Kirche in Not
Wieviele Gerechte gibt es in Osttimor?
Exklusivbericht eines Schweizer Jesuiten über das Chaos in der Hauptstadt von Osttimor. Im Jesuitenkolleg wird jeden Abend der Rosenkranz gebetet.
(kreuz.net/Kirche in Not) In Dili – der Hauptstadt des katholischen Osttimor – ist die Lage gespannt.

Seit sechs Wochen wird die Stadt von anarchischen Bandenkriegen erschüttert, während die Regierenden miteinander streiten.

Doch im Jesuitenkolleg der Stadt wird trotzdem jeden Morgen die Heilige Messe gelesen und abends der Rosenkranz gebetet. Auf Wunsch des Bischofs wird auch täglich eine Stunde Anbetung vor dem Allerheiligsten gehalten.

Das berichtete der aus der Schweiz stammende Jesuitenpater Ruedi Hofmann dem Hilfswerk ‘Kirche in Not’ in München.

Pater Hofmann leitet seit Februar 2004 ein katholisches Fernsehprogramm in der Hauptstadt Dili. Im März berichtete er beim ‘Kirche in Not’-Kongress Treffpunkt Weltkirche in Augsburg über das katholische Leben in Osttimor.

Die Insel befindet sich im Indischen Ozean im Osten der kleinen Sunda-Inseln.

Der Jesuit ist von der Gewalt persönlich betroffen. Drei seiner 21 Mitarbeiter haben bereits ihre Häuser verloren. Er und vier weitere Mitarbeiter, die aus dem Osten des Landes kommen, werden täglich mit Morddrohungen terrorisiert.

Viele Flüchtlingen leben in einem Jesuitenkolleg. Auch wenn über die Hälfte der Klassenzimmer bewohnt werden, geht der Schulbetrieb weiter.

Etwa hundert Schüler übernachten im Kolleg, weil der Nachhauseweg zu gefährlich ist, berichtet der Jesuitenpater: „Einige der Lehrer sowie ein Teil der Schüler sind in die Berge oder in andere Städte geflohen. Kirchliche Einrichtungen gelten immer noch als sicher.“

Gänge, Treppenabsätze, Veranda sowie Sprechzimmer, Sitzungssaal und die Bibliothek sind jede Nacht von Flüchtlingen belegt. „Langsam wird das Leben im Flüchtlingslager zur Gewohnheit“ – so der Jesuit.

Die meisten anderen Schulen im Land sind seit einem Monat geschlossen.

„Tagsüber gehen die meisten nach Hause, aber nachts fühlen sie sich dort nicht sicher. So haben Diebe und Brandstifter freie Bahn“.

Von den 170.000 Einwohner der Hauptstadt Dili schlafen nur 70.000 im eigenen Haus.

Die Gewalt richtet sich nicht ausdrücklich gegen Christen, denn der Großteil der Osttimoresen ist katholisch. Zum Teil nehmen die Überfälle skurrile Züge an.

Von gewissen Banden würde erzählt – so Pater Hofmann –, daß sie jeweils vor dem Verbrennen eines Hauses die Kruzifixe, Statuen und Heiligenbilder in Sicherheit bringen.

Trotz der mißlichen Lage, ist die Versorgung der Menschen bei den Jesuiten gesichert.

Jeden Abend werden Lebensmittel verteilt. Die Kinder bekommen zusätzlich Milch. Manchmal kommt auch ein Arzt oder eine Krankenschwester vorbei.

Auch wenn die politische Situation sehr undurchsichtig sei, so sei kein Haß zu spüren – Furcht und Trauer dagegen schon.

Die gewalttätigen Banden machen weniger als ein Prozent der Stadtbevölkerung von Dili aus: „Bewaffnete Rowdies können allerdings eine Stadt von 180.000 Einwohnern leicht terrorisieren, wenn die Regierung unter sich uneins ist“.

„Hilfe ist dringend“, appelliert Pater Hofmann. Noch können die Jesuiten die Flüchtlinge im Haus noch jeden Tag mit Lebensmitteln versorgen. Doch die Zukunft ist ungewiß.

Die Menschen benötigen Unterkunft, Essen und Arbeit. Die Kinder müssen in die Schulen gehen können. Die ausländischen Unternehmer sind jedoch zum großen Teil geflüchtet und die meisten Schulen geschlossen.

