Ein falsches und gefährliches Signal
Der Verzicht auf einen kanonischen Prozeß gegen den Ordensgründer der Legionäre Christi sei eine Verharmlosung der klerikalen Unzucht mit Minderjährigen – erklärten die Ankläger.

Am 19. Mai bat der Vatikan Pater Maciel angesichts der vielen Anklagen ein zurückgezogenes Leben des Gebetes und der Buße zu führen und auf jeden öffentlichen Dienst zu verzichten.
Gleichzeitig erklärte der Heilige Stuhl mit Rücksicht auf das Alter und die angeschlagene Gesundheit von Pater Maciel auf einen kanonischen Prozeß verzichten zu wollen.
Doch die Ankläger des Ordengründers hatten ein kirchliches Verfahren gefordert, um eine formale Anerkennung der Schuld zu erwirken:
„Daß die Kirche ihn ziehen läßt und zum Meditieren einlädt, ist kein rechtlicher Prozeß“, stellte einer der Ankläger, José Barba Marti, vor dem Nachrichtendienst der US-Bischofskonferenz ‘Catholic News Service’ fest.
José Barba Marti ist ein ehemaliges Mitglied der Legion Christi. Er bezichtigt seinen früheren Oberen, ihn als 16jährigen in Rom sexuell mißbraucht zu haben.
Barba verließ die Legion im Jahr 1962 und arbeitet nun als Geschichtsprofessor an einer Universität in Mexiko City.
Er erklärte auch, sich mit den anderen Anklägern abgesprochen zu haben und im Namen der ganzen Gruppe zu sprechen: „Wir geben diese Stellungnahme vereint ab.“
Die Entscheidung der Glaubenskongregation, auf ein kanonisches Verfahren zu verzichten sende an andere Priester ein gefährliches Signal, daß das „nichts Ernsthaftes“ sei: „Wir wollen keine Rache.“
Die Ankläger hätten sehr lange gewartet und sich von einer vatikanischen Entscheidung mehr Kohärenz erhofft. Die Kirche decke den Fall bereits seit den 1940er Jahren.
Die mexikanischen Bischöfe äußerten sich gespalten: „Keiner der Anklagepunkte gegen Pater Maciel wurde bewiesen“ – meinte der Bischof von Aguascalientes, Mons. Ramon Godinez Flores (70) vor der Nachrichtenagentur ‘Associated Press’. Die Stellungnahme des Vatikan dürfe nicht als Bestrafung mißverstanden werden.
Dagegen erklärte der Erzbischof von Guadalajara, Juan Kardinal Sandoval Iniguez (73), vor der mexikanischen Nachrichtenagentur ‘Notimex’, daß der Fall die ganze Kirche traurig stimme.
Pater Maciel sei der Gründer einer sehr starken religiösen Bewegung: „Er kann nur den Händen Gottes anempfohlen werden.“
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Dienstag, 6. Juni 2006 02:00
Jörg Guttenberger, Köln: Pünktchen: P.Marcial
Wenn der Angeklagte eine Gegenüberstellung abgelehnt hat, sieht die Sache natürlich für ihn düster
aus. Gleichwohl ergibt sich die Frage nach dem Grund der Ablehnung: war er zum Zeitpunkt der Forderung
schon zu altersschwach? Dann ist die Weigerung immer noch verständlich und wirft die Frage nach „warum
nicht früher?“ auf. Oder wollte er sich im Wissen um seine Unschuld, gedeckt durch JPII, nicht mit schmutzigen
Verleumdern an einenTisch setzen? Es gibt also immer noch offene Fragen!
Ich darf immerhin an den AT-Bericht über die keusche Susanne erinnern. Auch hier schien die Sache klar, bis Daniel als der rettende Engel aufrat. Gibt es in der Umgebung von P. Marcial niemanden, der überzeugend für ihn einritt? Sind dort alle von seiner Schuld überzeugt, traut sich niemand, oder hat er sich aus anderen Gründen zu unbeliebt gemacht? Eine Rehabilitierung müßte im wohlverstandenen Interesse seiner Gemeinschaft liegen.
Im Übrigen ist P. Marcial m. W. nicht suspendiert, man hat ihm lediglich öffentliches Wirken verboten oder dringend davon abgeraten. Privat zelebrieren darf er vermutlich noch.
Ich darf immerhin an den AT-Bericht über die keusche Susanne erinnern. Auch hier schien die Sache klar, bis Daniel als der rettende Engel aufrat. Gibt es in der Umgebung von P. Marcial niemanden, der überzeugend für ihn einritt? Sind dort alle von seiner Schuld überzeugt, traut sich niemand, oder hat er sich aus anderen Gründen zu unbeliebt gemacht? Eine Rehabilitierung müßte im wohlverstandenen Interesse seiner Gemeinschaft liegen.
