Kirchenverkauf
Die Zeiten werden schlechter
In Deutschland ist man gegenwärtig auf der Suche nach einem theologischen Unterbau, um den gegenwärtigen kirchlichen Kahlschlag in ein helleres Licht zu rücken.
(kreuz.net) Am vergangenen Karfreitag veröffentlichte die ‘Westdeutsche Allgemeine Zeitung’ ein Interview mit dem Stadtdechant Wilhelm Zimmermann von Gelsenkirchen und dem evangelischen Superintendent Rüdiger Höcker.

Das Thema: Kirchenschließungen und Stellenabbau. Gelsenkirchen befindet sich zehn Kilometer nordöstlich von Essen im Ruhrgebiet.

Stadtdechant Zimmermann sprach vor der ‘Westdeutsche Allgemeinen’ von einer „Umbruchzeit“. Es gebe in der Heiligen Schrift einen sehr schönen Satz: „Siehe, ich mache alles neu.“

Wenn man Neues mache, müsse man auch Altes aufgeben können: „Kirche ist nicht starr, sondern ändert sich permanent. Wie sich Gesellschaft verändert, so muß sich Kirche auch ändern.“

Die gegenwärtig Situation sei neu. Doch der Stadtdechant verweist auf Parallelen:

„In den 50er Jahren wurde die Christus-König-Gemeinde gegründet. Kein Mensch wollte damals aus der alten Gemeinde in die neue Kirche: »Unmöglich. Wie sieht denn der Bau aus. Da gehe ich nie hin«, hieß es.“

Man müsse helfen, Traurigkeit und Schmerzgrenze zu überwinden.

Dabei sei „ein ganz wichtiger Punkt, daß man da ist und ganz, ganz viel redet.“

„Wenn Sie zum 100. Mal sagen, die Fakten sind jetzt so, dann schauen die Leute Sie an und sagen: Ja, ich will aber trotzdem so nicht“ – erklärt der Stadtdechant.

Er habe seiner Pfarrei immer gesagt: Leute, die Zeiten werden schlechter: „Laßt uns darüber nachdenken, wo können wir nicht nur sparen, sondern wo können wir auch Akzente setzen und wie finden wir ehrenamtliche Mitarbeiter.“

„Ich muß ja sehen, daß die Hauptamtlichen größtenteils wegbrechen, weil wir sie nicht mehr finanzieren können.“

Weil die Gemeinde früher Geld gehabt habe, habe sich auch ein Stück weit ein Anspruchsdenken eingeschlichen:

„Ich muß nun den umgekehrten Weg beschreiten. Die finanzielle Situation zwingt uns jetzt, es anders zu machen.“

Nachdenklich zeigt sich der evangelische Superintendent Rüdiger Höcker.
Der evangelische Superintendent Rüdiger Höcker
Er geht davon aus, daß in den nächsten zehn Jahren etwa die Hälfte der evangelischen Kirchen und Gemeindehäuser entwidmet oder außer Betrieb genommen werden.


Es gehe in der Krise darum, etwas einzuüben, „was wir über Jahrzehnte nicht haben lernen müssen, nämlich: Kirche auch wieder zurückzubauen, und gleichzeitig unsere Vision und unser Profil nicht zu verlieren.“

In den Kirchengemeinden laufe derzeit sehr viel Trauerarbeit: „Besonders deutlich wird das im Rückbau unserer kirchlichen Gebäude.“

Der Superintendent gibt Zahlen: „1974 gab es in Gelsenkirchen 199.000 evangelische Gemeindeglieder. Ende 2004 waren wir 111.000.“ Das ist ein Rückgang von fast 45 Prozent.

Man habe die Kirchen für 199.000 Gemeindeglieder geplant: „Wir beginnen aber jetzt erst, unsere Gebäude den Gemeindegliederzahlen anzupassen.“

Superintendent Höcker geht davon aus, daß in den nächsten zehn Jahren etwa die Hälfte der evangelischen Kirchen und Gemeindehäuser entwidmet oder außer Betrieb genommen werden:

„Wir achten sehr darauf, daß ein Netzwerk von Kirchen und Gemeindehäusern erhalten bleibt.“

Die bereits geschlossenen Gebäude werden zum Beispiel an Bildungseinrichtungen untervermietet oder an Investoren verkauft, etwa um Seniorenwohnanlagen zu bauen.

Eine letzte Möglichkeit sei auch der Abriß.
      
