Schweiz
Ausgedünnter Priestermarkt?
Im Kanton Zürich kommen sich die Pfarreien besonders erleuchtet vor und bezahlen den Klerus auf dem Niveau von EU-Wirtschaftsbossen. Dennoch sind die dortigen Pfarrstellen unbesetzbar.
(kreuz.net, Zürich) 1990 waren im nordostschweizer Kanton Zürich fünf Gemeinden ohne eigenen Pfarrer. Der Kanton gehört kirchlich zum Bistum Chur.

Sieben Jahre später war in Zürich bereits ein Viertel der Gemeinden unbesetzt. Gegenwärtig haben 52 der hundert kantonalzürcher Pfarreien keinen eigenen Priester mehr.

Diese Entwicklung droht rasant weiterzugehen, denn der Zürcher Klerus ist mit einem Durchschnittsalter von über 60 Jahren stark überaltert.

Der Grund für diesen Mißstand ist nicht in erster Linie der Priestermangel.

Aufgrund ideologisch verhärteter Laiengremien, die im Kanton Zürich geradezu diktatorisch regieren, werden viele Priester abgelehnt oder entlassen.

Im Bereich der Stadt Zürich sind gegenwärtig 8 von 23 Pfarreien unbesetzt. Jetzt soll es auch die wichtigste Stadtpfarrei – die Liebfrauenkirche in der Nähe des Hauptbahnhofs – treffen.

Dies berichtete die kirchenfeindliche Zürcher Tageszeitung ‘Tages-Anzeiger’ am Freitag.

Der liberale Priester Reto Müller (55) wurde Mitte Juni nach zwölf Jahren in der Liebfrauenkirche als Pfarrer der großen Pfarrei Schwyz im gleichnamigen Kanton ernannt.

Sein Amt habe ihn nicht erschöpft, aber doch beansprucht. Das sei bei einem 17-Stunden-Tag und einer Sechs-Tage Woche nicht erstaunlich.

Werktags werden in Liebfrauen drei Messen gelesen, am Wochenende fünf. Die Kirche bietet – ein Erbe aus der Zeit als die Pfarrei von Fokolar-Priestern geführt wurde – eine der letzten Beichtgelegenheiten der Stadt an. Hier finden werktags 15, an Samstagen bis zu 40 Seelen die Vergebung ihrer Sünden.

Bereits seit letztem Herbst sucht die Kirchgemeinde der Liebfrauenkirche vergeblich einen neuen Pfarrer. Die Ausschreibung der Stelle durch die Bistumsleitung blieb erfolglos.

Auch die fünfköpfige Pfarrwahlkommission habe „sehr viel unternommen und sehr breit gesucht“ – erklärt ihr Präsident.

Sie inseriere immer noch in der ‘Schweizerischen Kirchenzeitung’. Man wolle der Meinung entgegenzuwirken: „Die in Liebfrauen finden doch locker einen Pfarrer.“

Schon vor zwölf Jahren sei die Pfarrersuche nicht einfach gewesen. Seither habe sich die Situation beträchtlich verschärft: „Hauptgrund ist ganz eindeutig der Priestermangel. Der Markt an Priestern ist ausgedünnt.“

Doch ein angefragter Laie aus der Diözese Chur gibt Kontra: „In Zürich ist nicht der Priestermarkt ausgedünnt, sondern der Glaube. Zürich hat jahrelange junge Priester aus theologisch-ideologischen Gründen vertrieben. Junge, aus Zürich stammende Priester sind sehr häufig nicht in ihrem Heimatkanton tätig.“

Einmal habe sich eine Zürcher Pfarrei sogar geweigert, einen offiziell ernannten und aus Zürich stammenden Vikar anzunehmen: „Der Priester wurde während seiner gesamten Amtszeit nicht bezahlt.“

„Dieser Vikar ist inzwischen in einem anderen Kanton ein ganz normaler Pfarrer. Doch im ideologisch angeheizten Zürich ist »normal« inzwischen abnormal geworden.“

In einem solchen Umfeld sei es kein Wunder, daß die Priester aussterben – so der Laie.

Dennoch sucht die „Pfarrwahlkommission“ von Liebfrauen weiter. Man habe über zwanzig Priester direkt angefragt – und lauter Absagen kassiert.

Welche Priester angefragt wurden und warum sie abgesagt haben, wurde nicht bekannt.