Im Übrigen ist P. Marcial m. W. nicht suspendiert, man hat ihm lediglich öffentliches Wirken verboten oder dringend davon abgeraten. Privat zelebrieren darf er vermutlich noch.
Montag, 5. Juni 2006 16:47
Pünktchen: Die Gegenüberstellung hatten die Ankläger
gesucht! Marcial war ihr ausgewichen und rief, gestützt auf päpstliches Wohlwollen und seine ihm zu
Gebote stehenden Hilfstruppen, eine Internet-Kampagne ins Leben! Wieder kehrt sich Ihr Vorwurf gegen diejenigen
im Vatikan um, die ein förmliches Verfahren unter fahrlässig-fehlerhafter Würdigung der bereits vorliegenden
Aussagen verhindert und verschleppt haben. (Es gibt 20 Personen, die berichten, daß sie von Marcial mißbraucht
wurden, darunter Universitätsprofessoren, Anwälte, PRIESTER !!!)
Was nun aus dem Vatikan zu hören ist, kommt einem Schuldspruch sehr nahe. Pater M. ist die Ausübung seiner priesterlichen Funktionen untersagt worden! Er solle sich in Buße üben etc.pp.
Ihr Früchteargument war wohl auch die leitende Überlegung, die Papst Joh.Paul II dazu brachte, alle Anklagen unbeachtet zu lassen, trotz Warnungen und „zwingender Evidenzen“ (NCR) einer möglichen Schuld von Pater M. Wenn jetzt gleichwohl so entschieden wurde, wie entschieden wurde, dann gibt es wohl Gravierenderes, was selbst dieses fromme Wahrscheinlichkeitskalkül aufwiegt.
Was nun aus dem Vatikan zu hören ist, kommt einem Schuldspruch sehr nahe. Pater M. ist die Ausübung seiner priesterlichen Funktionen untersagt worden! Er solle sich in Buße üben etc.pp.
Ihr Früchteargument war wohl auch die leitende Überlegung, die Papst Joh.Paul II dazu brachte, alle Anklagen unbeachtet zu lassen, trotz Warnungen und „zwingender Evidenzen“ (NCR) einer möglichen Schuld von Pater M. Wenn jetzt gleichwohl so entschieden wurde, wie entschieden wurde, dann gibt es wohl Gravierenderes, was selbst dieses fromme Wahrscheinlichkeitskalkül aufwiegt.
Montag, 5. Juni 2006 16:05
Jörg Guttenberger, Köln: Pünktchen: P.Marcial
Vorsicht! Benedikt XVI kennt lediglich den Umfang der Anklage genauer! Es bleibt mein Argument, daß von
einem schlechten Baum keine guten Früchte kommen können!
Sexualvergehen war immer ein beliebtes Denunzierungsinstrument gegenüber Priesten. Daß sich jetzt eine erschreckend große Anzahl von Vorwürfen als zutreffend erwiesen hat, bedeutet immer noch nicht, daß alle Vorwürf berechtigt sind. In jedem einzelnen Fall ist eine einwandfreie und saubere Beweisführung unumgänglich, d. h. eine Gegenüberstellung von Angeklagtem und Ankläger bzw. dessen Zeugen! Solange es kein rechtskräftiges Gerichtsurteil gibt, kann man nur von einem Verdacht sprechen!
Woher wollen Sie und andere von der Schuld P. Marcials Übrerzeugte wissen, daß der ganze Vorgang nicht aus Mißgunst und Neid oder sonstigen negativen Gründen inszeniert wurde?
Sexualvergehen war immer ein beliebtes Denunzierungsinstrument gegenüber Priesten. Daß sich jetzt eine erschreckend große Anzahl von Vorwürfen als zutreffend erwiesen hat, bedeutet immer noch nicht, daß alle Vorwürf berechtigt sind. In jedem einzelnen Fall ist eine einwandfreie und saubere Beweisführung unumgänglich, d. h. eine Gegenüberstellung von Angeklagtem und Ankläger bzw. dessen Zeugen! Solange es kein rechtskräftiges Gerichtsurteil gibt, kann man nur von einem Verdacht sprechen!
Woher wollen Sie und andere von der Schuld P. Marcials Übrerzeugte wissen, daß der ganze Vorgang nicht aus Mißgunst und Neid oder sonstigen negativen Gründen inszeniert wurde?
Montag, 5. Juni 2006 10:32
Pünktchen: Glaubwürdigkeitsbewertung
eine unterschiedliche „Glaubwürdigkeitsbewertung“ von Pater M. durch die Päpste Johannes Paul II. und Benedikt XVI. – ja, das stimmt offensichtlich! Wobei allerdings immer noch ins Gewicht fällt, daß der heutige Papst den ganzen Fall jahrelang auf dem Schreibtisch hatte (und es dort liegenließ!) und die Fakten wesentlich genauer kennt als sein Vorgänger.
