‘kreuz.net’ bittet den päpstlichen Privatsekretär, diesen Artikel auszudrucken und dem Heiligen Vater unter die Türschwelle zu schieben. Eventuell könnte Mons. Ratzinger den Artikel seinem Bruder am Telephon vorlesen.
(kreuz.net) Wir wissen, Heiliger Vater, daß es in der Kirche viel zu tun gibt. Ihr Arbeitstag ist lang.
Wir wollen Ihnen nicht noch weitere Mühen aufladen. Unsere Bitte gehört darum nicht zu jenen Problemen,
deren Lösung in der Kirche zu einer halben oder ganzen Revolution führen würden.
Nein, unser Anliegen
ist, wie man heute sagen würde, ein Win-Win-Geschäft, das alle erfreuen würde.
Darum hier unser demütiger
Wunsch: Heiliger Vater, führen Sie bitte die wunderschöne Pfingstoktav wieder ein.
Sie wissen besser
als wir um die Gebete und Meßtexte, die in dieser Woche – leider nur noch im Alten Ritus – zur Verherrlichung
Gottes zum Himmel steigen.
Wir sind uns sicher, daß Sie die Pfingstsequenz genauso vermissen wie wir:
„Veni Sancte Spiritus et emitte caelitus, lucis tuae radium“:
Komm, o Geist der Heiligkeit! Aus des Himmels
Herrlichkeit Sende Deines Lichtes Strahl.
Mehr denn je hat es die Kirche nötig, diese Sequenz zu singen
und die daraus fließenden Gnaden zu empfangen. Sie wissen es, Heiliger Vater.
Die Kirche braucht die
sieben Gaben des Geistes, um die Wahrheit des Evangeliums mit ruhigem Herzen – und ohne spätpubertäre
Ausbrüche – betrachten zu können:
Vater aller Armen Du, Aller Herzen Licht und Ruh, Komm mit Deiner
Gaben Zahl!
Die Wiedereinführung der Pfingstoktav wäre die praktische und liturgische Krönung Ihrer
Enzyklika ‘Deus caritas est’.
Sie würde dazu beitragen, daß Ihre Worte nicht am Papier kleben bleiben,
sondern in den Seelen der Christen Trost, Labsal und Süßigkeit werden:
Tröster in Verlassenheit, Labsal
voll der Lieblichkeit, Komm, o süßer Seelenfreund!
Im April 2005 wurden Sie, Heiliger Vater, als Halleluja-Papst
gewählt. Das war mitten in der Osterzeit, als die Liturgie vor lauter österlichen Jubelrufen ganz trunken
war.
Noch dröhnt uns der ohrenbetäubende Jubel auf dem Petersplatz in den Ohren, als Kardinal Medina
ihre Wahl zum Papst verkündete.
Doch niemand kann in unablässigem Jubel und Trubel verharren. Sie wissen
es. Nach dem Start folgt der Weg in die Glut des Tages:
In Ermüdung schenke Ruh, In der Glut hauch Kühlung
zu, Tröste den, der Tränen weint.
Der in der Osterzeit gewählte Halleluja-Benedikt steht jetzt vor
der Aufgabe, der Papst des Heiligen Geistes zu werden.
Dazu muß sein Pontifikat nach Innen wachsen und
tief in die Seelen der Menschen eindringen:
O Du Licht der Seligkeit, Mach Dir unser Herz bereit, Dring
in unsre Seelen ein!
Die arme Menschheit braucht heute eine Extraladung Gnade und dazu die überbordenden
Halleluja-Rufe und Gebete der Pfingstoktav.
Die Kirche braucht die Pfingstsequenz, die Lesungen und Evangelien
der Pfingstoktav, die Präfation des Heiligen Geistes, den Pfingstzusatz im Meßkanon, um die Gnade zum
Scheinen zu bringen:
Ohne Deinen Gnadenschein Steht der arme Mensch allein, Kann nicht gut und sicher
sein.