Inzwischen gab es schon den Vorschlag, die Pfarrei einem Laientheologen oder zwei verheirateten Diakonen zu übertragen. Bisher hat der Bischof von Chur, Mons. Amédée Grab, abgelehnt. Diese Entscheidung ist für den Pfarrgemeinderat unverständlich.

Doch andere Beispiele aus dem Kanton Zürich zeigen, daß der Bischof nachgeben wird, wenn die Kirchgemeinde genügend Druck macht.

Für die nahe Zukunft ist eine Interimslösung vorgesehen. Der Vikar der Pfarrei wird die Pfarradministration übernehmen.

Aber auch er will nicht Pfarrer werden.
      
33 Lesermeinungen
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
Kommentar schreiben
#33   Benedikt   11:01:59 | Mittwoch, 28. Juni 2006
@ Alex Bermann
Alle katholischen Priester haben Theologie studiert und wurden von der katholichen Kirche angelehrt. Deswegen glaue ich kaum, dass die Lehren so schnell verfallen werden,
Wenn Sie wüssten, was sich heute alles katholischer Theologe nennt…
Ob die Lehren schnell verfallen oder nicht ist eigentlich egal, sie dürfen GAR NICHT verfallen. Ich glaube allerdings, dass die ziemlich schnell geht. Ein Pfarrer hat heute schon eine Menge Arbeit zu bewältigen, so dass vielen die Kraft und die Motivation für eine endlose Auseinandersetzung mit der Gemeinde fehlen wird.
Das Problem einer möglichen Kirchenspaltung ist existent, doch m.E. unwahrschenlich.
Diese Spaltung wird natürlich nciht öffentlich sichtbar werden. Es wird von außen alles aussehen wie immer. Aber die Botschaft ist nicht mehr diesselbe.
Gefährlicher ist der momentane Zustand, wo sich viele wegen Kleinigkeiten von der Kirche lossagen.
Ja, auch hier sind die Oberen gefordert. Es liegt ein Widersinn darin, sein Seelenheil oder seinen Glauben an Gott aufzugeben, weil ein zwischenmenschliches Verhältnis mit dem Herrn X oder dem Pfarrer Y gestört ist. Wer wegen solchen Dingen austritt, der hat mE ein Kirchenbild, dass dem eines Vereins nahekommt.
Redaktion benachrichtigen
#32   Alex Bermann   15:41:48 | Dienstag, 27. Juni 2006
@ Benedikt
Alle katholischen Priester haben Theologie studiert und wurden von der katholichen Kirche angelehrt. Deswegen glaue ich kaum, dass die Lehren so schnell verfallen werden, insbesondere, da in unserer heutigen Zeit jeder hören kann, wie der Papst bestimte Probleme betrachtet, also auch indirekt von „oben“ Instruktionen für sein Seelenhail bekommt, die von dem örtlichen Pfarrer evl. fehlen. Das Problem einer möglichen Kirchenspaltung ist existent, doch m.E. unwahrschenlich. Gefährlicher ist der momentane Zustand, wo sich viele wegen Kleinigkeiten von der Kirche lossagen.
Redaktion benachrichtigen
#31   Aloah   15:09:56 | Dienstag, 27. Juni 2006
Möpmöp ?????
>>… bin schon gespannt, wann meine Kollegin Möpmöp gesperrt wird – wäre sehr schade, schließlich ist sie grade so nett, meinen Beitrag zu tippen. Was haben Sie denn angestellt, dass Ihre Beiträgezahl reduziert wurde?
Jedenfalls stimme ich Ihren Ausführungen zum Thema „Kirche“ und „Beteiligung“ zu … bin schon gespannt, wann meine Kollegin Möpmöp gesperrt wird – wäre sehr schade, schließlich ist sie grade so nett, meinen Beitrag zu tippen. Was haben Sie denn angestellt, dass Ihre Beiträgezahl reduziert wurde?
Jedenfalls stimme ich Ihren Ausführungen zum Thema „Kirche“ und „Beteiligung“ zu<<
Hmh,
haste dich vertippt oder wer biste jetzt:
… bin schon gespannt, wann meine Kollegin Möpmöpgesperrt wird – wäre sehr schade, schließlich ist sie grade so nett, meinen Beitrag zu tippen.
Redaktion benachrichtigen
#30   Benedikt   15:05:11 | Dienstag, 27. Juni 2006
@ Möp Möp
