13:59:38 | Samstag, 17. Juni 2006
Pius XII.
Der Schriftsteller Rolf Hochhuth wurde einmal gefragt, warum er sein Verleumdungswerk ‘Der Stellvertreter – oder: Durfte der Papst schweigen?’ geschrieben habe. Von Leo G. Schüchter.
(kreuz.net) In dem 1963 uraufgeführten Theaterstück wird Papst Pius XII. für seine angebliche „Zurückhaltung“
bei der Rettung europäischer Juden im Zweiten Weltkrieg verdammt.
Hochhuth antwortete auf die Frage:
Die Kirche sei bei der Debatte in den 50er Jahren um Nazistaat und Judenmord „zu gut weggekommen“.
Die
Protestanten hätten alle Beteiligungsschuld am nationalsozialistischen Regime allein tragen müssen.
Diese Methode – mit der Verleumdung anderer von den eigenen Verstrickungen abzulenken – sollte in den
folgenden Jahren und Jahrzehnten Schule machen.
Insbesondere sogenannte links-liberale Autoren versuchten
die Kirche anzuschwärzen, um von den Beteiligungen der bürgerlichen Klassen am Hitler-Staat und an der
nationalsozialistischen Bewegung abzulenken.
Die ‘Nationalsozialistische Arbeiterpartei’ wurde bekanntlich
überrepräsentativ von den bürgerlichen Mittel- und Oberschichten gewählt – die Katholiken gehört
nicht zu ihrer Wählerschaft.
Erst recht war das etablierte nationalsozialistische Regime von den bürgerlichen
Klassen bis hin zu den Akademikern getragen.
Ohne die tüchtigen Ingenieure und Facharbeiter, Ärzte,
Professoren, Lehrer, Journalisten und Offiziere war die riesige nationalsozialistische Maschinerie nicht
zu bewerkstelligen. Mediziner waren, zum Beispiel, bis zu 90% Parteimitglieder.
Selbst die SPD sprach
im Mai 1933 der Regierung Hitlers im Reichstag geschlossen das Vertrauen aus und sang das Horst-Wessel-Lied
mit. Wenige Tage vorher waren die Gewerkschaften verboten worden.
Die Kirche hatte sich mit dem Konkordat
zunächst einen Schutzraum vor den niederwalzenden Gleichschaltungen erkämpft, allerdings um den Preis
des Rückzugs aus der Politik – ein Rückzug übrigens, welcher der Kirche auch von den Machthabern unserer
Tage immer wieder empfohlen wird.
Doch spätestens ab 1935 wurden alle kirchlichen Gruppen schikaniert,
alle kritischen Pfarrer unter Beobachtung gestellt.
Ab 1937 begannen systematische Verleumdungs- und
Einschnürungskampagnen der Nationalsozialisten gegen die Kirche.
Bis Kriegsende sind 38% aller katholischen
Geistlichen von Partei- und nationalsozialistischen Staatsorganen verhört, schikaniert, drangsaliert
oder interniert worden.
Viele bürgerliche Autoren versuchen mit ihrem Geschrei über eine angebliche
Schuld der Kirche von der bedrückenden Trägerschaft und Täterschaft des deutschen Bürgertums abzulenken.
Besonders deutlich wurde dieses
Als vor drei Jahren
die Mitgliedschaft des links-liberalen Aufklärers
Walter Jens in der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei bekannt wurde, hatte der Aufklärer
dafür nur Abwehr, Abwiegelung und Beschwichtigung übrig.
hinterhältige Ablenkungsmanöver bei dem deutschen
links-liberalen Aufklärer und Schriftsteller Walter Jens (83).
Als vor drei Jahren seine Mitgliedschaft
in der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei bekannt wurde, hatte der Aufklärer dafür nur
Abwehr, Abwiegelung und Beschwichtigung dafür.
Die ehrliche und kritische Auseinandersetzung mit der
Vergangenheit – die Jens fünfzig Jahre lang von anderen gefordert hatte – lehnte er für sich persönlich
ab.
Zur gleichen Zeit lobte er in einer Rezension das Hetzbuch ‘Hitler’s Pope’ in den Himmel – ein mieses
Verleumdungswerk gegen Papst Pius XII.
Seit etwa zwanzig Jahren – seit dem Historikerstreit – wird in
verschiedenen Facetten eine neue Kollektivschuld des deutschen Volkes aufgewärmt: Alle Deutschen wären
schuld gewesen, alle Täter und alle Passiven, die stillschweigend Hitler gewähren ließen.
Der US-Polemiker
Daniel Goldhagen geht noch weiter,
wenn er in ‘Die Welt’ am 3. Juni 2006 behaupte: „In Wahrheit unterstützten
die Deutschen die Judenverfolgung im großen und ganzen“.
Der Frankfurter Philosoph und Zeitungskolumnist
Prof. Werner Becker schrieb am 21. Juni 2004 in der Tageszeitung ‘Frankfurter Neue Presse’:
„Zur Schuld
der Deutschen am Weltkrieg mit dessen Millionen an Opfern kommt die fast noch größere am Holocaust hinzu.
Selbst wenn sich andere heute bereit finden, uns die Dauerkonfrontation mit der ewigen Schuld der Deutschen
zu ersparen, werden uns die Untaten von dem Weltgericht der Völker auch in Jahrhunderten nicht verziehen
werden.“
Die neue Kollektivschuldthese macht es zwingend, daß auch die Kirche und die Katholiken zu
den schuldigen Deutschen gerechnet werden müssen.
Eine Teil-Kollektivschuld wäre nicht sinnvoll.
Aus
diesem ideologischen Ansatz heraus sind einige neue Propagandawerke entstanden, welche die Kirche gezielt
mit Dreck bewerfen und ihre heroischen Taten während des Krieges leugnen. „Hitler’s Pope“ gehört dazu
ebenso wie das Buch „Die katholische Kirche und der Holocaust“ des US-Polemikers Goldhagen.
Dessen vernichtendes
Resümee gegen Papst Pius XII. und die Kirche insgesamt lautet – nachdem er 456 Seiten lang von der slowakischen
Dorfkirche bis zum Inneren des Vatikans jeden historischen Winkel im Lichte seiner Vorurteile ausgeleuchtet
hat – „daß die Kirche viel mehr hätte tun müssen, um den Verfolgten zu helfen“ – so Goldhagen in ‘Die
Welt’ vom 3. Juni.
Niemand ist vollkommen – auch Katholiken nicht – und deshalb bekennt die Kirche allenthalben
und gleich zu Beginn der Heiligen Messe ihre Schuld und Unterlassungen.
Aber die geschichtliche Wahrheit
um die Heldentaten der Kirche während der nationalsozialistischen Unterdrückung ist eine andere.
Goldhagens
Werke sind keine seriösen Wissenschaftsarbeiten, wie Christopher R. Browning eindruckvoll aufgewiesen
hat, sondern – unter Verwendung historischer Versatzstücke – demagogische Pamphlete gegen ‘die Deutschen’
und die Kirche.
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