09:31:16 | Donnerstag, 8. Juni 2006
In einer Pfarrei im US-Bundesstaat Kalifornien stellt sich eine brennende Frage, von der offenbar auch das ewige Seelenheil abhängt.
(kreuz.net, Orange) Knien nach dem Agnus Dei „ist eindeutig eine Rebellion, ein schwerer Ungehorsam und
eine Todsünde“.
Das erklärte der
Pfarrer der Gemeinde St. Mary’s by the Sea, Hw. Martin Tran, kürzlich
in seinem Pfarrblatt. Seine Pfarrei gehört zur Diözese Orange im Süden des US-Bundesstaat Kalifornien.
Der liberale Diözesanbischof von Orange, Mons. Tod D. Brown, unterstützt das Anti-Knien Edikt des Pfarrers
von St. Mary’s by the Sea.
Das schrieb letzte Woche die Tageszeitung ‘Los Angeles Times’.
Doch trotz
der pfarrherrlichen Anstrengungen gegen das Knien wirft sich ein Drittel der Pfarrei Sonntag für Sonntag
nach dem Agnus Dei immer noch auf die Knie.
Wie es scheint, werden ähnliche Konflikte in mindestens
zwölf weiteren Pfarreien der USA ausgetragen.
Alles begann vor vier Jahren mit einer vatikanischen Revision
der Allgemeinen Instruktionen für die Heilige Messe. Darin heißt es neuerdings: „Die Gläubigen sollen
knien (…), solange der Diözesanbischof nichts anderes bestimmt.“
Der Bischof von Orange beschloß,
daß die Gläubigen in seiner Diözese stehen sollen, wenn der Priester den Gläubigen bei der Messe die
Heilige Hostie zeigt und sagt: „Seht das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünden der Welt.“
Doch viele
Gläubigen ziehen es vor, in diesem Augenblick zu knien.
Die Tageszeitung ‘Los Angeles Times’ befragte
den Jesuitenpater Lawrence J. Madden zum Problem. Pater Madden ist Direktor des ‘Zentrums für Liturgie’
an der von den Jesuiten geführten Universität Georgetown in Washington.
Pater Madden analysiert, daß
an der Wurzel dieser Kontroverse die kirchliche Auffassung über Christus steht:
„Das ist eine Frage,
die auch im Bestseller »The Da Vinci Code« behandelt wird“ – so der Jesuit.
Weil die frühen Christen
Jesus als Gott und Mensch betrachtet hätten, seien sie während des Gottesdienstes in der Regel gestanden,
um Verehrung und Gleichheit zu zeigen.“
Ungefähr um das 7. Jahrhundert hätten katholische Theologen
den Nachdruck verstärkt auf die Gottheit Christi gelegt und darum das Knien als einzige angemessene Haltung
für jene Momente der Messe betont, wenn Christus gegenwärtig sei.
„Die Dinge begannen sich in den 60er
Jahren zu ändern“ – so Pater Madden – „als das Zweite Vatikanum die Kirche zu ihren frühesten Wurzeln
zurückführte.“
Aufgrund dieser Revision von Jahrhunderten einer religiösen Praxis habe ein vorhersehbarer
Kampf begonnen.
„Der Streit um das Knien ist ein Zeichen der kirchlichen Spaltung in zwei Lager: jene,
die den Geist des Zweiten Vatikanums angenommen haben, und jene, die ein bißchen mißtrauisch sind.“
Lesa Truxaw, die Leiterin des Liturgieamtes der Diözese Orange erklärte, daß Bischof Tod D. Brown
das Knien verbannt habe, weil das Stehen „unsere menschliche Würde reflektiert“.
„Es ist nicht so, daß
wir glauben, gottgleich zu sein. Aber wir erkennen, daß wir nach dem Bilde Gottes geschaffen sind.“
Die Gläubigen der Diözese Orange hätten immer noch die Möglichkeit, zum Beispiel während des Meßkanons
zu knien.
Zur Frage äußerte sich auch Mons. Anthony F. Sherman – ein Sprecher des Liturgiesekretariats
der US-Bischofskonferenz. Er meinte, daß Stehen genauso wie das Knien ein Ausdruck des Respekts für
das Kommen Christi sein könne.
In der Zwischenzeit hat sich Pfarrer Tran in einer Stellungnahme gegen
die Berichte in der ‘Los Angeles Times’ zur Wehr gesetzt.
Im Artikel seines Pfarrblattes sei es nie um
Knien oder Stehen während der Messe, sondern um den Respekt für liturgische Praktiken der Kirche gegangen,
die vom Papst approbiert sind.
Die Liturgie sei der öffentliche Gottesdienst der Kirche und unterstehe
der Autorität Roms, der Bischofskonferenz und des Ortsbischofs. Sie sei keine private Angelegenheit irgendwelcher
Personen oder Gruppen, die ihre eigenen Normen aufstellen und die Autorität des Ortsbischofs mißachten.
Das sei eindeutig Rebellion, schwerer Ungehorsam und Todsünde und trenne den Betreffenden von der Kirche:
„Denn alle unsere gegenwärtigen liturgischen Normen in der Diözese und den USA sind offiziell von Rom
anerkannt und beglaubigt.“
Die Diözese hat sich hinter die Erklärung von Pfarrer Tran gestellt.
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