Gerade Ihr Lehrerbeispiel ist doch sehr aufschlussreich. Können Sie sich Ihren Lehrer aussuchen? Nein. Selbstverständlich wäre das manchmal praktisch, wenn man jemanden erwischt hat, der unfähig ist. Aber mal im Ernst: Seine Wahl wird ein Schüler (denken Sie an Ihre Schulzeit!) doch nicht bloß nach der Qualität des Lehrers ausrichten, sondern an vielen ganz persönlichen Kriterien, ob er streng ist, ob er viel verlangt etc… So wird der Regelfall werden, und sie werden natürlich entsprechende Lehrer heranzüchten. Die Schulzeit wird paradiesisch, aber im wahren Leben hinterher kommt die Quittung.
Genauso eine Gemeinde: Klar wäre es praktisch, einen ungeeigneten Pfarrer sofort absägen zu können. Zu glauben, die Gemeinde würde nur in diesem – nicht normierbaren – Punkt von diesem Recht Gebrauch machen ist reichlich gutgläubig. Die Realität wird da ganz anders aussehen. Der Pfarrer haut mal auf den Tisch, wiel etwas wirklich schief gelaufen ist – schon wird er entlassen. Die Auswirkungen eines solchen Systems lassen sich in der Schweiz sehr gut betrachten. Sie züchten sich selbst stromlinienförmige Priester, denken Sie nur an die wahlabhängigen Politiker, bei denen ist das doch nichts anderes.
Von daher: In der Theorie sicher ganz gut anzuhören, aber in der Praxis mit weitaus mehr Nachteilen behaftet.
Redaktion benachrichtigen
#29   Möpmöp   14:46:24 | Dienstag, 27. Juni 2006
Lieber Benedikt
Also ich habe die Stoßrichtung unserer Diskussion ein wenig anders aufgefasst: Es geht für mich nicht darum, Priester, die nicht bereit sind, der Gemeinde „nach dem Mund zu reden“, entlassen zu können, sondern wir haben uns eher die Frage gestellt, ob es nicht möglich wäre, dass die Gemeinde bei der Personalauswahl mehr Mitbestimmungsrechte bekommen könnte. Es ging mE nicht darum, dass jede Gemeinde eine eigene Auslegung der christlichen Glaubenslehre begründen soll, sondern einfach darum, sich Priester zu suchen, die in Sachen Engagement und Menschenfreundlichkeit auf einer Linie mit der Gemeinde liegen. Als Beispiel die Schule: Es gibt Lehrer, die können den Stoff den Schülern so beibringen, dass sie ihn nachher auch verstehen und es gibt Lehrer, die vorne stehen und ihren Vortrag halten, aber eben nicht in der Lage sind, einen Kontakt zu ihren Schülern aufzubauen. Eine solche Situation könnte durch eine Einbeziehung der Gemeinde doch vermieden werden, oder?
Redaktion benachrichtigen
#28   Benedikt   14:39:00 | Dienstag, 27. Juni 2006
@ Alex Bermann
Das kommt darauf an, von welcher Seite aus man die Religion betrachtet. Wenn man es von Seiten der Gläubigen betrachtet, wäre eine demokratische Kirche denkbar.
Ein demokratisches Element wird vermutlich von einigen Gläubigen und Geistlichen befürwortet, genauso wie es auch abgelehnt wird. Oben oder unten sind da mE keine Kategorie. Das sind mE sowieso schon sehr verwaschene Grenzen.
Wenn man es aber von „oben“ betrachtet, würde die Kirche dadurch zerfallen.
Das ist mE keine Standortfrage. Wenn jede Ortgemeinde per Abstimmung erklären könnte, welchem Teil der Lehre sie nicht folgen will, dann IST die Kirche zerfallen.
Das hätte aber den Vorteil, dass die Kirche in Deutschland stärker würde, da sich mehr Menschen vertreten fühlen.
Möglicherweise. Nur ist die Kirche kein Ethikverband, der soich eine hübsche Charta von Werten und Verhaltensweisen zugelegt hat, sondern eben eine Glaubensgemeinschaft. Sich von diesem Glauben zu entfernen, und sei es per Abstimmung, macht die ganze Chose obsolet. Denn wenn A = Wahrheit, dann ändert sich dies auch durch Abstimmung nicht, man beshcließt nur ledigllich, der Wahrheit nicht mehr zu folgen, weswegen alle folgenden Lehren völlig leer, da ohne Autorität, wären.
Für mich sind es die Miglieder.