Seine Worte beendet Pater Hofmann mit der Erzählung von Abraham, der mit Gott um die Rettung der Stadt Sodom feilt, bis Gott sagt: „Wenn ich in Sodom, in der Stadt, fünfzig Gerechte finde, werde ich ihretwegen dem ganzen Ort vergeben. (Genesis 18; 23-26)

„Ich bin überzeugt, daß es in Dili gegenwärtig viel mehr als fünfzig Gerechte gibt.“
      
16 Lesermeinungen
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#16   expedit   20:17:49 | Samstag, 8. Juli 2006
Warum kein Anschluss an Australien?
Man könnte doch zumindest eine ähnliche gesicherte Stellung erhalten wie Puerto Rico und die USA?
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#15   Benedikt   15:59:02 | Freitag, 16. Juni 2006
@ Ralf B.
Das tut man hoffentlich zusätzlich ;).
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#14   Ralf B. †   15:54:47 | Freitag, 16. Juni 2006
Nichts gegen den Rosenkranz, aber…
…wäre es nicht gerade für Kleriker der erste Schritt, am Abend gemeinsam die Vesper zu beten?
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#13   Michaela   11:51:26 | Freitag, 16. Juni 2006
Osttimorforum e.V.
Vielen Dank für die Wertschätzung unserer Arbeit für Osttimor. Nähere Infos finden die Leser auch auf unserer Website: www.osttimor.org
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#12   semiotico   23:33:00 | Donnerstag, 15. Juni 2006
Klarstellung #2
Ich habe hier nirgendwo die Jesuiten kritisiert (siehe erstes Posting), sondern die Einseitigkeit des Artikels. Ich kenne selbst viele Jesuiten im In- und Ausland, bin mit ihrer Theologie wie ihren Projekten vertraut. Ich kritisiere vielmehr das Ausklammern des Tuns im Artikel. Lesen, dann schimpfen!
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#11   Pünktchen   21:11:57 | Donnerstag, 15. Juni 2006
OSTTIMORFORUM e.V. Danke, Michaela,
.
für Ihre Klarstellungen! Leider gibt es hier immer mal wieder Leute, die nach dem Motto: „Herr Lehrer, ich weiß was!“ irgendetwas herausprusten, was ich nicht einmal als „Meinung“ bezeichnen könnte.
.
Um Ihrem Spendenaufruf die nötige Wirksamkeit zu geben, wiederhole ich hier die von Ihnen genannte Bankverbindung und kündige eine eigene kleine Spende an! – Danke!
.
Osttimorforum e.V., LIGA BANK EG, Kontonummer 2319446, BLZ 75090300
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#10   Michaela   20:46:44 | Donnerstag, 15. Juni 2006
Mann der Tat
Um Missverständnissen vorzubeugen: Als Gründungsvorsitzende des Osttimorforums e.V., das Osttimorunterstützer miteinander vernetzt, habe ich Pater Ruedi Hofmann kennengelernt und kann daher versichern, dass er wirklich ein Mann der Tat ist. Die Inhalte seiner Sendungen für das osttimoresische Fernsehen sind vorwiegend politisch-historisch. Einen der Befürworter aus der Regierungskoalition für einen Stopp der dt. Entwicklungshilfe an Osttimor konnte er vor einigen Wochen überzeugen, wie wichtig eine Fortsetzung der Überstützung für das südostasiatische Land ist. Wenn das Hilfswerk päpstlichen Rechts Kirche in Not den Jesuitenpater nach Osttimor fragt, dann hat es natürlich auch die pastorale Situation im Auge, da hier der Schwerpunkt der Arbeit des Hilfswerks liegt. Die Bandbreite der in Osttimor wirkenden Organisationen ist sehr groß und reicht eben von technischen Wasserprojekten bis zur Unterstützung von Kirchengemeinden, was bei einem mehr als 90-prozentigen Katholikenanteil ja auch nicht verkehrt ist. Da wir vom Osttimorforum ja durch die Vernetzungsarbeit einen guten Überblick über die Hilfsaktivitäten vor Ort haben, kann ich bestätigen, dass schon auf die Bedürfnisse eingegangen wird. Im Moment gibt es aber einen finanziellen Engpass, was die Unterstützung der Flüchtlinge betrifft. Darum hier unser Spendenaufruf: Osttimorforum e.V., LIGA BANK EG, Kontonummer 2319446, BLZ 75090300. Wir sind als gemeinnützig anerkannt.
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#9   Bruder Theophil   20:23:54 | Donnerstag, 15. Juni 2006
@ semiotico
Aber sie wollen doch nicht etwa behaupten, meine religiöse Einstellung aus meinen wenigen Postings heraus schon zu kennen?
Nein. Ich konnte keine religiöse Einstellung erkennen. Ich hätte eher auf eine Art Privatkapelle getippt, wenn Sie solch einen Unsinn schreiben.
Der Artikel lässt keinen Rückschluß darauf zu, dass man die labora vernachlässigt. Ganz im Gegenteil. Wenn man dann noch das Engagement von Jesuiten (auch in Deutschland) ein wenig aus der Nähe kennt, dann ist ein Verdacht auf vergeistige Nichtstuer, die im Gebet erstarren nicht nur abwegig, sondern religiös gesehen auch kontraproduktiv.