Sonntag, 4. Juni 2006 22:51
Jörg Guttenberger, Köln: Pünktchen: P. Marcial
Dann wäre also das jetzige Vorgehen gegen den Beschuldigten durch den Wechsel auf dem Stuhle Petri bedingt.
Hier liegt offenbar eine unerschiedliche Glaubwürdigkeitsbewertung durch die beiden Päpste vor. Wir wissen vermutlich nicht, warum Johannes Paul II mehr Vertrauen zu P. Marcial, als zur Anklage hatte. Meine persönliche Vermutung: ein schlechter Baum bringt keine guten Früchte, an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Soweit bekannt, ist der Orden aber hoch angesehen, und es ist nahezu ausgeschlossen, daß ein Sittenstrolch ein solch positives Werk gründet und jahrelang führt. Wo nimmt er seine Überzeugungskraft her?
Damit ist also noch nichts über den Wahrheitsgehalt der Beschuldigungen gesagt. Fast jeder, der gerade in der Kirche etwas Positives begründet, hat mit den bösesten Anfeindungen zu kämpfen, wie die Geschichte zeigt (z. B. Benedikt, Ignatius von Loyola, dessen Gemeinschaft sogar eine Zeit lang völlig verboten war; auch Thomas v. Aquin hat kurzzeitig auf dem Index gestanden!). Das gilt sogar für die Kirche selbst, wie die Apostelge-schichte nachweist und sich durch die Christenverfolgungen aller Zeiten fortsetzt, alles Folge der Macht Satans.
Also: die neue Glaubwürdigkeitsbewertung der Anklage
durch den jetzigen Papst sagt noch nichts über die tatsächliche Schuld v. P. Marcial, es fehlt eben ein ordentliches Gerichtsverfahren mit Gegenüberstellung von Anklägern und Angeklagtem.
Hier liegt offenbar eine unerschiedliche Glaubwürdigkeitsbewertung durch die beiden Päpste vor. Wir wissen vermutlich nicht, warum Johannes Paul II mehr Vertrauen zu P. Marcial, als zur Anklage hatte. Meine persönliche Vermutung: ein schlechter Baum bringt keine guten Früchte, an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Soweit bekannt, ist der Orden aber hoch angesehen, und es ist nahezu ausgeschlossen, daß ein Sittenstrolch ein solch positives Werk gründet und jahrelang führt. Wo nimmt er seine Überzeugungskraft her?
Damit ist also noch nichts über den Wahrheitsgehalt der Beschuldigungen gesagt. Fast jeder, der gerade in der Kirche etwas Positives begründet, hat mit den bösesten Anfeindungen zu kämpfen, wie die Geschichte zeigt (z. B. Benedikt, Ignatius von Loyola, dessen Gemeinschaft sogar eine Zeit lang völlig verboten war; auch Thomas v. Aquin hat kurzzeitig auf dem Index gestanden!). Das gilt sogar für die Kirche selbst, wie die Apostelge-schichte nachweist und sich durch die Christenverfolgungen aller Zeiten fortsetzt, alles Folge der Macht Satans.
Also: die neue Glaubwürdigkeitsbewertung der Anklage
durch den jetzigen Papst sagt noch nichts über die tatsächliche Schuld v. P. Marcial, es fehlt eben ein ordentliches Gerichtsverfahren mit Gegenüberstellung von Anklägern und Angeklagtem.
Sonntag, 4. Juni 2006 16:18
Pünktchen: Guttenberger
Die Entscheidung von Papst Johannes Paul II. ist inzwischen revidiert worden! Vielleicht ist Ihnen das
entgangen? Dies geschah in der Verantwortung desjenigen Mannes auf dessen Schreibtisch die Sache jahrelang
gelegen hatte und der es nicht gewagt hatte, die Sache – gegen den Willen des Papstes – voranzubringen.
Dieser Mann ist jetzt selber Papst und seit Anfang des Jahres gibt es eine Wende in dem Fall. Ganz sicher
ist, daß der jetzige Papst in voller Aktenkenntnis gehandelt hat, wie er gehandelt hat!
Zurück bleibt der fatale Eindruck, daß beide: Vatikan und Marcial ein vitales Interesse daran haben, daß der Fall nicht weiter verhandelt wird.
Kreuz.net ist recht zu geben in seiner damaligen Einschätzung: etliche der Verteidiger Marcials „könnten ihr schnelles Urteil eines Tages bereuen.“
Zurück bleibt der fatale Eindruck, daß beide: Vatikan und Marcial ein vitales Interesse daran haben, daß der Fall nicht weiter verhandelt wird.
Kreuz.net ist recht zu geben in seiner damaligen Einschätzung: etliche der Verteidiger Marcials „könnten ihr schnelles Urteil eines Tages bereuen.“
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