Ja eben. Und für deren Heil muss von den Geistlichen gesorgt werden. Es nutzt nichts, sich eine andere Charta zu geben, wenn man dann nicht mehr seiner Religion folgt.
Redaktion benachrichtigen
#27   Möpmöp   14:38:02 | Dienstag, 27. Juni 2006
Lieber Alex
Tja, ich bin mir auch nicht sicher, woran’s liegt, dass meine (iustitias) Beiträge reduziert wurden – an der gebotenen Sachlichkeit habe ich es jedenfalls nicht fehlen lassen (hoffe ich). Eine Bitte um Aufklärung ans Redaktionsteam ist jedenfalls derzeit noch unbeantwortet geblieben.
Redaktion benachrichtigen
#26   Alex Bermann   14:30:53 | Dienstag, 27. Juni 2006
@ Iustitia& Möbmöb
Was haben Sie denn angestellt, dass Ihre Beiträgezahl reduziert wurde? Wurde sie das? Das könnte an meiner Aktion im Forum liegen, die „unerwünschten Meinungen“ Tor und Pforte öffnete^^ Vielleicht auch daran, dass ich bezüglich „Sodomie“ eine sehr liberale Linie vertrete.
Redaktion benachrichtigen
#25   Möpmöp   14:26:08 | Dienstag, 27. Juni 2006
Lieber Alex
… bin schon gespannt, wann meine Kollegin Möpmöp gesperrt wird – wäre sehr schade, schließlich ist sie grade so nett, meinen Beitrag zu tippen. Was haben Sie denn angestellt, dass Ihre Beiträgezahl reduziert wurde? ;-)
Jedenfalls stimme ich Ihren Ausführungen zum Thema „Kirche“ und „Beteiligung“ zu :-)
Redaktion benachrichtigen
#24   Alex Bermann   14:18:42 | Dienstag, 27. Juni 2006
@Benedikt
Das kommt darauf an, von welcher Seite aus man die Religion betrachtet. Wenn man es von Seiten der Gläubigen betrachtet, wäre eine demokratische Kirche denkbar. Wenn man es aber von „oben“ betrachtet, würde die Kirche dadurch zerfallen. Das hätte aber den Vorteil, dass die Kirche in Deutschland stärker würde, da sich mehr Menschen vertreten fühlen. Der Einfluss der kirchlichen Spitzen würde sich dadurch aber auf das Meinungsäusserungsrecht und die Macht über die Ausbildung von Priestern beschränken.
Doch was ist wichtiger? Die Organisation oder die Mitglieder?
Für mich sind es die Miglieder.
@Möbmöb: Es sieht so aus, als wären wir auf dem gleichen Nenner angelangt^^
Redaktion benachrichtigen
#23   Benedikt   14:09:46 | Dienstag, 27. Juni 2006
@ iustitia
Wenn Sie mir auch eine Einmischung erlauben:
wie sie damit umgehen, wenn ein Priester mal einen etwas unbequemen Standpunkt vertritt (in einer aufgeklärten, demokratisch orientierten Gesellschaft sollte es doch möglich sein, sich auf einen Konsens zu einigen, oder?).
Das Prinzip des demokratisch erzielten Konsens ist in einer Religion nicht immer durchzuhalten. In Glaubensdingen gibt es eine kirchliche Lehre, von der ein Pfarrgemeinderat nicht per Mehrheitsvotum abweichen kann. Die PGR muss sich vielmehr fragen, in wie es gerecht ist, einem Priester Vorhaltungen zu machen, nur weil der die Lehre vertritt.
Leichter wird man sich einigen können, wenn man die Vermittlung der Botschaft kritisiert. Auch dem Pfarrer wird sicher daran gelegen sein, dass die Botschaft richtig herüberkommt.
Redaktion benachrichtigen
#22   Möpmöp   13:57:24 | Dienstag, 27. Juni 2006
Lieber Alex
Iustitia musste zu ihrem Bedauern feststellen, dass man ihre Beiträge auf 7 pro 24 Stunden gekürzt hat (wobei für sie aber nicht wirklich nachvollziehbar ist, warum); da sie zur Zeit neben mir sitzt, erlaube ich mir, mich in die Diskussion einzumischen :-)
Mal abgesehen davon, dass iustitia die Demokratie nur als theoretisches Konstrukt für ideal hält (in der Realität ist es leider tatsächlich meist so, dass nur jene, die am lautesten schreien, Gehör finden), hält sie es doch mit Churchill, der mal gesagt haben soll, dass ein Konsens jene Lösung ist, mit der alle gleich unzufrieden sind :-P
