09:46:13 | Mittwoch, 7. Juni 2006
Mons. Cesare Burgazzi versah am Pfingstsonntag wie gewöhnlich seinen Dienst als Zeremoniar bei der Kapitelvesper im Petersdom.
(kreuz.net, Vatikan) Diese Tatsache wäre keine Meldung wert, wenn nicht vor wenigen Tagen in der Presse
zu lesen gewesen wäre, der Monsignore sei wegen sexueller Verfehlungen seiner Ämter enthoben und in
ein Kloster verbannt worden.
Am 11. Mai diesen Jahres – so
berichteten zahlreiche italienische Zeitungen
in großer Aufmachung – soll ein hochrangiger Mitarbeiter der Römischen Kurie von der Polizei aufgegriffen
worden sein, als er gerade im Begriff stand, die Dienste eines homosexuellen Prostituierten in Anspruch
zu nehmen.
In Panik geraten soll der ertappte Monsignore Fahrerflucht begangen und mehrere Autos beschädigt
haben.
Da sowohl seine Initialen, C. B., als auch seine Tätigkeit im vatikanischen Staatssekretariat
in den Medien bekanntgegeben wurden, war die Identität des vermeintlichen Sittenstrolches leicht zu ermitteln.
Der Vatikan reagierte prompt, indem er noch am Tag der medialen Entrüstung eine Presseerklärung veröffentlichte,
in der die Meldung als „ganz und gar unbegründet“ zurückgewiesen wurde.
Unbehelligt versah Mons. Burgazzi
noch am selben Tag seinen Dienst als Zeremoniar bei der Kapitelvesper im Petersdom.
Soweit der erste
Akt der vatikanischen Tragikomödie. Doch bevor sich noch die Vorhänge schließen konnten, begann bereits
der zweite.
Am selben Tag, an dem die entlastende Presseerklärung veröffentlicht wurde, soll es im
Vatikan eine hochrangig besetzte Krisensitzung gegeben haben – hakten wenig später verschiedene Zeitungen
nach.
Daran teilgenommen hätten Mons. Leonardo Sandri, Substitut im Staatssekretariat, Mons. Renato
Boccardo, Generalsekretär im vatikanischen Governatorat und Mons. Gabriele Caccia, Assessor im Staatssekretariat.
Dabei sei man zu der Erkenntnis gekommen, daß entgegen der eilfertig veröffentlichten Presseerklärung
Mons. Burgazzi schuldig sei.
Die ursprüngliche Presseerklärung sei daraufhin von der vatikanischen
Homepage entfernt und Mons. Burgazzi angewiesen worden, noch am selben Tag seinen Schreibtisch im Staatssekretariat
zu räumen.
Bis auf Weiteres, hieß es ferner, sei Mons. Burgazzi in eine Benediktinerabtei verbannt
worden.
Selbst katholische Publizisten ergötzten sich an dem „offensichtlichen Lügengebäude“ des gefallenen
Monsignore, das dank des raschen und kompetenten Vorgehens seiner Vorgesetzten „schneller als erwartet
in sich zusammengebrochen“ sei.
Doch auch der zweite Akt der Tragikomödie erwies sich als nicht weniger
frei erfunden wie der erste. Mons. Burgazzi ist nach wie vor im Staatssekretariat tätig und übt – wie
jüngst am Pfingstfest – unbehelligt seinen Dienst als Zeremoniar im Petersdom aus.
Auch die vatikanische
Erklärung über seine Unschuld ist nach wie vor
abrufbar.
Wie aber kann es passieren, daß die Medien
auf derartige Lügengeschichten hereinfallen? Ganz einfach: Sie können auf hochrangige Quellen zurückgreifen.
Im konkreten Fall stammten die Informationen von einem – natürlich anonymen – Informanten aus dem vatikanischen
Staatssekretariat.
Der Mensch ist des Menschen Wolf, lautet ein altes römisches Sprichwort.
Das alte
Rom scheint im Vatikan lebendiger zu sein denn je.
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Pünktchen 14:23:27 | Mittwoch, 14. Juni 2006
#10
Justus 08:59:22 | Mittwoch, 14. Juni 2006
#9
turk 11:02:49 | Donnerstag, 8. Juni 2006
#8
Gunsenum 08:50:28 | Donnerstag, 8. Juni 2006
#7
lignarius 00:06:30 | Donnerstag, 8. Juni 2006
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Breze 15:06:17 | Mittwoch, 7. Juni 2006
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Alleluia 14:18:22 | Mittwoch, 7. Juni 2006
#4
Pünktchen 13:19:02 | Mittwoch, 7. Juni 2006
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ottaviani 11:24:01 | Mittwoch, 7. Juni 2006
#1
Gotthard 10:30:18 | Mittwoch, 7. Juni 2006