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#8   semiotico   20:08:19 | Donnerstag, 15. Juni 2006
ora et labora
1) Ich habe nicht das Beten kritisiert. Aber mit einer viel größeren Begründung könnte man über die vielen Geistlichen in Lateinamerika und Afrika berichten, die dort nicht nur Rosenkranz beten und Messe feiern, sondern ganz nebenbei (oder doch etwa hauptsächlich?) Entwicklungshilfe, sprich das christliche Grundgebot der caritas leisten. Dass man die nicht so gern hat, weil sie bei Gelegenheit auch mal darauf hinweisen, dass die Befreiungstheologie kein Kommunismus ist (weswegen sie dann mit einem Maulkorb bestraft werden) oder dass man mit dem Kondomverbot in Afrika mehr leutet physisch tötet als moralisch rettet, ist eine alte Geschichte.
2) Ich streite nicht ab, dass Beten hilft – sonst wäre jeder Glaube sinnlos. Ich klage hier nur etwas die einseitige Berichterstattung an. Denn im Bericht geht es primär um ora, die labora wird aussen vor gelassen.
3) Ja, ich gehöre einer Religion an und vertrete die auch ganz offen. Aber sie wollen doch nicht etwa behaupten, meine religiöse Einstellung aus meinen wenigen Postings heraus schon zu kennen? :-S
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#7   Serendipity   19:24:42 | Donnerstag, 15. Juni 2006
helfen
Christen bedeutet Beten etwas…es ist nicht einfach dasitzen und irgendwas daherreden…
Es ist ja auch nicht so, dass die Jesuiten nur dasitzen und beten…Sie helfen den Menschen nicht „nur“ mit beten…
Ich finde es gut, dass die Jesuiten dort sind und weitermachen…Die Situation in Osttimor ist vielen hier in Europa nicht bekannt, da sie in dem Medien oft untergeht – trotz dem gutgemeinten Versuch von der Sängerin Shakira… :-(
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#6   Bruder Theophil   18:03:42 | Donnerstag, 15. Juni 2006
@ semiotico
oder ich hab mich in meiner Religion geirrt?!?
Jetzt haben Sie mich aber wirklich überrascht.
Sie gehören einer Religion an ???
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#5   Pünktchen   17:20:18 | Donnerstag, 15. Juni 2006
semiotico
Wenn kreuz.net (Untertitel: „katholische Nachrichten“) auf die Situation der Katholiken in Osttimor hinweist und bei dieser Gelegenheit auch darauf, daß die Bedrängten dort Rosenkränze beten und Messen besuchen, dann kann nur derjenige dies als „ziemlich gleichgültig“ bezeichnen, der die Kraft des Gebetes nie erfahren hat und der i.ü. auch wenig Mitgefühl mit solchen Bemerkungen zeigt.
@Ansgar: ich stimme Ihnen zu!
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#4   semiotico   17:11:12 | Donnerstag, 15. Juni 2006
@Pünktchen
Liebes Pünktchen (auf das du für immer ein solches bleibest): Da ich gerne auf Ausdrücke deiner Art verzichte um mein Niveau zu wahren, weise ich dich nur auf etwas hin: Mir geht es nicht darum, dass der „böse Mitteleuropäer“ dafür keinen Sinn hat, sondern um die mediale Präsenz. Schön und gut, dass die da unten beten. Aber wenn jedes Vertrauen auf den Herrgott einen ganzen kreuz.net Artikel füllt, dann ist es mit dem Glauben entweder zu Ende oder ich hab mich in meiner Religion geirrt?!?
Weitere Kommentare zu deiner Art verkneif ich mir. Bin lieber ein Stinktier als eine Gottesanbeterin.
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#3   Ansgar   16:41:03 | Donnerstag, 15. Juni 2006
Jesuiten
Mal wieder eine positive Nachricht über die auf kreuz.net so oft geprügelten Jesuiten. Ich glaube nicht, daß dieser Orden mit seiner glorreichen Geschichte am Ende ist. Trotz Zen-Messen und Tagungshausbedenklichkeiten in Europa – weltweit wirkt die Gesellschaft weite segensreich.
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#2   Pünktchen   15:05:55 | Donnerstag, 15. Juni 2006
Wenn die Bedrängten in Ost-Timor
in ihrer Not sich im Gebet der Hilfe eines Höheren anvertrauen, dann mag das für einen Mitteleuropäer, der hier banale Sprüchlein in Internetforen absondert wie ein Stinktier sein Sekret, in der Tat „gleichgültig“ sein. Aber es gibt ja auch noch mitfühlende und -betende Leser im kreuz.net.
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#1   semiotico   13:43:37 | Donnerstag, 15. Juni 2006
Rosenkranz & Messe
Ist es nicht ziemlich gleichgültig, ob ein par Jesuiten (gegen die wirklich nichts gesagt werden kann) jeden Abend den Rosenkranz beten oder nicht?
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