Iustitia stimmt Ihnen auch insofern zu, als es relativ unwahrscheinlich ist, dass ein größerer Einfluss des Pfarrgemeinderats in diesem Jahrhundert eingeräumt würde (die Amtskirche denkt ja nicht in Jahren, sondern in Jahrhunderten :-P )
Redaktion benachrichtigen
#21   Alex Bermann   13:43:06 | Dienstag, 27. Juni 2006
Liebe Iustitia
Zuerst möchte ich, wenn ich darf , Ihnen ein großes Lob aussprechen für Ihren Diskussionsstil – Sie sind einer der wenigen in diesem Forum, mit denen eine sachliche und sehr interessante Diskussion möglich ist (habe in einem anderen Forum soeben ein Extrembeispiel der anderen Seite erlebt). Danke sehr. Dieses Argument kann ich nur erwidern.
in einer aufgeklärten, demokratisch orientierten Gesellschaft sollte es doch möglich sein, sich auf einen Konsens zu einigen, oder? Da stellt ich ein Problem auf. Die Demokratie mag die bestmöglichste Gesellschaftsform sein, doch auch hier haben die am meisten Macht, die am Lautesten schreien.
Vielleicht liegt die Lösung tatsächlich in der Miteinbeziehung eines Pfarrgemeinderates (wenn es einen solche nicht gibt, dann müsste ein solcher gegründet werden), der aus gewählten Mitgliedern der Gemeinde besteht Das klingt sehr gut. Ich fürchte nur, dass die römisch-katholisch Kirche sich dagegen wehren würde, Zuständigkeiten zu verlieren.
Redaktion benachrichtigen
#20   iustitia   13:35:30 | Dienstag, 27. Juni 2006
Lieber Alex
Zuerst möchte ich, wenn ich darf :-) , Ihnen ein großes Lob aussprechen für Ihren Diskussionsstil – Sie sind einer der wenigen in diesem Forum, mit denen eine sachliche und sehr interessante Diskussion möglich ist (habe in einem anderen Forum soeben ein Extrembeispiel der anderen Seite erlebt). :-)
Das ist richtig, in Menschengrupperierungen gibt’s immer verschiedene Ansichten, Stärker, Schwächere, usw. Ich denke mir nur, dass es in katholischen Gemeinden doch auch einen Pfarrgemeinderat gibt – dessen Mitglieder sollten doch in der Lage sein, sich zu überlegen, welche Anforderungen Sie an einen Priester stellen und wie sie damit umgehen, wenn ein Priester mal einen etwas unbequemen Standpunkt vertritt (in einer aufgeklärten, demokratisch orientierten Gesellschaft sollte es doch möglich sein, sich auf einen Konsens zu einigen, oder?).
Vielleicht liegt die Lösung tatsächlich in der Miteinbeziehung eines Pfarrgemeinderates (wenn es einen solche nicht gibt, dann müsste ein solcher gegründet werden), der aus gewählten Mitgliedern der Gemeinde besteht – damit ist es möglich, möglichst viele Standpunkte in ein Organ zu bringen (durch das Vertretungsprinzip), aber eine Konsensfindung wäre auch möglich. Was denken Sie?
Redaktion benachrichtigen
#19   Alex Bermann   13:08:41 | Dienstag, 27. Juni 2006
Liebe iustitia
Da sollte sich die Gemeinde wohl mal überlegen, warum ausgerechnet bei ihr keiner das Priesteramt versehen will Durchaus. Natürlich ist die Gemeinde nicht unschuldig. Ich fürcht nur, dass die „Stillen“ darunter leiden, dass die, denen nichts recht ist, alle Priester vertreiben. Eine Menschengruppe ist nie homogen. Auch in einer Schulklasse, die voll mit Chaoten ist, sollte es einen guten Lehrer geben, um die wenigen, die etws erreichen wollen, zu unterstützen. So ähnlich sollte man dieses Problem auch betrachten.
dass ein bisschen mehr Einfluss der Gemeinde auf die konkrete Priesterbestellung keineswegs schlecht wäre
Sehe ich auch so.
wenn die Gemeinde den ihr zugewiesenen Priester nicht mag (aus welchen Gründen immer), haben beide Seiten ein schweres Leben. Was denken Sie? Ich sehe es genau so. Doch es muss ja eine Alternative zwischen dem Extrem des ungewollten Priesters und dem extrem des nicht vorhandenen Priesters geben.
