können sie auch einmal ohne wenn und aber jubilieren? Oder ist der Masochismus die neue deutsche Staatsreligion? Das amtlich verordnete Jammern? Der kleinmütige Zweifel, der alles in Frage stellt, außer das Ego und die eigenen Krämpfe?
Es wäre während der Papstmesse in Köln auch anders gegangen: schön, hell, freudig, Himmel statt Fegfeuer, gottgewisser Glaube, mitreißende Hoffnung, glühende Liebe. Es wäre ganz anders gegangen: jubelnder, überzeugter, selbstvergessener, gottgefälliger.
Das hat die polnische Kirche beim jüngsten Besuch von Benedikt XVI. in der Heimat von Johannes Paul II. bewiesen.
Der Zug des Papstes durch die polnischen Lande war triumphal – ein Abbild der triumphalen Auferstehung Christi aus der Finsternis des Grabes. Nichts hätte für die Osterzeit besser gepaßt.
Der Polnischen Kirche war es gegeben, während der Liturgien und Treffen die Türen zum Himmel aufzureißen: bei der Papstmesse in Warschau, beim Treffen und bei der großen Messe auf dem Blonje-Platz in Krakau.
Wieviele wunderschöne Melodien, die den Menschen das Herz aufgerissen haben! Es waren alte und neue Weisen dabei. Die Polen haben es meisterhaft verstanden, in den versammelten Gläubigen die honigsüße Erinnerung an Christus musikalisch wachzurufen: Schönheit, Harmonie, Freude, Licht, Hoffnung und herzhaftes österliches Lachen.
Wer als Deutscher mit den polnischen Katholiken und dem Papst auf dem Platz in Krakau betete, hat etwas erlebt, daß er nach den üblichen Betonliturgien zuhause ein Leben lang nicht mehr vergessen wird – einen Hauch aus einer anderen Welt, von der die Blinden, die im Schatten des Todes hausen, glauben, daß es sie nicht mehr gibt.
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Donnerstag, 1. Juni 2006 17:52
Benedikt: @ ddl
Allerdings halte ich Ihre Annahme darüber, was bei Jugendlichen angeblich „ankommt,“ für zu eng – recht
leicht nachweislich zu eng übrigens.
Auf den Beweis bin ich gespannt. Vom Alterdurchschnitt in den Kirchen kann ich mir fast jeden Tag ein ziemlich anschauliches Bild machen. Ich frage mich doch sehr, wo die Generation geblieben ist, die seit 1970 das musikalische Experiment gewagt hat und wo die Jugendlichen sind, die offenbar nur etwas mit Kirche zu tun haben wollen, wenn irgendwo ein Schlagzeug aufgebaut ist.
Dass Spiritualität und sakraler „Sound“ bei Jugendlichen etwas anspricht halte ich dagegen für einigermaßen erwiesen. Diese Musik erweckt sozusagen mysthische(?) Assoziationen und lässt so die Glaubensmysterien besser erfahrbar werden. Die moderne Musik dagegen erinnert die Jugendlichen allzu häufig an den Diskosound vom letzten Samstag. Und erweckt ebenfalls die entsprechenden Assoziation.
Auf den Beweis bin ich gespannt. Vom Alterdurchschnitt in den Kirchen kann ich mir fast jeden Tag ein ziemlich anschauliches Bild machen. Ich frage mich doch sehr, wo die Generation geblieben ist, die seit 1970 das musikalische Experiment gewagt hat und wo die Jugendlichen sind, die offenbar nur etwas mit Kirche zu tun haben wollen, wenn irgendwo ein Schlagzeug aufgebaut ist.
Dass Spiritualität und sakraler „Sound“ bei Jugendlichen etwas anspricht halte ich dagegen für einigermaßen erwiesen. Diese Musik erweckt sozusagen mysthische(?) Assoziationen und lässt so die Glaubensmysterien besser erfahrbar werden. Die moderne Musik dagegen erinnert die Jugendlichen allzu häufig an den Diskosound vom letzten Samstag. Und erweckt ebenfalls die entsprechenden Assoziation.
Donnerstag, 1. Juni 2006 13:11
Sulpicius: Ja, ja DDL…
Übrigens habe ich selbstverständlich das Recht, mir zu allem eine Meinung zu bilden
… aber nicht jede Meinung interessiert die Öffentlichkeit. Erzählen Sie es doch Ihrer Lebensabschnittspartnerin, falls diese Ihren klugscheißerischen Charakter erregend findet.
… aber nicht jede Meinung interessiert die Öffentlichkeit. Erzählen Sie es doch Ihrer Lebensabschnittspartnerin, falls diese Ihren klugscheißerischen Charakter erregend findet.
Donnerstag, 1. Juni 2006 13:08
EinChrist: @DDL: „In Sachen „Senf“
(…)
Die „richtige“ Musik kann auch einen Agnostiker zur Ehrfurcht bewegen – nur das „wovor“ variiert wohl von Ihrem.(…)
„A-g-n-o-s-t-i-k-e-r in der Variation“, kann mir selbiges gut vorstellen.
Die Notwendigkeit einer gegenwärtigen Kritik der utopischen Vernunft bedarf keiner großen Rechtfertigung.
Ja ja der Agnostiker in Ehrfurcht ist eine Art utopischer Naivität die wie ein Schleier die Wahrnehmung der gesellschaftlichen Wirklichkeit umhüllt.
