Niemand hat während der über vierzigjährigen sozialistischen Diktatur in Polen mehr gelitten als die Kirche. Trotzdem lassen sich die Bischöfe jetzt von antikirchlichen Medien in die Defensive drängen.
(kreuz.net, Warschau) In Polen gelingt es antikirchlichen Kräften aus dem Bereich der alten kommunistischen
Nomenklatura immer mehr, den guten Ruf der Kirche zu untergraben.
Der Vorwand: Klerikale Kollaborateure,
die – aus welchen Gründen auch immer – mit der ehemaligen kommunistischen Geheimpolizei zusammengearbeitet
haben.
In der Zeit des Kommunismus wurden alle polnischen Priester und Seminaristen von der Geheimpolizei
überwacht.
Die Agenten benützten Erpressung und Hinterlist, um den Klerus zu infiltrieren und Priester
zur Kollaboration zu zwingen.
Das ‘Nationale Institut der Erinnerung’ schätzt, daß 10 bis 15 Prozent
des Klerus Kontakte mit dem Geheimdienst gehabt haben könnten.
Kürzlich kündigte Hw. Tadeusz Isakowicz-Zaleski –
ein ehemaliger Kaplan der Gewerkschaft Solidarität und bekannter polnischer Priester – eine Pressekonferenz
an, bei der er Einzelheiten aus seinen persönlichen Nachforschungen in Berichten der kommunistischen
Geheimpolizei vorlegen wollte.
Das berichtete das ‘Polnischen Radio’ Ende Mai auf seiner Homepage.
Hw.
Isakowicz war selber ein Opfer der Geheimpolizei.
Doch die Pressekonferenz des Priesters dauerte nur
einige Minuten. Sein kirchlicher Vorgesetzer, der Erzbischof von Krakau, Stanislaw Kardinal Dziwisz, hatte
den Geistlichen vorgängig gebeten, von Veröffentlichungen Abstand zu nehmen und auf weitere Nachforschungen
zu verzichten.
Hw. Isakowicz erklärte, sich an die Bitte des Erzbischofs halten zu wollen und entschuldigte
sich bei allen, die er durch frühere Stellungnahmen verletzt haben könnte.
„Für mich war das Wohl
der Kirche immer von größter Wichtigkeit.“ Dennoch glaube er nicht, zu denen zu gehören, die der Papst
gemeint habe, als er die polnischen Priester aufforderte, keine „arroganten Richter der früheren Generationen“
zu sein.
Hw. Isakowicz bezog sich auf die Worte von Benedikt XVI. während des Treffens mit Priestern
in der Kathedrale von Warschau im Rahmen des jüngsten Polenbesuches.
Es ist häufig nicht klar, ob Personen,
die in den Dokumenten der Geheimpolizei erwähnt werden, tatsächliche antikirchliche Informanten waren.
Dennoch werden in der polnischen Öffentlichkeit immer wieder Namen von Priester genannt, die mit den
kommunistischen Machthabern zusammengearbeitet haben sollen.
Ein anderer Priester, Hw. Krzysztof Madel,
erklärte vor dem Polnischen Radio, daß die Kirche eine gründliche historische Analyse nicht fürchten
müsse. Diese werde Licht und Dunkel zutagefördern:
„In dieser sehr schwierigen Situation gab es viele
Helden und sehr wenige Kollaborateure.“
Die Kirche dürfe auf die vielen Priester stolz sein, die gute
Diener der Kirche und des Volkes gewesen seien.
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5 Lesermeinungen
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Ja, nicht nur interessant, sondern aufschlussreich auch wenn man nicht über Vergangenes lieblos richten
soll. Es waren die theologisch-dogmatisch schwachen Friedenspriester („Pacem in terris“-Priester in PL
und mehr noch in CZ), die besonders anfällig für Kollaboration waren. Sie hatten oft eine idealistische
Sicht des Kommunismus-Marxismus, darin ähnlich den Befreiungstheologen in Südamerika. Sie wollten sicher
leben und arbeiten (wer will das nicht) und nicht im Gefängnis landen. Schon in der Nazi-Zeit waren die
Modernisten wie Adam anfälliger für den damaligen Zeitgeist als die strengen Thomisten. Aber vielleicht
wird das der emsige Hubert Wolf aus Münster einmal alles genauer untersuchen.
Unter den in Verdacht der Spitzeltätigkeit geratenen Priestern befindet sich auch der bekannte Wojtyla-Biograf
Mieczyslaw Malinski, der jüngst die Theologie Papst Benedikts attackierte, weil sie „zu wenig von Rahner,
Metz und Lehmann“ übernommen habe und dogmatistisch sei!
Mit Kanonen auf Spatzen Wo viel Licht ist, ist auch Schatten. Dass es im Klerus schwächelnde Geistliche
gegeben hat, wird nicht abzustreiten sein. In einem tiefgläubigen Land wie Polen, das insbesondere durch
die Kraft des Glaubens, und mit dem Wind eines polnischen Papstes in den Segeln, die Vormachtstellung
des Kommunismus gebrochen hat, ist dieser Vorgang vor allem durch den Sensationsjournalismus befeuert
worden. Bei einem Anteil von 90 % praktizierender Katholiken in einem Land hat dieses Ereignis vermutlich
den gleichen Stellenwert, wie der Diebstahl einer Salatgurke am Buffet einer Massenherberge am Strand
von Mallorca.