Die vom Pfingstfeuer geröteten Meßgewänder jucken schon. Sie wollen in der Pfingstoktave getragen
werden – dazu beitragen, den reinigenden, heilenden und netzenden Gnadenstrom des Pfingstgeistes ins Kirchenjahr
hineinzuverlängern:
Wasche, was beflecket ist, Heile, was verwundet ist, Tränke, was da dürre steht,
Auch Sie, Heiliger Vater, stehen ohne eine Sonderration des Heiligen Geistes vor einer zu großen Aufgabe.
Zuviel Verhärtetes, Erkaltetes, Verirrtes hat sich in den letzten Jahrzehnten in der Kirche – vor allem
unter den Kardinälen, Bischöfen und Priestern – angestaut. Um in diese Phalanx einzubrechen, müssen
Sie den Heiligen Geist alarmieren.
Beuge, was verhärtet ist, Wärme, was erkaltet ist, Lenke, was da
irre geht!
Darum ist es angemessen, daß das Jahr 2006 das letzte Jahr der neueren Kirchengeschichte
ohne Pfingstoktav ist.
Heil’ger Geist, wir bitten Dich, Gib uns allen gnädiglich Deiner sieben Gaben
Kraft!
Heil’ger Vater, wir bitten Dich, gib uns allen gnädiglich, die schöne Pfingstoktav zurück.
Ist es zuviel, eine Woche lang um die Kraft der sieben Gaben des Heiligen Geistes zu bitten? Ist es zuviel,
den Pfingsttaumel in der Fülle seiner acht Tage auszukosten?
Heiliger Vater, Sie wissen es. Die Pfingsoktav
ist die richtige Weise, um die Wanderschaft zur ewigen Seligkeit zu beginnen:
Gib Verdienst in dieser
Zeit Und dereinst die Seligkeit Nach vollbrachter Wanderschaft.
Es ist uns klar, daß wir mit diesem
Appell offene Türen einrennen.
Amen. Alleluja.
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37 Lesermeinungen
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Weniger wäre mehr gewesen! Ich kann mich dem Appell an den Heiligen Vater zur längst überfälligen
Wiedereinführung der Pfingstoktav nur vollinhaltlich anschließen. Aber wozu dieser riesige Wortschwall?
Eine kurze Bitte und eine knappe, sachliche Begründung hätten ausgereicht und wären wesentlich wirkungsvoller
als dieser nicht enden wollende Redefluss. Na, wir werden sehen … Übrigens sollten auch die Hochfeste
der Erscheinung des Herrn und Fronleichnam ihre Oktaven wieder bekommen. Beide Feste waren mit privilegierter
Oktav II. Ordnung ausgestattet, und damit war der 6. Januar liturgisch sogar dem Weihnachtsfest (III.
Ordnung) übergeordnet. Beim Fest Epiphanie hatte die Oktav noch den besonderen Sinn, die engere Weihnachtszeit
nicht abrupt abzuschließen, wie das im NOM geschieht, wenn der 7. Januar ein Sonntag ist. Dann umfasst
die Weihnachtszeit nur noch gerade mal zwei Wochen. Und Fronleichnam hätte die Feier der Oktav schon
allein deshalb bitter nötig, damit das Bewusstsein der Verehrung des Altarssakramentes wieder ins Gedächtnis
der Gläubigen gerückt würde. Die nachkonziliare Entwicklung hat gerade hier zu einer geistigen Verödung
von ungeahntem Ausmaß geführt und die Protestantisierung der katholischen Kirche entscheidend vorangetrieben.
Sixtus: herzlichen Dank! Ein sehr schönes und überzeugendes Beispiel einer nachkonziliaren Liturgie,
die das „kalos k’ agathos“ zutiefst erlebbar machte, hatten wir in Köln anläßlich der Reihe „Alte Liturgien
in romanischen Kirchen Köln“. Die Benediktiner von San Anselmo, Rom, haben eine ausschließlich gesungene
Liturgie im gregorianischen Choral gefeiert, der Kanon wurde von den einzelnen Zelebranten abwechslelnd
gesungen, die Wandlungsworte von allen Konzelebranten gemeinsam. Es geht also schon, wenn man will! Der
Fehler bei der Umsetzung der Konzilsbeschlüsse war wohl, daß man statt vom gesungenen Pontifikalamt
von der sonntäglichen Gemeinschaftsmesse ausgegangen ist. So wirkt alles Feierliche aufgesetzt, das Ganze
irgendwie provisorisch, weil es keine deutschen Propriumgesänge gibt, und das schon seit gut 40 Jahren!