10 Lesermeinungen
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#10   stat crux   12:22:51 | Donnerstag, 8. Juni 2006
Sehr richtig, Sixtus,
noch ein schönes Beispiel: Der Jesuit Pereira gab jahrzehntelang ein erfolgreiches Jugendgebetbuch heraus, „Jugend vor Gott“. 1971 wurde es völlig umgestaltet, „Jugend mit Gott“. Heute wirkt Text, Satz und Druck der Altauflage zeitlos, das Buch der 1970er aber wirkt grotesk. Sic transit gloria mundi.
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#9   Sixtus   23:03:06 | Mittwoch, 7. Juni 2006
@Jörg Guttenberger
Amen, Bruder! Ich denke auch, dass das „Problem“ ist, dass die nachkonziliare Zeit die 70er waren, d.h. dass die Rezeption des Konziles im Geist dieser Zeit erfolgte. So wurde viel verschenkt und viele der Anliegen der Konzilsväter überrollt. Vielleicht kam das Konzil zu früh oder zu spät. Der von gewissen Gruppen vielbeschworene „Geist des Konzils“ ist leider vom „Geist der 70er“ oft kaum zu unterscheiden – und ergraut mit dieser Generation zunehmend…
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#8   Gotthard   22:08:43 | Mittwoch, 7. Juni 2006
hi Isidor
Es ist ja gut, dass Du Dich mal so richtig ausgek**** hast.
Dann hast Du Dich jetzt erleichtert und kannst uns allen erklären, was Dir konkret auf dem Herzen liegt; wer kennt hier schon Gelsenkirchen …außer Schalke?
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#7   Isidor   08:24:52 | Mittwoch, 7. Juni 2006
Propst Zimmermann bietet gerne Schnittchen und Getränkge in der St. Urbanus-Propstei in GE-Buer an
Wer den allseits geschätzten Propst Zimmermann kennt, weiss das es ein guter „Abrissarbeiter“ vor dem Herrn ist. Er packt tatkräftig an um die römisch-katholische Kirche zu zerschlagen. Sehr wahrscheinlich bekommt er demnächst auch noch eine besondere Auszeichnung seitens Herrn Bischof Dr. Felix Genn. Zimmermann bietet gerne Schnittchen und Getränke im geweihten Gotteshaus an. Die Kirche ist schließlich ein Ort der Versammlung/unterhaltung.
Die Christ-Königskirche ist sehr wahrscheinlich auch wieder eine „baufällige“ Kirche. Genehmgutachten des Kunsthistorikers im Bistum Essen gibt es zu genüge.
Die Kirchensteuer muß weg – dann geht der Propst in Rente oder doch zum Arbeitsamt? „Hartz IV Priester“ im Bistum Essen gibt es bereits. Der Bischof ist schließlich arm und kann nicht bezahlen – PastoralhelferInnen allerdings schon!
Betet für diesen Menschen !
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#6   Jörg Guttenberger, Köln   00:26:46 | Mittwoch, 7. Juni 2006
Aragorn: Pfeifen im Walde
Der Substanzschwund der Kirche ist eindeutig nicht Folge von VatII, sondern von Unterwanderung durch Frankfurter Schule und 68er Ideologie!
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#5   Aragorn   18:33:26 | Dienstag, 6. Juni 2006
pfeifen im walde
Anstatt das Ruder herumzureißen und einen anderen Kurs einzuschlagen, (weg von der Spaß- und Beliebigkeitskirche mit entsprechneder „Liturgie“) glaubt man sich in den deutschen Bischofshäusern nach wie vor auf dem richtigen Weg. Dabei ist der Verfall der Institution Kirche doch allgegenwärtig. Wie der frühere Papst schon vor einigen Jahren schrieb: die Fassade ist noch da, die Substanz dahinter schon lange weggebrochen. Die deutsche Kirche ist halt noch immer präsent dank der Kirchensteuer. In nicht allzu ferner Zukunft wird es ihr gehen, wie der Kirche in Frankreich, die nur noch am Rande vor sich hin dümpelt. Das sind die Früchte des V II. Jeder möge selber entscheiden, ob es gute Früchte sind.
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#4   stat crux   18:05:15 | Dienstag, 6. Juni 2006
Das Wort zum Sonntag
sprach vor Pfingsten ein Windmühlenbesichtiger aus Bonn; er nannte den Pfingstbericht der Apostelgeschichte ungeniert „Pfingstlegende“. Seine kerygmatischen Worte klangen einer Predigt noch ähnlich, führten aber mitten ins hermeneutische Nirwana. Solche Leute sollten sich mal mit der Ecole biblique von P. Lagrange befassen.
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#3   Jörg Guttenberger, Köln   13:56:45 | Dienstag, 6. Juni 2006
Stadtdechant Zimmermann
Bei dem allgemeinen Niedergang n „Ich mache alles neu“ zu zitieren, ist der Gipfel von Ironie und Zynik.
Viel reden? Zimmermann meint wohl zerreden!
„Reden ist Silber, Schweigen ist Gold, aber das rechte Wort zur rechten Zeit ist wie ein in Platin gefasster Edelstein“.
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#2   Agiafortuni   17:13:37 | Montag, 5. Juni 2006
hoffnungslos
So lange man in Deutschland an den Lehren Rahner’s, Küng Congar, de Lubac festhält ist keine Wende zum Besseren in Aussicht. Vielleicht sollte man sich erinnern, dass es daneben Namen wie Scheeben und Garrigou-Lagrange gibt. Um Letzteren hat sich David Berger verdient gemacht.
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#1   Krzyszek   14:23:30 | Montag, 5. Juni 2006
Hoffnung
„Es gebe in der Heiligen Schrift einen sehr schönen Satz: „Siehe, ich mache alles neu.“
Wenn man Neues mache, müsse man auch Altes aufgeben können: „Kirche ist nicht starr, sondern ändert sich permanent. Wie sich Gesellschaft verändert, so muß sich Kirche auch ändern.“
Es braucht zwar alles seine Zeit, aber die Hoffnung stirbt zuletzt.
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