Redaktion benachrichtigen
#18   iustitia   10:35:13 | Dienstag, 27. Juni 2006
Lieber Alex
Tja, da sollte sich die Gemeinde wohl mal überlegen, warum ausgerechnet bei ihr keiner das Priesteramt versehen will o.O Ist ja schließlich auch in der Privatwirtschaft so, dass sich der Arbeitgeber Strategien überlegen muss, wie er an die besten Leute kommt und warum die besten Leute ausgerechnet ihn meiden – denke, die genannte Schweizer Gemeinde täte gut daran, auch mal darüber nachzudenken. Abgesehen davon stehe ich immer noch auf dem Standpunkt, dass ein bisschen mehr Einfluss der Gemeinde auf die konkrete Priesterbestellung keineswegs schlecht wäre – wenn die Gemeinde den ihr zugewiesenen Priester nicht mag (aus welchen Gründen immer), haben beide Seiten ein schweres Leben. Was denken Sie? :-)
Redaktion benachrichtigen
#17   Alex Bermann   04:18:29 | Dienstag, 27. Juni 2006
Liebe Iustitia
Das Problem hierbei ist leider, dass es plötzlich keinen Priester mehr in der näheren Umgebung gibt, da die Gemeinde einige der Alten gekündigt hat. Wenn dann jemand stirbt und der Leichnam wartet ewig auf die letzte Salbung, wenn viele die Seelensorge nicht rechtzeitig bekommen, nach der sie sich sehnen, dann haben wir wohl einen Fehler gemacht. Wir bewegen uns auf so einen Zustand zu und die Priester müssen immer mehr Überstunden schieben, damit die Gemeinde ihr geistiges Bedürfniss befriedigt bekommt. Irgendwie muss man da doch gegensteuern.
Redaktion benachrichtigen
#16   jotam   12:15:12 | Montag, 26. Juni 2006
Aber wir sind doch…
…in einem christlichen Europa! Da darf man das! Mal im Ernst: Das Auslassen der anderen Religionsgemeinschaften geschah sicher nicht aus Versehen und hatte schlichtweg den Hintergrund, das alte Bild vom „christlichen Europa“ (wenns schon nicht in einer dementsprechenden Verfassung steht) in die Köpfe der Leute zu brennen. Christliche Tradition schön und gut, aber wir können uns hier nicht versperren und Schutzwälle errichten, damit nichts herein, sehr wohl aber hinauskommt.
Redaktion benachrichtigen
#15   aphrodite †   11:22:59 | Montag, 26. Juni 2006
@ Asphyx:
Sie formulieren es zwar sehr kurz und bündig, haben aber doch Recht: Die Leitungsebenen der christlichen Kirchen versuchen in D immer ungenierter, direkten Einfluss auf politische Entscheidungen zu nehmen. Es sei z.B. an das Schulzukunftsbündnis der Frau Übermutter-Ministerin von der Leyen mit der röm.-kath. und den protestantischen Kirchen erinnert, wo Judentum, Islam, Buddhismus usw.usf. einfach außen vor gelassen wurden. Das hielt und halte ich nach wie vor für äußerst bedenklich. :'(
Redaktion benachrichtigen
#14   Asphyx †   11:20:38 | Montag, 26. Juni 2006
@ Aragorn
Bitte zitiere mich, wo ich etwas gegen Homos sage?
Ich bin nicht für sie, aber auch nicht gegen sie. Zudem greife ich Dritte nicht unbegründet an.
Lesen bildet, aber man sollte zum verstehen in der Lage sein, was man liest.
:-D
Redaktion benachrichtigen
#13   Aragorn   06:27:23 | Montag, 26. Juni 2006
Hallo Asphxy
Hallo Asphyx! Hast man dir was in den Kaffee getan oder woher hast du diesen Schwachsinn, den du hier und über die homos verzapfst? :-[
Redaktion benachrichtigen
#12   Asphyx †   21:45:00 | Sonntag, 25. Juni 2006
@Aragorn
Zum Glück! reißen solche Zustände inzwischen auch in Deutschland ein. Es kann doch nicht sein, daß wir einen deutschen Gottesstaat á la Aiatolla Khomeini kriegen oder?
Naja, die Kirche arbeitet ja schon daran, zusammen mit Fr. Merkel. Mal sehen, ab wann die ersten Armen freiwillig in die unterbesetzten deutschen Kirchen strömen.