Eine ganze Generation hat also keine ordentliche Liturgie mehr mitbekommen. Hinzu kommt noch die Schlamperei
mancher Kleriker. Unser Pfarrer hat bei der Taufe schon eine grüne Stola getragen; bei der Feier des
Pfarrpatrons trug er letztens statt des vorgeschriebenen weißen Messgewandes ebenfalls ein Grünes. Vielleicht
wollen solche Kleriker sich zumindest liturgisch als noch grüne Jungs profilieren. Das gemeinsame Sprechen
von liturgischen Texten gibt es übrigens erst seit dem 18. Jahrhundert.
@stat crux Natürlich kann es nicht darum gehen, Mischformen zu entwickeln. Auch hat die brockenweise
Übernahme von ostkirchlichen Elementen in westliche Liturgien (oder was davon übrig ist) immer etwas
Künstliches. Allerdings meine ich schon, dass wir nachkonziliaren „Westler“ bei der/n Ostkirche(n) lernen
können, was wir z.T. verloren haben, um unsere eigenen Überlieferungen neu zu entdecken und neu fruchtbar
zu machen. Dabei geht es nicht um „Mischformen“ (Das sei ferne!), sondern um Anregungen z.B. darüber
nachzudenken, was das Wesen des Gottesdienstes ist (siehe die Ausführungen von Jörg, dem ich mich voll
anschließe).
@stat crux: Identifizierbarkeit? Soviel mir Experten bestätigten, ist nämlich aus der Novus Ordo (lat.)
mit der römischen Tradition als ganzer noch identifizierbar und deutlich genug von anderen Traditionen
abgesetzt. Natürlich ist der Novus Ordo sehr deutlich von „anderen Traditionen“ „abgesetzt“. Das kann
bei seiner ganzen Schäbigkeit, die ihm als – wie der damalige Kardinal Ratzinger richtig bemerkte – gemachtes
Produkt des Augenblicks anhaftet, auch gar nicht anders sein. Das genügt aber nicht, ihm „Identifizierbarkeit“
mit der römischen Tradition zu bescheinigen. Diese Identifikation mit der römischen Tradition ist lediglich
eine juristische Fiktion, ein Trick, um sich von der Garantie zu dispensieren, die das 2. Vatik. Konzil
den alten Riten gegeben hat. MfG Christoph Heger
Mängel der Liturgiereform Die Begeisterung der Reformer der 1960er und 1970er Jahre war merkwürdigerweise
von einem gewissen Enthusiasmus für die ostkirchlichen Riten beseelt. Man plante noch ein Hochgebet V.,
das einem „Mischritus“ gefährlich nahekam. Hiergegen hatte Kardinal Ottaviani (anders als gegen die neuen
Hochgebete II-IV) letztlich erfolgreich Bedenken erhoben. Bei allen Diskussionen sollte man die klaren
Grenzen der lebendigen Tradition einhalten. Soviel mir Experten bestätigten, ist nämlich aus der Novus
Ordo (lat.) mit der römischen Tradition als ganzer noch identifizierbar und deutlich genug von anderen
Traditionen abgesetzt.
Fortsetzung z Sixtus, Freinsberger, Gotthard Denn sämtliche östliche Liturgien kennen – abgesehen von
den kleinen Horen und natürlich der Predigt – ausschließlich das gesungene Wort. Denn die Musik geht
tiefer, als das Wort, aber das Wort ist deutlicher, als die Musik. Auch gibt es keine Bilder ohne Aufschrift
des Dargestellten. Auch hier: das Bild geht tiefer, als das Wort, aber das Wort ist deutlicher, als das
Bild. In beiden Fällen also wieder die harmonische Einheit im Sinne eines symphonischen Satzes!
