18:10:23 | Freitag, 16. Juni 2006
Die kinderlose Altenheim-Gesellschaft des Westens scheint sich nur noch für ein Thema zu interessieren: Sex. Der Verleumderroman von Dan Brown liefert dazu die historisch-ideologische Weihe. Von Hubert Hecker.
(kreuz.net) In seinem Verleumderroman behauptet Dan Brown: „In den drei Jahrhunderten der Hexenjagd hatte
die Kirche die erschütternde Zahl von fünf Millionen Frauen auf den Scheiterhaufen gebracht und grausam
verbrannt.“ (S. 173)
In der Verfilmung ist diese Zahl –
historisch richtig – auf 50.000 reduziert, die
während der Großen Hexenjagd umgebracht wurden.
Diese Quote von 1 % an Wahrheitsgehalt gilt auch für
die anderen historischen Aussagen von Brown, etwa zu den Kreuzzügen, Kaiser Konstantin oder zu der Kanonisierung
der biblischen Schriften.
Hätten sich die ideologischen Verantwortlichen für den Film die Mühe gemacht,
hätten sie auch in Erfahrung bringen können, daß es nicht die Kirche, sondern die mitteleuropäischen
Staaten waren, welche die Hexen – teilweise gegen den Willen der Kirche – auf den Scheiterhaufen brachten.
Der antikatholische Film ‘Sakrileg’

© Sony Pictures

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Sony Pictures

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Sie hätten
sogar feststellen können, daß in manchen Landstrichen mehr Männer als Frauen der Hexerei angeklagt
und hingerichtet wurden.
In den katholischen Kernländern Italien, Spanien und Irland spielte die Hexenverfolgung
gar keine oder nur eine sehr marginale Rolle.
Aber das wollen der Hetzautor Dan Brown und seine Filmemacher
nicht wissen.
Denn der gesamte Handlungsstrang des Verleumdungswerkes beruht auf dem kirchenfeindlichen
Vorurteil eines angeblichen 2000jährigen Antifeminismus der Kirche.
Die Schnitzeljagd in Buch und Film
sowie die mittelalterliche Suche nach dem Gral symbolisierten nichts anderes als die menschliche Sehnsucht
nach der „verloren gegangenen göttlichen Urmutter“ (S. 328).
Diese von ihm erfundene „Religion des Ewig-Weiblichen“
konstruiert Brown auch als Kern der Lehre Jesu Christi.
Durch Maria Magdalena, die Ehegattin des Brown-Jesus,
und ihre Nachkommen sei die Brown-Religion des Weiblichen trotz kirchlicher Unterdrückung in Symbolen
und Geheimgesellschaften fortgepflanzt worden.
Dan Brown stellt der christlichen Lehre, nach der Jesus
Christus als wahrer Mensch und wahrer Gott die Menschen durch sein Leben, Leiden und Sterben von Sünde
und Tod erlöst und dieses Erlösungswerk der Kirche anvertraut hat, eine billige, neuheidnische Selbsterlösungsreligion
gegenüber.
In ihr kann der Mensch nur durch esoterische Riten und Wissenserweiterung „Heil werden“ und
„Gnosis“ – Erkenntnis – erlangen. Das kommt freilich nur für eine Elite in Frage – damals wie heute (S.
421).
Der Jesus der Evangelien hat seine Kirche dagegen für alle bestimmt, insbesondere für die Armen
und Nichtwissenden. Einfache Sklaven waren die ersten Christen im Römischen Reich.
Die Teilnahme an
der christlichen Erlösung erreicht man nicht durch Wissensanhäufung oder magische Ritenvollzüge, sondern
durch Glaube und Liebe in personalem Vollzug.
Im ersten Teil seiner Romanverleumdung stellt Brown die
gnostische Religion des göttlich Weiblichen nur als eine historische Variante vor. Im zweiten Teil beschreibt
er dagegen eine Sakro-Sex-Sitzung der Gegenwart.
Brown versichert uns, daß solche Erotik-Messen nach
der Art heidnischer Tempelprostitution in esoterischen Schicki-Micki-Kreisen auch heute dutzendfach anzutreffen
seien (S. 423).
In der Romanzeit von 1994 etwa wird Sophie Neveu – eine Heldin des Romans – Zeuge eines
„heiligen Sex-Spieles“ in der Kellergrotte des Chateaus ihres Großvaters (S. 420-425):
Frauen und Männern
in durchsichtigen Gewändern singen und tanzen um einen Altar.
Die Frauen singen: „Ich war bei dir zu
Anbeginn, als alles den Anfang nahm, was heilig ist“. Die Männer antworteten: „Sie ist meine Behausung
in Ewigkeit“.
Auf einem niedrigen Altar in der Mitte des Kreises liegt Sophies Großvater Jacques Saunière
auf dem Rücken, vollkommen nackt bis auf die schwarze Maske.
„Eine Frau mit weißer Maske sitzt rittlings
auf Saunière und läßt im Rhythmus des Gesangs die Hüften kreisen. Ihr Körper war füllig und unansehnlich.“
Die Hauptfigur des Romans Robert Langdon – beziehungsweise Brown selber – klärt uns über den spirituell-sakralen
Charakter der Sexualität auf:
„Historisch gesehen ist der Geschlechtsverkehr ein Akt, in dem das Männliche
und Weibliche das Göttliche schauen… Die körperliche Vereinigung war das einzige Mittel, durch das
der Mann geistig heil werden und Gnosis erlangen konnte – Wissen vom Göttlichen.“
„Orgasmus als Gebet?“,
fragt Sophie skeptisch. Langdon gibt ihr „im Prinzip recht“: der Sexualakt als „sakrosankte Zeremonie“,
als Einfallstor der Transzendenz – für den Mann.
Die Frau ist dabei allerdings nur ein Mittel, austauschbar –
von persönlicher Liebe und Wertschätzung der Person des anderen keine Spur.
Das ist das Ergebnis von
gnostischer Lehre und das Gegenteil vom christlichen Liebesgebot.
Browns Religion des „Ewig-Weiblichen“
liefert den historisch-ideologischen Unterbau für die neuheidnische Religion der ungehemmten Sexualität
der Moderne:
Sex-Ikonen und Sex-Priesterinnen allüberall in den Medien sowie verbreitet Erotik-Messen
und Tempel der Prostitution.
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