Homo-Verleumdung
Vatikanische Tragikomödie
Mons. Cesare Burgazzi versah am Pfingstsonntag wie gewöhnlich seinen Dienst als Zeremoniar bei der Kapitelvesper im Petersdom.
(kreuz.net, Vatikan) Diese Tatsache wäre keine Meldung wert, wenn nicht vor wenigen Tagen in der Presse zu lesen gewesen wäre, der Monsignore sei wegen sexueller Verfehlungen seiner Ämter enthoben und in ein Kloster verbannt worden.

Am 11. Mai diesen Jahres – so berichteten zahlreiche italienische Zeitungen in großer Aufmachung – soll ein hochrangiger Mitarbeiter der Römischen Kurie von der Polizei aufgegriffen worden sein, als er gerade im Begriff stand, die Dienste eines homosexuellen Prostituierten in Anspruch zu nehmen.

In Panik geraten soll der ertappte Monsignore Fahrerflucht begangen und mehrere Autos beschädigt haben.

Da sowohl seine Initialen, C. B., als auch seine Tätigkeit im vatikanischen Staatssekretariat in den Medien bekanntgegeben wurden, war die Identität des vermeintlichen Sittenstrolches leicht zu ermitteln.

Der Vatikan reagierte prompt, indem er noch am Tag der medialen Entrüstung eine Presseerklärung veröffentlichte, in der die Meldung als „ganz und gar unbegründet“ zurückgewiesen wurde.

Unbehelligt versah Mons. Burgazzi noch am selben Tag seinen Dienst als Zeremoniar bei der Kapitelvesper im Petersdom.

Soweit der erste Akt der vatikanischen Tragikomödie. Doch bevor sich noch die Vorhänge schließen konnten, begann bereits der zweite.

Am selben Tag, an dem die entlastende Presseerklärung veröffentlicht wurde, soll es im Vatikan eine hochrangig besetzte Krisensitzung gegeben haben – hakten wenig später verschiedene Zeitungen nach.

Daran teilgenommen hätten Mons. Leonardo Sandri, Substitut im Staatssekretariat, Mons. Renato Boccardo, Generalsekretär im vatikanischen Governatorat und Mons. Gabriele Caccia, Assessor im Staatssekretariat.

Dabei sei man zu der Erkenntnis gekommen, daß entgegen der eilfertig veröffentlichten Presseerklärung Mons. Burgazzi schuldig sei.

Die ursprüngliche Presseerklärung sei daraufhin von der vatikanischen Homepage entfernt und Mons. Burgazzi angewiesen worden, noch am selben Tag seinen Schreibtisch im Staatssekretariat zu räumen.

Bis auf Weiteres, hieß es ferner, sei Mons. Burgazzi in eine Benediktinerabtei verbannt worden.

Selbst katholische Publizisten ergötzten sich an dem „offensichtlichen Lügengebäude“ des gefallenen Monsignore, das dank des raschen und kompetenten Vorgehens seiner Vorgesetzten „schneller als erwartet in sich zusammengebrochen“ sei.

Doch auch der zweite Akt der Tragikomödie erwies sich als nicht weniger frei erfunden wie der erste. Mons. Burgazzi ist nach wie vor im Staatssekretariat tätig und übt – wie jüngst am Pfingstfest – unbehelligt seinen Dienst als Zeremoniar im Petersdom aus.

Auch die vatikanische Erklärung über seine Unschuld ist nach wie vor abrufbar.

Wie aber kann es passieren, daß die Medien auf derartige Lügengeschichten hereinfallen? Ganz einfach: Sie können auf hochrangige Quellen zurückgreifen.

Im konkreten Fall stammten die Informationen von einem – natürlich anonymen – Informanten aus dem vatikanischen Staatssekretariat.

Der Mensch ist des Menschen Wolf, lautet ein altes römisches Sprichwort.

Das alte Rom scheint im Vatikan lebendiger zu sein denn je.
      