Die „richtige“ Musik kann auch einen Agnostiker zur Ehrfurcht bewegen – nur das „wovor“ variiert wohl von Ihrem.(…)
„A-g-n-o-s-t-i-k-e-r in der Variation“, kann mir selbiges gut vorstellen.
Die Notwendigkeit einer gegenwärtigen Kritik der utopischen Vernunft bedarf keiner großen Rechtfertigung.
Ja ja der Agnostiker in Ehrfurcht ist eine Art utopischer Naivität die wie ein Schleier die Wahrnehmung der gesellschaftlichen Wirklichkeit umhüllt.
Donnerstag, 1. Juni 2006 13:03
DDL: @Sulpicius – Ach je
Das empfinde ich jetzt als einen argumentatorischen Offenbarungseid Ihrerseits – in der Sache nichts zu
sagen, erst recht nichts, was Ihren Standpunkt gegenüber meinem wirksam stärken könnte, da werden wir
halt persönlich. Schon ein bisserl armselig, meinen Sie nicht?
Übrigens habe ich selbstverständlich das Recht, mir zu allem eine Meinung zu bilden – wer, genau, glauben Sie zu sein, dass Sie das in Abrede stellen könnten? Ich tue es nur nicht zu „allem“, es gibt vieles, was mich gar nicht so interessiert.
Allerdings, zugegeben, das von Ihnen vorgeblich so präferierte, kritiklose Nachbeten von irgendetwas schätze ich nicht. Sie allerdings auch nur dann, wenn’s Ihnen in den Kram passt, deswegen ist Ihre Kritik auch so doppelzüngig, dass Sie sie besser für sich behalten hätten. Wie für Menschen so typisch, kritisieren Sie bei anderen das, dessen Sie sich als EIGENEM Fehler mitunter schmerzlich bewusst sind.
Ich vergebe Ihnen diesen – mir keineswegs unbekannten – allzumenschlichen Zug. Friede sei mit Ihnen.
Übrigens habe ich selbstverständlich das Recht, mir zu allem eine Meinung zu bilden – wer, genau, glauben Sie zu sein, dass Sie das in Abrede stellen könnten? Ich tue es nur nicht zu „allem“, es gibt vieles, was mich gar nicht so interessiert.
Allerdings, zugegeben, das von Ihnen vorgeblich so präferierte, kritiklose Nachbeten von irgendetwas schätze ich nicht. Sie allerdings auch nur dann, wenn’s Ihnen in den Kram passt, deswegen ist Ihre Kritik auch so doppelzüngig, dass Sie sie besser für sich behalten hätten. Wie für Menschen so typisch, kritisieren Sie bei anderen das, dessen Sie sich als EIGENEM Fehler mitunter schmerzlich bewusst sind.
Ich vergebe Ihnen diesen – mir keineswegs unbekannten – allzumenschlichen Zug. Friede sei mit Ihnen.
Donnerstag, 1. Juni 2006 12:52
Sulpicius: @DDL: Das Nötige zu Ihrem Charakter wurde hier schon festgestellt
„Sie sind der lebendige Beweis, wohin man gerät, wenn man als arroganter Generalbescheidwisser und Alleshinterfrager losgelöst von jeder Objektivität meint, sich zu allem seine eigene Meinung BILDen zu dürfen!“
Donnerstag, 1. Juni 2006 12:36
DDL: @Sulpicius – In Sachen „Senf“
Komisch, das mit dem „Senf“ denke ich mir bei kreuz.net auch manchmal… *g* Ich äußere mich, wenn mich
etwas interessiert. Wollen Sie mir das untersagen? „Wollen“ schon, gelle? ;O)
Ich habe nie musikalische Kenntnisse für mich reklamiert – ich bin sogar ausgesprochen unmusikalisch und bringe nur mit Mühe die Tonleiter auf der Blockflöte zuwege.
Das ändert nichts daran, dass ich mir der Wirkung von Musik bewusst bin – dazu braucht man nicht einmal etwas vom inneren Aufbau von Bachschen Kompositionen oder von gregorianischer Harmonie, geschweige denn von Theologie, zu verstehen. Man muss nur ein bisserl Gefühl haben und ein klitzekleines bisschen psychologisches Gespür. Die „richtige“ Musik kann auch einen Agnostiker zur Ehrfurcht bewegen – nur das „wovor“ variiert wohl von Ihrem.
Sie persönlich scheinen eine ausgeprägte Vorliebe für die rhetorische Figur des „ad hominem“ zu haben, nicht?
Ich habe nie musikalische Kenntnisse für mich reklamiert – ich bin sogar ausgesprochen unmusikalisch und bringe nur mit Mühe die Tonleiter auf der Blockflöte zuwege.
Das ändert nichts daran, dass ich mir der Wirkung von Musik bewusst bin – dazu braucht man nicht einmal etwas vom inneren Aufbau von Bachschen Kompositionen oder von gregorianischer Harmonie, geschweige denn von Theologie, zu verstehen. Man muss nur ein bisserl Gefühl haben und ein klitzekleines bisschen psychologisches Gespür. Die „richtige“ Musik kann auch einen Agnostiker zur Ehrfurcht bewegen – nur das „wovor“ variiert wohl von Ihrem.
Sie persönlich scheinen eine ausgeprägte Vorliebe für die rhetorische Figur des „ad hominem“ zu haben, nicht?
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