Das hat mit Glauben schon nichts mehr zu tun, daß ist Terror. – Inquisition nannte man das doch vor 500 Jahren, oder?
Redaktion benachrichtigen
#11   Aragorn   20:55:00 | Sonntag, 25. Juni 2006
nein, nein so geht das nicht
es gibt sicherlich negativbeispiele von priestern, die ihren aufgaben nicht nachkommen. aber wer will das immer wissen und beurteilen. was aber, wenn einer priester der gemeinde zu katholisch, zu fromm ist? was ist, wenn er der gemeinde katholische wahrheiten predigt, die diese nicht hören wollen? was ist, wenn er nicht bei dem heute üblichen ökumene firlefanz mitmacht und die protestanten zur eucharistie zulassen will? was ist, wenn ein priester nicht in zivil herumlaufen will sondern in priesterkleidung oder gar in soutane? :-O was ist, wenn ein priester die heilige messe nach den geltenden vorschriften feiern will und es ablehnt, die liturgischen selfmadeprodukte der örtlichen liturgiegruppe zulassen will? es gäbe noch viele andere beispiele, wo ein guter katholischer priester mit seiner gemeinde oder den führenden laien dort in arge konflikte geraten könnte. In der Haut dieses armen katholischen priesters möchte ich nicht stecken. der wird dann kurzerhand gefeuert und die gemeinde sucht sich einen, der ihnen das verkündet und vormacht, was sie gern hätten. nein, nein, so geht das nicht. aber ähnliche zustände reißen mittlerweile auch schon in deutschland ein. o.O
Redaktion benachrichtigen
#10   Bernardin †   20:26:47 | Sonntag, 25. Juni 2006
Benedikt
Nein, nicht merkwürdig! Zur Pfarrei gehören auch Priester, die im Raum der Pfarrei arbeiten, z.b. im Kantonsspital. Zur Pfarrei gehört auch die Niederlassung der Jesuiten mit dem em. WB Peter Henrici! Keine Angst Benedikt, verschiedene Priester zelebrieren – also kein Regelverstoss!
Redaktion benachrichtigen
#9   iustitia   19:04:13 | Sonntag, 25. Juni 2006
Lieber Alex
Ich denke, ein ähnlicher Kündigungsschutz wie er in Deutschland und Österreich heute schon vorhanden ist, wäre auch für Priester vollkommen ausreichend – ein Priester wäre dann nach österreichischem Recht wohl als Angestellter im Sinn des § 1 AngG zu qualifizieren, da er „höhere, nicht kaufmännische Dienste“ verrichtet. Als Angestellter hätte er eine Kündigungsfrist zwischen 6 Wochen und fünf Monaten (je nach Dienstjahren), er hätte also durchaus ausreichend Zeit, sich eine neue Arbeitsstelle zu suchen bzw. an eine neue Stelle vermittelt zu werden. Und Entlassungen wären ohnehin nur in Entsprechung des § 27 AngG-Katalogs möglich. :-)
Redaktion benachrichtigen
#8   Alex Bermann   18:55:51 | Sonntag, 25. Juni 2006
Kündigung von Priestern in der Schweiz etwas erschweren, nicht abschaffen
Ich finde schon, dass den Priestern ein gewisser „Kündigungsschutz“ eingeräumt werden sollte, insbesondere, da die Priester heutzutage sehr viel leisten müssen, weil es so wenige gibt (auch in Deutschland). Dennoch würde es auch wenn ich etwas zu sagen hätte, möglich sein, dass der Priester durch die Gemeine gekündigt werden kann. Schließlich ist der Priester- pragmatisch betrachtet- ein Dienstleister. Er erfüllt das spirituelle Bedürfniss der Gemeinde. Wenn dieses Bedürfniss jedoch unbefriedigt bleibt- was macht der Priester dann? Kinder, die in den Gottesdienst müssen, langweilen? Das kann wohl auch nicht der Sinn sein.
Wenn man das jetzt weniger profan betrachtet, kommen diese Priester ihrer Pflicht doppelt nicht nach. Schließlich schaden sie indirekt der Verbreitung des Christentums, wenn sie den Leuten die geistige Hilfe verwehren oder unglaubwürdig werden.
Redaktion benachrichtigen
#7   iustitia   16:44:37 | Sonntag, 25. Juni 2006
Lieber Aragorn
