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Mittwoch, 7. Juni 2006 11:21
Für den Papst – persönlich!
‘kreuz.net’ bittet den päpstlichen Privatsekretär, diesen Artikel auszudrucken und dem Heiligen Vater unter die Türschwelle zu schieben. Eventuell könnte Mons. Ratzinger den Artikel seinem Bruder am Telephon vorlesen.
(kreuz.net) Wir wissen, Heiliger Vater, daß es in der Kirche viel zu tun gibt. Ihr Arbeitstag ist lang.

Wir wollen Ihnen nicht noch weitere Mühen aufladen. Unsere Bitte gehört darum nicht zu jenen Problemen, deren Lösung in der Kirche zu einer halben oder ganzen Revolution führen würden.

Nein, unser Anliegen ist, wie man heute sagen würde, ein Win-Win-Geschäft, das alle erfreuen würde.

Darum hier unser demütiger Wunsch: Heiliger Vater, führen Sie bitte die wunderschöne Pfingstoktav wieder ein.

Sie wissen besser als wir um die Gebete und Meßtexte, die in dieser Woche – leider nur noch im Alten Ritus – zur Verherrlichung Gottes zum Himmel steigen.

Wir sind uns sicher, daß Sie die Pfingstsequenz genauso vermissen wie wir: „Veni Sancte Spiritus et emitte caelitus, lucis tuae radium“:

Komm, o Geist der Heiligkeit!
Aus des Himmels Herrlichkeit
Sende Deines Lichtes Strahl.

Mehr denn je hat es die Kirche nötig, diese Sequenz zu singen und die daraus fließenden Gnaden zu empfangen. Sie wissen es, Heiliger Vater.

Die Kirche braucht die sieben Gaben des Geistes, um die Wahrheit des Evangeliums mit ruhigem Herzen – und ohne spätpubertäre Ausbrüche – betrachten zu können:

Vater aller Armen Du,
Aller Herzen Licht und Ruh,
Komm mit Deiner Gaben Zahl!

Die Wiedereinführung der Pfingstoktav wäre die praktische und liturgische Krönung Ihrer Enzyklika ‘Deus caritas est’.

Sie würde dazu beitragen, daß Ihre Worte nicht am Papier kleben bleiben, sondern in den Seelen der Christen Trost, Labsal und Süßigkeit werden:

Tröster in Verlassenheit,
Labsal voll der Lieblichkeit,
Komm, o süßer Seelenfreund!

Im April 2005 wurden Sie, Heiliger Vater, als Halleluja-Papst gewählt. Das war mitten in der Osterzeit, als die Liturgie vor lauter österlichen Jubelrufen ganz trunken war.

Noch dröhnt uns der ohrenbetäubende Jubel auf dem Petersplatz in den Ohren, als Kardinal Medina ihre Wahl zum Papst verkündete.

Doch niemand kann in unablässigem Jubel und Trubel verharren. Sie wissen es. Nach dem Start folgt der Weg in die Glut des Tages:

In Ermüdung schenke Ruh,
In der Glut hauch Kühlung zu,
Tröste den, der Tränen weint.

Der in der Osterzeit gewählte Halleluja-Benedikt steht jetzt vor der Aufgabe, der Papst des Heiligen Geistes zu werden.

Dazu muß sein Pontifikat nach Innen wachsen und tief in die Seelen der Menschen eindringen:

O Du Licht der Seligkeit,
Mach Dir unser Herz bereit,
Dring in unsre Seelen ein!

Die arme Menschheit braucht heute eine Extraladung Gnade und dazu die überbordenden Halleluja-Rufe und Gebete der Pfingstoktav.

Die Kirche braucht die Pfingstsequenz, die Lesungen und Evangelien der Pfingstoktav, die Präfation des Heiligen Geistes, den Pfingstzusatz im Meßkanon, um die Gnade zum Scheinen zu bringen:

Ohne Deinen Gnadenschein
Steht der arme Mensch allein,
Kann nicht gut und sicher sein.