Mängel in der Kalenderreform hat auch Congar in seiner Schrift zum Fall Lefebvre 1977 bereits eingeräumt.
Was eine „Reform der Reform“ vorerst erschwert, das ist nicht nur der selbstreferentielle liturgische
Ungehorsam im Klerus, sondern auch die schmerzhafte Zweckentfremdung der „Tradition“ als Kampfmittel gegen
Konzil und Konzilspäpste, als „Reichskriegsflagge“ sozusagen. Sonst hätte manches ruhiger vonstatten
gehen können.
Sixtus, Freinsberg Gotthard An Sixtus noch einmal herzlichen Dank für seine weiteren den Kern des Problems
treffenden Ausführungen. Freinsberg: Wieso wird durch die Abwertung des Pfingstfestes die Osterzeit deutlicher
herausgestellt? Wieso kann man das Pfigstfest als Abschluß des Osterfestes nicht auch 8 Tage feiern?
Das Pfingstfest ist eben nicht ausschließlich Abschluß des Osterfestes, sondern durch die Feier des
hl. Geistes ein eigenständiges Fest! Beides gehört zusammen. Gotthard: Wieso stört eine Pfingstoktav
die klare Struktur des Kirchenjahres. Im Übrgen geht es bei Liturgie eben nicht um Vermittlung didaktischer
Inhalte. Sie ist in keiner Weise eine Information-, Seminar- oder Schulveranstaltung, sondern ausschließlich
Feier unserer Erlösung! Die aufgeführten Irrtümer sind Ausdruck eines einseitig rationalen Denkens
und führen damit, wie jede Einseitigkeit in die Irre! Denn das analytische Denken der Wissenschaft und
das verknüpfende Denken der Meditation gehören zusammen, wie die beiden Themen eines symphonischen Satzes,
beide gemeinsam bilden das Ganze! Die Predigt (hier und nur hier mit Information und Belehrung) ist zwar
Bestandteil der Liturgie, aber keineswegs deren Mittelpunkt. Denn Gott will Hingabe des ganzen Menschen,
nicht nur seines Kopfes! Und genauso trifft richtig verstandene Liturgie uns in unserem gesamten Menschsein
und nicht nur unser Hirn!
Gruesse am Pfingstdonnerstag Eine gute Idee, denn es ist wirklich schoen, mit Hilfe des aelteren lateinischen
Missale in die Gnade dieser Oktav zu gelangen.
@Benedikt „Auch Sie, Heiliger Vater, stehen ohne eine Sonderration des Heiligen Gastes vor einer zu großen
Aufgabe.“ Den Fehler hat man ja mittlerweile klammheimlich korrigiert – war ein freudscher Vertipper:
Wer kreuz.net und seine Homo-Fixation kennt, weiß, dass der bearbeitende Redakteur natürlich den heiligen
Quast meinte…
Hochmut und Ungeduld Titel und göttliche Auszeichnung des Hl. Vaters können (z.B. diplomatisch) negiert
werden, aber seiner Person (wie jeder Person) gebührt formale, höfliche Achtung. Man kann den Hl. Vater
nicht einfach anflegeln! Freilich sehnen wir uns nach den Oktaven. SO aber gehts nicht! pM Aliatus
#26 Petrus Radii 00:23:35 | Donnerstag, 8. Juni 2006
Erzbischof Eder würde zustimmen! Interessanterweise war ich vor vielen Jahren bei einem privaten Abendessen
mit dem Alterzbischof von Salzburg, S.E. Georg Eder. Einige Ordensleute und Priester waren auch dabei.
Während des Tischgesprächs hat er freiwillig zugegeben, daß nicht alles in der paulin’schen „Liturgiereform“
ihm ganz gefällig sei. Als Beispiel nannte er das Wegfallen der Pfingstoktav, die, wie Kreuz.net beobachtet,
solche wunderschöne Texte und Gebete enthält. Er meinte, daß diese Verkürzung der altüberlieferten,
römischen Liturgie von keinem Nutzen sei, und daß sie einen großen Verlust für die hl. Kirche bedeute.