Finde die Einstellung der Schweizer durchaus nachahmenswert: Die Schweizer Gemeinde als Arbeitgeber des Priesters kommt für dessen Unterhalt auf, hat damit auch das Recht, ihm zu kündigen, wenn er seinen vertraglichen Verpflichtungen nicht nachkommt – ähnlich wie in der Privatwirtschaft sonst auch üblich. Würde ich mir für meine Gemeinde auch wünschen, denn leider gibt’s eben nicht nur Pfarrer, die ihre Aufgabe ernst nehmen, sondern auch genug, denen ihre „Berufung“ im Laufe der Zeit irgendwie abhanden gekommen ist. Mir wäre es lieber, solche Priester könnten auf Wunsch der Gemeinde versetzt/pensioniert/… werden, anstatt dass diese ihre „Schäfchen“ im Stich lassen.
Redaktion benachrichtigen
#6   Aragorn   14:11:50 | Sonntag, 25. Juni 2006
kein priester in der schweiz
in der schweiz möchte ich auch kein katholischer priester sein. dann lieber protestantischer pfarrer in deutschland. dort nämlich, also in der schweiz, ist der priester ganz und gar von der gnade und barmherzigkeit des gemeinderates abhängig, der ihn bezahlt und ihm sogar die anzahl seiner wöchentlichen messen vorschreiben kann. ist der priester dem laiengremium nicht botmäßig, wird er kurzerhand gefeuert. jede putzfrau hat mehr rechte. und die schweizer bischöfe wagen es nicht mehr, den mund aufzumachen.
Redaktion benachrichtigen
#5   Benedikt   13:02:16 | Sonntag, 25. Juni 2006
Merkwürdig
Also wenn in dieser Pfarrei werktags drei Messen gelesen werden, dann muss es dort eigentlich auch drei Priester geben. Mehr als eine Messe pro Tag ist einem Priester nicht gestattet, wenn ich das richtig im Hinterkopf habe.
Redaktion benachrichtigen
#4   sacerdos helveticus   23:57:40 | Samstag, 24. Juni 2006
Zürich und WBPV
Sehr zutreffend!
Enenfalls sehr einflussreich (Vakuum, das durch Art der Amtsführung von WBPV entsteht) ist seine „rechte Hand“ DMH.
Redaktion benachrichtigen
#3   Bernardin †   22:34:24 | Samstag, 24. Juni 2006
Zürich
Das Zürcher Problem heisst WBPV
Redaktion benachrichtigen
#2   Asphyx †   22:11:22 | Samstag, 24. Juni 2006
Und sie sprachen doch …
… von nichts anderem, daß der RKK allmählich die Priester ausgehen.
Ich finde das schlecht, weil nicht alle Priester nur gotteslästerliche, götzenbilderanbetende, heuchlerische, verlogene Karmeliter sind.
Es gibt auch anständige und gute Priester, die den Glauben noch Ernst nehmen – und auch danach leben.
Redaktion benachrichtigen
#1   Bernardin †   21:20:04 | Samstag, 24. Juni 2006
Interessant
Ja sehr interessant, dass zu dieser Meldung kein Kommentar geschrieben wird. In der Meldung steht halt nichts von Liturgie und Homosexualität…Da wissen halt die 3xKlugen nichts zu schreiben, ausser dass sie sich vielleicht am Gehalt festbeissen und auch da die Verhältnisse in der Schweiz nicht kennen bzw. missachten!
Redaktion benachrichtigen
Weiterlesen:
SchweizDas Kloster Einsiedeln vor einer grundlegenden Neuausrichtung? SchweizAls die erste Frau im Chorraum der Kathedrale tanzte SchweizEine kleine Partei mit einem großen Programm SchweizVom Sargmacher bis zum Kerzenzieher SchweizEmpörende Priesterlöhne in der Schweiz SchweizInfernales zum Heiligen Abend SchweizDer arbeitsfreie Sonntag ist gefallen SchweizGeht es dem Sonntag an den Kragen? SchweizDie Staatskirche warnt den Bischof SchweizSchuld sind immer die anderen SchweizWie man aus einem Notfall einen Normalfall macht SchweizDie Schweiz schafft es vor der Volksrepublik China SchweizDer Schweizer Tages-Anzeiger wünscht sich einen zweiten „Fall Haas“ SchweizDie „Kirche Schweiz“ darf nicht kritisiert werden SchweizSchweiz: Die Katholiken leiden an ungebremster Schwindsucht
RSS Feed  •  News Ticker  •  Kontakt  •  Impressum
© CC-BY-NC-SA 2012 kreuz.net