Die vom Pfingstfeuer geröteten Meßgewänder jucken schon. Sie wollen in der Pfingstoktave getragen werden – dazu beitragen, den reinigenden, heilenden und netzenden Gnadenstrom des Pfingstgeistes ins Kirchenjahr hineinzuverlängern:

Wasche, was beflecket ist,
Heile, was verwundet ist,
Tränke, was da dürre steht,

Auch Sie, Heiliger Vater, stehen ohne eine Sonderration des Heiligen Geistes vor einer zu großen Aufgabe.

Zuviel Verhärtetes, Erkaltetes, Verirrtes hat sich in den letzten Jahrzehnten in der Kirche – vor allem unter den Kardinälen, Bischöfen und Priestern – angestaut. Um in diese Phalanx einzubrechen, müssen Sie den Heiligen Geist alarmieren.

Beuge, was verhärtet ist,
Wärme, was erkaltet ist,
Lenke, was da irre geht!

Darum ist es angemessen, daß das Jahr 2006 das letzte Jahr der neueren Kirchengeschichte ohne Pfingstoktav ist.

Heil’ger Geist, wir bitten Dich,
Gib uns allen gnädiglich
Deiner sieben Gaben Kraft!

Heil’ger Vater, wir bitten Dich, gib uns allen gnädiglich, die schöne Pfingstoktav zurück.

Ist es zuviel, eine Woche lang um die Kraft der sieben Gaben des Heiligen Geistes zu bitten? Ist es zuviel, den Pfingsttaumel in der Fülle seiner acht Tage auszukosten?

Heiliger Vater, Sie wissen es. Die Pfingsoktav ist die richtige Weise, um die Wanderschaft zur ewigen Seligkeit zu beginnen:

Gib Verdienst in dieser Zeit
Und dereinst die Seligkeit
Nach vollbrachter Wanderschaft.

Es ist uns klar, daß wir mit diesem Appell offene Türen einrennen.

Amen. Alleluja.
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 36 Lesermeinungen:
Freitag, 9. Juni 2006 01:54
Jörg Guttenberger, Köln: Sixtus: herzlichen Dank!
Ein sehr schönes und überzeugendes Beispiel einer nachkonziliaren Liturgie, die das „kalos k’ agathos“ zutiefst erlebbar machte, hatten wir in Köln anläßlich der Reihe „Alte Liturgien in romanischen Kirchen Köln“. Die Benediktiner von San Anselmo, Rom, haben eine ausschließlich gesungene Liturgie im gregorianischen Choral gefeiert, der Kanon wurde von den einzelnen Zelebranten abwechslelnd gesungen, die Wandlungsworte von allen Konzelebranten gemeinsam. Es geht also schon, wenn man will!

Der Fehler bei der Umsetzung der Konzilsbeschlüsse war wohl, daß man statt vom gesungenen Pontifikalamt von der sonntäglichen Gemeinschaftsmesse ausgegangen ist. So wirkt alles Feierliche aufgesetzt, das Ganze irgendwie provisorisch, weil es keine deutschen Propriumgesänge gibt, und das schon seit gut 40 Jahren! Eine ganze Generation hat also keine ordentliche Liturgie mehr mitbekommen. Hinzu kommt noch die Schlamperei mancher Kleriker. Unser Pfarrer hat bei der Taufe schon eine grüne Stola getragen; bei der Feier des Pfarrpatrons trug er letztens statt des vorgeschriebenen weißen Messgewandes ebenfalls ein Grünes. Vielleicht wollen solche Kleriker sich zumindest liturgisch als noch grüne Jungs profilieren.

