10:53:33 | Donnerstag, 15. Juni 2006
Exklusivbericht eines Schweizer Jesuiten über das Chaos in der Hauptstadt von Osttimor. Im Jesuitenkolleg wird jeden Abend der Rosenkranz gebetet.
(kreuz.net/Kirche in Not) In Dili – der Hauptstadt des katholischen Osttimor – ist die Lage gespannt.
Seit sechs Wochen wird die Stadt von anarchischen Bandenkriegen erschüttert, während die Regierenden
miteinander streiten.
Doch im Jesuitenkolleg der Stadt wird trotzdem jeden Morgen die Heilige Messe gelesen
und abends der Rosenkranz gebetet. Auf Wunsch des Bischofs wird auch täglich eine Stunde Anbetung vor
dem Allerheiligsten gehalten.
Das berichtete der aus der Schweiz stammende
Jesuitenpater Ruedi Hofmann
dem Hilfswerk ‘Kirche in Not’ in München.
Pater Hofmann leitet seit Februar 2004 ein katholisches Fernsehprogramm
in der Hauptstadt Dili. Im März berichtete er beim ‘Kirche in Not’-Kongress Treffpunkt Weltkirche in
Augsburg über das katholische Leben in Osttimor.
Die Insel befindet sich im Indischen Ozean im Osten
der kleinen Sunda-Inseln.
Der Jesuit ist von der Gewalt persönlich betroffen. Drei seiner 21 Mitarbeiter
haben bereits ihre Häuser verloren. Er und vier weitere Mitarbeiter, die aus dem Osten des Landes kommen,
werden täglich mit Morddrohungen terrorisiert.
Viele Flüchtlingen leben in einem Jesuitenkolleg. Auch
wenn über die Hälfte der Klassenzimmer bewohnt werden, geht der Schulbetrieb weiter.
Etwa hundert Schüler
übernachten im Kolleg, weil der Nachhauseweg zu gefährlich ist, berichtet der Jesuitenpater: „Einige
der Lehrer sowie ein Teil der Schüler sind in die Berge oder in andere Städte geflohen. Kirchliche Einrichtungen
gelten immer noch als sicher.“
Gänge, Treppenabsätze, Veranda sowie Sprechzimmer, Sitzungssaal und
die Bibliothek sind jede Nacht von Flüchtlingen belegt. „Langsam wird das Leben im Flüchtlingslager
zur Gewohnheit“ – so der Jesuit.
Die meisten anderen Schulen im Land sind seit einem Monat geschlossen.
„Tagsüber gehen die meisten nach Hause, aber nachts fühlen sie sich dort nicht sicher. So haben Diebe
und Brandstifter freie Bahn“.
Von den 170.000 Einwohner der Hauptstadt Dili schlafen nur 70.000 im eigenen
Haus.
Die Gewalt richtet sich nicht ausdrücklich gegen Christen, denn der Großteil der Osttimoresen
ist katholisch. Zum Teil nehmen die Überfälle skurrile Züge an.
Von gewissen Banden würde erzählt –
so Pater Hofmann –, daß sie jeweils vor dem Verbrennen eines Hauses die Kruzifixe, Statuen und Heiligenbilder
in Sicherheit bringen.
Trotz der mißlichen Lage, ist die Versorgung der Menschen bei den Jesuiten gesichert.
Jeden Abend werden Lebensmittel verteilt. Die Kinder bekommen zusätzlich Milch. Manchmal kommt auch
ein Arzt oder eine Krankenschwester vorbei.
Auch wenn die politische Situation sehr undurchsichtig sei,
so sei kein Haß zu spüren – Furcht und Trauer dagegen schon.
Die gewalttätigen Banden machen weniger
als ein Prozent der Stadtbevölkerung von Dili aus: „Bewaffnete Rowdies können allerdings eine Stadt
von 180.000 Einwohnern leicht terrorisieren, wenn die Regierung unter sich uneins ist“.
„Hilfe ist dringend“,
appelliert Pater Hofmann. Noch können die Jesuiten die Flüchtlinge im Haus noch jeden Tag mit Lebensmitteln
versorgen. Doch die Zukunft ist ungewiß.
Die Menschen benötigen Unterkunft, Essen und Arbeit. Die Kinder
müssen in die Schulen gehen können. Die ausländischen Unternehmer sind jedoch zum großen Teil geflüchtet
und die meisten Schulen geschlossen.
Seine Worte beendet Pater Hofmann mit der Erzählung von Abraham,
der mit Gott um die Rettung der Stadt Sodom feilt, bis Gott sagt: „Wenn ich in Sodom, in der Stadt, fünfzig
Gerechte finde, werde ich ihretwegen dem ganzen Ort vergeben. (Genesis 18; 23-26)
„Ich bin überzeugt,
daß es in Dili gegenwärtig viel mehr als fünfzig Gerechte gibt.“
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#16
expedit 20:17:49 | Samstag, 8. Juli 2006
#15
Benedikt 15:59:02 | Freitag, 16. Juni 2006
#13
Michaela 11:51:26 | Freitag, 16. Juni 2006
#12
semiotico 23:33:00 | Donnerstag, 15. Juni 2006
#11
Pünktchen 21:11:57 | Donnerstag, 15. Juni 2006
#10
Michaela 20:46:44 | Donnerstag, 15. Juni 2006
#3
Ansgar 16:41:03 | Donnerstag, 15. Juni 2006