10 Lesermeinungen
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#11   Pünktchen   14:23:27 | Mittwoch, 14. Juni 2006
JUSTUS LÜGT – TURK LÜGT – JUSTUS LÜGT
ABER BESSER – TURK …usw
Turk hatte sich auf eine Quelle berufen, die er auch angegeben hat. Seine postings sind im Allgemeinen sehr gut fundiert und präsentieren zahlrecihe Belege. Falls die Quelle Irrtümer verbreitet – was wohl noch gar nicht feststeht –, dann wäre turk vielleicht desinformiert gewesen! Falls er seinen vermeintlichen Quellen leichtfertig Glauben geschenkt hätte, dann ergäbe sich daraus der Vorwurf einer gewissen Fahrlässigkeit und einer vermeidbaren Fehleinschätzung. Worin aber der inflationäre Gebrauch des fettgedruckten Wortes „LÜGE“ seine Rechtfertigung hätte, das wollen Sie uns vielleicht noch erklären, Justus, nicht? Als Lüge bezeichnet man eine bewußte Falschaussage.
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#10   Justus   08:59:22 | Mittwoch, 14. Juni 2006
TURK LÜGT
Turk postete am 22. Mai 2006 um 17:06 Uhr folgenden Leserbrief, der ihn nicht nur als notorischen Verleumder, sondern jetzt auch noch als schamlosen Lügner entlarvt:
„Das offensichtliche Lügengebäude ist in diesem neuen Fall wohl schneller zusammengebrochen als erwartet, nachdem die Vorgesetzten die Sachlage rasch erkannte hatten. Deshalb wurde auch die Presseerklärung alten Stiles rasch zurückgezogen. Nun also muß der Monsignore räumen und vorläufig in eine Bendiktinerabtei siedeln. Man darf hoffen, daß es eine ist, die sich in Klarheit schon in der Vergangenheit an die logischen Inhalte der Instruktion zur Verhinderung homosexueller Kleriker gehalten hat.“
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#9   turk   11:02:49 | Donnerstag, 8. Juni 2006
Nuja, Alleluja, nicht alles gelesen?
Alleluja, Sie lesen offenbar nur das, was Sie wollen. Ein gewisser User namens turk hat naemlich unter dem vormaligen Artikel ueber den Monsignore (man wird sich das in den italienischen Medien und insgesamt noch genauer ansehen muessen) am 22. Mai dieses gepostet:
Naja, von Lüge kann man für den Vatikan nicht sprechen, sondern eher davon, daß zum Zeitpunkt der Herausgabe dieser Erklärung noch nicht die volle Sachlage bekannt war. Hinzu kommt, daß der betroffene Monsignore von Anbeginn und möglicherweise auch jetzt noch alles leugnet. Hier werden die entsprechenden Stellen eben weiter untersuchen müssen. Bis zur vollen Aufklärung des aktuellen Falles gilt im Angesichte weiterer fehlender Primärquellen selbstverständlich und mindestens formalrechtlich die Unschuldsvermutung, was in anderen längst mehrfach wiedergekäuerten Fällen ja nicht mehr der Fall sein kann.
Wie Alleluja leicht erkennen kann, ist im Fall des obigen namentlich genannten Monsignore die Rede von der Unschuldsvermutung. Also, nicht Aepfel und Birnen verwechseln, sondern differenzierter lesen und schreiben.
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#8   Gunsenum   08:50:28 | Donnerstag, 8. Juni 2006
Hausgemacht!
sowas konnte nur passieren, weil investigative Medien keine REspekt mehr vor der Privatsphäre des Einzelnen haben. Ich frage auch nicht was User wie gotthard oder benedikt mit ihren Frauen im Bett tun – bloß wenns um Schwulsein geht, da meinen Alle, Alles wissen zu müssen.
Sowas konnte passieren, weil eine immer noch homophobe Stimmung durch Medien – und da darf man kreuz.net auf Grund unsachlicher, schalmpig recherchierter und unkritischer Artikel nicht ausschließen- geiestert.
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#7   lignarius   00:06:30 | Donnerstag, 8. Juni 2006
Warum wird hier ein Name genannt???
Gilt nicht im Zweifelsfall die Unschuld des Angeklagten. In diesem Artikel wird wohl mitgeteilt, der Betroffene sei unschuldig – aber wenn man so den Namen liest, dann könnte man denken: kein Rauch ohne Feuer. Und der Ruf des Betroffenen ist dann ruiniert. Egal ob zu unrecht oder recht.
Nachher sagt jeder: War das nicht der, von dem man sagte, dass…
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#6   Breze   15:06:17 | Mittwoch, 7. Juni 2006
Verleumdungen?
Seit wann wird denn alles geglaubt, was in irgendwelchen Zeitungen steht? Ich jedenfalls stehe dieser Berichterstattung über Mons. Burgazzi kritisch gegenüber, und bleibe bis zum Beweis des Gegenteils von seiner Unschuld überzeugt.
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#5   Alleluia   14:18:22 | Mittwoch, 7. Juni 2006
TURK MUSS SICH ENTSCHULDIGEN
Leser Turk gehört auch zu diesen klerikalen Wölfen, wie man seinen Leserbriefen www.kreuz.net/article.3240.html unter dem ersten ersten Artikel zu diesem Thema entnehmen kann.
Er sollte sich schämen und, wenn er auch nur ein bischen Anstand hat, entschuldigen. Und zwar sowohl hier auf kreuz.net als auch bei dem verleumdeten Monsignore persönlich!
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#4   Pünktchen   13:19:02 | Mittwoch, 7. Juni 2006
Homo homini lupus –
clericus clerico lupissimus!
Der Autor d. Artikels kannte offenbar diesen küchenlateinischen Spruch!
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#3   ottaviani   11:24:01 | Mittwoch, 7. Juni 2006
seit der zeit
als der etwas problematische Roger Peyrefitte seine beiden genialen eomane die schlüssel von st.peter und malteser ritter geschrieben hat dürfte sich im vatikan nicht viel geändert haben beruhigend eigentlich
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#1   Gotthard   10:30:18 | Mittwoch, 7. Juni 2006
Wolfsgesindel
Der Mensch ist des Menschen Wolf, lautet ein altes römisches Sprichwort.
und wer solche „Wolfsgeschichten“ verbreitet, ist auch nicht besser!
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