@Jörg Guttenberger Ganz richtig, lieber Herr Guttenberger. Man müsste mal untersuchen, wieviel ökumenisches
Poential mit der Ostkirche durch die Kalenderreform, die Liturgiereform und die Abschaffung der niederen
Weihen vergeudet wurde. Wahrscheinlich mehr als durch die (Wieder)Einfügung der Epiklese in das Hochgebet
und die Betonung der bischöflichen Struktur des Amtes gutgemacht wurde. Tatsächlich ist es tragisch,
dass der Hl. Geist im Westen oft vergessen wurde udn die Trinitätstheologie damit eine Schlagseite bekam.
Die Abschaffung der Pfingstoktav ist nur ein Symptom dafür. Hier könnte vielleicht eine erneute Besinnung
auf die Sakramente (im Sinne der Ostkirche) Frucht bringen, doch laborieren wir vielleicht noch zu stark
an der „Wut des Verstehens“ im Sinne Gottharts
Sixtus: Pfingstoktav In umfassender Kenntnis der byzantinischen Tradition schließe ich mich den Ausführungen
von Sixtus vollinhaltlich an. Allerdings gibt es dort eine weit ausgeprägtere Geist-Theologie, als bei
uns. Die Abschaffung der Pfingstoktav hat auch einen ökumenischen Gesichtspunkt: wir haben – wenn auch
in kalenderbedinger Zeitverschiebung – den hl. Geist eine Woche lang gemeinsam gefeiert! Im Übrigen scheint
es mir ein wohl gelungener Schildbürgerstreich, ausgerechnet in einer Zeit, die ganz gewiß nicht die
Zeit des Geistes ist, auch noch das Fest des hl. Geistes durch Verkürzung auf einen Tag in nicht übersehbarer
Deutlichkeit abzuwerten!
@Gotthard Ist es nicht unglaublich arrogant, allen Messbesuchern vor dem Konzil zu unterstellen, sie hätten
nichts verstanden? Meine Oma hat alles verstanden, weil man es ihr in der Katechese beigebracht hat. Diese
dümmlichen Klischees sollten wir endgültig begraben, denn sie hindern uns daran, die Wurzeln der Mißstände
zu erkennen. Sie sollten den sog. Traditionalisten hier (in Wirklichkeit oft nur überspanntes 19. Jahrhundert)
den Gefallen nicht tun, die alte Messe für sich zu pachten.
tiefer Eindruck Was in den 70er Jahren halt nicht gefragt war, war mystagogische Praxis die alte lateinische
Liturigie hat diese also gebracht? Niemand verstand ein Wort – bis auf die wenigen mit einem Schott. Aber
die Pfingstoktav hat einen tiefen Eindruck hinterlassen …
@Gotthard Na, z.B. die Verengung des Liturgieverständnisses auf die Übermittlung didaktischer Inhalte
(die mit ihrer Profanisierung einherging). Dann braucht man natürlich auch keine Pfingstoktav, weil das
gläubige Volk ja schon am Pfingstsonntag vermittelt bekommt, was man da feiert. Was in den 70er Jahren
halt nicht gefragt war, war mystagogische Praxis, Leiblichkeit, Sinnlichkeit, Ehrfurcht und ein Verständnis
von Liturgie als Begegnung mit dem Heiligen. Die Verzweckung von Liturgie, zu der eben auch das sich Berauschen
an „klaren Strukturen“ gehört, würde ich schon bedauern.
@Gotthard Die von Ihnen bejubelte „klare Struktur“ des Kirchenjahres ist eine reine Kopfgeburt von den
Schreibtischen ideologischer Kleriker. Das gilt auch für die sinnlosen Bahnlesungen, die dazu führen,
dass der einzelnen Gottesdienste nur noch als Teil eines übergeordneten Ganzen wahrgenommen werden kann.