Das gemeinsame Sprechen von liturgischen Texten gibt es übrigens erst seit dem 18. Jahrhundert.
Donnerstag, 8. Juni 2006 23:56
Sixtus: @stat crux
Natürlich kann es nicht darum gehen, Mischformen zu entwickeln. Auch hat die brockenweise Übernahme von ostkirchlichen Elementen in westliche Liturgien (oder was davon übrig ist) immer etwas Künstliches. Allerdings meine ich schon, dass wir nachkonziliaren „Westler“ bei der/n Ostkirche(n) lernen können, was wir z.T. verloren haben, um unsere eigenen Überlieferungen neu zu entdecken und neu fruchtbar zu machen. Dabei geht es nicht um „Mischformen“ (Das sei ferne!), sondern um Anregungen z.B. darüber nachzudenken, was das Wesen des Gottesdienstes ist (siehe die Ausführungen von Jörg, dem ich mich voll anschließe).
Donnerstag, 8. Juni 2006 16:37
Dr. Christoph Heger: @stat crux: Identifizierbarkeit?
Soviel mir Experten bestätigten, ist nämlich aus der Novus Ordo (lat.) mit der römischen Tradition als ganzer noch identifizierbar und deutlich genug von anderen Traditionen abgesetzt.

Natürlich ist der Novus Ordo sehr deutlich von „anderen Traditionen“ „abgesetzt“. Das kann bei seiner ganzen Schäbigkeit, die ihm als – wie der damalige Kardinal Ratzinger richtig bemerkte – gemachtes Produkt des Augenblicks anhaftet, auch gar nicht anders sein. Das genügt aber nicht, ihm „Identifizierbarkeit“ mit der römischen Tradition zu bescheinigen.

Diese Identifikation mit der römischen Tradition ist lediglich eine juristische Fiktion, ein Trick, um sich von der Garantie zu dispensieren, die das 2. Vatik. Konzil den alten Riten gegeben hat.

MfG
Christoph Heger
Donnerstag, 8. Juni 2006 16:10
stat crux: Mängel der Liturgiereform
Die Begeisterung der Reformer der 1960er und 1970er Jahre war merkwürdigerweise von einem gewissen Enthusiasmus für die ostkirchlichen Riten beseelt. Man plante noch ein Hochgebet V., das einem „Mischritus“ gefährlich nahekam. Hiergegen hatte Kardinal Ottaviani (anders als gegen die neuen Hochgebete II-IV) letztlich erfolgreich Bedenken erhoben. Bei allen Diskussionen sollte man die klaren Grenzen der lebendigen Tradition einhalten. Soviel mir Experten bestätigten, ist nämlich aus der Novus Ordo (lat.) mit der römischen Tradition als ganzer noch identifizierbar und deutlich genug von anderen Traditionen abgesetzt.
Donnerstag, 8. Juni 2006 15:52
Jörg Guttenberger, Köln: Fortsetzung z Sixtus, Freinsberger, Gotthard
Denn sämtliche östliche Liturgien kennen – abgesehen von den kleinen Horen und natürlich der Predigt – ausschließlich das gesungene Wort. Denn die Musik geht tiefer, als das Wort, aber das Wort ist deutlicher, als die Musik.

Auch gibt es keine Bilder ohne Aufschrift des Dargestellten. Auch hier: das Bild geht tiefer, als das Wort, aber das Wort ist deutlicher, als das Bild.

In beiden Fällen also wieder die harmonische Einheit im Sinne eines symphonischen Satzes!
Donnerstag, 8. Juni 2006 15:37
stat crux: Mängel in der Kalenderreform
hat auch Congar in seiner Schrift zum Fall Lefebvre 1977 bereits eingeräumt. Was eine „Reform der Reform“ vorerst erschwert, das ist nicht nur der selbstreferentielle liturgische Ungehorsam im Klerus, sondern auch die schmerzhafte Zweckentfremdung der „Tradition“ als Kampfmittel gegen Konzil und Konzilspäpste, als „Reichskriegsflagge“ sozusagen. Sonst hätte manches ruhiger vonstatten gehen können.
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