Auch hier muessen wir von den Orthodoxen wieder lernen, was wir selbst verloren haben. Die Abschaffung
der Oktaven war ein großer Verlust, da die tagelange Einübung und Durchdringung der Festgeheimnisse
verschwunden ist. Wer mal das byzantinische Stundengebet mitgebetet hat, weiss, wie beeindruckend diese
„Ausstrahlung“ von Festen in die Texte der folgenden Tage sein kann (dort gibt es sogar eine „Vorfeier“,
die das noch vertieft) und wie fruchtbar das für das Gebetsleben, das eben Wiederholung und Verweilen
bedarf, sein kann. Was nützt dann eine „klare Struktur des Kirchenjahres“? Das Kirchenjahr ist doch nicht
am Reissbrett entstandenen, auch wenn die Reform der 70er Jahre uns das einreden will. Hier offenbart
sich derselbe Ungeist wie beim willkürlichen Verschieben von Heiligenfesten (z.B. des hl. Thomas), der
Purifizierung des Breviers von unliebsamen Psalmen, der Abschaffung der niederen Weihen etc. Ideologie
pur. Man muss kein Traditionalist im hier vertretenen Sinne sein, um das zu bedauern.
Ausweg ad interim Die Abschaffung der Pfingstoktav ist durchaus zu bedauern und die Forderung nach Wiedereinführung
zu begrüssen. Immerhin haben wir ja z.B. im deutschen Sprachraum den Pfingstmontag gewissermassen als
Überbleibsel davon. Für den Pfingstmontag sagen die Rubriken des deutschen Messbuches, man könne die
Messe von Pfingsten nehmen, ein eigens für den Pfingstmontag zusammengestelltes Formular oder eine Votivmesse
vom Heiligen Geist. Hier ist auch ein Ausweg zu suchen, den jeder Priester gehen könnte, der den Wegfall
der Pfingsoktav bedauert. Ohne besondere Erlaubnis und ohne jede Verletzung der Rubriken können nämlich
an allen Tagen im Jahreskreis, an denen kein Hochfest, Fest oder gebotener Gedenktag zu feiern ist, ohne
Weiteres Votivmessen gefeiert werden. Das aktuelle Messbuch bietet 3 Formulare zur Auswahl als Votivmesse
vom Heiligen Geist an (mitsamt einer Reihe von Schriftlesungen zur Auswahl). An welchen Tagen die Votivmesse
erlaubt ist, wechselt von Jahr zu Jahr. In diesem Jahr ist sie von Montag bis Samstag täglich möglich.
Auch sonst kann das ganze Jahr über an allen Tagen, an denen die Rubriken dies erlauben, immer wieder
die Votivmesse vom Heiligen Geist (wie auch selbstverständlich jede andere Votivmesse oder Messe in besonderen
Anliegen gefeiert werden). Veni Sancte Spiritus!
O là là… Wird denn der Hl. Geist auch über die Redaktion von kreuz.net gekommen sein? Die Sanftheit
des ausnahmsweise mal geistreichen Artikels überrascht mich sehr!
Klare Struktur??? Gotthard schrieb: die klare heutige Struktur des Kirchenjahres Wie Leser Benedikt sehr
richtig festgestellt hat, ist mit dem Pfingstmontag noch ein Überbleibsel der Pfingstoktav vorhanden,
was aber alles andere als klar und logisch strukturiert erscheint. So klaffen am Pfingstmontag auch Messliturgie
und Stundenliturgie auseinander. Konsequent zuende gedacht gibt es nur zwei Alternativen: den Pfingstmontag
abschaffen oder die Pfingstoktav als organisches Ganzes wieder einführen.
Clemens II @ Der Tradition verbunden Sicherlich ist dies möglich – doch nur an wenignen Orten in der
Welt, wo die überlieferte heiligen Liturgie gepflegt wird – also an äußerst wenigen Orten der Welt;
die Pfingstoktav hängt sozusagen am „Tropf“. Und ohne eine allgemeine Wiedereinführung, wie die Petition
von „kreuz.net“ verlangt, ist die Möglichkeit Pfingsten in seiner zwar erst seit dem 11. Jh. in Gewohnheit
gekommenen Form also mit Oktav – sehr beschränkt. Wie übringens auch die Mitfeier so vieler ander uralter
Feste, wie den heutigen Quatembermessen, die fast nirgends mehr gefeiert und wahrgenommen werden. Ich
unterstütze das Anliegen – aber natürlich wäre es besser, gleich den alten Ritus wieder einzuführen.
Die Pfingstoktav können wir auch heute innerhalb der kirchl. Jurisdiktion noch feiern, wenn wir die Heilgen
Messen der Priesterbruderschaft St. Petrus oder des Institutes Christus König und Hoherpriester besuchen.
Die Pfingstoktav lebt noch!
Anmerkungen Wer hindert mich denn daran, die Pfingstsequenz zu singen? Also ich sang sie am Sonntag –
im NOM. Die Wiedereinführung der Pfingstoktav wäre sicher nicht verkehrt. Der Pfingstmontag ist ja sozusagen
ein Überbleibsel der Oktav, denn dort wird im allgemeinen noch mal das Formular vom Sonntag oder eine
Votivmesse genommen. @ Redaktion Auch Sie, Heiliger Vater, stehen ohne eine Sonderration des Heiligen
Gastes vor einer zu großen Aufgabe. Jaja, der Heillige Gast .
Fiat, fiat! Diese Bitte an den Papst drückt einen Wunsch vieler Katholiken aus. Ist ist wahrhaft würdig
und recht, angemessen und heilsam, das Pfingstfest eine Woche lang – mit den kostbaren Quatembertagen
versehen – zu feiern. Ja, möge das Jahr 2007 über die Kreise der Gläubigen hinaus, welche der liturgischen
Tradition verbunden sind, wieder eine Pfingstoktav haben.
klare Struktur Es wird doch niemand gehindert, in der Woche nach Pfingsten jeden Tag GL 245 zu singen,
dafür muss die klare heutige Struktur des Kirchenjahres nicht aufgegeben werden.
schon gut, der Gedanke an die Pfingstoktav; aber man achte auf den Stil des Artikels: geheuchelte Ehrerbietung
(wie seit Lefebvres Korrespondenz mit Rom bei Integralisten üblich), und die Zielrichtung: letztlich
wieder nur der Mythos vom „Modernismus“, der überall Platz gegriffen habe, außer bei den Heiligen der
Letzten Tage, die als einzige fähig sind, den Heiligen Geist richtig zu orten (nämlich exklusiv in den
Sätzen 15-18 und 77-80 des Syllabus von 1864). Schade, dass auch gute Ideen hier wieder nur der „antinomischen“
Propaganda dienen.
Pfingstoktav @Giuseppe: Die Pfingstoktav wurde wie so manche andere Gedenk- und Feiertage bei der Reform
des Missale abgeschafft. Es gab übrigens auch eine Fronleichnamsoktav, die man ruhig auch wieder einführen
kann. Denn gerade in der heutigen Zeit, in der das katholische Eucharistieverständnis mehr und mehr schwindet
wäre es wichtig, diese Oktav zu begehen. Es macht durchaus Sinn, dass man die wichtigsten Feiertage nicht
nur einen, sondern acht Tage lang begeht.
@Giuseppe Mit den Rubricae generales von 1960 (Nr. 63-70) wurden alle Oktaven abgeschafft, außer Oster-,
Weihnachts- und Pfingstoktav. Die Grundordnung des Kirchenjahres von 1969 sieht nur mehr zwei Oktaven
vor: von Weihnachten und von Ostern (Nr. 12). Die 50 Tage der Osterzeit werden „als ein einziger Festtag
gefeiert“ (Nr. 22). Durch die Streichung der Pfingstoktav wollte man offenbar die Osterzeit deutlicher
herausstellen.
50 Tage Ostern – genügt das nicht? Ich verstehe diesen Wunsch nicht. Ostern wird 50 Tage lang begangen;
der Abschluss dieser Osterfeier ist das Pfingstfest. Warum soll man da noch eine Oktav anhängen?